Drei Dinge braucht ein Horror-Spiel: Erstens einen rauschenden Fernseher, zweitens eine Taschenlampe und drittens den immergleichen „What the hell is going on“-Spruch in allen Variationen und Übersetzungen. Denn die Protagonisten müssen immer wieder ihre Fassungslosigkeit artikulieren, immer wieder erstaunt feststellen wie merkwürdig, gruselig und total strange das alles sei, statt die Beine in die Hand zu nehmen und zu rennen. Es ist einer der ersten Sätze, die man in „Siren: Blood Curse“ hört. Willkommen im Survival-Horror.

Nur damit wir die Liste auch korrekt abhaken: Es gibt auch einen Fernseher mit einem verrauschten Fernsehbild und natürlich gibt es auch eine Taschenlampe. „Siren: Blood Curse“ hält sich jedoch nicht sklavisch an die formelhaften Vorgaben anderer Spielereihen wie „Resident Evil“ oder „Silent Hill“, sondern versucht einen eigenen Zugang zum Genre zu finden. Der hat durchaus seinen Reiz, aber auch seine Tücken.

SIREN: Blood Curse - Trailer: E3 2008

Neuauflage einer vergessenen Perle

Dabei handelt es sich bei „Siren: Blood Curse“ um ein Remake: Das zuvor für die PS2 erschiene „Forbidden Siren“ dient als grobe Vorlage. Leider wurde das Spiel trotzt seiner unglaublich dichten Atmosphäre und seiner guten Ideen kaum beachtet und ging in der Veröffentlichungsflut der PS2-Hochzeit komplett unter. „Forbidden Siren“ war also durchaus würdig, als neue Version eine zweite Chance zu erhalten. Die Neuauflage wurde jedoch zunächst in mehreren Episoden über den PSN Store veröffentlicht und liegt nun als komplettes Paket auf einer Disc vor.

SIREN: Blood Curse - Blair Witch trifft Silent Hill: Frustiger Spaß mit dem Blutfluch

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Es ist verdammt schwierig, in dieser Gegend eine ansprechende Immobilie zu finden.
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Die Story hält sich eng an das Original: In dem auf einer japanischen Insel gelegenen Dörfchen Hanuda geschehen mysteriöse Dinge und eine amerikanische Film-Crew macht sich auf, eine Dokumentation darüber zu drehen. In einem Waldstück beobachten die Journalisten einen rituellen Mord, und schon kurz darauf erscheinen überall Untote und mordlüsterne Gesellen. Die es jetzt natürlich auf die stillen Beobachter abgesehen haben.

„Siren: Blood Curse“ versteht sich nicht als Gelegenheit, möglichst viele Zombies zu zersägen. Im Gegenteil hat man gegen die lebenden Leichen kaum eine Chance und kann sich nur kaum oder nur unzureichend wehren. Ein Überleben ist nur möglich, wenn man sich ständig einen Schlumpfwinkel sucht, um den blutlüsternen Kreaturen aus dem Weg zu gehen.

Packshot zu SIREN: Blood CurseSIREN: Blood CurseErschienen für PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Neue Sichtweisen

Eine große Hilfe ist dabei das „Sight-Jacking“: Mittels dieser Gabe können die verschiedenen spielbaren Charaktere die Gegend scannen und eventuelle Gefahren ausmachen. Sie können sich in die hohlen Zombieköpfe versetzen und sehen die Welt aus deren Perspektive. Man sieht und hört also alles, was auch der Untote sieht, über Splitscreen. Das ist manchmal etwas verwirrend, wenn man auf der linken Seite das potentielle Opfer steuert und auf der rechten den Verfolger sieht.

SIREN: Blood Curse - Blair Witch trifft Silent Hill: Frustiger Spaß mit dem Blutfluch

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Selbst mit einem Kartoffelschälmesser sind die Untoten ernstzunehmende Gegner.
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Praktisch ist es dennoch, denn will man an einem der stumpfen Genossen vorbei, ist es wichtig zu sehen, wo dieser gerade hinblickt oder womit er gerade sein untotes (Un)leben zubringt. Manches Mal ist es auch wichtig, einen der vor sich hinbrütenden Zombies aufzuschrecken und in eine Ecke zu locken – über das Sight-Jacking sieht man, wann die Luft rein ist.

„Siren: Blood Curse“ funktioniert wunderbar als Schocker zu später Stunde: Die Taschenlampe gibt nur spärlich Licht, und oft muss diese ausgeschaltet werden, um nicht etwaige Gegner auf sich zu lenken. So kriecht und krabbelt man durch die Dunkelheit, und ein extrem beklemmendes Gefühl stellt sich ein. Der Rauschfiltereffekt tut sein Übriges, um die ohnehin schon angespannten Nerven noch zu belasten.

Orientierungslos durch die Dunkelheit

Leider ist das Spiel stellenweise auch extrem schwierig. Nicht immer kann man dem Missionsziel folgen, oft genug endet die Flucht vor einem anschlurfenden Zombie an einer Wand, in einer Ecke und damit in den Armen eines Angreifers. Es muss ein ganz bestimmter Punkt zum Verstecken gefunden werden – nur ist das in der Dunkelheit nicht gerade leicht. Nach ein paar Wiederholungen stellt sich leider keine Besserung ein, die Mission wird zur Geduldsprobe.

SIREN: Blood Curse - Blair Witch trifft Silent Hill: Frustiger Spaß mit dem Blutfluch

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Ebenfalls unerlässlich für jedes Horrorspiel: die Zombie-Krankenschwester.
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Das liegt leider auch an der eher unzureichenden Kamera, die man aber noch verschmerzen kann. Vielmehr ist die Steuerung ein echter Krampf und Kampf: Vor allem bei Gegnerkontakt sind Bissspuren in der Controlleroberfläche an der Tagesordnung – hier gewinnt der Frust die Oberhand über den Horror.

Ein echter Schocker mit einigen brillanten Ideen, leider auch einem hohen Frustfaktor und einer unzureichenden Steuerung. Zwar kein zweites Silent Hill, aber gut für ein paar schlaflose Nächte.Fazit lesen

Leider ist es genau das, was „Siren: Blood Curse“ den Zugang in die obere Riege der Horror-Games verwehrt. Zu oft muss man eine Mission wiederholen, weil man schlicht die Orientierung verliert oder einfach nicht die richtige Stelle findet – man beginnt erneut und kommt immer noch nicht weiter. Dadurch löst sich die vorher so schön dichte Atmosphäre auf und verbaut „Siren“ die Chancen auf einen Spitzenplatz neben Silent Hill.