Shaun White, das rothaarige Skate- und Snowboard-Multitalent, fand bereits mit 13 Jahren Sponsoren, wurde von Tony Hawk höchstpersönlich gefördert und meisterte als junger Teenie bereits die schwierigsten Tricks. Ubisoft hat sich in bester Tony Hawk-Manier den Snowboard-Akrobaten geschnappt und zusammen mit ihm einen Titel rund ums Freeriden, Freestylen und Pisten-Shreddern produziert. Ob der große Name aus der Welt des Snowboardens für spielerische Qualität steht, lest ihr in unserem Test.

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„Such mir 12 Euro – verstehst du?“

Zusammen mit der "Assassin’s Creed"-Grafikengine und Shaun White als bekanntem Experten in Sachen Brettbeherrschung wollte Ubisoft eine Art GTA in Weiß erschaffen. Features wie die riesigen, frei begehbaren Territorien, abwechslungsreiche Events und ein lückenlos implementierter Multiplayer-Modus versprechen viel und so langsam wurde es ja auch wieder Zeit für ein gutes Snowboard-Spiel - schließlich gab es seit "SSX" und der "Amped"-Reihe kaum spielerischen Nachschub für den geneigten Snowboard-Zocker.

Aller Anfang ist schwer: Schon während der Einleitungssequenz zeigt "ShaunWhite Snowboarding“ Schwächen. Zum einen sorgen die Dialoge in den Zwischensequenzen dafür, dass man sich immer wieder an den Kopf fassen muss. „Vielleicht bin ich der Drachentöter, und der Berg ist der Drache, verstehst du?“ – So etwas will man nicht verstehen. Zum anderen fordert Mr. White den Spieler mit dem Satz „Such mir 12 Euro“ dazu auf, überall in den Skigebieten verteilte Euro-Symbole zu suchen und zu sammeln. Man muss ja genug Kohle für Jacken, Handschuhe oder Hosen haben, um „freakig-gut auszusehen“.

Shaun White Snowboarding - GTA in Weiß

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Im Freeride-Gelände kann man sich dank Schneeverwehungen, Felsen und Gletscherspalten richtig austoben.
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Bei Amped gestaltete sich die Suche nach Schneemännern als nette Dreingabe. "ShaunWhite Snowboarding" geht einen Schritt zurück und macht die Suche nach verstreuten Symbolen zu einem Hauptbestandteil des Gameplays. Erschwert wird diese einfallslose Aufgabenstellung durch das verkorkste Radar, das lediglich einen gefühlten Radius von zwei Metern abscannt, so dass die zu groß dargestellten Objekte immer am Rand des Radars rumlungern. Die unübersichtliche Karte im Comic-Look hilft da auch nicht wirklich weiter.

Hat man die geforderte Anzahl an Münzen gesammelt, verleiht Shaun einem neue Spezialfähigkeiten, mit denen man z.B. Absperrungen durchbrechen kann, um dann wiederum die nächsten Euros einsammeln zu können – und so weiter. Auch wenn man sich mittels Karte und selbst gesetzten Markierungen zu zahlreichen Orten teleportieren kann, es sogar möglich ist, jeder Zeit das Brett abzuschnallen und frei rumzulaufen, ermüdet und frustriert die Suche nach den Euros schnell.

Packshot zu Shaun White SnowboardingShaun White SnowboardingErschienen für DS, PS3, PSP, Xbox 360, PC und PS2 kaufen: Jetzt kaufen:

Der mittellose Boarder

Doch "ShaunWhite Snowboarding" hat mehr zu bieten, als bloße Sammelaufträge. In den vier Gebieten – Park City, Alaska, Japan und Europa – sind zahlreiche Wettkämpfe verteilt, denen ihr per Knopfdruck ohne Aufwand beitreten könnt. Da gilt es mal die Half-Pipe zu „rocken“, beim Slope-Style-Contest mit gut platzierten Grinds und gekonnten Sprüngen Punkte zu sammeln oder beim klassischen Pistenrennen Erster zu werden. Hier wird für Abwechslung gesorgt und man erhält durch gute Platzierungen das Geld, um sich neue Boards und Anziehsachen zu kaufen.

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An den verschiedenen Wettkämpfen beißt man sich vor allem am Anfang gerne mal die Zähne aus.
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Bedauerlicherweise gestaltet sich die Weiterentwicklung des Charakters recht dürftig. Man kann sich lediglich neue Snowboards aussuchen, die dank besserer Werte den Boarder höher springen, schneller gleiten und sicherer grinden lassen. Das Spiel bietet keine Möglichkeit, die Spezialisierung in Bereichen wie "Rotation" oder "Gleichgewicht" selbst zu bestimmen. So bleibt einem die Zucht eines aufs Springen oder aufs Grinden spezialisierten Fahrers verwehrt.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass sich die Wettkämpfe am Anfang des Spiels sehr schwierig gestalten. Egal ob Jib-Fest oder Big-Air, nur selten platziert man sich zwischen den ersten drei Fahrern, unter denen die fetten Preisgelder verteilt werden. So vergeht viel Spielzeit, bis man sein virtuelles Sparschwein gefüllt hat und sich ein vernünftiges Snowboard kaufen kann. Die horrenden Preise für die Bretter kommen dem Spieler da auch nicht entgegen.

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Bäume, Geländer oder Hausdächer: An Grind-Möglichkeiten mangelts in den großen Skigebieten nicht.
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Die Wettkämpfe werden darüber hinaus durch die teils hakelige Steuerung erschwert. Nach dem anfänglichen frei Rumfahren merkt man schnell, dass es gar nicht so einfach ist, gezielt Sprünge, Lücken oder Rails anzufahren. Überhaupt kommt einem das Fahr- und Sprungverhalten des eigenen Fahrers komisch vor. So fährt man auch nach einer Landung auf dem Rücken des Öfteren einfach weiter, ruckartige Bewegungen des Boarders stören, und die Kollisionsabfrage lässt auch zu Wünschen übrig.

Ungewachste Snowboards sorgen für Frust

Vor allem die unrealistischen und nervenden Geschwindigkeits- einbußen sorgen permanent für Frust. Auch wenn man einen Couloir mit 39-Grad Neigung runterfetzt – ständig hat man das Gefühl, ein ungewachstes Brett zu fahren und nicht vom Fleck zu kommen. Viel zu schnell verliert man die gewonnene Geschwindigkeit und schafft es dann kaum, überhaupt über den großen Kicker zu kommen – geschweige denn einen stylischen Trick zu vollenden. Bessere Snowboards sorgen im späteren Spielverlauf aber für mehr Tempo.

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Gerade in anbetracht der stimmigen Gebiete fällt es äußerst schwer, sich für das Münzen-Sammeln zu begeistern.
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Die riesigen Territorien bieten so ziemlich alles, was man von einem Snowboard-Spiel erwarten kann. Vielseitige Parks, unzählige Grind-Möglichkeiten, Tiefschneehänge und riesige Felsen – alles ist frei begehbar. Entweder man lässt sich per Heli auf die Bergspitze rauf fliegen, nimmt den Sessellift – von dem man jederzeit runterspringen kann – oder man schnallt das Brett ab und stampft zu Fuß weiter durch die stimmigen Winterlandschaften mit der beeindruckenden Weitsicht.

Das Fahrgefühl kommt nicht richtig rüber und stupides Münzen-Sammeln sollte eigentlich der Vergangenheit angehören - schade um die prächtigen, atmosphärischen Skigebiete.Fazit lesen

Durch die Möglichkeit, seine Routen frei zu wählen und ohne Begrenzungen die riesige Gegend zu erkunden, schafft es Shaun White Snowboarding das Gefühl zu vermitteln, sich in einem Skigebiet zu befinden. Überall entdeckt man Kicker, Rails oder Felsvorsprünge, die zu gewagten Sprüngen und Tricks auffordern. Details wie ausbrechende Lawinen in steilen Tiefschnee-Hängen sorgen beim Freeriden für erhöhten Puls. Leider wurden die weißen Ungeheuer unfertig inszeniert – nach einer gewissen Strecke verschwinden die Lawinen einfach.

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In den Wettkämpfen kann man mittels guter Platzierung Geld für neue und bessere Boards sammeln.
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Unglücklicherweise sorgen permanente Grafik-Patzer der an sich schicken Präsentation für Abzüge bei der winterlichen Atmosphäre. So stören einige Clipping-Fehler, sich verändernde Texturen oder die ungelenken, teils stockenden Animationen des Fahrers. Auffallend war vor allem auch eine Unschärfe, die sich etwa 20 Meter vor dem eigenen Fahrer bemerkbar macht. Ob gewollter Blur-Effekt oder Grafikfehler – oft sieht die Umgebung verwaschen aus und mutiert immer wieder zu einem unscharfen Einheitsbreit.

Der Soundtrack sorgt für Stimmung

Shaun White Snowboarding will dem Spieler auf der heimischen Couch das Gefühl vermitteln, zusammen mit Freunden einen tollen Tag auf dem Berg zu verbringen. Wichtigstes Element dafür stellt der Multiplayer-Part dar, der vorbildlich und nahtlos im Einzelspieler-Erlebnis eingebaut wurde. Die Unterschiede zum Einzelspieler-Modus halten sich in Grenzen – man kann immer noch die gleichen Missionen erfüllen oder einfach den Berg erkunden.

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In steilen Hängen des Backcountrys erwarten den unvorsichtigen Boarder tödliche Lawinen - die leider abrupt verschwinden.
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Jedoch befinden sich bis zu 15 Mitspieler auf dem Hang, mit denen man ohne lästige Menüs oder Einstellungen auf einfache Art und Weise Online-Wettkämpfe bestreiten kann. Zu keinem Zeitpunkt wird man aus der winterlichen Spielwelt raus genommen. Eine Bereicherung für das Spiel ist der Multiplayer-Modus auf jeden Fall, auch wenn Lags den Spielfluss teils beeinträchtigten und der beliebte Splitscreen-Modus fehlt. Darüber hinaus könnt ihr eure Tricks aufnehmen, bearbeiten und diese an Freunde verschicken.

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Im nahtlos integrierten Multiplayer-Modus kann man zusammen mit Freunden die verschneiten Landschaften erkunden.
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Wie bereits angetönt, gehören die Zwischensequenzen mit den unpassenden Dialogen nicht zu den Stärken von "ShaunWhite Snowboarding". Die schlechte deutsche Synchronisation macht das nur noch schlimmer. Glücklicherweise kommen die Sequenzen nicht allzu oft vor. Davon abgesehen vermag die Soundkulisse zu überzeugen. Der Ausbruch einer Lawine hört sich bedrohlich real an, das Gleiten über den Schnee oder die Landungen nach einem 720er stimmen. Leider wurden die Umgebungsgeräusche stiefmütterlich behandelt.

Daneben lässt der bombastische Soundtrack keine Wünsche offen. Von Incubus ("Anna Molly"), Social Distortion ("Ring of Fire") bis zu Anti-Flag ("The Press Corpse") und Bob Dylan ("Someday Baby") bietet die Song-Auswahl von Rock, Punk bis hin zu Soul und Folk alles, was man von diesem Soundtrack erwarten könnte.