Nicht viele erinnern sich an das Action-RPG „Kult: Heretic Kingdoms“ vom Entwicklungsstudio 3D People. Obwohl es gute Story-Ansätze lieferte und der Spieler moralische Entscheidungen im Spielverlauf treffen konnte, erntete der Titel Kritik im Bezug auf die kaum spürbaren Konsequenzen eben dieser. Im vierten Quartal dieses Jahres erscheint die offizielle Fortsetzung „Shadows: Heretic Kingdoms“, die im Bezug auf verschiedene Handlungsverläufe diverse Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger verspricht.

Shadows: Heretic Kingdoms - Announcement Trailer

Die Häretischen Königreiche und die Schattenwelt

Das neue Action-RPG aus dem Hause Games Farm (mit den Mitgliedern des Entwicklungsteams von „Kult: Heretic Kingdoms“) greift Spielelemente des Vorgängerteils auf, liefert aber auch so einige neue. Den Kult-Kennern werden einzelne Namen und Fraktionen gleich zu Beginn der Handlung vertraut sein, da das Spiel direkt an das Ende vom vorigen Teil anknüpft. Vorkenntnisse sind aber für das allgemeine Spielverständnis für Neulinge glücklicherweise nicht von Nöten.

Shadows: Heretic Kingdoms - Die Geister, die ich rief

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Obwohl ihr die vielseitigen Orte mit unterschiedlichen Figuren besucht, seid ihr letzten Endes nur als Devourer unterwegs
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Während ihr noch in „Kult: Heretic Kingdoms“ die Häretischen Königreiche mit Alita, einer menschlichen Haupt- und Spielfigur, bereist habt, schlüpft ihr in „Shadows: Heretic Kingdoms“ diesmal in die Rolle eines weniger menschlich wirkenden, finsteren Gesellen: Der Devourer. Bei jenem Wesen handelt es sich um einen Dämon aus der Schattenwelt, der die Seelen der Toten verschlingt. Beschworen wurde er von einem rätselhaften, fremden Mann. Wieso er euch herbei rief und warum ihr als Devourer überhaupt seinen Bitten nachgeht, erfahrt ihr anfangs noch nicht.

Innerhalb der Schattenwelt bewegt ihr euch als Devourer fort und könnt nahezu jederzeit zwischen dieser Welt und dem Diesseits hin und her wechseln. In ähnlicher Form konnte man im Vorgängerteil zwischen der realen Welt und der Traumwelt beliebig wechseln. Taktisch kann es euch den einen oder anderen Vorteil verschaffen, wenn ihr mal einem Kampf lieber aus dem Weg gehen wollt oder von zu vielen Gegnern umringt wurdet.

Shadows: Heretic Kingdoms - Die Geister, die ich rief

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An manchen Stellen müsst ihr zwischen der Schattenwelt zur Welt der Sterblichen wechseln und umgekehrt, um voranzukommen.
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Allerdings ist so eine Entscheidung auch mit einem gewissen Risiko verbunden. Flüchtet ihr vor den Gegnern im Diesseits, bedeutet es nicht automatisch, dass ihr in der Schattenwelt sicher seid. Je nachdem könnt ihr auch das Pech haben, auf weitaus stärkere oder mehr Gegner zu stoßen. Trotzdem empfiehlt es sich an bestimmten Orten immer mal wieder ein Blick in der Schattenwelt zu werfen.

Hin und wieder trefft ihr auch auf ansprechbare NPCs oder Geheimnisse in der Schattenwelt, die euch unter anderem wichtige oder optionale Quests bereithalten. In manchen Fällen ist es sogar unverzichtbar, zwischen den Welten zu wechseln, um weiter im Spiel voranzukommen, da sich dadurch so manch eine Sackgasse umgehen lässt.

Viele Seelen und unterschiedliche Wege zum Ziel

Unser Protagonist ist unter seinesgleichen ein Spezialfall, denn er kann nicht nur mehrere Seelen mitsamt ihres Bewusstseins und all ihren Erinnerungen in sich aufnehmen, sondern ist auch in der Lage, diese im Diesseits für ihn agieren zu lassen.

Wo wir damit auch schon bei dem Spielaspekt sind, der mit am interessantesten ist: Im Laufe des Spiel begegnet ihr diversen Seelen, die ihr nach der Aufnahme dieser spielen könnt. Da sie ihre Erinnerungen und ihre Persönlichkeit beibehalten haben, handeln sie dementsprechend auch nach ihrem eigenen Willen in der normalen Welt.

Jedenfalls erscheint es uns wohl so, denn eigentlich spielt man durchweg den geheimnisvollen Devourer, der sozusagen die Seelen kontrolliert. Während ihr in der irdischen Welt umher reist, lernt ihr auch die Hintergrundgeschichte der einzelnen Seelen kennen. Manche verstarben erst vor kurzem, andere bereits vor Hunderten von Jahren. Im weiteren Verlauf kommt es immer mal wieder zum inneren Monolog der Seelen, die der Devourer eingesammelt hat, wodurch er zu einem schizophrenen Wesen wird.

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Hat euer Charakter im Diesseits viel Schaden einstecken müssen, kann der Devourer ihm in der Schattenwelt ein Teil seiner Kräfte zum Regenerieren zukommen lassen.
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Quests und Entscheidungsmöglichkeiten im Spiel beeinflussen weitgehend die Geschichte. Nicht jede Dialogentscheidung zieht maßgebliche Konsequenzen mit sich, kann aber aufgrund der unterschiedlichen Verhaltensweisen eurer Gegenüber zur Folge haben, dass die eine oder andere Information euch abhanden kommt.

Ein solide wirkendes Spiel nach alter Schule mit einem ungewöhnlichen Protagonisten und vielversprechenden inhaltlichen Verzweigungen.Ausblick lesen

Eine der wichtigsten Entscheidungen kommt gleich zu Beginn, wenn ihr als Devourer an einem Ort mit drei Särgen vorbeikommt und euch für einen jener darin beherbergten Personen entscheiden müsst. Dieser Charakter wird die erste Seele sein, die der Devourer assimiliert.

Bis zu 3 Charaktere mitsamt dem Devourer könnt ihr in eurer Party mitnehmen – Wobei eigentlich der Party-Begriff ein wenig irreführend ist. Denn unterwegs seid ihr im Grunde nur mit einem Charakter, den ihr beliebig gegen einen der restlichen drei dann auswechseln könnt. Das Spiel besitzt insgesamt 15 Spielcharaktere, jedoch könnt ihr in einem Spieldurchlauf lediglich bis zu 9 Spielcharaktere aufnehmen.

Welche Charaktere ihr im Laufe des Abenteuers begegnen werdet, ist von den getroffenen Story-Entscheidungen abhängig. Mit völlig neuen Figuren und drei unterschiedlichen Haupthandlungssträngen mitsamt ihrer variierenden Enden weist „Shadows: Heretic Kingdoms“ definitiv Potenzial für einen hohen Mehrspielwert auf.

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Mir vier aktiven Skills bleibt euer Kampf selbst gegen Gegnerhorden stets überschaubar
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Rein spieltechnisch wartet „Shadows: Heretic Kingdoms“ kaum mit Überraschungen auf. Aber den Anspruch legt der Titel an sich auch nicht. Stattdessen setzt das Spiel auf altbewährte Spielelemente, ein schnell begreifliches Gameplay und interessante Figuren – und diese Mischung wirkt bisher ganz gut. Ein wenig schleppend könnte man vielleicht den Anfang empfinden, während man sich als Devourer seinen Weg durch die gruftartige Schattenwelt bahnt. Letzten Endes machen die Charaktere die Spielgeschichte erst richtig interessant und bis man die erste Stadt betritt, wo es die ersten richtigen Dialoge gibt, dauert es noch ein wenig.

Für „Dr. Who“-Fans gibt es übrigens auch eine kleine Überraschung. Während Tom Baker, der Synchronsprecher des gleichnamigen Hauptcharakters der Serie, in „Kult: Heretic Kingdoms“ den Erzähler gesprochen hat, leiht er diesmal seine unverkennbare Stimme dem rätselhaften Fremden zu Beginn des Spiels, der den Devourer beschwor.