Die Horrorspiel-Reihe Silent Hill wird neu gestartet – doch bei Shattered Memories wird vieles anders. Zum einen ist es kein direktes Remake des ersten Teils, zum anderen erscheint es nur für PlayStation2, PSP und Nintendo Wii. Wir haben uns auf der Gamescom die Wii-Version angeschaut – und durften um unser Leben laufen!

Silent Hill: Shattered Memories - Grusel Deluxe Trailer

Echter Survival-Horror

Wer ist eigentlich zuerst auf die Idee gekommen, Horror in einem Game könnte dadurch funktionieren, dass man einfach genügend fiese Monster auf den Spieler losstürmen lässt, die dieser wegballern muss? Eine Regel, die in der Literatur und (eingeschränkt) auch Filmen schon seit eh und je Selbstverständlichkeit ist, besagt, dass echter Grusel dadurch wirkt, dass der Protagonist das Grauen nicht versteht und diesem machtlos gegenübersteht.

Silent Hill: Shattered Memories - Der Psycho-Horror: Verborgene Ängste und sexuelle Geheimnisse

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Ort des Schreckens: Die Suche nach eurer Tochter führt euch zurück nach Silent Hill.
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Es geht weniger darum, das Monster zu töten, als vielmehr darum, ihm schutzlos ausgeliefert zu sein und die nackte Existenz zu retten. Waffen sind weitgehend nutzlos, und selbst, wenn mal eine da sein sollte, realistisch betrachtet würden die meisten Menschen immer noch Hals über Kopf fliehen, wenn sie sich das erste Mal Auge in Augenhöhle einem echten Zombie gegenübersehen würden.

Konami besinnt sich im neuesten Teil der „Silent Hill“-Reihe dieser Tugend. In Shattered Memories gibt es keine Waffen, und das Heil liegt einzig in der Flucht. Der Aufbau ist clever – das Spiel wird quasi auf zwei Realitätsebenen gespielt. In der einen erforscht ihr als Harry Mason auf der Suche nach seiner Tochter die verlassenen Häuser der Kleinstadt Silent Hill. Doch immer wieder wechselt das Ganze plötzlich, und ihr findet euch in einer bösen Parallelwelt wieder. Diese ist von abscheulichen, blasphemischen Albtraumgestalten bevölkert, die eurem Harry ans Leder wollen. Euch bleibt nur die Flucht!

Lauf, Harry, Lauf!

In dem von uns angespielten Abschnitt werden wir auf einmal von nackten, ghoulartigen Kreaturen entdeckt. Wir hetzen über ein paar Innenhöfe, springen über Mauern (das Schütteln des Nunchuks gibt uns hier einen Tempo-Boost) und rennen durch Türen in die leer stehenden Gebäude. Ein leichtes blaues Schimmern weist uns den rechten Weg. In den Gebäuden – es handelt sich wohl um eine Schule oder so – können wir uns im Schrank verstecken und hoffen, dass die Ghoule uns nicht wittern.

Silent Hill: Shattered Memories - Der Psycho-Horror: Verborgene Ängste und sexuelle Geheimnisse

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Witzige Idee: Euer Handy fungiert als Navi und Fotokamera.
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Doch sie sind uns zu dicht auf den Fersen, deshalb werfen wir einen Schrank um, der sie kurz etwas behindert und stürzen weiter. Wir reißen die nächste Tür auf, doch dort lauert schon eine weitere der Missgeburten und stürzt sich auf uns. Das Bild beginnt zu verschwimmen, und uns bleiben nur wenige Augenblicke, um die Gestalt mit dem Controller von unserem Rücken zu schleudern – dies gelingt uns zwar noch, aber es hat uns zu viel Zeit gekostet, die Verfolger sind da und überwältigen uns. Wir gehen zu Boden, das Geschehen verschwimmt, Blut ist aber nicht zu sehen.

Ein Horrorspiel wie es sein soll, das obendrein die Wii-Möglichkeiten kreativ einsetzt.Ausblick lesen

Nächster Versuch, wir starten wieder am Anfang, hetzen verfolgt bis zur gleichen Stelle, reißen die Tür auf, wo eben noch ein Ghoul lauerte, doch diesmal ist der Weg frei. Schnell weitergejagt, wir werfen beim Laufen einen schnellen Blick über die Schulter – es sind uns mit Sicherheit mehr Ghoule als beim letzten Mal auf den Fersen – und dann stehen wir auf einmal in einem alten Schwimmbad. Wir springen nach unten, in der Mitte des Pools liegt eine Leuchtfackel. Wir entzünden sie schnell und hoffen, dass das grelle Licht die Verfolger lange genug aufhält, um zu entkommen. Und tatsächlich, wir stürzen aus dem Gebäude und befinden uns plötzlich wieder in der wirklichen Welt.

Wiirklicher Grusel

Nicht nur bei den hektischen Verfolgungsjagden durch die Horrordimension, vor allem auch beim Erforschen des Städtchens Silent Hill kommen die kreativen und intuitiven Einsatzmöglichkeiten der Wii-Controller zum Einsatz. Die Wiimote fungiert hier als Taschenlampe: Wo immer wir hinzeigen, wird das Geschehen vom Lichtkegel erhellt. Dann klingelt plötzlich das Handy, nämlich unsere Wiimote – wir nehmen sie an unser Ohr und hören durch den Mini-Lautsprecher jemanden reden.

Silent Hill: Shattered Memories - Der Psycho-Horror: Verborgene Ängste und sexuelle Geheimnisse

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Das Spiel analysiert sogar eure heimlichen sexuellen Fantasien.
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Die Grafik hingegen wird dem Next-Gen-verwöhnten Auge natürlich nicht wirklich gerecht, aber hey!, es ist „nur“ die Wii, und für die schwächere Hardware sieht das Geschehen sehr ordentlich aus. Und es braucht keine HD-Monster für eine gute Portion Grusel, wenn Atmosphäre, Story und Rätsel stimmen.

Wesentlich ausgefeilter als in den Vorgängern funktioniert das so genannte Psychen-Profil. Entscheidungen, die ihr im Spielverlauf trefft, werden vom Spiel gemerkt und ausgewertet. So nehmt ihr gleich zu Beginn des Spiels auf der Psychiater-Couch Platz und müsst Fragen zu euren heimlichen Ängsten, sexuellen Vorlieben und eurer Weltanschauung beantworten. Auch während des Spiels merkt sich das Spiel genau, was ihr tut und wie ihr es tut.

Wer zum Beispiel lange und ausgiebig herumstöbert, alle Schubladen öffnet und in herumstehende Kisten späht, wird vom Programm anders eingestuft als ein Lustmolch, der vor dem Erotik-Kalender in der Bar innehält oder für eine Weile die nackte Schaufensterpuppe begafft. Laut Aussage der Entwickler haben solche unbewussten Aktionen einen nachhaltigen Einfluss auf das Spielgeschehen – welchen genau, wollte man uns aber nicht verraten.