Autor: Volker Schütz

Ihr habt »Titan Quest« bereits x-mal durchgezockt, und die Wartezeit auf »Sacred 2« scheint endlos? Da kommt »Silverfall« gerade recht, um sich in die »Diablo«-Tradition sammel- und schnetzelbetonter Dungeoncrawler einzureihen.

Mit eigenwilligem Grafikstil und dezenten »Arcanum«-Anleihen versucht der Publisher Monte Cristo dem Genre neuen Schwung zu verpassen. Wir haben es für euch angespielt.

Silverfall - Trailer Natur und Technik8 weitere Videos

Das Königreich Egreïd in Nelwë, Land des Tremata-Überschusses, ist in Aufruhr. Nicht weil ich im Folgenden frickelige Doppelpünktchen über Nicht-Umlauten geflissentlich ignorieren werde - vielmehr weil dort Widergänger aus dem Boden sprießen wie (fauliger) Spargel. Und Untote überfallen nun mal Städte, das ist ein ungeschriebenes Fantasy-Gesetz. So wie Amazonen knapp bekleidet, böse Elite-Leibwächter gegen beherzte Schweinehirten stets unterlegen und trotz Nichtexistenz von Badezimmern belagerte Burgen immer durch die Kanalisation erreichbar sind.

Silverfall - Diese holde Maid sagt Diablo und Sacred den Kampf an: Wer hat den längsten Atem?

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Meister Proper hat hier ein wenig zu weiß gewaschen...
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Natürlich kann nicht geduldet werden, dass dieser wandelnde Gammelfleischskandal die Fanatasy-Metropole Silverfall schleifen will. Daher schickt sich ein Held an, die dunkle Bedrohung zurückzuschlagen, und diesen Streiter für die Gerechtigkeit mimt natürlich ihr. Es gibt ihn in vier Geschmacksrichtungen: Mensch, Elf, Goblin und Troll. Dabei lassen sich Geschlecht, Visage, Frisur und Hautfarbe einstellen, wenn auch nur in begrenztem Umfang.

Der so in die Welt geborene Recke gehört erfreulicherweise keiner festen Klasse an, sondern entwickelt sich entlang eines Fertigkeitsbaumes. Weil der aus ca. 130 Fähigkeiten besteht, sind zwischen schwer gerüstetem Ritter und filigranem Zauberer alle möglichen Variationen denkbar.

Den Fertigkeitsbaum dominieren dementsprechend die zwei Hauptklassen Kampf und Magie. Es findet sich gewohnte Kost: Nahkampf, Fernkampf, Verteidigungsskills, Feuer-, Eis- und Luftmagie, Heilzauber oder Sprüche zum Beschwören von attraktiven Zombie-Dienern. Ungewöhnlicher ist die zusätzliche Verästelung in Natur- und Technikfähigkeiten. Denn so wie die gesamte Welt von Nelwe gespalten ist zwischen blumenpflückenden Elfenökos und ölsaufenden Goblintechnokraten, muss auch der Spieler eine Entscheidung treffen.

Hippie oder Cyberpunk
Entweder er wählt den Pfad der Natürlichkeit. Dann stehen ihm Fertigkeiten zur Verfügung wie Wildheit (um Attribute zu buffen), Lykantrophie (homo homini lupus im Wortsinne), Insektenschwärme (gegen die nicht einmal Nationalpark-Unteres-Odertal-Ranger immun sind) oder die Druidenprofession.

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Die Modifikation der eigenen Charaktere ist in engen Grenzen möglich.
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Die Technologiejünger verwenden dagegen Implantate, lassen mechanische Sklaven für sich schuften oder sondern radioaktive Strahlung ab. Je nach Präferenz des Spielers soll sich nach Angaben des Herstellers zudem das Aussehen von Silverfall und auch das Leben dort verändern.

Außerdem sind von der Seitenwahl das verwendbare Equipment wie das Wohlwollen der jeweiligen NPC-Fraktionen abhängig. Letztere darf man insbesondere deswegen nicht unterschätzen, weil die computergesteuerten Jungs Gold und Erfahrungspunkte satt verteilen. Zumindest dann, wenn der Held ihnen in einer von ca. 200 Quests bei der Lösung typischer Alltagssorgen virtueller Wesen zur Hand geht - vom Kräutersammeln zum Monsterverbeulen.

Nur Agenten sterben einsam
Letztgenanntes Kroppzeug levelt übrigens fleißig mit dem Helden mit. Zieht unser Streiter das erste Mal durch die Sümpfe, kriechen noch schwachbrüstige Zombies durch den Morast. Hat er dagegen schon ein paar Tage Gegner aus dem Leben gehauen, erweisen sich die ranzigen Widergänger als durchaus zäher.

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Der Kollege links gehört zu mir, der rechts unter die Erde.
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An diesem Feature dürften sich die Geister wie bei »Oblivion« scheiden. Selbst wenn es sich bei einem Hack and Slay wesentlich besser ins Gesamtkonzept einfügt als bei einem »richtigen« Rollenspiel: Auch hier lässt sich das Gefühl nicht vollständig abschütteln, die Charakterentwicklung trete auf der Stelle. Zumal nicht einmal die Monsterarten innerhalb einer Region wechseln. Vielmehr lungern (anscheinend sogar am identischen Ort) die immer gleichen Gruppierungen herum. Lediglich die angezeigte Stufe erhöht sich.

Insgesamt sollte aber so oder so für ausreichend Abwechslung gesorgt sein, da 150 Kreaturen und Bosse existieren. Neben dem üblichen Geschmeiß finden sich skurrile Vertreter ihrer Zunft, beispielsweise fliegende Goblins oder mechanische Drachen.

Um solchem Kroppzeug nicht allein an der Front gegenüber zu stehen, kann der Spieler unterschiedliche Verbündete rekrutieren, die ihm dann brav hinterher wieseln. Sie agieren voll automatisch, lassen sich aber über das Inventar ausrüsten. Angeblich soll es sogar möglich sein, mit ihnen komplexe Beziehungsgeflechte aufzubauen - falls der Spieler dies wünscht. Über die regelmäßigen Dialoge mit Partymitgliedern hinaus konnte ich davon zwar beim Anspielen der Preview-Version noch nichts entdecken. Aber Beziehungen entwickeln sich ja bekanntlich langsam...

Technokraten
Bezüglich der technischen Seite ist zum einen die PhysX-Unterstützung anzumerken. Wer also einen Physikbeschleuniger besitzt, kann mit der zugehörigen Engine des Halbleiterherstellers Ageia bei der Berechnung von Effekten wie etwa Explosionen seine CPU entlasten.

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Simulierte Cel-Shader-Effekte zeigen sich in Form schwarzer Umrandungen.
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Zum anderen ist die Optik erwähnenswert: »Silverfall« verfügt über einen recht eigenwilligen Look. Der entsteht durch die schwarzen Umrandungen der Charaktere, die eine Art Cel-Shading simulieren. Unglücklicherweise leidet die Darstellung unter dem klassischen Topdown-Problem: Egal wie schick und detailliert die Grafik sein mag, wegen der Übersichtlichkeit schaltet man letztlich doch immer wieder auf die Vogelperspektive - und bekommt von den ganzen optischen Finessen nichts mehr mit.

Was die Aufteilung der Kartenabschnitte angeht, war vorab herstellerseits von einem »Streaming«-Verfahren die Rede, welches Nachladezeiten während des Spiels vermeiden sollte. Nach der Preview-Version zu urteilen, wird dieses Feature jedoch wohl nicht kommen. Ladezeiten sind derzeit vorhanden und zudem nicht von schlechten Eltern.

Neben angekündigten 20 Stunden, um die Hauptstory einmal durchzuspielen, sollen in der Review-Version ferner ein Multiplayermodus und ein Karteneditor enthalten sein.