Sid Meier's Starships setzt zwar Civilization: Beyond Earth fort, doch wirklich etwas gemein mit dem umfangreichen Strategiespiel hat es nicht. Und so pochten beim Test von Starships zwei Herzen in meiner Brust: Den PC-Spieler langweilte das Spiel einfach. Denn für einen Preis von 15 Euro bekomme ich anderweitig komplexere und bessere Taktikkost geboten. Der Mobile-Gamer in mir allerdings jubilierte – und wollte Starships gar nicht mehr aus den Fingern geben. Egal, ob im Bus oder abends auf der Couch, nebenbei macht Starships erstaunlich viel Spaß und frisst schnell zwei oder drei Spielstunden auf.

Sid Meier’s Starships - Ankündigungs-Trailer

Trotzdem tut die Verbindung zu Civilization: Beyond Earth dieser kleinen Fortsetzung alles andere als gut. Sie weckt falsche Erwartungen, die das Spiel besonders am heimischen Rechner nicht erfüllen kann. Starships konzentriert sich letztlich auf das Kommandieren und Pflegen der eigenen Sternenflotte.

Sid Meier’s Starships - Weltraumträume ohne Civilization

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Die spektakulärsten Effekte im Spiel: Dieses Kriegsschiff der Marodeure geht nach einem Treffer in Flammen auf.
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Nachdem ich meinen Admiral ausgewählt und damit Vorteile wie eine Bonus-Technologie zum Start oder eine dauerhaft bessere Truppenmoral eingesackt habe, entlässt mich das Programm auf die Sternenkarte. Diese würfelt das Spiel praktischerweise stets zufällig aus. Auf diese Weise lohnt es sich, Starships häufiger mit wechselnden Kartengrößen oder anderen Schwierigkeitsgraden auszupacken.

Grundsätzlich geht es zunächst einmal darum, eine eigene Föderation aufzubauen und andere Völker zum Beitritt zu überreden. Zu diesem Zweck hüpfe ich von einem Stern zum nächsten, erledige Aufträge und gewinne somit deren Vertrauen. Die notwendigen finanziellen Mittel vorausgesetzt, beschleunige ich diese Prozess auch und erkaufe mir die Freundschaft einfach. Es gibt verschiedene Arten, wie ich eine Partie für mich entscheiden kann. Ich könnte einfach alle übrigen Völker auslöschen – das wäre die kriegerische Variante.

Oder ich bringe mehr als die Hälfte aller Galaxiebewohner auf meine Seite. Ich kann aber auch mit Technologien oder Wundern gewinnen. Meine Art zu spielen beeinflusst diese Entscheidung meist nur marginal. Zunächst bin ich ohnehin mit meiner kleinen Flotte unterwegs und versuche, meinen Einflussbereich zu erweitern. Das bringt mir nämlich Extra-Ressourcen, die ich wiederum zum Aufrüsten meiner Schiffe oder den Planeten und eben zur Forschung benötige.

Sternenkriege zum Mitspielen

Jeder neue Einsatz spielt sich ähnlich. Ich schippere mit meiner Flotte zu einem neuen Planeten und werde dort von den Herrschern begrüßt. Anschließend erhalte ich ein kurzes Briefing über die folgende Mission. Glücklicherweise gestalten sich die Aufgaben vor allem zu Beginn des Spiels angenehm abwechslungsreich: Ich beschütze Konvois, zerstöre Transporter, bewache Raumstationen oder flüchte vor Marodeuren durch ein Labyrinth aus Asteroiden.

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Manchmal hinterlassen Treffer auch bleibende Schäden und beeinflussen damit die Kampfeigenschaften der Schiffe.
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Der Clou: Ich rüste meine Schiffe jederzeit in neun Kategorien – etwa Schilden, Laser oder Antrieb – auf und passe sie somit meinen taktischen Plänen an. Bei einer Fluchtmission macht es beispielsweise Sinn, auf Geschwindigkeit und Schilde zu setzen. Praktischerweise schaue ich mir zuvor auch die Armada meiner Widersacher an und schätze so ein, ob der Einsatz überhaupt lohnt oder wie ich meine Schiffe abstimmen muss.

Anschließend lande ich im Taktikmodus. Hier ziehe ich die einzelnen Schiffe meiner Flotte und greife auf deren Spezialfähigkeiten zurück. So lasse ich etwa einen Schwarm Jäger los. Diese kleinen Flugvehikel sind zwar schwächlich, aber richten auf kurze Distanz mächtig Schaden an. Mit Sensorsystemen erfasse ich Feindbewegungen und wirke somit Tarnvorrichtungen entgegen.

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An bestimmten Planeten könnt ihr auch Wunder bauen. Mit sieben Wundern gewinnt ihr ein Spiel.
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Fungieren Asteroidenfelder sonst als gute Deckungsmöglichkeit, fliegen Torpedos sogar durch die Steinchen hindurch und können über mehrere Runden kontrolliert werden. So kämpfe ich Zug um Zug mit meinen Widersachern um die bessere Position. Praktische Anzeigen wie etwa die potenziell angerichteten Schadenspunkte und verursachte Beeinträchtigungen erleichtern mir das Leben. Schön: Sid Meier's Starships ist nahezu selbsterklärend und spielt sich – egal, ob mit Maus und Tastatur oder dem iPad – ausgesprochen intuitiv. Der Grad der Herausforderung hängt natürlich von der Stärke der eigenen Staffel ab. Anfangs gehören gelegentliche Niederlagen dazu; später wird Starships fast schon zu leicht.

Ein Spiel für verschiedene Ansprüche: In der iPad-Fassung guter Taktik-Spaß – für PC-Strategen aber leider zu seicht und oberflächlich.Fazit lesen

Das Problem mit der Spieltiefe

Letztlich liegt genau im Endgame der Hase im Pfeffer. Auf lange Sicht gibt es in Starships zu wenig Herausforderungen und zu wenige Möglichkeiten. Meine Planeten päpple ich nebenbei auf, verpasse ihnen Städte und schraube so die Bevölkerung nach oben. Oder ich errichte Modernisierungen und sacke somit mehr Ressourcen ein. Geradezu beiläufig rüste ich meine Flotte mit neuen Technologien in mehreren Stufen auf und verbessere so beispielsweise die Schilde, die Panzerung oder die Sensoren. Das alles funktioniert locker-leicht und leider ohne dass ich eine echte Beziehung zu meinen Sternen aufbauen könnte.

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Zum Ende einer Partie liefert das Spiel noch einmal wenig aussagekräftige Statistiken.
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Irgendwann stoße ich dann zwangsläufig auf die anderen Mitstreiter innerhalb der Galaxie. Und obwohl ich auch Friedensverträge aushandeln und mir somit Ruhe erkaufen kann, ist Krieg aufgrund des auf Eroberung ausgelegten Gameplays unausweichlich. An dieser Stelle schwächelt Starships leider spürbar – Kämpfe mit anderen Flotten laufen stets ähnlich ab. Die Varianz der bisherigen Missionen fehlt hier. Stattdessen streite ich mich mit oftmals heillos unterlegenen Schiffen auf wechselnden Karten. Untermissionen oder Bonusziele? Pustekuchen. So ist das Unterwerfen eines anderen Volkes eine vergleichsweise mühsame und monotone Angelegenheit.

Das ist auf dem iPad noch absolut im Rahmen. Hier brauche ich kein Micro-Management, und angesichts des Umfangs und des Wiederspielwerts sind 15 Euro ein fairer Preis. Auf dem PC stehen Sid Meier und Civilization jedoch für Qualität und Tiefe. Und beides kommt in Starships leider viel zu kurz.