Sherlock Holmes: Das Geheimnis des silbernen Ohrrings (PC-Test)
(von Patrick Streppel)

Schon zum zweiten Mal ermittelt Meisterdetektiv Holmes auf heimischen PCs. Nach dem müden 3D-Render-Adventure "Das Geheimnis der Mumie" wechselt der tschechische Entwickler

Frogwares die Perspektive: "Das Geheimnis des silbernen Ohrrings" übertrifft als 3rd-Person Point'n'Click-Adventure den Vorgänger in allen Belangen, kommt aber nicht ganz an die Konkurrenz heran.

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Sherlock Holmes: Das Geheimnis des silbernen Ohrrings - Holmes ermittelt – spannendes Krimi-Adventure oder müde Knobelei?

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Wir befinden uns im England des neunzehnten Jahrhunderts. Sherlock Holmes blickt aus dem Fenster in die trostlosen Straßen Londons, sein Kollege Watson liest am Kaminfeuer einen Brief von Lord Cavendish-Smith. Der Meisterdetektiv soll der Feier des wohlhabenden Geschäftsmannes Sir Bromsby beiwohnen, um eine bekannte Opernsängerin auf ihre Gesellschaftsfähigkeit zu prüfen.

C.S.I. Holmes
Doch die Veranstaltung zur Rückkehr seiner Tochter nimmt eine überraschende Wendung, als der Gastgeber zu Beginn seiner Begrüßungsrede von einem Unbekannten erschossen wird.

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Panik greift um sich und der Täter geht im Tumult unter - jetzt ist Holmes detektivisches Geschick gefragt. Der Meisterdetektiv durchstreift den Ballsaal und die umliegenden Räume, durchsucht die Umgebung sorgfältig nach Beweismaterial und befragt ausgiebig Gäste, Angestellte und Angehörige. Die Spuren führen zu einem französischen Koch, der erst seit kurzem für das Haus arbeitet. Im Zimmer der Tochter findet Holmes die Visitenkarte des Gourmets sowie einen Französischkurs - Zufall oder hat die hübsche Dame ihren Vater auf dem Gewissen? Um die Antwort zu finden, muss Holmes Beweise sammeln.
Anschließend werden diese analysiert und verknüpft - die Kollegen von C.S.I. würden es nicht anders machen.

Perspektivenwechsel
Das erste Sherlock Homes Abenteuer von Frogwares, das Anfang 2003 von Wanadoo veröffentlicht wurde, konnte als Render-Adventure im Myst-Stil nicht sonderlich überzeugen. Verwaschene Standbilder, eine durchwachsene Sprachausgabe sowie eine geruhsame Inszenierung mit zu vielen Texten und zu wenig Videos demontierten die grundsätzlich guten Ansätze wie die Holmes-Lizenz und den durchdachten Fall.

"Das Geheimnis des silbernen Ohrrings" ist im Gegensatz dazu ein klassisches Point'n'Click Adventure, bei dem sich Echtzeit 3D-Charaktere vor statisch gerenderten Hintergründen bewegen - ähnlich wie jüngst in The Moment of Silence. Die Örtlichkeiten in Sherlock Holmes sind ähnlich detailliert und mit

Auflösungen von bis zu 1600x1200 gestochen scharf, zugleich aber zu steril gehalten und lassen in ihrem Stil die osteuropäische Herkunft des Titels erkennen: Brauntöne und andere, matschige Farben dominieren das Bild, Oberflächen wirken karg und trist.

Steife Gesellschaft
Animationen sind in den vorberechneten Hintergründen nur selten zu erkennen - mal raucht oder brennt es, Lichteinfall und Objekte sind aber leider nur statisch. Einzig die 3D-Charaktere werfen ihre Schatten in Echtzeit, werden jedoch nicht in Spiegeln abgebildet und lassen Lebendigkeit vermissen:

Holmes und Co. bewegen sich so steif, wie es das Klischee des 19. Jahrhunderts will, stapfen Kerzengrade durch die Räume und bücken sich ungelenkig nach Indizien. Mimik und Gestik sind kaum erkennbar, der Übergang von einer Animation zur nächsten erfolgt in der Regel durch einen harten Bruch statt durch einen weichen Übergang.

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Der Spieler übernimmt abwechselnd die Kontrolle über Holmes und Watson, doch beide steuern sich gleichsam störrisch: Ähnlich wie in The Moment of Silence können sich die 3D-Charaktere in den Arealen nicht frei bewegen, sondern folgen bestimmten Schienen. Als Spieler darf man lediglich auf Punkte klicken, die mit einem "Gehen"-Hotspot hinterlegt sind. Stehen wir zu nah an einem Objekt, wendet sich unser Held ab, geht zunächst davon weg, wendet erneut und nimmt einen neuen Anlauf - bei den langsamen Bewegungen kann das Zeit und Nerven kosten.Suchbild
Sherlock Holmes ist weniger ein klassisches Rätsel-Adventure als ein interaktiver Kriminalroman, bei dem es um Aufmerksamkeit und Kombinationsgabe geht - ähnlich wie in Ubi Softs C.S.I. oder Dremcatchers Law and Order. Lange Dialoge und zu lesende Texte warten ebenso auf den Spieler wie die Analysearbeit am Labortisch - hier müssen Chemikalien kombiniert sowie Lupe und Bunsenbrenner eingesetzt werden.

Vor allem sind aber gute Augen gefragt, denn das Absuchen der recht großen Locations kann sich als zeitaufwendige Aufgabe entpuppen.

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Es geht erst weiter, wenn alle Objekte untersucht oder aufgesammelt wurden - doch oftmals sind diese nur schwer auszumachen. Das liegt auch an den fest vorgegebenen und teils ungünsitg gewählten Perspektiven. Auch das Interface könnte besser gelöst sein: Das Inventar, das wir über die rechte Maustaste aufrufen, ist uns bei Gehbefehlen regelmäßig im Weg und muss so immer wieder geschlossen werden. Andererseits: Sollen Objekte im Inventar näher betrachtet werden, müssen wir extra ins Notizbuch wechseln. Unlogisch: Obwohl ein Gegenstand bereits in der normalen Ansicht zu sehen ist, muss Holmes immer erst die Lupe aus dem Inventar kramen, um einen Gegenstand einzusammeln - auch wenn die Ansicht danach nur unwesentlich größer ist.

Hört, hört!
Sherlock Holmes ist mit seinen

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zahllosen Gesprächen sehr dialoglastig und dtp hat sich bei der Synchronisation deutlich mehr Mühe gegeben als einst Wanadoo, aber dennoch ist die Vertonung den Hamburgern nicht so geglückt wie bei Westerner oder The Moment of Silence. Die Dialoge selbst sind makellos übersetzt und bringen die intelligent gestrickte Handlung sowie den Sprachstil der damaligen Zeit gut rüber, aber Holmes spricht derart steif und überheblich, dass es schnell zu nerven beginnt und Kollege Watson bekommt den "Schlafmittel"-Sonderpreis. Schade, dass auch die Zwischensequenzen eher unterdurchschnittlich sind.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ hohe Auflösungen + logische Rätsel + intelligent aufgebauter Fall + umfangreiche Dialoge

Cons:

- sterile Hintergrundgrafik - steife Animationen der Charaktere - nervige Suchrätsel - Interfaceschwächen - durchwachsene Synchronisation

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ hohe Auflösungen + logische Rätsel + intelligent aufgebauter Fall + umfangreiche Dialoge

Cons:

- sterile Hintergrundgrafik - steife Animationen der Charaktere - nervige Suchrätsel - Interfaceschwächen - durchwachsene Synchronisation