Die Mechanismen der Spieleindustrie treiben bisweilen schon sehr skurrile Blüten. Während Silent Hill: Homecoming in Übersee und Japan bereits seit Monaten zu haben ist, müssen sich hierzulande Fans des Survival Horror-Genres noch bis Februar gedulden. Schuld ist wohl der zu hohe Gewaltgrad, der eine Veröffentlichung in der ursprünglichen Fassung unmöglich gemacht hätte.

Um eine drohende Indizierung abzuwenden, hat Konami kurzerhand eine Beschneidung des Games in Auftrag gegeben, diese betrifft laut eigenen Angaben vor allem die Finishing-Moves gegen Menschen bzw. humanoide Gegner. Wir haben uns vor wenigen Tagen aktuelle Eindrücke der verkaufsfertigen Version verschafft.

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Grenzwertiger Grusel

Eigentlich ist die Location in einem Apartment in Berlin Mitte viel zu schön, um dort ein Spiel wie Silent Hill: Homecoming zu präsentieren. Tolle Wohnung, aber zu hell, um sich so richtig auf den Grusel einer solch grenzwertigen Erfahrung einlassen zu können. Sie ist das Gegenteil dessen, was uns im sechsten Teil der Serie erwartet, wo der Protagonist Alex Shepherd in einem heruntergekommenen Krankenhaus auf einer Pritsche sein Bewusstsein wieder erlangt und feststellt, dass er gefesselt ist.

Silent Hill: Homecoming - Der Horror kehrt heim

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Zurück im Nebel: Die charakteristische Stimmung der Serie herrscht auch in Homecoming vor.
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Schnell vergisst man das Hochglanz-Interieur um einen herum und versucht die Spielfigur, einen 22-jährigen Kriegsveteranen, von den Fesseln zu befreien, was mit einem Mini-Quicktime-Event gelöst wird: Nachdem der X-Button des PS3-Controllers ausreichend malträtiert wurde, kann das Abenteuer beginnen und man tapst vorsichtig durch die nur von einer kleinen Taschenlampe erhellte finstere Umgebung.

Schon bald nimmt einen die beklemmende Atmosphäre gefangen. Alex weiß weder, wo er sich befindet, noch wie er überhaupt in diese Situation gelangt ist. Während man langsam durch die schäbigen Räume läuft, die aussehen als wären sie seit Jahren verlassen, stößt man immer wieder auf Leichen - teilweise halb seziert. Überall getrocknetes (?) Blut, das den Boden und die Wände verschmiert. Eine Bruchbude, die eher einem Schlachthaus denn einem Hospital gleicht.

Packshot zu Silent Hill: HomecomingSilent Hill: HomecomingErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Im Verbund mit dem unvergleichlich packenden Soundgewand eines Akira Yamaoka stellt sich schon bald das gewohnte „Silent Hill“-Feeling ein, bei dem der Spieler unter permanenter Hochspannung steht. Während der atmosphärische Aspekt also scheinbar unangetastet blieb und den Spielern Horror und nervlichen Terror en masse bietet, hat man beispielsweise das Nahkampfsystem neu gestaltet. Auf diese Weise will Konami den Spielablauf freier und auch taktischer gestalten.

Es werde Licht!

Es dauert nicht lange und wir können die neuen Attacken und Verteidigungs- möglichkeiten in der Praxis ausprobieren. Wir treffen beispielsweise auf Krankenschwestern, die sich jedoch als wenig hilfsbereit erweisen und sich mit verrenkten Gliedern und schwankendem Gang in unsere Richtung bewegen. Glücklicherweise lag in einem der Räume ein Messer herum, mit dem wir uns nun zur Wehr setzen. Mühelos entledigen wir uns der Widersacherin. Zwei Angriffen lassen wir eine Ausweichhandlung folgen und geben dem seelenlosen Geschöpf schließlich den Rest.

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Diese Krankenschwester ist zwar vollbusig, aber alles andere als hilfsbereit.
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Zwar müssen wir ein wenig mehr Anstrengung investieren, wenn sich uns gleich zwei oder mehr Krankenschwestern attackieren und stecken aufgrund leichter Unübersichtlichkeit dann auch den einen oder anderen Treffer ein. Generell entsteht jedoch der Eindruck, dass die Kämpfe vielleicht ein wenig zu leicht ausfallen. Solche Konfrontationen kann man jedoch vermeiden, indem man die Taschenlampe ausschaltet. Ähnlich wie in Left 4 Dead, wo man einen Angriff der Witch auf diese Weise umgeht, reagieren auch viele Gegner in Silent Hill: Homecoming aggressiv auf das Licht.

Die Actionelemente stehen jedoch im stetigen Wechsel mit Rätselaufgaben, bei denen man Informationen sammelt und Gegenstände sucht, um dem Geheimnis um den vermissten Bruder Joshua auf die Spur zu kommen. Da sich überall wichtige Hinweise verbergen könnten, durchsucht man jeden Raum und alle möglichen Objekte. Schließlich könnte die gesuchte Zahlenkombination ja auf einem Röntgenbild hinterlassen worden oder das Lieblingsspielzeug des Bruders in einem Loch in der Wand verborgen sein.

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Nicht immer findet man Objekte dort, wo man sie erwarten würde.
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Will man dort aber wirklich seinen Arm hineinstecken? Merkwürdige Geräusche scheinen von der gegenüberliegenden Seite zu stammen, wer weiß, was passiert? Das Suchen, Finden und Kombinieren von Gegenständen und Informationen ist demnach weiterhin ein dominierender Bestandteil des Spielablaufs und wird durch den Überlebenskampf gegen die tödlichen Kreaturen sowie den atmosphärischen Horrortrip vervollständigt.

Nicht von dieser Welt

Dazwischen erleben wir immer wieder Flashbacks und Zwischensequenzen, mit denen der Eindruck eines interaktiven Films erzeugt werden soll. Die Grenzen zwischen Traum und Realität verwischen mit der Zeit immer mehr. Verdammt, was ist hier los und worauf kann man sich noch verlassen? Der leicht grieselige, trübe Look verleiht dem Ambiente zudem eine merkwürdig raue Ausstrahlung, die den Zustand der ständigen Bedrohung noch intensiver werden lässt. Auf Wunsch wechselt man sogar in die Egosicht, um sich auf diese Weise einen besseren Überblick zu verschaffen.

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Da haben wir aber einen dicken Fisch an der Angel!
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Die Umgebung ist wie in der Vergangenheit jedoch nur teilweise interaktiv, viele Objekte lassen sich verschieben, was auf den Spielablauf jedoch keinen Einfluss hat. Natürlich lauern auch hier immer wieder Schockmomente mit plötzlich herabfallenden Leichen, unvermittelt angreifenden Feinden, durch Mark und Bein gehenden Lauten, die nicht von dieser Welt stammen können. All diese Komponenten in Kombination mit der stetigen Ungewissheit machen das Spielerlebnis von Silent Hill: Homecoming aus.