Europäer stehen auf Kurven. Warum sich das auf‘s Gameplay auswirkt, wie das Energie-Management funktioniert und Polizeistationen einen Helikopter bekommen, hat uns Maxis in London erklärt.

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Die Sonne geht unter in Maxis City. Straßenlaternen springen an, Mütter bringen ihre Kinder nach Hause und die Stadt wird in ein buntes Lichtermeer getaucht. Doch was ist das? Typen in einem schwarzen Van mit Flammen-Vinyls an den Seiten – Marke A-Team – kreuzen auf, verschandeln Mauern mit Graffiti, treten Mülleimer um und rauben Passanten aus. Schon erwacht die Stadt, rasen Polizeiautos los, unterstützt von Krankenwagen und mit der Ruhe ist es vorbei.

„Maxis City“ fühlt sich bereits nach wenigen Minuten auf EAs Showcase in London an wie San Francisco in der Nacht, dort wo die Goldjungs von Entwickler Maxis sitzen. Ihr Chef ist ein gemütlicher Amerikaner namens Brett Barry. Er ist es, der uns durch die Gameplay-Präsentation leitet – vom Wirren beim ersten Umzug bis hin zu einem folgenschweren Stromausfall.

SimCity - Wir stehen nun mal auf Kurven!

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Anno-Style: Willst du ein Ferienparadies aufziehen oder voll auf Industrialisierung und Fabriken setzen? Deine Entscheidung.
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Umzug ist Chaos pur

Maxis City ist zu Beginn noch ziemlich kahl: Kaum Einwohner, nur hier und da ein verstreutes Haus, wenige Straßen, keine Geschäfte. Das soll sich schnell ändern: Mausklick auf das Haussymbol, eine Reihe von zehn Einfamilienhäusern in Reihe setzen, fertig. Sofort rasen Konstrukteure in kleinen Vans heran, laden Material aus und in der höchsten Zoomstufe können wir zuschauen wie ruck zuck das erste und zweite Stockwerk entsteht und letztlich das Dach drauf gesetzt wird. Wenige Sekunden später kommen die ersten Bewohner mit Umzugs-Vans und LKWs angerauscht.

Bei zehn Familien kann es schon mal zu etwas Stau kommen, die ersten Autos hupen bereits wie wild. Nun, das wird sich regeln, jetzt ist es Zeit, die Infrastruktur aufzubauen. „In San Francisco gibt es kaum Kurven“, erklärt Maxis-Boss und Vice President Barry. „Wir sind da einfach veranlagt, alles im Karo-Quarter-Format und du verläufst dich nicht. Aber ihr Europäer steht ja total auf Kurven.“ Mega-Gag mit starker spielerischer Auswirkung. Denn Kurven lassen sich einfach per Maus ziehen. Dazu wählt man die Straße aus, klickt die rechte Maustaste, fährt den gewünschten Bogen, klickt wieder, fertig. Ein System, das an den Mauern-Bau von „Black & White 2“ erinnert.

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Hier hat einer gezündelt, Feuer bricht aus. Nur: wo ist die Feuerwehr?
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Ausbau der Infrastruktur: Burger first

Nachdem die Straßen gezogen wurden, geht es um die Grundversorgung. Und was braucht eine US-Stadt ganz dringend? Richtig, Burger-Buden, Burger-Buden und vielleicht noch einen Fast-Food-Tempel. Unterdessen leuchten in der unteren Symbolleiste rote Leuchten auf. Hö, was ist da los? Ein Klick auf das Symbol führt direkt zum Rathaus, wo unsere Neubürger lautstark protestieren und mit Plakaten auf gewisse Missstände aufmerksam machen.

Toll wie jetzt schon ein Rädchen ins andere greift. Die Glassbox-Engine schwächelt zwar technisch aktuell, aber bis 2013 kriegt Maxis das in den Griff.Ausblick lesen

Verdammt, die Strom-Versorgung ist zusammengebrochen, respektive reicht nicht aus für unsere immer schneller wachsende Stadt. Keine Elektrizität wirkt sich direkt auf das komplette Stadtbild aus. So gehen die Lichter in den Burger-Buden aus, gehen die Leute nicht mehr zur Arbeit, verdienen kein Geld und sind ruck zuck unzufrieden. Ein weiterer Klick öffnet die Karte für das Energienetz von Maxis City. „Unsere Philosophie ist, dass jedes wichtige Element nur einen Klick entfernt sein soll“, erörtert Barry.

So sei das schlanke Interface mit gerade mal 5 Hauptpunkten zwar noch nicht final, zeige aber schon mal, wo sich die Kalifornier mit „Sim City“ hin entwickeln wollen. Kein Excel-Charme mehr, keine unnötig verschachtelten Menüs, sondern die volle Übersicht. So können wir wie ein Ingenieur auf der digitalen Energiekarte sehen, wo die Stromleitungen funktionieren und wo es Engpässe gibt.

Wer hat den Strom geklaut?

So erkennen wir sehr schnell, in welchem Viertel es keine Energie gibt, und reagieren sofort. Als Bauoption stünden zwar auch Windkraft- oder Atomkraftwerk zur Auswahl, weil die Monetas knapp sind, entscheiden wir uns aber lieber erst mal nur für eine billige Kohleförderanlage. Die wird direkt gebaut und wir können dank der Glassbox-Engine wie in beispielsweise „Anno“ zuschauen, wie die Kohlebrocken gefördert werden, in den Hochofen wandern und dort verbrennen.

Das gibt allerdings nicht genug Strom, ergo bauen wir das Ding gleich mal aus. Auch das ist neu: Alle Produktionsgebäude sowie Feuerwehr- und Polizeizentralen etc. lassen sich super simpel ausbauen. Das funktioniert nicht nur gut per Drag-and-Drop-System, sondern passt vor allem erstaunlich gut zu der jeweiligen Technik. So wird in einem echten Kohlekraftwerk der Dampf der verbrannten Kohle in eine Turbine geleitet, an die dann der Generator gekoppelt wird, der die Rotationsenergie in elektrischen Strom verwandelt.

In „Sim City“ könnt ihr ergo einen zweiten und dritten Generator bauen, um schneller Strom zu erzeugen, und wenn das nicht reicht, könnt ihr zwei weitere Kühltürme in die Anlage setzen, damit der Dampf besser entweichen kann. So jetzt haben wir zwar Energie, die muss aber noch in die Haushalte. Ergo bauen wir ein Netz aus Strommasten mit Verteilern auf und schon sind die Bewohner wieder happy, gehen zur Arbeit und brutzeln lecker Fleisch.

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Coal Enterprises: Sieht aus wie das gamona-Headquarter. Nur der Springbrunnen vor dem Foyer ist in Berlin nicht so mickrig…
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Wenn die Polizei nicht reicht, muss das SWAT-Team ran

Kaum ist die erste Herausforderung gemeistert, bricht auch schon die Nacht an, wird Maxis City mit Hunderten Lampen in den Häusern erleuchtet und beginnt der Spuk in unserem Armenviertel. Leider reichen die Arbeitsplätze nicht aus, um alle Viertel gleichzeitig glücklich zu machen, dort schwillt dann die Bereitschaft zur Gewalt an. So beobachten wir, wie eine Bande von Jugendlichen randaliert, die Scheiben eines Supermarkts demoliert und Wände beschmiert. Ah, kein Wunder, in der Gegend steht noch keine Polizei-Station.

Die wird direkt gebaut und, weil wir uns hier in einem Problemviertel befinden, gleich mal per Upgrade ausgebaut: Zwei weitere Garagen sorgen für mehr Polizeifahrzeuge, die Büros werden verdoppelt, um mehr Beamte einzustellen. Rechts daneben kommt ein Gefängnistrakt und auf‘s Dach ein Heli-Pad.

Im Interview bestätigt Brett Barry, dass sein Team dieses Mal sehr viel mehr Variation bieten will: „Es gibt normale Streifenpolizisten, eine spezielle Helikopter-Einheit, um entflohene Gefangene zu suchen, und wir arbeiten gerade daran, SWAT-Einheiten als maximales Upgrade einzusetzen. Die können Wohnungen stürmen oder als eine Art mobile Einsatztruppe mit Schilden gegen Demonstranten vorgehen.“

Missionen, Szenarien, Hilfe es brennt

Speziell für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste wird es spezielle Szenarien geben. Ob sich die beliebig auswählen lassen oder nur geskriptet vorkommen, wollte Bret Barry zwar nicht verraten, zeigte uns aber ein geskriptetes Event, bei dem beinahe ein ganzer Straßenzug abgefackelt wäre.

Wieder fährt der schwarze A-Team-Van vor. Ein Kerl steigt aus, schleppt einen Benzinkanister in ein Wohnhaus, verschüttet das Zeug und schon bald steigt Rauch aus dem obersten Stockwerk. Jetzt heißt es schnell sein, Feuerwehrstation hochziehen und am besten gleich eine zweite Garage bauen, damit der Brand schnellstmöglich gelöscht wird und die Flammen nicht auf andere Gebäude übergreifen können.

„Wenn wir jetzt zu lange warten, fackelt die ganze Straße ab“, droht der nette Kalifornier mit einem dicken Grinsen. Hätten wir noch genug Geld, ließe sich natürlich auch die Feuerwehrstation massiv ausbauen. So können wir eine Leitzentrale errichten, wo alle Vorkommnisse der Stadt zusammenlaufen und die Einsätze koordiniert werden. Auch hier könnt ihr euch also entscheiden: Lieber viele kleine Stationen überall errichten oder eine Mega-Feuerwehrstation mit riesigen Büros, fünf Leiterfahrzeugen, Hubschrauber-Landeplatz und speziellen Tank, der Löschschaum beinhaltet.

Witzig: Obwohl das Gebäude an sich mit seinen großen schrägen Fensterscheiben und Radaranlage ziemlich modern wirkt, können wir auch noch eine alte Alarmglocke als Türmchen auf dem Dach installieren. Die klingelt dann, wenn es brennt.

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Jede Industrie hat eigene Warenverläufe. So muss ein Hotel oder Yachtclub natürlich mit Nahrungsmitteln versorgt werden.
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Always Online: Voller Fokus auf Multiplayer

Maxis möchte mit „Sim City“ ein viel vernetzteres Spielerlebnis bieten als in den Vorgängern. „Jetzt mal ehrlich“, fragt Vice President Berry. „Wollt ihr lieber sehen, dass irgendeine KI an ihren Müllproblemen erstickt oder ein menschlicher Kontrahent.“ Er feixt und feuert ein paar Informationen zum Multiplayer ab. So soll das ganze Gameplay kompetitiver werden.

Die Sims werden ja mit der Zeit anspruchsvoller, wollen Universitäten, Vergnügungsparks, Luxus-Hotels, Kasinos, Diskotheken und was man halt so als verwöhnter Bewohner haben will. Geben wir ihnen das nicht, wandern sie einfach zur Konkurrenz ab. Deshalb übrigens auch der Always-Online-Gedanke, der etlichen Fans sauer aufstößt: „Wir schaffen eine persistente Online-Welt, die sich immer weiter entwickelt und beispielsweise auch Weltmarktpreise für Strom, Gas, Öl etc. beinhaltet, die sich wiederum auf die Wirtschaft auswirken“, erklärt Berry im Interview.

Prinzipiell soll jeder entscheiden können, wie er spielt. Aggressive Naturen können versuchen, ihrem Konkurrenten zu schaden, beispielsweise eine Schmutzkampagne gegen die andere Stadt starten oder – richtig fies – Typen anheuern, die für Chaos beim Nachbar sorgen. Beispielsweise Laternen austreten oder Mülleimer auf der Straße auslehren. Schnell sinkt so beim Gegner die Beliebtheit.

Ihr könnt aber auch zusammenarbeiten, was extrem umfassende Züge annehmen soll. Barry möchte zwar nicht ins Detail gehen, deutet aber schon mal an, dass sich Ressourcen mit speziellen, sehr teuren Transportflughäfen hin und her schicken lassen können. Der Weg zur Weltherrschaft ist lang – aber nicht unerreichbar.