Doch was ist dann so neu und außergewöhnlich an Shattered Horizon? Es ist die Idee, den Kampfanzug gegen einen flugfähigen Raumanzug zu tauschen und den gewohnten Häuserkampf ins All zu verlegen, wo die Schwerelosigkeit auf beiden Seiten mitspielt. Bei klassischen Multiplayer-Shootern weiß man nach einigen Stunden Spiel, in welcher Sekunde der Gegner an einer bestimmten Stelle auftauchen wird. Bei Shattered Horizon weiß man das nie. Er könnte überall lauern. Während man suchend über eine ausladende Solarantenne der ISS spaziert, kann es durchaus sein, dass der Übelwicht an der anderen Seite kopfüber Gleiches tut.
Alles dreht sich – doch Reisekaugummis wirken Wunder.Fluch und Segen zugleich ist die Möglichkeit, im Spiel via Headset mit dem Team zu sprechen. Denn wie zum Teufel sagt man seinem Kameraden, dass über ihm ein Gegner lauert, wenn für ihn möglicherweise oben unten ist? An dieser Stelle bietet das Spiel unbegrenzte Möglichkeiten für Clans, durch gute Kommunikation, Koordination und Teamplay zu punkten.
Ebenso wichtig ist die genaue Ortskenntnis. Die zu erwerben ist angesichts der acht riesigen Schauplätze eine echte Aufgabe. Anfänger erhoffen sich meist in ausreichender Höhe eine gute Übersicht über das Schlachtfeld und geben dabei eine grandiose Zielscheibe ab. Erfahrene Spieler bewegen sich hingegen ganz nah an größeren Objekten, auf denen sie sich verankern. Das schützt nicht nur vor Angriffen aus unerwarteter Richtung, es begrenzt auch den extremen Rückschlag beim Feuern, der das Zielen im freien Flug nicht gerade einfach macht.
So nah die Erde auch scheint – von dort ist vorerst keine Hilfe zu erwarten.Und wer sich ständig nach allen Seiten hin absichert, bekommt früher oder später ein Problem mit seinem Gleichgewichtssinn. Motion Sickness oder auch Simulator Sickness ist ein Phänomen, das mit modernen Grafik-Engines Einzug gehalten hat und etwa ein Viertel der Menschen quält, wenn die optischen Informationen, die im Gehirn eingehen, nicht mit denen übereinstimmen, die der Gleichgewichtssinn übermittelt.
Wer schon bei Half-Life 2 und Co. über ein Schwindelgefühl klagte, sollte beim Zocken von Shattered Horizon unbedingt einen Eimer neben den Schreibtisch stellen oder zumindest regelmäßig längere Spielpausen einlegen. Bei unseren ausgiebigen Testflügen erwies sich eine Familienpackung Reisekaugummis als ausgesprochen wirksam.
Was den Spielfluss anbelangt, so haben die Jungs von Futuremark ganze Arbeit geleistet. Die Engine glänzt nicht nur optisch, sondern auch in Sachen Geschwindigkeit. Via Steam findet sich schnell ein geeigneter Spielserver, auf dem die Weltraumhatz ohne nennenswerte Lags vonstatten geht. Die Software registriert außerdem die bisherigen Spielerfolge und verpasst den Spielern dann entsprechende Ränge.
Wer möchte, darf auch mit einem Bergbau-Werkzeug in den Nahkampf gehen.Erschienen ist Shattered Horizon eigentlich schon im Herbst vergangenen Jahres und wird derzeit schon sehr erfolgreich über Steam vertrieben. Ab dem 12. August soll der Titel dann in Deutschland, Österreich und der Schweiz als komplett lokalisierte Premium Edition in den Regalen stehen – für unter zwanzig Euro auf jeden Fall eine gute Investition in ein Studio, das gerade ein innovatives und qualitativ überzeugendes Erstlingswerk abgeliefert hat. Man darf also gespannt sein, was die Benchmark-Experten in Zukunft noch so alles aus der Schublade ziehen werden.
von Headup Games, Futuremark Games Studio
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