Silent Storm Sentinels (PC-Preview)
(von David Skreiner)

Silent Storm Sentinels (S3) ist die Erweiterung zum brillanten Taktik-Spiel Silent Storm "S2" von JoWooD/Nival. Voriges Jahr schien Silent Storm drauf und dran, das Genre der rundenbasierten Taktik im Sturm zu erobern und die bisherigen Top-Genreklassiker

endgültig zu verdrängen. Fast wäre der Coup geglückt: Anspruchsvolle Missionen mit viel taktischem Tiefgang, angesiedelt im zweiten Weltkrieg, dazu eine herausragende Physikengine und echtes 3D-Terrain. Doch leider blieb Silent Storm ein Geheimtipp ...

Silent Storm: Sentinels - Silent Storm: Sentinels E3 Trailer

Mit der Erweiterung bringt Nival eine rundum überarbeitete, wesentlich spannendere und motivierendere Version des Taktik-Geheimtipps von 2003: "Silent Storm Sentinels". Im September erscheint dieser heiße Anwärter auf den Genre-Thron - wir durften die zu 99% fertiggestellte Betafassung schon jetzt ausgiebig probespielen.

Im Vorgänger trat der Spieler als Geheimagent mitten im Zweiten Weltkrieg an, um eine geheimnisvolle Bedrohung zu bekämpfen: Eine Terrorgruppe namens "Thors Hammer" ist in den Besitz mächtiger Waffentechnologien gelangt und versucht die beiden Kriegsparteien gegeneinander auszuspielen - um die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Nun ist der Weltkrieg vorbei, doch die Bedrohung ist nur scheinbar besiegt. Als Undercover-Agent einer multinationalen Elitetruppe namens "Sentinels" kämpft sich der Spielerheld durch das Europa der Nachkriegszeit und legt in einer dynamischen Kampagne den Thor-

Terroristen das Handwerk. Zwischen den Hauptmissionen, die man teilweise frei auswählen darf, sorgen verschiedenste kleinere Zufallsgefechte für Gegnernach- schub. Für die Erweiterung "Silent Storm Sentinels" greift das Entwicklerteam Nival zahlreiche Anregungen der internationalen Fan-Community auf. Schon auf den ersten Blick wirkt die Handlung spannender und besser erzählt als zuvor. Als wichtigste Innovation hat Nival jedoch besonders den strategischen Teil drastisch überarbeitet: Mit ausgeklügelter strategischer Teamverwaltung und exzellentem Belohnungssystem macht "Silent Storm" nun mehr Spaß als je zuvor.

Während S2 geniale Taktik-Rundenkämpfe mit detaillierter Charakterverwaltung bot, fehlte vielen Spielern hierzulande die strategische Planung. Gleich nach der erste Mission hatte man ein volles Team, Waffen und Munition wurden großteils zur Verfügung gestellt.
Von der Handlung her mag das logisch sein, da man eben Agenten des Militärgeheimdienstes spielt und diese in der Regel ihre Ausrüstung nicht selber kaufen.

Für die Tüftler und die RPG-geschädigten Allesmitnehmer unter den Spielern jedoch war dies weitaus weniger spaßig als etwa die umfangreiche und motivierende Inventarpflege bei älteren Taktik-RPG-Mischungen wie Jagged Alliance oder Fallout Tactics.

Hier hat Nival deutlich nachgebessert: Bei den "Sentinels" muss der Spieler nicht nur selbst Munition und bessere Waffen kaufen, sondern auch die Waffen reparieren, neue Teammitglieder anheuern, die drastischen "Selbstbehalte" in der Krankenstation bar bezahlen und die Fertigkeiten der Charaktere trainieren. All dies ist sehr gut ausbalanciert und gerade richtig fordernd: Man wird ideal motiviert, vor der nächsten Hauptmission noch die eine oder andere kleine Zufallsbegegnung zu erledigen.Grundsätzlich ist das Gameplay dasselbe geblieben: Der Spieler erstellt einen Soldaten (oder eine Soldatin), sechs Berufsklassen stehen dabei zur Auswahl: Soldat, Grenadier, Scharfschütze, Späher, Pionier und Sanitäter. In einer kurzen Handlungsszene sieht man, wie zwei Entführungsopfer in einem Kellerverlies ihren Wärter bewusstlos schlagen - und steht plötzlich mittendrin.

Die Kamera ist frei beweglich ( siehe "Tipp"), nahezu jeder Level besteht aus mehreren Stockwerken - nahezu immer steht eine Vielzahl an taktischen Einsatzmöglichkeiten offen. Der frisch gebackene Held schnappt sich also am besten die Pistole des erledigten Wachtpostens, der KI-gesteuerte Zellenkumpan greift zur Machete. Das Spiel läuft standardmäßig in Echtzeit, bis der Spieler einen Angriff startet oder die Eingabetaste drückt, optional kann man den Rundenmodus schon beim Anblick des ersten Feindes auslösen.

Oben an der Treppe stellen sich zwei Feinde unserem Helden in den

Silent Storm: Sentinels - Taktik-Fans dürfen sich freuen! S3 wird aller Ansicht nach wieder ein richtiges Actionspektakel!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 38/401/40
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Weg, es kommt zu einem Kampf auf Leben und Tod. Gemeinsam gelingt es den beiden, ihre Wächter zu besiegen und in die Freiheit zu entkommen.

Der hilfreiche Fremde entpuppt sich als Agent, der unseren Helden für die Sentinels anwirbt - das Abenteuer kann beginnen.

Allein zieht niemand gern in den Krieg: Als "neutraler" Antiterror-Agent darf man die Figuren beider Fraktionen aus S2 anwerben.

Packshot zu Silent Storm: SentinelsSilent Storm: SentinelsErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Anstatt die in der Basis verfügbaren Soldaten automatisch zu steigern, muss man nun für hochtrainierte Top-Agenten tief in die Tasche greifen.Vor der ersten Handlungsmission empfiehlt es sich, den eigenen Helden in einigen Zufallskämpfen Erfahrung sammeln zu lassen und baldmöglichst ein Team anzuheuern. Die Soldaten des Spielers sammeln dabei Erfahrung - und zwar nach dem "learning by doing"-Prinzip: Wer eine Handlung ausführt, wird mit einer Steigerung in der entsprechenden Fertigkeit belohnt. Optional kann man Fertigkeitspunkte auch in der Basis "nachkaufen". Dass der Charakter den Spielstil spiegelt, ist aber nur bedingt toll: Man sollte gelegentlich gezielt bestimmte Fertigkeiten trainieren.

Wer von Anfang an einen Pionier dabei hat, wird mangels Minen und Granaten kaum Möglichkeiten haben, rasch die Ingenieurskunst zu lernen. Also trainiert man in einer erledigten Mission oder in der Basis: Man kann als Training ins Leere ballern, um die Treffsicherheit zu steigern; den Späher häufig enttarnen und tarnen und auf harmlose Türen eindreschen lassen, um so Schleichen und Nahkampf zu schulen; mitüberschüssigen Dietrichen kann der Pionier leicht seine Skills aufbessern. Im Verlauf der Kampagne baut man allmählich ein kompetentes Team aus den besten Soldaten auf, ergattert wertvolle Ausrüstung und kommt teuflischen Plänen der Terroristen auf die Spur: So verhindert man etwa, dass die Terroristen an die Baupläne der Atombombe kommen, oder stoppt einen Anschlag auf das Gebäude der U.N. in London.

Später kommen wie in S2 die Panzerkleins hinzu: Hydraulisch betriebene Kampfanzüge, vergleichbar etwa mit einer Kreuzung aus Taucheranzug und Kampfpanzer. In einem eigenen PK-Hangar können diese Rüstungen mit eigenen Waffensystemen ausgestattet werden - sowohl durchschlagsstarken Projektil- als auch mächtigen Energiewaffen. Die Panzerkleins sind schwer gepanzert, aber extrem behäbig und laut. Diese Kampfanzüge machen die Pioniere zu mächtigen Kämpfern - wenn der Spieler den Pionier rechtzeitig als PK-Spezialisten ausbildet, kann der Pionier PKs reparieren und erhält diverse Boni wie raschere Fortbewegung, höhere Sensorreichweite oder leisere Bewegung. Bei Verlassen jedes Levels bietet S3 einen übersichtlichen Beute-Bildschirm: Alle Fundstücke werden zur Mitnahme angeboten - genauer gesagt, all jene, die die Charaktere des Spielers gesehen haben. Immer wieder muss man versperrte Truhen knacken oder Holzbarrikaden zerstören, um an verborgene Gegenstände zu gelangen. Richtig dick Erfahrungspunkte und Kohle scheffelt man in den Hauptmissionen der Kampagne, wenn man die Augen offen hält: Hinter manch zerstörbarer Trennwand und in manchen versperrten Kisten verbergen sich besonders mächtige Waffen oder gar Goldbarren und Kunstschätze, die man in der Basis für gutes Geld verscherbeln kann. Sogar einen Teil des legendären, in den Kriegswirren verschollenen Bernsteinzimmers konnten wir während des Preview-Probespielens entdecken! Die gefundenen Gegenstände verscherbelt man in der Basis (oder lagert sie im Waffenschrank). In der Basis kann man die Beute gegen Bargeld eintauschen, muss davon aber die Heilungskosten bezahlen und sich um Munition, bessere Waffen, Waffeninstand- setzung und das Anheuern neuer, besserer Teamkollegen kümmern.

Es macht süchtig - man ertappt sich, wie man einige Random-Encounter absolviert, um sich als Vorbereitung auf die nächste Mission eine bessere Waffe für den Scharfschützen oder medizinische Versorgung für das Team zu leisten. Oder auch eine hübsche Pioniersoldatin mit ausgesprochen nützlichen Fertigkeiten ...

Insgesamt wird die Spieltiefe von Silent Storm in der Erweiterung drastisch angehoben: Neben dem neuen Strategiepart bietet Sentinels noch viele sinnvolle Ergänzungen: So kann man seine Charaktere nun jederzeit beliebig einkleiden - und sollte dies auch: Wenn sie einen Soldaten in "feindlicher" Uniform sehen, beginnen manche der im Level herumlaufenden Zivilisten panisch auf die "Feinde" zu ballern. Das hervorragende Interface wurde zum Glück kaum verändert, nur stellenweise sinnvoll ergänzt - so bekommt man mit gedrückter ALT-Taste sämtliche Gegenstände und in S3 auch den Geldwert der Inventar-Items angezeigt.Diverse Skills und das Trainingssystem wurden leicht überarbeitet, weit über ein Dutzend neue Waffen kommen hinzu (großteils authentische Waffen und Prototypen aus den Nachkriegsjahren), dazu noch zahlreiche neue Gadgets wie kugelsichere Westen. Überhaupt, die Waffen! Man fühlt sich fast wie Fallout Tactics: Gewehre und Karabiner, Pistolen, Maschinenpistolen, schwere MGs, Dutzende verschiedener Arten von Granaten, Standard- oder Hohlspitzmunition, Messer vom Wurfdolch bis zur schweren Machete und dazu noch diverse schallgedämpfte Waffen und Prototypen aus allen Ländern - allesamt mit größtem Realismus modelliert. Nur Flammenwerfer konnten wir bisher keinen entdecken.

Auch die Physikengine hat ein fettes Lob verdient: Jeder einzelne Schuss wird exakt berechnet. Ganz realistisch können viele Projektile Hindernisse durchschlagen - sie treffen dann nur nicht mehr ganz so hart. So kann man Gegner treffen, die sich hinter Wänden und Bäumen verschanzen - oder auch mehrere hintereinander stehende Gegner mit einem einzigen Schuss ausschalten. Schräge Schüsse werden oft abgelenkt und pfeifen in eine unerwartete Richtung davon. Angriffe mit Raketenwerfer, Granaten oder MG können auch die getroffene Wand zum Einsturz bringen.

Pioniere mit entsprechend trainierten Fertigkeiten bringen mit ihren Sprengsätzen gleich ganze Häuser zum Einsturz! In einigen Levels sind zahlreiche explosive Fässer zu finden - ein Treffer genügt, und das Fass fliegt mitsamt seiner näheren Umgebung in die Luft. In Bahnhofslevel etwa reichen wenige gezielte Treffer auf die explosiven Fässer, um die halbe Wachmannschaft in den Hades zu schicken. Dazu kommt noch die aufwändige Trefferberechnung: Getroffene Figuren reagieren höchst realistisch auf die Schadensart - so zuckt der getroffene Körperteil nach hinten weg. Kritische Treffer werden je nach Schadenszone berechnet - ein geübter Scharfschütze kann einem feindlichen Wachtposten quer durch den Level das Licht auspusten, wenn er ein gutes Gewehr und genügend Zeit zum Zielen hat. Getroffene Gegner fallen realistisch und rutschen manchmal die Treppe hinab. Sie fallen vom Dach oderwerden von einer MG-Salve durch die berstende Mauer dahinter gedrückt - das wirkt absolut beeindruckend, die aufwändige ragdoll-Animationsphysik macht's möglich. Die detaillierten Gesichter der Charaktere fallen dank der lizenzierten LifeMode-Technologie mit reichem Minenspiel und weitem Gestaltungsfreiraum bei der Charaktererstellung auf. Insgesamt ähnelt Silent Storm Sentinels so bekannten und beliebten Spielen wie Fallout Tactics, Jagged Alliance, Warhammer 40.000: Chaos Gate oder den unvergessenen Klassikern der X-Com: UFO-Reihe. Silent Storm hat aber einiges zu bieten, das den genannten Spielen weitestgehend fehlt: Echtes 3D-Gelände, gute KI, eine realistische Körper- und Schussphysik, akribisch recherchierte Waffen aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts und (kurz vor Schluss) auch noch mächtige Science-Fiction-Waffensysteme, die Spaß machen, eben weil sie den Anwender nicht übermächtig werden lassen. Dabei wirkt Silent Storm Sentinels noch deutlich motivierender und spannender, das herausragende Taktikspiel S2 hat nun mit S3 einen genialen Strategiepart erhalten - Fans von Taktik-Knobeleien sollten sich diesen Leckerbissen keinesfalls entgehen lassen. Silent Storm Sentinels soll im September 2004 erscheinen.Tipp:

Kamera "befreien"

Standardmäßig lässt sich die Kamera nicht völlig frei bewegen, um die Spieler nicht zu verwirren. Wer sich davon eingeengt fühlt, kann die Kamerabeschränkung leicht aufheben.

Dieser Tipp funktioniert bei Silent Storm (S2) und Silent Storm Sentinels (S3).

1. Öffnen Sie das Unterverzeichnis cfg im Installationsverzeichnis von Silent Storm bzw. der Erweiterung. Standardmäßig sind dies die Ordner C:ProgrammeJoWooDSilent Storm cfg bzw. C:ProgrammeJoWooDSilent Storm - Sentinelscfg

2. Erstellen Sie eine Sicherheitskopie von autoexec.cfg (Silent Storm) bzw. s3autoexec.cfg (Silent Storm Sentinels),

Silent Storm: Sentinels - Taktik-Fans dürfen sich freuen! S3 wird aller Ansicht nach wieder ein richtiges Actionspektakel!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 38/401/40
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

3. Ändern Sie die Parameter für die beiden folgenden Werte so wie hier angegeben: mission_camera_limits 35 -100 100 -10 10 mission_camera_softlimits 35 -100 100 -10 10

Die Kamera lässt sich im Spiel nun fast völlig frei bewegen - so kann man Sicht- und Schusslinien besser überprüfen, unerfahrene Spieler riskieren jedoch bei allzu unvorsichtiger Handhabung heftige Schwindelgefühle ...