Sid Meier steht für Strategiespiele: Angefangen bei Titeln wie Civilization und Pirates!, gelang es dem Sohn niederländischer Auswanderer auch in den letzten Jahren, dem Genre seinen Stempel aufzudrücken. Mit Starships führt er sein letztes Projekt Beyond Earth in die Sterne – und wartet dabei mit einem raffinierten Baukastensystem auf.

Sid Meier’s Starships - Ankündigungs-Trailer

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wer kennt sie nicht, diese berühmten Worte aus den Anfangsszenen von Raumschiff Enterprise? Und tatsächlich besteht eine Verbindung zwischen Sid Meier's Starships und der TV-Serie. „Als ich noch jünger war, war ich ein großer Fan von Star Trek und Star Wars. Ich liebte die Darstellung der Schlachten. Allerdings fehlten mir dabei immer die strategischen Erklärungen. Gut, in Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung fliegen die Torpedos in den Schacht und sprengen den Todesstern. Aber eine wirkliche Taktik war das nun wirklich nicht. Deshalb träumte ich schon immer von einem Spiel, bei dem ich selbst der Commander einer Sternenflotte sein darf“, grinst Sid Meier verschmitzt, während er sich seine Armada in Starships anschaut.

Sid Meier’s Starships - Mein Raumschiffbaukasten

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Sid Meier feierte kürzlich seinen 61. Geburtstag. An den Ruhestand denkt der Kanadier aber noch lange nicht.
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Das Grundprinzip hinter dem Strategiespiel ist daher einfach: Ich steuere meine Flotte – mit maximal acht Schiffen – über eine typische Hexfeld-Sternenkarte. Ich mache an Sternensystemen Halt, erledige Aufträge und bekomme dafür Einflusspunkte. Wenn ich nach mehreren Missionen maximalen Einfluss auf einem Planeten habe, schließt sich deren Volk meiner Föderation an. Gehört mir die halbe Galaxie – oder mehr – habe ich eine der insgesamt vier möglichen Siegbedingungen erreicht. Was sich zunächst ziemlich platt anhört, unterfüttern Sid Meier und Firaxis mit vielen schönen, strategisch angehauchten Details.

Das beginnt schon beim Spielstart. Denn dort kann ich Starships mit Beyond Earth verknüpfen. Ähnlich wie in The Walking Dead oder Game of Thrones nehmen meine alten Entscheidungen Einfluss auf das neue Spiel. Sid Meier dazu: „Die Verbindung bezieht sich vor allem auf die diplomatischen Beziehungen. Die Affinitäten – Vorherrschaft, Reinheit und Harmonie – tauchen auch hier wieder auf. Habe ich mir in Beyond Earth Feinde gemacht, werden mir diese Völker auch zu Beginn von Starships spinnefeind sein. Andererseits nehme ich natürlich auch Verbündete mit und erleichtere mir so vielleicht den Einstieg ins Spiel.“

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Die 3D-Grafik ist einfach gehalten, aber durchaus ansehnlich: Bei einem Schuss verfolgt die Kamera die Laser bis zum Einschlag.
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Gleichzeitig entscheide ich mich für eine dieser Rassen und erhalte dadurch vom Start weg einen Vorteil wie beispielsweise eine Gratis-Technologie oder ein bereits errichtetes Wunder. Neben besagtem Bevölkerungssieg gewinne ich ebenfalls durch den Bau von sieben Wundern, die Maximierung von fünf Technologien oder Dominanz auf der Karte, indem ich einfach alle übrigen Parteien vernichte.

Meine Flotte, meine Schiffe, meine Wahl

„Zu Beginn der Entwicklung eines neuen Spiels überlegen wir uns immer, wer in unserem Universum wohl am meisten Spaß hat. Bei Starships ist es eindeutig der Flotten-Commander. Deshalb stehen die Schiffe auch im Mittelpunkt. Ich steuere lediglich eine Flotte mit maximal acht Schiffen. Jedes besteht aus verschiedenen Modulen – wie dem Antrieb, den Lasern oder den Schilden. Diese rüste ich auf und passe sie an meine Spielweise oder die nächste Mission an,“ erklärt Sid Meier im Interview. Die notwendigen Rohstoffe dafür erhalte ich nach jeder Runde von den eingenommenen Planeten.

Hübsche Rundenstrategie mit handlichen Raumschiffbaukasten – gerade für iPad-Zocker einen längeren Blick wert.Ausblick lesen

Der Clou: Bevor ich mich in die Schlacht – entweder gegen eine Flotte der anderen Völker oder gegen Marodeure – stürze, kann ich mir deren Bewaffnung anschauen. Meine Zweifel über die Funktion wischt Meier gekonnt vom Tisch: „Wir sind in der Zukunft. Es gibt Radar, Scanner und was weiß ich noch alles. Deshalb kann man auch vorher sehen, welche Waffen die anderen Parteien haben.“ Tatsächlich geht das ständige Auf- und Umrüsten aber flott von den Fingern. Ein paar Klicks, und schon werden aus meinen flinken Corvettes schwere Schlachtkähne.

Die Gefechte selbst erinnern an XCOM – Enemy Unknown. Doch statt hinter Kisten verstecken sich meine Schiffe auf der 2D-Karte hinter Asteroiden. Durch die Steinformationen kommen Laser nicht hindurch, und so entbrennt schnell ein stetes Ringen um die bessere Position.

Einzig Torpedos fliegen durch die Asteroidenfelder hindurch und können manuell zwischen den Runden gezündet werden. Technische Spielereien wie beispielsweise ein Tarnsystem, Jäger, Sensoren und eine Kampfkarte mit einem Bonus sorgen im Gefecht für Tiefe. Die Missionen wiederum reichen von Eskorteinsätzen über klassische Dogfights bis hin zur Flucht aus einem Asteroidenfeld.

Weltraumschmuggler?

Einen traditionellen Aufbaupart oder gar Mikromanagement gibt es in Starships hingegen nicht. Zwar baue ich auf Planeten Städte mit Verteidungsposten, doch diese bringen mir einfach nur mehr Rohstoffe. Weiter ins Detail geht das Spiel nicht. Der Technologiebaum wirkt ebenfalls relativ oberflächlich. Hier rüste ich kurzerhand Laser auf, verbessere den Antrieb oder erstehe gar Warp-Tore. Diese erleichtern meiner Crew das Reisen zwischen den Planeten. Gehen mir einmal die Ressourcen aus, kaufe und verkaufe ich die entsprechenden Rohstoffe einfach auf dem Markt.

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Firaxis verzichtet bei Sid Meier's Starships auf ein dreidimensionales Schlachtfeld. Durch die 2D-Karte sind die Kämpfe sehr übersichtlich.
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Starships erscheint parallel für PC, Mac und iPad. Und spätestens an dieser Stelle schrillen bei den Ersten die Alarmglocken. Doch Sid Meier beruhigt: „Nein, obwohl das Spiel auch für iPad kommt, wird es keinerlei Mikrotransaktionen oder sonstige Kaufinhalte geben. Ihr bezahlt 14,99 Euro und bekommt dafür das komplette Spiel.“ Meier ist weiterhin kein Freund von Free2Play-Spielen: „Durch diese Gratismentalität haben sich sehr merkwürdige Mechanismen eingeschlichen. Als Spieleentwickler wirst du plötzlich zum Verkäufer. Du bist gezwungen, das Spiel so aufzubauen, dass der Nutzer irgendwann zum Bezahlen motiviert wird. Als Spieler wiederum kannst du versuchen, diese Grenzen auszuloten. Oder musst dich so weit zurückhalten, dass du nicht irgendwann doch zum Portemonnaie greifst und für das Spiel bezahlst. So oder so ist das keine positive Entwicklung.“

Aber warum verschlägt es einen alteingesessenen Entwickler wie Sid Meier eigentlich auf das iPad? „Weil es funktioniert! Unsere Menüstruktur bietet sich förmlich für die Touch-Steuerung des Tablets an. Außerdem mussten wir auch technisch nur wenige Kompromisse eingehen. Unsere neue Grafik-Engine läuft auf PC und iPad gleichermaßen gut, sodass die Anpassung absolut problemlos verlief.“

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Asteroiden dienen in Starships als Deckung. Erst wenn die Sichtlinie hergestellt ist, geht auch der Schuss ins Schwarze.
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Von Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter hält Meier übrigens nichts. Er schwört auf die bewährte Zusammenarbeit zwischen Entwicklerteam und Publisher und bricht eine Lanze für Publisher 2K Games. Der macht die Arbeit, auf die Meier und sein Team keine Lust haben. Was passieren kann, wenn die Unwägbarkeiten des Spielegeschäfts zuschlagen, sieht man in den Augen von Sid Meier bei Peter Molyneux. „Das ist einfach traurig. Aber unser Job ist geprägt durch Kreativität, und die ist nicht immer kalkulierbar. Bei Kickstarter machst du Versprechen, die du vielleicht nicht halten kannst.“

Ein Ende seiner Entwicklerkarriere sieht der inzwischen 61-Jährige noch nicht kommen: „Das würde ja bedeuten, dass mir die Rente mehr Spaß machen müsste, als die Spieleentwicklung. Das sehe ich derzeit noch nicht.“ Klingt fast so, als würden wir auch nach Sid Meier's Starships noch einige weitere Spiele unter der Federführung der Legende bekommen.