Vietnam war ein Albtraum. Für die Amerikaner geriet der Krieg in Asien zum Trauma, das bis heute andauert. Für viele gilt Vietnam als der Inbegriff des Scheiterns eines Amerikas, das versucht alle Konflikte mit militärischer Macht zu lösen. Die Soldaten selbst mussten feststellen, dass der schlimmste Feind nicht immer der Vietkong war – sondern die eigenen Befehlshaber, die skrupellos jeden Verlust der eigenen Leute in Kauf nahmen. Das sorgte für viel Stoff in den Kinos: Apocalypse Now und Platoon sind nur zwei Beispiele.

Doch auch die Games entdecken das Thema, nachdem der Zweite Weltkrieg einfach zu oft in den Wohnzimmern stattfand. Nun kann man Spielen unterstellen, nicht sonderlich reflektiert an die Sache heranzugehen: Im Vordergrund stand zunächst die Suche nach einem „frischen“ Szenario für die übliche Shooter-Kost – nicht gerade sehr kritisch. Der Vietnam-Shooter Shellshock machte dabei eine besonders unglückliche Figur – ein mittelmäßiges Spiel mit einer bedenklichen Tendenz. Zunächst kam die Warnung, dass Krieg eine üble Sache sei, dann setzt der Rock’n’Roll und die Action ein.

Klammheimlich veröffentlicht

Kein Wunder, dass Shellshock auf dem Index landete. Doch wie so Vieles auf dem Index im Game-Bereich ist auch Shellshock heute kaum noch skandalös oder sonderlich aufregend. Also muss eine Neuauflage her. Shellshock 2: Blood Trails will da anknüpfen, wo der Vorgänger aufgehört hat. Dass sich das Spiel allerdings fast ohne große Publicity in die Spieleläden geschlichen hat und selbst die BPjM nicht sonderlich zu interessieren scheint, ist ein Indiz dafür, dass etwas schiefgelaufen ist. Mächtig schiefgelaufen.

Shellshock 2: Blood Trails - Der blanke Horror als Spiel

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Die neue Küchenkollektion eines großen schwedischen Möbelhauses setzt auf rustikales Ambiente.
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Shellshock 2 präsentiert zunächst die krude Geschichte über ein geheimes Projekt in Kambodscha, einen vermissten Bruder, der wieder auftaucht und offensichtlich nicht ganz bei Sinnen ist, und einer skrupellosen Regierung, die finstere Experimente betreibt. Soweit, so bekannt – die Standard-Story-Mixtur steht. Was Shellshock 2 in den folgenden Stunden versucht, ist also ein waghalsiger Spagat zwischen Ego-Shooter und Survival-Horror.

Fade Kost mit billigen Effekten

Das ist ja an sich mal keine schlechte Idee, denn das Kriegsszenario mit einer ordentlichen Prise Horror zu würzen hat durchaus Potential. Doch die Spieleschmiede Rebellion schafft es nicht, ein wirklich spannendes Gericht aus den Grundzutaten zu zaubern, sondern bietet fade Hausmannskost: Schockeffekte sind vorhersehbar, die ständig auftauchenden verstümmelten Leichen sind billige Dekoeffekte, die Blutfontänen der getroffenen Gegner wirken grotesk. Auch wenn Shellshock 2: Blood Trails nicht an kruden und brutalen Szenen geizt: Sie wirken stets gestelzt und hanebüchen, keineswegs grausam oder Angst einflößend.

Shellshock 2: Blood Trails - Der blanke Horror als Spiel

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Die neue Küchenkollektion eines großen schwedischen Möbelhauses setzt auf rustikales Ambiente.
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Und was gehört noch zu einem richtigen Horror-Spiel? Richtig, eine Taschenlampe. Offensichtlich hat man sich bei Rebellion gedacht, das sei ein cooles Gadget – jedes Horror-Spiel braucht schließlich eine Taschenlampe, ohne geht es nicht. Aber eine etwas eingeschränkte Sicht sorgt im Umkehrschluss nicht gleich für richtiges Horror-Feeling: Außer ein paar helleren Momenten in dunklen Räumen scheint die Lampe eher nutzloses Beiwerk zu sein. Warum man diese dabei hat, wird nicht wirklich ersichtlich.

Still und heimlich ist Shellshock 2 in die Läden gekrochen. Schnell wird klar, warum das so ist: Standard-Dutzendware, die man schneller vergisst als den letzten Spiegel-Artikel über die Finanzkrise.Fazit lesen

Lieber ein Schrecken mit Ende …

Zudem stolpert das Spiel über seine eigenen Füße sobald etwas Horror-Atmosphäre aufkommt. Da ist in einem Apartmenthaus Babygeschrei und Frauengewimmer zu hören – doch die Geräusche wiederholen sich so oft, dass sie irgendwann nicht mehr bedrohlich, sondern vielmehr nach einem Kratzer in der Disc klingen. Aufgelöst wird die Situation zudem nicht: Die aufgebaute Spannung verpufft einfach, der Grusel verfliegt.

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Blut, Leichen, Taschenlampe. Dann haben wir ja alles, was in ein Horror-Spiel gehört.
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Wenn der Horror schon nicht will, klappt wenigstens der Ego-Shooter? Mitnichten. Der sieht zwar in Ordnung aus, kommt der Spieler jedoch gerade von einer Runde Far Cry 2 oder Killzone 2 ist die Diskrepanz schmerzhaft. Die Steuerung befindet sich auf einer Schicht Seifenlauge, die Waffen könnten aus den frühen Doom-Inkarnationen stammen. Immerhin: Das Geballer ist das Einzige, was tatsächlich problemlos funktioniert – aber dieser Aspekt ist so konventionell, dass schon der erste Level in Langweile versinkt. Shellshock 2 bietet nichts, was man nicht schon woanders besser gelöst gesehen hätte.