Ach, der Zahn der Zeit, er nagt an allem. An meinen immer dünner werdenden Haaren, meinem Idealgewicht und leider auch an meinem fahrbaren Untersatz, dessen Rost/Metall-Verhältnis sich in beunruhigendem Maße in Richtung brauner Opel-Geisel verschoben hat. Wenn es doch nur eine Möglichkeit gäbe, das alles rückgängig zu machen, den Rost wieder in Metall zu verwandeln und aus der hohen Stirn wieder Haare spießen zu lassen … Singularity soll’s möglich machen – zumindest virtuell.

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Immer diese Wissenschaftler …

So steht der Spieler vor einer vollkommen zerstörten Treppe und fragt sich, wie es weitergehen soll. Das Hilfsmittel in Singularity nennt sich TDM (Time Manipulation Device): Mittels dieses fantastischen Geräts lassen sich Gegenstände in ihrem Zustand manipulieren. Man kann sie durch die Zeit schicken und in einen früheren oder späteren Zustand verwandeln. Verjüngen oder altern lassen der Umgebung – kein Problem.

Singularity - Die Quake-4-Macher manipulieren die Zeit

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Die BpjM reibt sich schon freudig die Hände.
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Richtet man also nun das wundersame Gerät auf die nicht mehr begehbare Treppe, fliegen plötzlich Splitter und Teile herbei, welche die Treppe wieder in ihren Urzustand versetzen. Das klingt nach einer Menge Spaß und funktioniert natürlich auch mit anderen Gegenständen. Da es sich bei Singularity um einen Ego-Shooter handelt, setzt man fürderhin das Gerät vornehmlich dazu ein, um Gegner möglichst kreativ ins Jenseits zu befördern.

Doch zuvor gibt es natürlich noch ein bisschen Story – der Kit, der die einzelnen Level zusammenhält. Hier scheint Singularity nicht gerade mit Innovation gesegnet: Ein abgestürzter Pilot findet sich auf einer merkwürdigen Insel wieder. Hier scheinen neben der Jetzt-Zeit gleichzeitig auch noch die 50er Jahre zu herrschen. Tatsächlich ist mal wieder ein wissenschaftliches Experiment schief gegangen und so wechseln ständig die Zeitebenen und es entstehen Zeit-Anomalien.

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Da ist was im Anmarsch.
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Moment: Flugzeugabsturz, 50er Jahre Ästhetik? War da nicht was? Tatsächlich borgt sich Singularity so einiges von einem bekannten Unterwasserabenteuer, nur eben ohne Big Daddies und kleinen Schwestern. Die verwaschene Optik könnte auch aus Rapture stammen, genauso wie die leichten Steampunk-Anklänge. Auch der gekrümmte Arm, um den das TDM geschnallt ist, sieht eher Plasmid-getränkt aus.

Natürlich: Die Russen waren’s

Dafür gibt es hier statt Splicern russische Soldaten, denn das schief gegangene Projekt stammt noch aus Zeiten des Kalten Krieges. Doch nicht nur schießwütige Angehörige der roten Armee stellen sich dem Spieler bei der Weltenrettung in den Weg, auch einige fiese Monster wurden durch die Zeitanomalien auf die Insel gelockt. Zur Verteidigung steht neben allerlei Waffen natürlich auch die Zeitmanipulationsmaschine zur Verfügung.

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Sollte in keinem Ego-Shooter seit Black fehlen: das Hafengebiet.
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Unvorteilhaft hängende Gegenstände können auf Gegner fallen gelassen werden oder die Deckung lässt sich durch einen schnellen Alterungsprozess zerbröseln. Singularity bietet eine Vielzahl an Methoden, um Angreifern Paroli zu bieten. Doch hilft das Gerät mit dem Zeitraffereffekt auch beim Selbstschutz: Eine zerfallene Wand lässt sich so wieder in eine kugelsichere Mauer verwandeln und selbst schnell wachsende Pflanzen helfen beim Finden eines geeigneten Unterschlupfs.

Doch nicht nur die Umwelt lässt sich manipulieren: Auch die Monster selbst können mittels des wundersamen Geräts verwandelt werden. Entweder kann man sie altern lassen, bis sie sich innerhalb von Sekunden in alte Greise und zerfallende Leichen verwandeln oder man dreht die Zeit zurück und macht aus dem Opponent einen pränatalen Embryo.

Gravity Gun trifft Bullet Time

Natürlich konnte man beim Stichwort „Zeitmanipulation“ nicht auf die Bullet-Time verzichten. Anfliegende Raketen lassen sich verlangsamen und können wieder an den Absender retourniert werden. Ebenfalls sind Ausweichmanöver von Kugeln möglich, aber das kennt man bereits aus anderen Shootern und stellt kein wirkliches Novum dar.

BioShock, ick hör dir trapsen. Durch das Manipulieren der Zeit könnte sich Singularity vom generischen Shooter-Einerlei abheben.Ausblick lesen

Ebenfalls nicht ganz unbekannt ist die Möglichkeit, Gegenstände durch die Luft zu befördern. Gravity-Gun anyone? Explodierende Fässer lassen sich in wirbelnde Bomben verwandeln, die man den Widersachern entgegenschleudern kann. Wenn sich Singularity nicht nur die Gravity-Gun von Half-Life 2 borgt, sondern auch die erzählerische Tiefe, wäre das natürlich ein schöner Bonus.

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Gerade noch ein Soldat, gleich ein Skelett.
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Die große Frage bleibt natürlich, wie sehr sich die Umgebung und die Gegner manipulieren lassen. Wenn nur bestimmte, gescriptete Ereignisse manipuliert werden können, verliert Singularity schnell an Reiz. Bietet das Spiel jedoch eine offene Umgebung, in der mehrere Taktiken möglich sind, könnte Singularity sicher zu einem echten Konkurrenten für die großen Namen werden, die dieses Jahr anstehen.

Dabei sollte man bedenken, dass Raven Software bislang nur selten Mittelmäßiges abgeliefert haben, selbst der Doom-Klon Heretic dürfte vielen positiv in Erinnerung geblieben sein. Zudem arbeiten Raven gerade an dem neuen, sehr vielversprechenden Wolfenstein – es bleibt zu hoffen, dass sie dabei noch genügend Zeit gefunden haben, Singularity den letzten, entscheidenden Schliff zu verpassen.