Ich erinnere mich noch ziemlich genau an das eine Wochenende im Mai 2006. Die Sonne schien, draußen war es ganz wunderbar warm und ich und mein damals bester Kumpel saßen in der Bude und zockten. LAN-Party hieß das damals, selbst wenn man nur zu zweit war. Zu spielen gab es allerdings reichlich, denn damals hatte man noch nicht so hohe Ansprüche wie heute. Wir wollten die Bandbreite des lokalen Mehrspielerspiels ausprobieren und in jedes Genre schnuppern, doch dann kam alles ganz anders.

Dann kam Sid Meier´s Civilization.

Der kleine unscheinbare Datenrundling mit der Beschriftung „Civilization IV“ schlummerte damals in meinem Rucksack neben all den anderen Spielen. Eins dieser Aufbauspiele, die dir deine Eltern kaufen, um zu verhindern, dass du vorm Computer nicht die ganze Zeit auf Terroristen schießt. Zu früh gefreut. Civilization IV hat mir damals so unglaublich viel Zeit geraubt, dass meine Erzeuger mir wohl lieber ein Call of Duty geschenkt hätten, dessen 6h Einzelspielermodus mich nach Vollendung wieder in die Freiheit entließe. Manchmal ist es doch ganz praktisch, wenn Eltern keine Ahnung von Videospielen haben.

Sid Meier's Civilization: Beyond Earth - Mit der Axt bis ins All!

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Sid Meier auf der Games Developer Conference 2010. (Foto von Alex Handy)
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Das Grundprinzip von Sid Meier´s Civilization hat sich seit dem ersten Teil von 1991 nicht geändert. Auf einer riesigen Weltkarte entwickeln wir eine kleine Zivilisation der Urzeit zur globalen Nation der Neuzeit. Städte werden gebaut, Länder eingenommen und Kriege gewonnen. Über kulturelle Entwicklungen wie Forschung, Religion und Politik gewinnen wir an Macht und Fortschritt, der uns den anderen Nationen immer ein Stück voraus sein lässt. Mit einem unglaublich eingängigen und dennoch sehr komplexen Gameplay konnte und kann Civilization unzählige Spieler über tausende Runden begeistern.

Über die Jahre wurden die Teile der Serie immer komplexer. Grafisch und spielerisch wurde konsequent an Kernelementen weiterentwickelt und an neuen Aspekten geschraubt. Die ehemals pixeligen Vierecke mussten hochauflösenden Texturen und detaillierten Städtemodellen weichen. Viele neue Features konnten das geniale Spielprinzip noch verfeinern und boten so z.B. neben der militärischen Lösung noch viele andere Wege, um den Sieg an sich zu reißen.

Mit unzähligen Erweiterungen konnten die Spieler zudem noch viele weitere Stunden in ihrem virtuellen Weltreich verbringen. Neue Nationen, Völker und deren größte Helden wurden hinzugefügt. Neue Spielmodi, Siegbedingungen und eine bessere KI verbesserte das Gesamtkonzept Civilization Jahr für Jahr.

Mama, ich bin Astronaut!

Nun endlich - Im Herbst 2014 – 23 Jahre nach dem Erscheinen vom Ur-Civilization erscheint der langersehnte neuste Teil der Serie. Civilization: Beyond Earth. Freunde von Sid Meier´s liebstem Nebenjob Alpha Centauri finden in Beyond Earth alles, was sie am Aufbauklassiker von 1999 so geliebt haben. Technisch und spielerisch wird der neuste Teil aus dem Civilization-Universum sicher abermals Maßstäbe setzen.

Sid Meier's Civilization: Beyond Earth - Mit der Axt bis ins All!

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Aliens, Hexfelder, extraterrestrische Pflanzen - Ich bin zuhause.
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Das Grundkonzept hat sich im Vergleich zum Vorgänger an einer Stelle rigoros geändert. Wir kolonisieren nicht mehr auf dem alten Mütterchen Erde, sondern „beyond earth“. Auf fremden, zufallsgenerierten Planeten, müssen wir als Anführer einer elitären Expedition neuen Lebensraum für die Menschheit erschließen. Die katastrophalen Zustände der alten Erde haben dazu geführt, dass jede Fraktion der Menschheit den Weltraum für sich gewinnen will. Wir sind auserwählt, einer dieser Fraktionen zu vertreten und fruchtbares Land im All zu finden. Je nach Wahl des Sponsors für unsere Expedition fallen unsere Ziele dabei anders aus. Die Ökos wollen möglichst friedlich mit der Flora und Fauna des neuen Planeten koexistieren, während profitgierige Spieler sofort möglichst viele Ressource aus dem Boden holen wollen und sich gleich die mächtigste Industrie auf dem neuen Planeten aufbauen.

Doch neue Welten bieten nicht nur Vorteile. Auch die Gefahren des unbekannten müssen während unserer Expedition bewältigt werden. Gefährliches Terrain und eingeborene Lebensformen machen unserem Team das Leben schwer und dennoch locken uns wertvolle Ressourcen und seltene Alien-Artefakte immer tiefer in die Weiten der Spielwelt. Wir werden die Ersten sein, die mit riesigen Städten die Oberfläche des neuen Planeten dominieren. Doch taktisches und strategisches Geschick allein reicht nicht, um sich gegen die anderen Expeditionen durchzusetzen. Forschung und Soziales wollen nicht vernachlässigt werden, so dass der Spieler in Beyond Earth stets darauf bedacht sein muss, die perfekten Entscheidungen für seinen Spielstil zu treffen.

Hilfreich ist dabei das neue Technologienetz, in dem wir individuell forschen können. So entwickeln unsere fleißigen Forscher wirklich auch nur das, was wir ihnen aufgetragen haben und wir sind an keinen linearen Fortschritt gebunden. Auch lassen sich unsere Einheiten endlich individuell anpassen und somit auf jeden Einsatz perfekt zuschneiden. Dies ist auch bitter nötig, denn die bis zu 8 Spieler auf einer Mehrspielerkarte kämpfen alle um den Sieg. Ob sie diesen mit Diplomatie, Entwicklung oder Krieg erreichen, ist ihnen überlassen. Da lohnt es sich immer, einen kleinen Trumpf in der Hinterhand zu haben. Wie wäre es also mit einem Satelliten im Orbit, der im Notfall per Bombardement eingreifen kann? Auch das ist eine Möglichkeit im offenen Spiel von Civilization: Beyond Earth.

Sid Meier´s Civilization - Ach, wär´ ich doch so alt

Seit den Anfängen von Civilization hat sich also viel getan, dennoch lohnt sich ein Blick auf den ersten Teil. Inspiriert durch „Empire“ und das Brettspiel Civilization legte Sid Meier 1991 mit seinem Studio MicroPose die Messlatte für Globalstrategie-Spiele auf ein bisher nur von sich selbst übertroffenes Niveau. Schon damals galt es, auf pixeligen Karten das eigene Reich von der Urzeit des Menschen in eine blühende Zukunft zu führen. Durch seine revolutionären Entwicklungs- und Forschungssysteme konnte Civilization den Genrethron erobern und wurde nicht nur für den PC, sondern auch für Konsolen, wie z.B. das Nintendo Entertainment System, umgesetzt. Wer schon immer mal wissen wollte, wie sich Byzanz gegen England schlägt, kann es nun am Computer herausfinden.

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Die Multiplayervariante CivNet ermöglichte schon damals Feldzüge und Eroberungen mit anderen Spielern. Optisch weit entfernt, spielerisch genial – Sid Meier´s CivNet (1995)
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Civilization II – Liebling der Fans

Nur ein paar Jahre später folgte auch schon der zweite Serienteil. 1996 entwickelten u.a. Brian Reynolds und andere Köpfe bei MicroPose Civilization II und optimierten das klassische Spielprinzip an den richtigen Stellen. Neben optischen Verbesserungen wurde vor allem an der Oberfläche des Spiels gearbeitet, um ein flüssigeres Bedienen der vielen komplexen Aktionen zu ermöglichen. Dazu gab es natürlich noch eine Reihe von zusätzlichen Einheiten, Technologien und Gebäuden. Für Fans zählt „Civ II“ noch heute als bester Teil der Serie, weswegen sich auch kostenlose Spiele wie Freeciv an ihm orientieren. Civilization II erhielt noch zwei Add-Ons, namentlich „Conflicts in Civilization“ - eine Szenariensammlung und „Fantastic Worlds“ in dem Spieler und fleißige Modder fast jeden Aspekt des Spiels verändern können. Der Kreativität der Spieler war somit keine Grenze gesetzt.

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Mit Modding-Tools schafft die Community tausender neuer Szenarien – hier der zweite Weltkrieg.
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Civilization III – You shall not pass!

Der dritte Serienteil konnte das hohe Niveau aller Vorgänger halten und an den richtigen Stellen optimieren. Eins der grundlegenden Prinzip jedes aktuellen Civ wurde damals zum ersten Mal ins Spiel implementiert: die Ländergrenzen. Je weiter eine Stadt entwickelt war, um so weiter reichte ihr Einfluss ins Umland und um so größer wurde das Land des Spielers. Ab sofort war also auch die Entwicklung einer Stadt essentiell für den politischen Erfolg einer Fraktion.

Für Civ III erschienen die beiden Add-ons Play the World und Conquests, die das Hauptspiel um einen Mehrspielerpart und weitere Inhalte wie neue Fraktionen, Terrains und Gebäude erweiterten. Auch wurde nun der Spieß umgedreht und ein Brettspiel zu Civilization entwickelt. Ein lustiges Detail, wenn man beachtet, dass der erste Teil der Spielserie damals selbst auf einem Brettspiel basierte.

Civilization IV – Ich sehe Dinge!

Im Jahre 2005 nach Christus war es dann endlich soweit – Civ betrat die dritte Dimension und bot nun endlich eine richtige und wunderschöne 3D-Grafik, ohne dabei die Bedienbarkeit des Spiels einzuschränken. Spielerisch wurden einige neue Features wie das Religionssystem und der flexible Staatsform-Baukasten eingeführt, was zu einem komplexeren Spiel abseits von Eroberung und Militärs führte. Der vierte Teil war für mich insofern wegweisend, als dass er meinen Einstieg ins Genre darstellte. Runde für Runde eroberte ich gemeinsam mit meinen Freunde Kontinente und stellte historische Figuren wie Julius Cäsar oder Bismarck in den Schatten. Selten konnte mich ein Spiel so sehr in den „eine Runde noch“-Bann ziehen, wie Civilization IV.

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Endlich 3D – damals sah das richtig gut aus!
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Auch hier war nach dem Hauptspiel nicht Schluss. Firaxis veröffentlichte die beiden „richtigen“ Add-ons Warlords und Beyond the Sword. In Warlords kam zum ersten Mal das interessante Vasallensystem zum Einsatz, das unterlegenen Staaten ermöglichte, als Vasall eines anderen Staats zu dienen und politisch unterworfen zu werden. Dafür garantierte ein mächtiger Lehnsherr dem Vasall Schutz vor Angriffen von außen. Beyond the Sword sollte vor allem kriegerische Auseinandersetzungen im Endgame erweitern und fügte neue Einheiten für spätere Entwicklungsstufen sowie einige neue Spielelemente abseits der kriegerischen Handlung hinzu.

Civilization IV konnte damals in jedem von uns den verkappten Weltherrscher erwecken. Nichts war lustiger als eine Endphase, in der jede Fraktion das nukleare Wettrüsten begonnen hatte und sich mit interkontinentalen Raketen beschoss. Das über viele Stunde so schön aufgebaute Weltreich zerbrach dann innerhalb weniger Runden und zurück blieb nur ein Trümmerhaufen. Dann hieß es ganz einfach: neues Szenario, neue Karte, neue Fraktion und alles noch mal von vorne bitte!

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Civilization V – mehr Felder, mehr Fun!

Der bisher erfolgreichste Teil der Serie erschien 2010 und konnte die Beliebtheit und Zugänglichkeit durch geschickte Vereinfachungen, die das komplexe Core-Gameplay nicht beeinflussten, noch weiter steigern. Auf Steam zählt Civ V noch heute zu den meistverkauften Spielen, die nicht von Valve produziert wurden. Optisch und spielerisch wurde kleine und große Änderungen vollzogen, die größte ist dabei wohl der Umstieg auf Hexfelder, die mehr Bewegungsfreiheit für die Einheiten der Spieler boten. Dafür wurde aber auch das Stapeln mehrerer Einheiten auf einem Feld reduziert, so dass Angriffskriege deutlich taktischer Geführt werden musste. Passend hierzu wurde auch das Kampfsystem und hier vor allem der Fernkampfaspekt modifiziert.

Die beiden Add-ons Gods and Kings und Brave New World fügten klassische Spielinhalte wie Fraktionen, Einheiten und Gebäude, aber auch im Hauptspiel sehnlich vermisste Elemente wie Religionen und Spionage hinzu. Eine Game of the Year Edition mit allen Add-ons bietet bei Civilization V Spielspaß für hunderte Stunden.

Civilization: Beyond Earth

Vier Jahre Später bekommt Alpha Centauri einen Nachfolger im Geiste, der all die Civilization-Tugenden in das coole Weltraumsetting verfrachtet und mit neuster Technik ausstattet. Neben den anfangs erwähnten Features wie den Expeditionen und der orbitalen Ebene reizt mich bei Beyond Earth vor allem die neue Umgebung. Endlich keine alten Herrscher, lahmen Streitwägen und riesige Pyramiden mehr. Ich will Aliens, Laserkanonen und fremde Planeten! Die vielen Stunden mit den Herrschern der Antike in Civ IV waren wunderbar, aber frischer Wind ist immer super, vor allem wenn´s ein EMP-Sturm ist (*grins*).

Sid Meier's Civilization: Beyond Earth - Ankündigungs-Trailer2 weitere Videos