Was haben Hänsel und Gretel, Rapunzel, Dornröschen und Rotkäppchen gemeinsam? Naja, zum einen stammen sie allesamt aus der Grimm'schen Feder, zum anderen feiern die Märchenfiguren in der kunterbunten Hollywood-Produktion »Shrek der Dritte« ihr Stelldichein.

Und weil sich die kinderfreundliche Satire auch wunderbar als Videospielumsetzung eignet, erscheint pünktlich zum Sommerblockbuster das entsprechende Computer- und Videospielpendant. Wir haben uns die Xbox-360-Version rund um den Promi-Oger angesehen und verraten euch, ob uns mit »Shrek der Dritte« wieder einmal eine öde Lizenzumsetzung aufgetischt wird.

Shrek The Third - X06 Trailer

Es hätte alles so schön sein können: Nachdem Shrek und Fiona endlich in den Hafen der Ehe eingefahren sind, steht dem Glück in trauter Zweisamkeit eigentlich nichts mehr im Wege. Eigentlich! Denn anstatt in seine Sumpfheimat zurückzukehren, um die Einsamkeit zusammen mit seiner Liebsten zu genießen, hat das Schicksal mit unserem grünen, stets schlecht gelaunten und übelriechenden Oger ganz andere Pläne.

Shrek The Third - Der Oger wird König - das Spiel dazu versumpft kläglich...

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Shrek auf der Flucht: Eigentlich braucht sich unser Oger vor nichts zu fürchten.
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Im Königreich Weit Weit Weg herrscht nämlich wieder Not am Mann - diesmal in Form von König Harold, der durch eine ernsthafte Erkrankung leider das Zeitliche segnen musste. Da die fröhliche Märchenwelt aber auf einen Herrscher angewiesen ist, soll unser tollkühner Held die Thronfolge übernehmen. Doch Shrek kann sich mit diesem Gedanken ganz und gar nicht anfreunden und macht sich zusammen mit seinem kindergerechten Ensemble auf die Suche, einen passenderen Erben zu finden.

Auf und davon …
Bei diesem kindergerechten Ensemble handelt es sich natürlich um den gestiefelten Kater sowie den endlos quasselnden Esel, dem manche nachsagen, er sei doch ziemlich unterbelichtet. Wie auch immer: In »Shrek der Dritte« schlüpft ihr abwechselnd in die Haut dieser Charaktere, dürft aber auch Arthus, den Cousin von Fiona, Dornröschen und natürlich Fiona selbst über die Märchenlandschaft scheuchen.

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Der gestiefelte Kater und sein Lieblingswerkzeug: der Degen.
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Das war's aber dann auch schon wieder in punkto Abwechslung: Die zahlreichen verschiedenen Charaktere unterscheiden sich nämlich in keiner Weise voneinander. OK, der Gestiefelte Kater kann einen Doppelsprung ausführen, um beispielsweise einen höher gelegenen Fenstersims zu erreichen. Mehr aber auch nicht. Der vermeintliche Charakterwechsel, der wohl in irgendeiner Form Abwechslung suggerieren soll, ist einfach zu wenig, um den Spieler langfristig vor die Mattscheibe zu locken - zumindest bei Spielern jenseits des sechsten Lebensjahres.

Gleiches gilt für die Actioneinlagen: In den 20 linearen Missionen löst ihr lediglich kleinere Rätsel, die kaum der Rede wert sind. Hauptbestandteil ist wieder einmal ein spartanisches Kampfsystem, das sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel zieht. Eurem Protagonisten stehen nur zwei Angriffsmöglichkeiten zur Verfügung. Entweder ihr hämmert auf den X-Knopf eures Pads, um einen normalen Angriff vom Stapel zu lassen, oder ihr benutzt den B-Button für eine effektivere Attacke. Habt ihr genügend Feenstaub eingesammelt, steht euch darüber hinaus auch eine Art Spezialangriff zur Verfügung, mit der Shrek in bester Bullet-Time-Manier attackieren kann. Das sieht dann zwar nett aus, verfehlt das Original aber um Welten.

Für einen weiteren Dämpfer sorgt die absolut unbrauchbare Kameraführung, die sich in ihrer Position nicht verändern lässt. Zwar kann der Fokus verkleinert beziehungsweise vergrößert werden. Doch das nützt herzlich wenig, wenn euer Charakter gerade um eine Ecke gebogen ist, die starre Kamera aber nicht mitschwingt.

Schrecklich komisch?
Ein gutes Haar müssen wir der grünen Ogerhaut von Shrek dann doch noch lassen: Die Spielfiguren vermitteln nämlich auch in »Shrek der Dritte« den abstrusen Humor, der die Abenteuer rund um den etwas anderen Helden so weltberühmt machte. An das Leinwandoriginal kommt das Spiel zwar nicht heran, die zahlreichen Kommentare erfreuen aber trotzdem das Spielerherz. Für weitere Unterhaltung sorgen die schön inszenierten Zwischensequenzen, die in bester Kasperletheater-Manier daherkommen.

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Selbst über solche Gegner braucht ihr euch keine Sorgen machen.
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Wer sich dann allerdings auf zahlreiche amüsante Stunden in der Welt von Weit Weit Weg freut, wird enttäuscht sein. Mit »Shrek der Dritte« bekommen passionierte Zocker gleichermaßen wie Videospieleinsteiger nur ein kurzfristiges Vergnügen geboten. Mit rund fünf Stunden Spielzeit bedarf es schon ein wenig Mut, ein solches Spiel für 50 Euro und mehr in den Verkauf zu geben - eine dieser typischen Filmumsetzung eben, die man am Liebsten dem Lizenzwolf zum Fraß vorwerfen möchte.

Darüber hinweg trösten auch keine Minispiele mehr, die in »Shrek der Dritte« implementiert wurden. Insgesamt stehen euch fünf Stück zur Auswahl, die ihr mit maximal einem Kontrahenten in Angriff nehmen könnt. Darin versucht ihr beispielsweise, mittels eines Katapults die Festung eures Gegners so schnell wie möglich zu zerstören. In einem anderen Minispiel müsst ihr Tomaten auf bewegliche gegnerische Ziele werfen. Wer hier innovative Kost erwartet, ist eindeutig fehl am Platz.

Knuffiges Leinwandabenteuer
Shreks Odyssee durch's Märchenklischee befindet sich grafisch zwar nicht mehr auf dem allerneuesten Stand, kann sich aber trotzdem durchaus sehen lassen. Zwar dominieren zu Beginn des Spiels noch triste Schauplätze das grafische Bild, später wird es aber immer bunter und detailverliebter. Ganz und gar inakzeptabel ist die Framerate, die bei hohem Gegneraufkommen deutlich in den Keller geht. Das hätte sicher nicht sein müssen, zumal die Xbox 360 mehr auf dem Kasten hat.

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Fiona sucht das Weite, um die Schergen später zu verdreschen.
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Auf soundtechnischer Seite wäre ebenfalls mehr machbar gewesen. Auch wenn sich Sympathisanten der Serie über die originalen Sprachausgabe aus der Leinwandvorlage freuen dürfen, wirken die Synchronstimmen eher lieblos ins Mikrofon gepustet. Für den einen oder anderen Lacher reicht es aber trotzdem noch.