Er ist wohl auf ewig mit den dunklen Straßen von London verbunden: der skrupellose und nie gefasste Seriekiller Jack the Ripper. Nach jahrelangen Ermittlungsarbeiten legte Scotland Yard schließlich den Fall unabgeschlossen zu den Akten und Jack the Ripper nahm seine Identität mit ins Grab.

Frogwares rollt den Fall nun wieder auf und setzt den Meisterdetektiv Sherlock Holmes auf den Fall an. Mit dabei: sein treuer Gefährte Dr. Watson, der diesmal sogar mit ermitteln darf. Wie sich das Duo bei der Klärung des Falles anstellt, hat gamona für euch herausgefunden.

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Whitechapel: Hübsch, hässlich, atmosphärisch

Alles beginnt in den dunklen und schäbigen Gassen von Whitechapel, ein herunter gekommenes Viertel in der englischen Hauptstadt. Wir befinden uns im Jahre 1888. Queen Victoria ist allgegenwärtig, die industrielle Revolution ist seit gut einem Jahrhundert in vollem Gange und hat nach und nach immer mehr Menschen ihrer Arbeit beraubt und durch Maschinen ersetzt. Ohne geregeltes Grundeinkommen fristet eine Vielzahl von Arbeitern ein Dasein am Rande der Existenz. Prostitution, Krankheit und Alkoholismus prägen das Viertel.

Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper - Der Meisterdetektiv auf der Jagd nach dem Schlächter von London

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In Whitechampel möchte man nicht einmal tot über'm Zaun hängen.
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Und in genauer dieser Gegend ereignet sich der erste brutale Mord, den wir durch die Ego-Perspektive sehr atmosphärisch miterleben. Schon in den ersten Spielminuten von „Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper“ wird klar: Das wird ein Spiel mit einer Atmosphäre, so dicht wie Londons Nebel.

Das Viertel Whitechapel wirkt mit seinen Straßenmusikern, besoffenen Passanten und schlafenden Mitbürgern im Straßengraben richtig schön schmuddelig und lässt keinen Zweifel daran, dass wir uns in einem der schäbigsten Ecken von London aufhalten.

Fiktiver Detektiv jagt realen Killer

Nur ein paar Augenblicke nach dem Mord finden wir uns in der ehrwürdigen Baker Street wieder, die von Dr. Watson und Sherlock Holmes bewohnt und als eine Art Hauptquartier im Spiel genutzt wird. Nach getaner Arbeit treibt es uns immer wieder hier her. Hier erfahren wir aus der Tageszeitung vom Mord in Whitechapel und die Geschichte von „Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper“ beginnt – und lässt uns nur schwer wieder los.

Packshot zu Sherlock Holmes jagt Jack the RipperSherlock Holmes jagt Jack the RipperErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Nette Idee: Je weiter wir im Spiel vorschreiten und je mehr Hinweise wir finden, desto voller wird unsere Pinnwand und Karte, die wir nach und nach mit den gesammelten Hinweisen spicken.

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Schade, viele Animationen haben die Charaktere nicht spendiert bekommen.
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Wie es sich für ein modernes Adventure gehört, kann man in „Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper“ seinen Charakter mithilfe von ein paar Klicks durch die Landschaft schlendern und allerhand Gegenstände einsammeln lassen. Doch die Point-n-Klick-Steuerung ist Frogwares nicht wirklich gut gelungen. Immer wieder bleiben Sherlock und Watson an Kanten oder Passanten hängen, ohne Aussicht auf Rettung. Auch die gewählte Kameraperspektive ist oft nicht zu gebrauchen und zeigt sich vor allem in den Innenräumen von ihrer schlechtesten Seite.

Doch Gott sei dank ist das kein K.O.-Kriterium für das fünfte Sherlock-Holmes-Abenteuer, denn in weiser Voraussicht haben die Entwickler zusätzlich zu der klassischen Spielsteuerung eine Ego-Perspektive eingebaut, die die verkorkste klassische Steuerung ungeschehen macht und obendrauf und ganz nebenbei für einen Atmosphäreschub sorgt.

Schon Sherlock hat gegooglet

Doch wer sich „Sherlock Holmes“ in den Titel schreibt, der kann nicht nur mit einer runtergewirtschafteten Stadt auftrumpfen, sondern muss auch knackige, eines Meisterdetektivs würdige Rätselpassagen liefern. Leider versagt das Programm genau in dieser Disziplin. Zwar wird das Spiel nur an einer Stelle richtig unfair, doch die überwiegende Zeit sitzt man unterfordert vor dem Monitor und klickt sich durch anspruchslose Puzzel- und Schieberätsel oder folgert nach Holmes’ detaillierten und ausführlichen Anweisungen Fakten, sammelt Hinweise oder rennt von einem zum nächsten Schauplatz.

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Na, wer hat die Daten der Schlacht um Vicksbury im Kopf?
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Doch wir wollen nicht kleinlich werden, ab und zu blitzt die Kreativität der Macher durchaus auf. Drei oder vier Mal werden die grauen Zellen aus dem Sommerurlaub geholt und auf eine kleine, aber feine Probe gestellt, indem wir Briefe, Zettel oder Notizen nach Hinweisen durchforsten und diese anwenden. Leider sind solche Momente viel zu selten und bilden nur einen kleinen Teil der eigentlich vielen und abwechslungsreichen Rätsel.

Mensch Sherlock, kau mir nicht alles vor und lass mich doch auch mal was machen!Fazit lesen

Dem Extrem der simplen Puzzle- und Klick-Knobeleien steht das genaue Gegenteil gegenüber: Rätsel, die man nur mithilfe von Internetrecherchen lösen kann. Oder wisst ihr, wann die amerikanische Bürgerkriegsschlacht von Vicksburg war, welche Uniformen man trug und unter welcher Flagge man in den Kampf zog? Abgehsehen von dem stark schwankenden Schwierigkeitsgrad fügen sich die zahlreichen Rätsel prima in die Story und die Geschehnisse in der Spielwelt ein.

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Auf der Suche nach Jack the Ripper stoßt ihr auf allerhand skurrile Dinge.
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Zu den Schlüsselkriterien für ein gutes Adventure zählen unter anderem auch die Sprecher. Und hier kann „Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper“ punkten. Die Sprecher klingen wie von einer guten Hörspielkassette und passen zum gezeigten Charakter. Auch die Hintergrundmusik ist stimmig, nervt aber auf Dauer durch fehlende Abwechslung.

Angriff der Klonkiller

Die titelgebende Geschichte um Jack the Ripper kann dank ihres literarischen Vorbilds von Anfang an überzeugen und animiert zum Weiterspielen. Auch die eingestreuten Nebengeschichten fügen sich angenehm in das Gesamtbild und steuern ebenfalls ihren Teil zur Glaubwürdigkeit der Welt bei. So werdet ihr auf der Suche nach Jack the Ripper auch die Machenschaften des Organhandels untersuchen, viele erschütternde Schicksale in Erfahrung bringen, eine Puffmutter kennenlernen und vieles mehr.

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Gestatten, die eineiigen Zwillingspärchen.
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Ob als Sherlock oder als Watson, es gilt viele Schauplätze zu bereisen. Das Schöne daran ist, dass jeder Schauplatz ganz bequem und ohne lange Laufereien über die Übersichtskarte erreicht werden kann. So erspart ihr euch eine Menge Zeit und es kommt kaum Langeweile auf. Allerdings leidet in manchen Passagen die mühevoll aufgebaute Atmosphäre. Überzeugt die Grafik mit stimmigen Texturen und Charaktermodellen, geht ihr in Sachen Abwechslung die Puste aus.

Wie das zu verstehen ist? Ganz einfach: Der Schuster sieht genau so aus wie der Tierhändler, der Barkeeper ist das Spiegelbild eines gesuchten Verbrechers und der Hausmeister ist der eineiige Zwilling des Bibliothekars. Auch manche Passanten sind bekannte und teils von uns gesuchte Charaktere. Dann verwundert es einen besonders, wieso denn die eigentlich gesuchte Lucy uns auf der Straße nicht erkennt und wir nicht wissen, „was wir sie fragen sollten“. Selbst die Mordopfer laufen uns hier und da über den Weg...