Ein Flug von Berlin nach München und eine Odysee vom Marienplatz bis zu dem großen Ziegelbau im Westen der Stadt, wo mich 2K zu einer exklusiven Testrunde mit dem Hoffnungsträger auf Freizeitvernichtung numero uno willkommen heißen sollte, lagen endlich hinter mir. Exakt 94 Spielzüge in der neuen, erstmals mir ohne Grenzen zu Füßen liegenden Welt von Civilization: Beyond Earth lagen nun endlich vor mir. Ich klickte auf den großen, grünlich schimmernden Knopf und das Spiel begann, die ersten 100 Runden - ein typisches “New Game” mit dem bekannten (und neuerlichen?) Strategiekönig Civilization.

Noch bevor das eigentliche Spiel beginnen sollte, musste ich bereits eine handvoll Entscheidungen treffen, die die Zukunft und vor allem die Frühzeit meiner eigenen Zivilisation maßgeblich mitbestimmen werden. Von den etwa zehn Sponsoren, die als Schirmherren über meinen Neustart im All je einen individuellen Bonus zur Verfügung stellen, entschied ich mich für Franco-Iberia: Regelmäßige Versorgung mit einer freien Technologie? Klingt wunderbar!

Einen Klick weiter soll ich über die Zusammensetzung der Kolonisten entscheiden. Je nachdem, ob ich Flüchtlingen, Händern, Soldaten oder anderen Gruppen den Vorrang gebe, schalte ich weitere, teilweise sehr unterschiedliche Boni für meine Zivilisation frei. Ich entscheide mich für eine Gruppe Ingenieure, die all meinen Städten einen kontinuierlichen Produktionsbonus verleihen. Allmählich beginne ich, mit meiner Phantasie und den verfügbaren Parametern im Spiel, den Charakter meiner ganz eigenen Zivilisation zu formen: Produktiv soll die neue Gesellschaft sein, industriell, effektiv - Ingenieure kommen mir da genau recht.

Sid Meier's Civilization: Beyond Earth - Exklusiv: Die ersten 100 Runden auf einem unbekannten Planeten

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Die Wahl des eigenen Anführers ist eine extrem wichtige Entscheidung.
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Dementsprechend fallen auch meine beiden letzten Entscheidungen vor dem Startschuss der Reise ins All aus: Bei der Wahl meines Raumschiffes entscheide ich mich für das Modell, welches mittels Tektonikscanner wertvolle Bodenressourcen erkennt und lokalisiert, ohne dass ich - wie normal vorgesehen - erst mittels Forschung spezielle Scantechnologien freischalten muss. Als Fracht für meinen fliegenden Neustart im Weltraum packe ich schließlich noch eine ansehnliche Menge Maschinen ins Gepäck: Diese Wahl beschert mir einen Bautrupp direkt zu Beginn des Spiels, ein wertvoller Vorteil für die ersten Runden!

Mit gepacktem Koffer und geputzten Kolonistenzähnen war ich bereit, das Ziel meiner Reise auszuwählen: Civilization stellt euch drei Zufallskarten zur Verfügung, die in drei Kategorien eingeteit sind: Erdähnlich (Viele, größere und kleinere Inseln), vielgestaltig (Eine große Landmasse um einen großen Ozean herum) und atlantisch (Sehr viele kleine Inseln).

Packshot zu Sid Meier's Civilization: Beyond EarthSid Meier's Civilization: Beyond EarthErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Obwohl diese drei Kategorien zunächst wie eine Einschränkung wirken, stellt sich der Zufallsgenerator als sehr leistungsfähig heraus und ist schon jetzt zu komplexen und ausbalancierten Karten fähig. Wer trotzdem eine noch größere Herausforderung sucht, findet diese unter dem Reiter „Fortschrittliche Welten“ - hier findet ihr eine Reihe an zufallsgenerierten Karten, die mit besonderem Terrain oder Ressourscenverteilung den Spieler enorm fordern will.

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Eine neue, für uns Spieler noch ungewohnte Umgebung: Ein Alienplanet, wie er im Buche steht.
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Ich entscheide mich für einen erdähnlichen Planeten, da ich auf diesem Kartentyp schon bei Civilization 5 unglaublich viele spaßige Runden verbracht habe. Mit einem Klick gelange ich zum Ladebildschirm, der überraschend schnell wieder verschwindet und beginne nun mein Abenteuer in dieser neuen, mir noch unbekannten Welt.

Ein kleiner Schritt für mich, aber ein großer Schritt für Franco-Iberia

In einem vorgegebenem Bereich, den ich nicht besonders weit verschieben kann, landet mein eigenst zusammengestelltes Raumschiff der glorreichen Franco-Iberia-Fraktion. Wichtig jetzt: Orientierung! Wo liegen Luxusgüter, wie beute ich das umliegende Land am besten aus, welche Hügel werden im Verteidigungsfall leicht zu verteidigen sein? Während ich den Bildschirm absuche, stellt sich erste Unsicherheit ein. So viele unbekannte Rohstoffe, Strukturen und Güter auf einen Blick erschrecken mein Civilization-trainiertes Hirn. Während in den bisherigen Teilen immer sofort auf einen Blick klar war, wie zum Beispiel Elfenbein aussieht und dass es als Luxusgut gehandelt werden kann, ertappe ich mich nun dabei, wie ich zunächst einige Minuten mit der Maus über die Hexfelder fahre und aufmerksam die Informationen zu den neuen Rohstoffen lese.

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Die Werte, die an die Stelle der Sozialpolitiken getreten sind, lassen sich langsamer als gedacht freischalten.
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Dieser anfängliche Kulturschock ist durch das neue Setting unvermeidbar – und auch nicht weiter schlimm. Zwar wird man so daran gehindert, in die alte Civ-Routine zu verfallen und über tausende Runden auswendig gelernte Produktionsketten abzuspulen, aber im Grunde passt das anfängliche Analysieren der neuen Welt sehr gut zu Beyond Earth! Wir sind nun einmal neu auf diesem Planeten und müssen uns erst einmal orientieren und mit der einheimischen Flora und Fauna auseinandersetzen – unseren digitalen Siedlern wird es nicht anders ergehen.

„Am Anfang unterschätzten wir die Herausforderung, ein neuartiges Alien-Terrain zu entwerfen“, verriet mir Lena Brenk, Lead Producer von Civilization: Beyond Earth. Sie erzählte mir, wie sich in einem sehr frühen Entwicklungsstadium des Spiels kaum ein Tester mit der sehr bunten Welt anfreunden konnte. „Wir Menschen sind daran gewöhnt, bestimmte Grundfarben mit bestimmten Geländearten zu verbinden. Grün empfinden wir als fruchtbar, während erdige, gelbe und braune Töne karges Wüstenland charakterisieren.“

Die Entwickler standen damit vor der großen Herausforderung, eine Alien-Welt zu erschaffen, in der sich ein Spieler zurechtfinden kann, ohne von Farben und Geländearten zu sehr verwirrt zu werden. „Spielprinzipen müssen auf einen Blick klar erkenntlich sein“, fasst Lena Brenk zusammen.

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In den Orbit schießen wir Energie- und Überwachungssonden.
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Und dieses Ziel wurde in meinen Augen erreicht. Zwar verlangt die neue Welt ein wenig Eingewöhnungszeit, aber nach einer handvoll Runden sind diese anfänglichen Hindernisse überwunden, die Assimilation an den neuen Planeten ist gelungen.

Nachdem ich meinen ersten Arbeiter aus dem Raumschiff geschickt und direkt auf ein paar fruchtbare Felder gejagt habe, um Plantagen für meine Siedler anzulegen, erkunde ich den radial angeordneten Technologiebaum – eine der wohl größten Neuerungen gegenüber den Vorgängern. Statt sich ohne viel Möglichkeiten zur Varation von links nach rechts zu forschen, starten wir nun im Mittelpunkt eines riesigen Wissenskreises und können in jede uns beliebige Forschungsrichtung arbeiten. Die Technologien selbst werden in Knoten und Fäden unterteilt: Erstere stehen für spezifische Ideen und Erfindungen und benötigen mehr Forschungszeit als die Fäden, die für generelle Richtungen und Erkenntnisse stehen.

Während ich mich schließlich für einen Forschungsweg entscheide, der geradewegs auf die Robotik zusteuert (Terminator, anyone?), macht mein Erkundungsteam (Früher: Späher) eine spannende Entdeckung.

Nur ein totes Alien ist ein gutes Alien
Inmitten einer Hügelkette entdecke ich ein Alienartefakt: Diese erinnern ein wenig an die archäologischen Ausgrabungsstätten des Hauptspiels und könnten von meinem Erkundungsteam erforscht werden. Gelernt, getan und fünf Runden später berichtet mir eine Infobox von den Ereignissen an der eilig eingerichteten mobilen Forschungsstation: Die Bauarbeiter berichten einstimmig von Wahnvorstellungen und Halluzinationen, die riesige Gebäude inmitten meiner Hauptstadt zeigten. Das riecht nach zukünftigem Wohlstand – und prompt erhalten meine Bürger einen Bonus auf ihre Zufriedenheit. Sehr schön!

Weniger schön hingegen ist der Gesundheitszustand meines nun untätigen Späherteams: Ohne es zu merken, ließ ich sie inmitten eines Miasmafeldes arbeiten. Miasma ist ein giftiger Dampf, der an Geländefelder gebunden ist und jeden schadet, der dieses betritt. Gerade rechtzeitig maneuvriere ich mein Team aus der Gefahrenzone und nehme mir vor, später hier mit der passenden Technologie im Schlepptau noch einmal aufzkreuzen und die Miasma-Dämpfe mit Bio-Sprays dauerhaft zu entfernen.

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Gegen Unkraut hilft nur eins: Bio-Gas!
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Das Spiel nimmt Fahrt auf und eine große Gruppe an Heuschrecken erinnernder Aliens nähert sich aus dem Osten meiner Hauptstadt. „Wolfskäfer“ nennt sie das Spiel und stellt damit nur eine kleine Gruppe der reichhaltigen Alien-Fraktion vor, die die Rolle der Barbaren übernimmt, aber mit eigener KI, Diplomatie und Interaktionsmöglichkeiten an Komplexität auftrumpfen kann.

Da ich aktuell über kein funktionierendes Militär verfüge, hoffe ich darauf, dass die Aliens mich nicht angreifen – tatsächlich verhalten sie sich noch friedlich, da ich bisher noch kein feindseliges Verhalten gezeigt habe. Während ich nun fieberhaft meine ersten Soldaten ausbilde, stellt mich das Spiel vor eine zu treffende Entscheidung.

Diese Quest-Entscheidungen passieren häufiger im Spielverlauf und können teilweise echte Schlüsselmomente in der Weiterentwicklung meiner Kultur darstellen – wie auch in diesem Fall. Ein Forschungsteam berichtet mir von der natürlichen Feindseligkeit der Aliens, die sich wohl früher oder später in Angriffen äußern wird. Ich werde vor die Wahl gestellt: Wollen wir in Zukunft feindselig gegen die Aliens vorgehen und sie bekämpfen – oder domestizieren wir sie, wie es der Mensch einst mit dem Wolf getan hat? Eine schwierige Entscheidung. Im Zweifel aber lieber gegen den Angeklagten und so erkläre ich dem unbekannten Gegner den Krieg.

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Den anderen Anführern sieht man nach einiger Zeit deutlich an, in welche Richtung sich ihre Zivilisation entwickelt. Cyborgs? Naturverbunden? Alles wird auf den ersten Blick klar.
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Meine Stadt eröffnet das Feuer auf die nahen Wolfskäfer und löscht diese auf einen Schlag aus. „Kein schlechter Start“, denke ich zufrieden, während ich noch keine Ahnung davon habe, was hinter der Hügelkette am Horizont noch auf mich und meine Siedler lauern soll.

Doch bevor die Geschichte mit den Aliens fortgesetzt werden kann, klinken sich neue Gegen- und Mitspieler in das Geschehen ein: Nach und nach beginnen nun auch die KI-Veteranen zu landen und nehmen umgehend Kontakt mit mir auf – interessante und gute Neuerung. Ich sage artig Hallo und werde im Gegenzug vom Anführer der Südamerikanischen Union dafür kritisiert, so rigoros mit den einheimischen Aliens umzugehen. Ein zukünftiger Konflikt bahnt sich an, der sich um unsere widersprüchlichen Ideologien drehen wird – das sieht mein geschultes Civ-Auge schon kommen!

Ein Finale mit Schrecken

Mittlerweile tauchen mehr und mehr Aliens in der Nähe meiner Hauptstadt auf, die regelmäßig frische Verstärkung von ihren eigenen Nestern tief im Hinterland erhalten. Und zu diesen fremdartigen Truppen gehören nicht nur die schon bekannten Wolfskäfer: Riesenwürmer, Kakerlaken, gigantische Wespen und ähnliches Gewürm schlängelt, kriecht und fliegt in die Richtung meiner Siedlung und knabbert meine Truppen ohne Probleme einfach zu kleinen, euphorischen Krümeln.

Meine bisherigen diplomatischen Kontakte weigern sich mir zu helfen, da sie bereits fleißig das einheimische Gewürm domestizieren und versuchen, von ihnen zu lernen. So hätte es also auch laufen können. Stattdessen habe ich die Aliengefahr unterschätzt und sehe nun mit an, wie meine Zivilisation, die kurz vor der Erschaffung eigener Cyborgs stand, dem Untergang geweiht ist.

Sid Meier's Civilization: Beyond Earth - E3 Entwickler Walkthrough2 weitere Videos

Trotz des Misserfolgs hat mir diese Runde viel Spaß gemacht und bin überrascht, wie gut in Anbetracht des neuen Settings das „nur...noch...eine...Runde...“-Gefühl eingefangen wurde. Das Spiel ist auch nicht einfacher oder simpler geworden, sondern stellt viel mehr ganz neue Herausforderungen an seine Stammspieler wie auch Neulinge. Die fertige Testversion wird zeigen, wie konsequent dieses Gefühl auch im fortgeschrittenen Spielverlauf vorhanden sein wird – und ob nicht doch ein Unkraut gegen diese leidigen Aliens gewachsen ist.