SiN: Episodes: Emergence (PC Review)
von Patrick Streppel

Mit Sin Episodes verspricht Entwickler Ritual Entertainment eine knallharte Action-Serie. Richtig gehört: Auf Basis der Source-Engine entwickelt und über Valves Download-Plattform

Steam vertrieben, sollen in regelmäßigen Abständen neue Abenteuer von John Blade und der bösen Schönheit Alexis Sinclair erscheinen. Wir haben mit "Emergence" schon mal ordentlich Dampf abgelassen und verraten, ob die erste Episode ihr Geld wert ist.

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Der Ego-Shooter Sin (hierzulande indiziert) ist für viele Zocker auch heute noch ein Genre-Liebling. Der Erstling von Entwickler Ritual (Heavy Metal FAKK2, Counterstrike: Condition Zero - Deleted Scenes, Star Trek Elite Force 2) konnte objektiv betrachtet zwar kaum gegen das zeitgleich erschienene Half-Life bestehen, dank zahlreicher witziger Einfälle, einer herrlich überdrehten Story und nicht zuletzt knallharter Action räumte der Titel aber eine ganze Menge Lob ab. Kein Wunder, dass nach dem Add-On "Wages of Sin" (in Deutschland nie erschienen) ein zweiter Teil ins Gespräch kam. Schon einmal versuchte Ritual, das Konzept für Sin 2 an die großen Publisher zu vermarkten - und musste kurz darauf den Rückzug antreten. Zu groß das Risiko für einen innovativen Titel - so Ritual damals als Begründung.

Sündige Episoden
Erst durch eine Kooperation mit Half-Life-Entwickler Valve und der Download-Plattform Steam, die speziell für "episodische Releases" direkt an den Endkunden entwickelt wurde, konnte ein Sin-Nachfolger Realität werden.

SiN Episodes: Emergence - Fette Action im Episodenformat: Ballern, Zerstören und Umnieten zum kleinen Preis!

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Das Prinzip ist revolutionär und eine logische Konsequenz zugleich: Weil die Entwicklung eines Spiels immer teurer und damit das Risiko für einen Erfolg umso größer wird, zugleich aber der Anteil der Level-Erstellung am Projektaufwand steigt, können kleinere Episoden den Aufwand und damit die Kosten und damit das Risiko verringern. Bei Erfolg schieben die Entwickler Stück für Stück neue Level nach, bei Misserfolg können Sie die Entwicklung an dieser Stelle einstampfen. So läuft's auch ohne Publisher.

Packshot zu SiN Episodes: EmergenceSiN Episodes: EmergenceErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Doch auch auf Kundenseite hat das ganze seinen Reiz: Anstatt 50 Euro für ein großes, vielleicht aber enttäuschendes Spiel auszugeben, zahlen wir nur 20 Euro für ein kleineres Abenteuer.

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Gefällt uns das ganze, ordern wir zukünftige Abenteuer. Wenn nicht, wurde deutlich weniger Geld vergeudet als bei einem klassischen Vollpreisspiel.

Damit sich das ganze für den Entwickler noch rechnet, umgeht Steam zudem die gierigen Mittelsmänner: Verschlingen Handel, Vertrieb und Presswerk, Verpackungs-, Versand- und Verwaltungskosten bis zu zwei Drittel des Verkaufspreises, erhält hier der Entwickler die nahezu volle Summe (von einer Gewinnbeteiligung von Valve abgesehen, die zudem an der Lizenz ihrer Source-Engine verdienen).

Ballern in Serie
Spieler schlüpfen in die Haut von John Blade, jenem Police Cop, der in der fiktiven Stadt Freeport City schon im ersten Teil für Recht und Ordnung sorgen wollte. Von damals wissen wir, dass die böse Schönheit Alexis Sinclair und ihr undurchsichtiger Konzern Sintek hinter den Unruhen stehen. Das Spiel beginnt, in dem uns Alexis und ihr Gehilfe Radek ein Serum injizieren. Während die gute noch davon faselt, dass sie großes mit uns vorhat, rollt die junge Rekrutin Jessica zu unserer Rettung an. Halb benommen taumeln wir mit ihr durch die Gänge der Forschungsanlage zum Fluchtwagen, nur um beim abenteuerlichen Fahrstil der jungen Dame das Bewusstsein zu verlieren. Einige Visionen später - u.a. Alexis, die im String-Tanga und Bikini in kniehohem Wasser steht - werden wir von Jessica an einem Hafen abgesetzt. Hier sollen wir herausfinden, was genau mit uns geschehen ist - es gilt Radek zu finden und auf dem Weg dorthin zahllose Gegner auszuschalten…Wer bei Sin Episodes Parallelen zu einer TV-Serie wie 24 zieht und deshalb eine ebenso spannende Geschichte erwartet, der sei gewarnt: Zwar soll sich die Handlung der Reihe über mehrere Folgen weiterentwickeln, der erste Teil ist aber mehr als enttäuschend.

Die Story ist mit den obigen Sätzen bereits erzählt und bleibt auch im Spielverlauf stets im Hintergrund - die wenigen Wendungen sind so vorausschaubar, wie das Ende einer Star Trek Folge. Ähnlich wie in Half-Life 2 (und im Gegensatz zum ersten Sin) erleben wir das ganze Abenteuer aus der Ego-Perspektive. Hauptcharakter Blade ist ein schweigsamer Mensch, dem es vor allem an Persönlichkeit fehlt - schade, aber da haben selbst manche Dolph Lundgreen Filme mehr Tiefgang. Schade auch, dass die hübsche Kollegin Jessica nur an einer Stelle an unserer Seite kämpft. Ansonsten stehen sie und der Hacker JC lediglich mit hilfreichen Funksprüchen zur Seite.

Fette Action
Zum Glück geht das eigentliche Spielgeschehen in Ordnung - mit spannend inszenierter, schnörkelloser Action in hübscher Kulisse.

Wir ballern uns durch die Docks einer Hafenanlage, durch den Bauch eines Schiffes, dunkle Katakomben sowie über die Stockwerke eines Sintek-Towers zum Showdown auf dem Dach. Wir liefern uns harte Gefechte zwischen eng aufgestellten Containern, stürmen mit Maschinen gefüllte Fabrikhallen oder die mehrstöckige Lobby des Firmengebäudes.

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Große Überraschungen sollten Genre-Veteranen nicht erwarten, jedoch solide Kost mit zahlreichen detailliert ausgeschmückten Räumen, zunehmend schwierigeren Scharmützeln und dem ein oder anderen Hinterhalt. Zahlreiche Scripts, interaktive Elemente und Umgebungsrätsel lockern die Ballerei auf. Sin Episodes wirkt dabei wie der kleine Bruder von Half-Life 2: Nicht nur optisch, sondern auch beim "Gefühl" für Waffen, Level und Rätsel werden deutliche Parallelen sichtbar, ohne dass Ritual die Meisterklasse des großen Vorbilds erreicht. Hier wird trotz gleicher Wurzeln deutlich, dass die Independent-Produktion Sin in Sachen Entwicklungszeit und Geld nicht mit dem Blockbuster Half-Life 2 konkurrieren kann.Obwohl sich die Designer sichtlich bemüht haben, ist der Grad der Detailliebe, die Anzahl an coolen Momenten deutlich geringer.

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Während die Länge des Titels mit fünf Stunden Spielzeit angesichts des kleinen Preises voll in Ordnung geht, werden Genre-Veteranen angesichts der geringen Gegner- und Waffenzahl die Nase rümpfen: Es stehen genau drei (!) Schießprügel zur Verfügung, um sich den Sintek-Soldaten und Mutanten zur Wehr zu setzen.

Neben der Standart-Pistole sind da eine Shotgun und ein Maschinengewehr sowie praktische Handgranaten. Obwohl jede Waffe perfekt ausbalanciert ist und über einen zweiten Feuermodus verfügt, ist das ganze denn doch ein wenig dürftig. Ähnlich bei den Gegnern: So jagen wir vor allem im ersten Drittel ausschließlich den Standart-Soldaten, der wie gecloned in Dutzendfacher Ausfertigung vor uns steht - selbst wenn es Teil der Story wäre, würde es aus spielerischer Sicht schnell langweilig.Gegen Mitte kommen zwar zwei Mutanten-Typen hinzu und im letzten Drittel noch einmal ein gefährlicher Chaingun-Soldat, doch ausreichende Abwechselung bietet auch das nicht. Hinzu kommt, dass die KI nicht gerade fehlerfrei ist: Zwar schleudern sie uns oftmals Kisten oder brennende Gasflaschen entgegen, oftmals rennen die Mannen aber blind auf uns zu oder stecken mit einem ungezielten Granatwurf ihre eigenen Kollegen an.

Interessante Umwelt
Obwohl Ritual offensichtlich deutlich weniger Arbeit in Sin Episodes stecken konnte, haben die Jungs mit Nutzung der Source-Engine so manche Vorteile des großen Bruders adaptiert: Handgranaten und explosive Fässer sorgen für fette Explosionen und hinterlassen ein loderndes Feuer, das Wiederum Gegner in Brand stecken kann. Das eröffnet neue Taktiken neben der "ich bringe das Fass zur Explosion"-Masche, die natürlich auch hier funktioniert.

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Insgesamt sind die Level mit Interaktivität gespickt, wenn auch nicht in der Dichte eines Half-Life 2: Wir füllen einen Schacht mit Wasser um so nach oben gespült zu werden, senken die Hitze in einer Schmelzkammer herab um sie sicher durchqueren zu können - hinzu kommen zahllose Schalter, die in Doom 3-Manier als interaktive Konsolen aufgemacht sind. Nett, wenn auch auf Dauer nervig, sind die Health-Stationen, die häufig leer oder fast leer sind. Um uns heilen zu können, müssen wir die "Kartusche" per Tastendruck entfernen und eine neue finden. Das Transportieren und Einsetzen gestaltet sich jedoch extrem schwierig, da sie beim anecken herunterfällt.

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Zudem ist das Gemisch höchst instabil und verflüchtigt sich bei einem Kugeltreffer - das ausströmende Gas heilt und zwar um wenige Punkte, reicht aber oft nicht aus. Dennoch ein netter Einfall, Gase - es gibt auch toxische Container - auf diese Weise fürs Gameplay relevant zu machen.

Wie oben bereits angedeutet ist das Leveldesign trotz kleiner Wiederholungen recht abwechselungsreich und dank der Source-Engine auch durchaus hübsch. Zwar lässt die Half-Life 2-Enigne Bump-Mapping oder Lichteffekte à la Doom 3 vermissen und Ritual verzichtet auch auf das neue HDR, aber dennoch sehen die Areale dank farbenfroher Texturen, Feuer,Rauch und realistischem Wasser klasse aus. Der Stil ist dabei nicht so realistisch wie bei Half-Life 2, sondern eher fantasievoll bunt -Geschmacksache. Erstklassig sind wieder die Charaktermodelle, die vor allem in Nahaufnahme und in Cutszenes zu voller Geltung gelangen.

Apropos: Obwohl wir das ganze Spiel aus der Ego-Perspektive sehen, lockern verschiedene Scripts das Geschehen auf, wobei wir beispielsweise in Jessicas Wagen durch die Straßen heizen - selbst steuern lässt uns die gute Dame allerdings nicht.

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Zudem ist das Gemisch höchst instabil und verflüchtigt sich bei einem Kugeltreffer - das ausströmende Gas heilt und zwar um wenige Punkte, reicht aber oft nicht aus. Dennoch ein netter Einfall, Gase - es gibt auch toxische Container - auf diese Weise fürs Gameplay relevant zu machen.

Wie oben bereits angedeutet ist das Leveldesign trotz kleiner Wiederholungen recht abwechselungsreich und dank der Source-Engine auch durchaus hübsch. Zwar lässt die Half-Life 2-Enigne Bump-Mapping oder Lichteffekte à la Doom 3 vermissen und Ritual verzichtet auch auf das neue HDR, aber dennoch sehen die Areale dank farbenfroher Texturen, Feuer,Rauch und realistischem Wasser klasse aus. Der Stil ist dabei nicht so realistisch wie bei Half-Life 2, sondern eher fantasievoll bunt -Geschmacksache. Erstklassig sind wieder die Charaktermodelle, die vor allem in Nahaufnahme und in Cutszenes zu voller Geltung gelangen.

Apropos: Obwohl wir das ganze Spiel aus der Ego-Perspektive sehen, lockern verschiedene Scripts das Geschehen auf, wobei wir beispielsweise in Jessicas Wagen durch die Straßen heizen - selbst steuern lässt uns die gute Dame allerdings nicht.