„Erstmal abwarten“, hatte ich mir gedacht, als auf der E3 der dritte Teil von Shenmue angekündigt worden war. Ein Moment, der mich jubeln ließ – aber auch zweifeln. Berechtigt, wie die Debatte um die Finanzierung zeigt. Nichtsdestotrotz sind Shenmue und sein Nachfolger Legenden. Schließlich sind sie die Vorreiter dessen, was wir heute unter lebendigen und atmenden Spielwelten verstehen. Ebenso erzählten sie eine filmreife Geschichte mit nahbaren und vielschichtigen Charakteren. Und damit wirken die beiden Originale nicht technisch, aber in ihrer Struktur, der Handlung und Ausarbeitung auch heute noch unwahrscheinlich modern. All das ist Grund genug für einen kleinen Exkurs über die Odyssee der Saga und die Frage, ob ein dritter Teil der Reihe überhaupt eine so gute Idee ist.

Ich rede mir gern ein, dass ich mich noch genau daran erinnern kann, wie ich das erste Mal Shenmue spielte. Wie ich die Disc in die Dreamcast legte und anschließend vollkommen baff war, als das Intro über den Fernseher flackerte. Ein Adler fegt da über eine weite Landschaft, stürzt einen Abhang hinab und dann läuft dieses Mädchen ins Bild. Stehend auf einer Klippe erzählt die asiatische Schönheit von einem jungen Mann, „der noch sein Potential erkennen muss“ und „dessen Schicksal seit längst vergangenen Zeiten vorherbestimmt ist“. Dann erscheint die zackige Unterschrift von Produzent Yū Suzuki, der das Spiel damit signierte wie ein Autor sein Buch. Sehr selbstsicher, fast etwas arrogant, aber auch passend. Schließlich hat die Geschichte des Ryo Hazuki, der den mysteriösen Mörder seines Vaters suchen und zur Rechenschaft ziehen will, doch sehr viel literarisches an sich. Kaum zu glauben ist da heute, dass die Reihe des Studios Sega AM2 im Jahre 1996 eigentlich als eine Auskopplung der Prügelserie Virtua Fighter ihren Anfang nahm. Nämlich als Virtua Fighter RPG: Akira’s Story.

Doch eigentlich hat alles schon 1995 begonnen. „Alles fußte auf The Old Man and the Peach Tree“, enthüllte Yū Suzuki erst vor wenigen Jahren ein lange geheim gehaltenes Experiment für den Sega Saturn, das nie über den Prototypenstatus hinauskam. „Darin sollten die Spieler im China der 1950er den jungen Taro lenken. Er ist auf der Suche nach einem Kung-Fu-Meister namens Ryu.“ Auf die Idee dazu war der Erfinder von Spielen wie Outrun und Hang-On während einer Reise durchs Reich der Mitte gekommen, die er zwei Jahre zuvor unternommen hatte. Ähnlich wie beim in den 80ern angesiedelten Shenmue hätte der Spieler auch hier schon in einer weiten und in sich geschlossenen Spielwelt agieren können – nämlich Luoyang, der alten Hauptstadt des chinesischen Kaiserreichs. Aber anders als die offenen Areale wie Yokosuka in Shenmue und dann in Hong Kong, Kowloon und Guilin im Nachfolger, sollte The Old Man and the Peach Tree, das Basis des Projektes wurde, eher geordnet und zu Beginn verschlossen sein. „Erst mit dem Spielfortlauf, den Quests, hätte sich die Welt geöffnet“, so Suzuki.

Shenmue 3 - Die Fortsetzung, mit der kaum noch jemand gerechnet hat: Ryos lange Odyssee

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Die Geschichte um Ryo beginnt mit dem Tod seines Vaters durch die Hand Lan Dis.
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Große Pläne

Es dauerte einige Zeit bis Suzuki und sein Team es wirklich realisierten, aber schon nach wenigen Monaten begann, die Idee des Virtua-Fighter-Rollenspiels allmählich zu verfließen. Bei dem Ansatz, den der Chefdesigner als „grenzenlose Entwicklung“ titulierte, wurden neben eingefleischten Spielemachern auch Drehbuchschreiber, Autoren und andere Kreative ins Boot geholt. Die sollten Ideen und Storyfacetten beisteuern sowie die von Suzuki festgelegten Handlungspfeiler der Saga mit Leben füllen: Traurigkeit, Aufbruch, Kampf und der frische Start. 1998 war die Kluft zu Virtua Fighter dann unübersehbar und das Spiel bekam kurzerhand den Namen Shenmue verpasst.

Zwischenzeitlich war aber auch sichtbar geworden, dass das einst für Sega Saturn angepeilte Projekt nie und nimmer so wie geplant auf der alten Konsole realisiert werden könne, weshalb die Entwicklung für den „Next-Gen Saturn“ - die spätere Dreamcast - neugestartet wurde. „Aber es war beeindruckend, was wir auf dem Saturn erreicht hatten“, lobt Suzuki heute noch das Team. „Doch wollte ich eine Verschmelzung von Spiel und Film. Du solltest eine Geschichte erleben, wie sie aus dem Kino stammen könnte. Vieles dafür Nötige wäre mit der der alten Technik nur begrenzt oder gar nicht machbar gewesen.“

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Insgesamt 45 Stunden in erst 16 und später 11 Kapiteln hatte Yu Suzuki vorgesehen, die, so kurzzeitige Pläne, als einzelne Episoden verkauft werden sollten. Dann wurde bestimmt, daraus vier, fünf und letztlich drei Spielteile zu fabrizieren, deren erster eben Shenmue werden würde: Kämpfe, Kampftraining, Erforschung der Spielwelt, Adventure-artige Abschnitte, Rollenspielelemente – all das sollte es bieten.

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„Die Idee von einem großen Spiel entwickelte sich so, dass wir irgendwann nicht mehr um eine offene Welt herumkamen“, resümiert der Japaner. Schließlich sollte alles so realistisch, lebensnah und nachvollziehbar wie nur möglich sein: Tag-Nacht- und Wetterwechsel, die sich an historischen Daten orientieren; rund 300 Nichtspielerdcharaktere, die einem Leben nachgehen; ausgedehnte Gespräche; Läden und Restaurants; Nebenbeschäftigungen und Jobs; interaktive Zwischensequenzen – die wir heute als Quick-Time-Events kennen –; Minispiele; Geld, das Ryo ausgehen kann. Also nicht nur ein Actionabenteuer mit Rollenspieleinschlag, sondern auch eine Art Lebenssimulation begann hier zu wachsen. Eine riesige Herausforderung für das über 300 Mann starke Team. Und eine finanzielledazu. Über lange Zeit war Shenmue das teuerste Spiel aller Zeiten. Schätzungen zufolge habe es 70 Millionen US-Dollar verschlungen. Yu Suzuki selbst veranschlagt heute „nur“ 47 Millionen US-Dollar.

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Einst sollte der Held des Spiels, das heute Shenmue ist, Akira sein, einer der Kämpfer aus der seinerzeit sehr erfolgreichen Virtua-Fighter-Reihe.
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Eine Legende

Als Shenmue Ende 1999 in Japan und fast ein Jahr später in Nordamerika und Europa erschien, war es ein finanzieller Flop, aber auch ein Kritikerliebling, der sich sukzessive zum Kult mauserte. Der unglaubliche Aufwand hatte wahnsinnig viel Neues hervorgebracht. Heutigen Spielern ist nur schwer zu erklären, wie fantastisch sich etwa die offene Welt von Yokosuka mit ihren vier großen Arealen anfühlte. Wie irrsinnig es war, Koi-Karpfen in Teichen schwimmen zu sehen, zu erleben, wie die Sonne über den Himmel und am Boden der Schatten des Helden wandert, Regen und Schnee die Stadt in verschiedene Stimmungen tauchen.

Wie überwältigend es sich anfühlte, in eine Spielhalle zu gehen und dort Space Harrier und Outrun zu zocken, Aushilfsjobs anzunehmen, Gabelstapler zu fahren oder in engen Gassen Karatekämpfe gegen mehrere Gegner auszufechten. Oder wie überraschend es war, die Stadt vor Weihnachten plötzlich festlich geschmückt zu sehen. Aber natürlich waren es ebenso die liebevoll gestalteten Charaktere und die mystisch angehauchte Geschichte, die begeisterten. Suzuki grämt es dennoch bis heute, dass es nicht alle Ideen ins Spiel geschafft haben. Ein Fahrrad sollte es für den Helden geben und eine aufwändige „Ramen-Nudel-Simulation“ war angedacht. „Im echten Leben, wenn du sie bestellst, sind sie anfangs klein und dünn“, erklärt der Entwickler. „Aber mit der Zeit werden dann länger und dicker.“

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Jedoch war Shenmue nur der Auftakt zu Ryos Geschichte, die mit dem 2001 in Japan für Dreamcast und ein Jahr darauf in Europa für Dreamcast und Xbox (in Amerika gab es nur die Xbox-Version) erschienen Shenmue 2 fortgesetzt wurde. Hier brach der junge Kämpfer, immer noch der Spur des Vatermörders Lan Di folgend, nach China auf. Mit Hong Kong, der Walled City von Kowloon und dem Dorf Guilin war Part 2 weit größer als der Vorgänger, ausgearbeiteter und weniger sperrig. Dazu kam die Notwendigkeit, Geld zu verdienen, neue Jobs und Zufallssequenzen. Es war ein noch umfangreicheres digitales Leben, durch das der Kerl mit dem Stachelhaar gelenkt wird. Und eigentlich, nachdem Ryo dann endlich das zu Beginn der Saga noch namenlose Mädchen Ling Shenhua trifft, hätte der letzte Reiseabschnitt angestanden. Doch gingen die Verkäufe von Konsolen und Spielen bei Sega zurück; das Unternehmen musste große Verluste wegstecken und sparte. Das auch bei diesem großen Vorzeigeprojekt, obwohl sowohl Geschichte, Charaktere, Texturen, Modelle und vieles mehr eigentlich schon für Teil 3 bereitlagen. Es hätte nur noch alles zusammengefügt werden müssen. Eine frustrierende Situation.

Vergebliche Mühen

„Das Konzept für Shenmue 3 existiert, es ist fertig. Ich weiß, wie das Spiel aussehen und funktionieren würde“, erklärte Yū Suzuki über die Jahre immer wieder. „Es wäre ein größeres Spiel. Nicht im Sinne der Umgebungen, aber der Tiefe. Du würdest viel reden und lernen – vor allem mit und von Shenhua. Auch würdest du etliche Entscheidungen treffen. Du sitzt etwa mit Shenhua zusammen, dann fragt sie dich vielleicht: „Du kommt an einen Fluss mit vier Tieren. Ein Affe, eine Katze, ein Hund und ein Vogel. Du kannst den Fluss überqueren, aber nur drei mitnehmen. Welches Tier lässt du zurück?“

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Dass Shenmue einst als Virtua Fighter RPG seinen Anfang nahm, ist heute schwerlich zu glauben, aber tatsächlich noch erkennbar. Ryo gleicht dem Virtua-Fighter-Recken Akira auf verblüffende Weise. Sie teilen sich abseits der Frisur sogar noch eine Narbe und das Geburtsjahr 1968.
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Shenmue 3, behauptet jedenfalls der Japaner, sollte also nicht nur ein Spiel, sondern auch eine Art Persönlichkeitstest sein. Gespräche und Taten hätten das Verhältnis Ryos zu den einzelnen Charakteren beeinflusst. Zwei Mal soll Yū Suzuki bei Sega nach dem ersten Entwicklungsabbruch versucht haben, dieses ambitionierte Konzept wieder anzuschieben. Aber immer wieder sei das komplexe Projekt abgelehnt worden. „Es lief finanziell einfach nicht gut. Sie konnten und wollten das Risiko nicht eingehen.“

Zu dieser Zeit trennte sich Suzuki mit einem kleineren Team von Sega AM2 ab und gründete das neue Sega-interne Studio Digital Rex, wo er unter anderem Sega Race TV und Psy-Phi entwickelte, aber auch 2004 an Shenmue Online mitarbeitete, das beim koreanischen JC Entertainment entstand, aber nie erscheinen sollte. 2008 begründete er sein jetziges Studio Ys Net und verließ darauf nach ganzen 26 Jahren überraschend seinen langjährigen Arbeitgeber, dem er aber immer noch als Berater zur Verfügung stand.

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Zu den beeindruckendsten Umgebungen der Saga gehört Kowloon, die Walled City. Wirklich akkurat nachgestellt ist sie dem Original nicht, dafür aber furchtbar atmosphärisch.
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Wenig später erklärte Yū Suzuki auf der Game Developers Conference 2011, dass ihn Sega mit Ys Net eigentlich gerne Shenmue 3 entwickeln lassen würde. Doch gäbe es eben immer noch dieses „Budget-Problem“. Oder anders gesagt: Auch weiterhin wolle Sega die Entwicklung nicht selbst bezahlen, so groß ist die Befürchtung, dass Shenmue 3 ein finanzieller Reinfall würde. Über einige Jahre Jahre hatte der Outrun-Erfinder da schon versucht, externe Geldgeber für das Projekt zu gewinnen. Vergeblich.

Kickstart it

„Aber vor drei Jahren entdeckte ich Kickstarter“, erklärte Yū Suzuki jetzt in seinem Pitch-Video und auf der E3 2015 während Sonys Pressekonferenz. „Ich kann euch endlich die Fortsetzung zu Shenmue 2 liefern.“ Ähnlich Tim Schafer mit Broken Age oder Chris Roberts mit Star Citizen will der Japaner nun sein Traumprojekt für PC und PlayStation 4 mit Fangeld realisieren – und das bis Dezember 2017. Wenn mindestens zwei Millionen Dollar an Spenden zusammenkommen. Die Unreal Engine 4 soll dem so lange überfälligen Spiel dabei auf die Beine helfen, das – wie stets geplant – dort anknüpfen soll, wo der Vorgänger die Handlung losließ.

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Yū Suzuki mag hierzulande kein so bekannter Name sein, doch hat der kleine Japaner Kultspiele wie Outrun, Hang-On, After Burner, Strike Fighter, Virtua Fighter und einige mehr entwickelt. Nach seinem Ausstieg bei Sega war es jedoch einige Jahre still um ihn geworden.
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Gemeinsam mit Shenhua soll Ryo auf der Suche nach dem Vatermörder weiterziehen und wohl auch endlich hinter das Geheimnis der obskuren Spiegel kommen, die Anlass für all den Trubel sind. Hauptsächlich im Dorf Baisha und zwei weiteren ländlichen Orten, nämlich Choubu und Bailu, soll das Geschehen dabei angesiedelt sein. Die würden je nach Spendenbereitschaft ausgebaut oder gar, bei 10 Millionen US-Dollar Anschubkapital, innerhalb einer „offenen Spielwelt“ mit „deutlich mehr Wahlmöglichkeiten“ platziert werden. Dazu verspricht der japanische Entwickler ein neues Fähigkeitensystem und „kein lästiges Kampftraining mehr“.

Selbst wenn die hohen Stretchgoals nicht erreicht würden, so das Sega-Urgestein auf Twitter, „wäre ich nicht enttäuscht. Ich bin dankbar für die Chance, ein neues Shenmue erschaffen zu können.“ Die auf der Sony-Pressekonferenz gestartete Kampagne konnte die Mindestsumme aber in weniger als neun Stunden einfahren. Der Ansturm der Unterstützer war dabei sogar so groß, dass die Kickstarter-Server zwischenzeitlich einbrachen. Aber recht schnell kamen auch Fragen auf: Selbst mit 10 Millionen US-Dollar – wie soll ein derart großes Spiel für so einen Betrag realisiert werden?

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So ganz gut schaut der neue Ryo noch nicht aus, wie viele Fans finden – und sogar Suzuki selbst. Das soll sich bis zum fertigen Spiel natürlich noch ändern, verspricht die japanische Entwicklerlegende.
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Ganz einfach: Sony investiert ebenfalls in die Produktion und will dazu das Marketing übernehmen, wie das Team gestand. Aber wozu braucht es dann Spenden? „Ist das dann nicht … Beschiss“ und ein „Missbrauch der Crowdfunding-Idee“, beunruhigten sich einige schnell? Fragen, die Yū Suzuki in einem Statement aufzuklären versuchte. Sony würde keinen Cent des Fan-Geldes sehen, so der Entwickler. „Natürlich, wie bei jedem Kickstarter(-Projekt), werden uns weitere Mittel helfen, ein besseres Spiel zu machen.“ Allerdings waren diese Antworten nicht gänzlich fähig, das unwohlige Misstrauen zu mildern.

Bremsmanöver

Nach der initialen Euphorie und dem raketenartigen Kampagnenstart dämpfte sich die Spendenbereitschaft daher arg. Tage später klemmte der Betrag fast einen halben Monat beharrlich unter der 4 Millionen-US-Dollar-Marke. So hatten sich das wohl weder die Fans noch Yū Suzuki vorgestellt, der auf Reddit, Twitter und Twitch folglich Transparenz schaffen wollte und dabei weitere Nachfragen zur Finanzierung, aber auch seiner Vision beantwortete. So werden die ehemaligen japanischen und englischen Sprecher von Ryo auch in Teil 3 auftreten. Ein Dialogsystem mit Multiple-Choice-Antworten könnte es vielleicht geben, Schusswaffen sind hingegen tabu. Ein Werbedeal mit Coca-Cola, wie im Original, würde ihm gefallen. Wie ein Alpha-Test oder eine Demo realisierbar wäre, werde gerade durchdacht. Und falls das Spiel wegen mangelnder Spenden kein Open-World-Game würde, „werde ich tun, was mit dem Budget möglich ist“, verspricht Suzuki. Zudem will der Spielemacher sein Kickstarter-Projekt nicht nur als Download anbieten, sondern auch ein Fassung auf Disc, die Spender ab 60 Dollar bekommen können. Und zu guter Letzt: „Shenmue 3 wird nicht das Ende der Geschichte sein.“

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Die „übersinnlich“ begabte Shenhua soll in Shenmue 3 Ryos Weggefährtin sein und ihm bei seiner großen Aufgabe weiterhelfen. Vor allem soll sie ihm aber dabei unterstützen, zu sich selbst zu finden.
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So glorios das Comeback von Yū Suzuki und Shenmue also noch auf der Bühne von Sony schien, so zwiespältig wirkt es leider nun. Ganz egal, ob man das initiale Verschweigen von Sonys Beteiligung nun als Täuschung interpretiert oder nicht; ob man meint, dass Kickstarter lediglich als Marketing-Maschinerie missbraucht wurde: Mehr Transparenz und Offenheit hätte es gebraucht. Weit essentieller ist aber noch die Frage danach, ob es überhaupt Shenmue 3 braucht, ob der Serie mit dieser Fortsetzung ein Gefallen getan wird? Denn Shenmue wurde ja auch wegen seiner Unvollendetheit, den vielen losen Enden der Geschichte und dem Rätseln darüber, wie ein dritter Teil hätte ausschauen können, zum Mythos. Das Nichtwissen und unsere Vorstellungen davon, wie perfekt dieses Spiel, das wir nie bekommen sollten, hätte sein können, ließ uns über Jahre danach rufen. Und das verbunden mit der unterschwelligen Hoffnung, dass dieses Schreien vergeblich bleibt – denn so könnten unsere Erwartung nie enttäuscht werden. Was passieren kann, wenn der vermeintliche Messias dann doch wiederkehrt, hat uns leider Duke Nukem Forever vor Augen geführt. Bleibt zu hoffen, dass dies bei Shenmue 3 anders wird.