Ein Spiel der verpassten Chancen: So kann man das im vergangenen Frühjahr veröffentlichte Action-RPG „Silverfall“ ruhigen Gewissens bezeichnen. Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht richtig gut. Wie eine flüchtige Disco-Bekanntschaft, an deren Namen man sich nach zwei Tagen schon nicht mehr erinnern kann.

Dementsprechend zog Kollege Schütz im Review (Wertung: 71%) auch das Fazit: „Zusammengenommen legt sich um Silverfall eine Aura der gediegenen Langeweile. Da „Silverfall“ aber andererseits keine wirklich fatalen Mängel aufweist, cool ausschaut, originelle Gegner anbietet und die Konzentration nicht über die Maßen beansprucht, ist es das ideale Spiel, wenn man nebenher noch dringend ein Hörbuch zu Ende bekommen möchte."

Silverfall - Wächter der Elemente - Interface Trailer

Technokraten gegen Kräuterheinis

Einige coole Elemente, viel Verbesserungspotenzial: Das schreit regelrecht nach einer Fortsetzung. Und so soll es auch sein. Im stillen Kämmerlein haben die Entwickler von Monte Christo die letzten Monate an einer rundum überarbeiteten Version des Action-Schnetzlers gewerkelt. Das Ergebnis hört auf den Namen „Silverfall: Wächter der Elemente“.

Silverfall - Wächter der Elemente - Im zweiten Anlauf zum Erfolg? Wir werfen einen kritischen Blick auf das erste Addon.

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Große Nase, kleiner Mann: ein Zwerg, eine der beiden neuen Rassen.
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Für einen echten zweiten Teil hat es in Anbetracht der Zeitknappheit nicht gereicht. Ein traditionelles Expansion Pack sollte es aber auch nicht werden. Herausgekommen ist ein Zwischending, das beliebte Stand-alone-Addon. Das Hauptprogramm müsst ihr folglich nicht besitzen. Allerdings greift der Titel stark auf bestehende Inhalte und Gameplay-Mechaniken zurück. Nach wie vor haut und zaubert ihr euch folglich durch eine fantasievolle Steampunk-Welt und sympathisiert entweder mit Naturburschen oder Technik-Freaks. Je nach Stilrichtung variierende Fähigkeiten und Waffen sind die spaßige Folge.

Alles eine Frage des Gleichgewichts

Immerhin für eine neue Story hat die Zeit gereicht. „Silverfall“-Vorwissen ist nicht zwingend vonnöten. Die (wie so oft) leicht abgedroschene Hintergrundgeschichte in der Kurzzusammenfassung: Seit Urzeiten existiert ein so genannter Hüter des Gleichgewichts, der über die Elemente wacht wie die gamona-Chefredaktion über die Firmen-Ferraris. Bisher klappte das auch ganz gut. Doch als einige Zauberer intrigieren und ihm seine Macht entreißen wollen, rastet er aus und bringt die Elemente aus dem Gleichgewicht. Daraufhin erstarrt ziemlich alles zu Stein, der Hüter inbegriffen.

Silverfall - Wächter der Elemente - Im zweiten Anlauf zum Erfolg? Wir werfen einen kritischen Blick auf das erste Addon.

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Schuppenalarm: die zweite neue Rasse im Sortiment, die Echsenwesen.
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Zu Beginn von „Silverfall: Wächter der Elemente“ liegen diese Ereignisse freilich bereits in grauer Vorzeit. Friede, Freude, Eierkuchen-Laune ist wieder eingekehrt. Damit es für uns Spieler nicht ganz so langweilig wird, ist es nach der Installation des Titels aber auch schon wieder vorbei mit der Idylle. Versandete Seen und herunter prasselnde Stein-Regenschauer verheißen nichts Gutes. Ist der böse, verbitterte Hüter zurückgekehrt? Haben wir es endgültig übertrieben und eine Klimakatastrophe heraufbeschworen? Oder ist Frau Holle einfach nur schlecht gelaunt? Fragen über Fragen, die nur die finale Version des Spiels beantworten können.

Ein Silberstreif am Action-RPG-Horizont: Wächter der Elemente hat das Zeug, das enttäuschende Silverfall entscheidend zu verbessern.Ausblick lesen

Kurz und schuppig

Über was wir bereits an dieser Stelle sprechen können, sind einige der Neuerungen von „Silverfall: Wächter der Elemente“. Auf den ersten Blick ersichtlich sind die zwei neuen Rassen. Zwerge und Echsenmenschen mischen sich unter die bestehende Riege der Goblins, Elfen, Menschen und Trolle. Die Zwerge sind zwar klein, hauen aber umso kräftiger zu. Per „Schildkrötentechnik“ krümmen sie sich, um weniger Schaden zu nehmen. Zudem sind die kleinen Burschen wahre Glückskinder und finden dadurch mächtigere Waffen und Ausrüstungsgegenstände als der Rest vom Schützenfest.

Die Eidechsen-Wesen überragen die Zwerge bereits im Kleinkindalter. Auf Wunsch können sie sich sogar in eine noch größere und kräftigere Schuppenkreatur verwandeln, den Dinosaurier-Genen sei Dank. Darüber hinaus erhöhen die Mini-Saurier temporär ihren Schaden und die Verteidigungswirkung, sofern ihr sie mit einhändigen Waffen ausrüstet. Insgesamt verfügen die beiden Neuzugänge über je fünf rassenspezifische Fähigkeiten, die sich wohltuend von der alten Riege aus dem Hauptprogramm abheben.

Das volle Standardprogramm

Insgesamt orientieren sich die Neuerungen von „Silverfall: Wächter der Elemente“ an den ungeschriebenen Gesetzen des typischen Erweiterungspakets. Soll heißen, ihr kloppt neue Gegnertypen zu Brei, erkundet frische Gebiete wie Dschungel und Lagunen und findet viele weitere Ausrüstungsgegenstände.

Silverfall - Wächter der Elemente - Im zweiten Anlauf zum Erfolg? Wir werfen einen kritischen Blick auf das erste Addon.

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Schicke neue Effekte: Im Addon kracht es noch bombastischer als im Hauptprogramm.
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Ferner dürft ihr eure Waffen und Rüstungen durch Ingredienzien besiegter Feinde aufwerten und mit neuen Fähigkeiten ausstatten. „Hellgate: London“ lässt grüßen. Echte Innovationen haben wir mit der Lupe gesucht, bisher aber nicht gefunden. Fans von „Silverfall“ haben aller Voraussicht nach trotzdem Grund zur Freude: „Wächter der Elemente“ zeigt sich im Vergleich mit dem Hauptprogramm sichtlich verbessert.