„Nur noch eine Runde!“: Dieses Credo, das die Entwickler von Civilization seit Geburt der Reihe gleichermaßen in den „Spiel gewonnen!“-Bildschirm wie auch den imaginären Untertitel der Strategiereihe zementierten, könnte sich nun an die neuen, mobilen Zeiten anpassen. Aber wollen wir das eigentlich?

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Mit Civilization Revolution 2 versucht das chinesische Studio von 2k erneut, eine abgespeckte Version des unkaputtbaren Hauptspiels zum Erfolg zu verhelfen und nimmt dieses Mal nicht den Weg über Konsolen, sondern iPads und Handys. Als Strategiefan und Fan warf ich versuchsweise ein Auge auf den mobilen Ableger – und meine Erwartungen wurden erfüllt.

In quietschbunter Comicmontur mit satten, fast leuchtenden Farben begrüßen die insgesamt 16 stark überzeichneten Staatsoberhäupter den Spieler – ein echter Grafikschock für Fans der Reihe, die bisher ausschließlich auf dem PC unterwegs waren. Ich war mit dem Stil bereits vom Vorgängerspiel vertraut, das versuchte, den PC-Titel auf die Konsolen zu bringen – aber von mir schnell wieder in die hinterste Ecke des Spielregals verbannt wurde.

Sid Meier’s Civilization Revolution 2 - Spiel, wo ist deine Zielgruppe?

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Der Grafikstil scheint auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig - funktioniert aber gut.
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Zu oberflächlich fühlte sich das abgespeckte Spielsystem an, zu wenig Gewusel und strategischer Aufbau eines Imperiums, dafür eine ordentliche Portion Arcade mit kurzen, schnellen Runden und sehr überschaubaren Karten. Von Civilization Revolution 2 erwartete ich nun etwas ganz ähnliches.

Zielgruppe: Pendler?

An eines müssen sich auch die eingefleischtesten und engstirnigsten Core-Gamer unter uns gewöhnen: Apps gehören mittlerweile fest zur Spielelandschaft und bringen neben schlimmen Fehlgriffen seitens der Entwickler auch kleine Spielperlen mit ausgewachseneer Spaßkurve ans Tageslicht. Daher ist es 2K nicht zu verübeln, dass sie sich nach einem misslungenen Sprung auf die Konsolen an den vermeintlich kleineren Hops auf mobile Geräte, vor allem Tablets, versuchen. Aber braucht es das wirklich?

Keine Spielereihe wäre für dieses Stimmungsexperiment in Form der oberflächlich gelungenen Portierung Revolution 2 wohl schlechter geeignet als Strategietitan Civilization. Seit Jahrzehnten begeistert die Spielereihe mit tiefgehender Rundenstrategie, bei der etliche Faktoren und Mechanismen ständig im Auge behalten werden müssen.

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Der Wechsel von strategischen Planungen zu den Kämpfen funktioniert flüssiger als noch im Vorgänger.
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Spielergeneration um Spielergeneration findet sein eigenes, ganz persönliches „Lieblings-Civ“, das begeistert und stundenlang an den Monitor fesselt – daran kann auch die immer ein wenig altbackene Grafik und die allgemeine Textlastigkeit wenig rütteln.

Strategie to go?

Mit der Portierung für die sogenannten „mobilen Endgeräte“ soll Civilization nun leichter und to-go werden. Handwerklich hat das immerhin weitestgehend funktioniert: 16 historische Staatsoberhäuper, 51 Technologien, 6 Regierungsformen und rund 20 Szenarien plus eigenen Generator machen das Spielerlebnis abwechslungsreich und sorgt für ausreichend Spielfleisch auf der Tablet-Brust.

Ein wenig schade ist hierbei allerdings, dass sowohl ein Multiplayermodus als auch einige Animationen fehlen: Immer wieder bewegen sich Einheiten unschön ruckelnd über die farbenfrohen Landschaften oder frieren sogar für einige Sekunden gänzlich ein. Ein kleines Trostpflaster stellt die Steuerung dar, die mit den bekannten Wischbewegungen zuverlässig zoomen, scrollen und befehlen lässt.

Doch Featurelisten sind noch lange kein Kaufgrund und so kommen wir zu der eigentlich wichtigen Frage: Ist Civilization Revolution 2 sein Geld (immerhin 15 Euro) wert?

Schwierig.

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Die KI stellt sich bei diplomatischen Verhandlungen nicht doof - aber leider auch nicht allzu geschickt - an.
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Technisch gesehen bietet die App mit Premium-Preis alles, was zur Unterhaltung auf einer längeren Zugfahrt notwendig ist: Ausreichend große Karten, ausreichend herausfordernde Computergegner, ausreichend komplexe Technologie- und Wirtschaftszweige. Aber jede Zugfahrt endet irgendwann und dann ist Civilization Revolution 2 kein Grund mehr, sich stundenlang auf das heimische Sofa zu schwingen und in die quietschbunte Welt des Strategiespiels abzutauchen.

Spieler und Fans der Reihe werden sich mit dieser Portierung definitiv schwer tun. Zu häufig bemerkt man die vielen spielerischen Einsparungen, die notwendig für die iPad-Version sind, aber eine erhebliche Portion Tiefe vermissen lassen. Ich persönlich bin zudem kein großer Freund des überzeichneten Designs und bevorzuge einen gewissen Realismus, wenn ich meinen Städten beim Wachsen und Vernetzen zusehe.

Daher legte ich dieses Spiel schon recht bald wieder aus den Händen und empfehle, das gleiche Geld in vollwertige Unterhaltungsbomben zu investieren, die vergleichsweise mehr Fleisch bieten als eine Strategieportierung.