Eingefleischte Pen & Paper-Spieler unter euch werden es noch kennen, das Rollenspielurgestein »Shadowrun« aus dem Jahre 1989. Damals als eines der komplexesten Rollenspielsysteme überhaupt bekannt, feiert der Klassiker nun sein Debüt auf dem PC und der Xbox 360.

Zur Enttäuschung zahlreicher Fans handelt es sich beim Computer- und Videospielpendant allerdings nicht um ein RPG: »Shadowrun« ist vielmehr ein ausgeflippter Shooter in naher Zukunft, der technische- und Dark Future-Aspekte aus dem Cyberpunk mit magischen Einflüssen der Fantasy verbindet. Eine innovative Mischung also, die actiongeladene Multiplayer-Schlachten verspricht. Ob »Shadowrun« allerdings zum Pflichtkauf avancieren kann, erfahrt ihr in unserem Review.

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Wir schreiben das Jahr 2031. »Shadowrun« spielt in und um die brasilianische Metropole Santos und erzählt die Geschichte zweier verfeindeter Kräfte. Die RNA Global ist ein riesiges Unternehmen, dessen Ziel es ist, eine unirdische, magische Macht zu kontrollieren. Diese Kraft wird allerdings von der Lineage verteidigt, einer 5000 Jahre alten, geheimen Gesellschaft. Obwohl keine der beiden Seiten richtig gut oder richtig böse ist, entbrennt ein erbitterter Kampf rund um die unirdische Macht. In diesen Krieg wird euer Charakter wenig später hineingezogen.

Böse Jungs

Da »Shadowrun« keinen Singleplayer-Modus beinhaltet, ist die Story nebensächlich. Das Werk der FASA Studios ist ein reiner Multiplayer-Shooter, in dem zwei Teams aus maximal acht Leuten gegeneinander antreten. Gespielt wird jeweils über mehrere Runden hinweg, an deren Anfang ihr euch zunächst für eine der beiden Parteien entscheiden müsst. Um das Spiel möglichst fair zu gestalten unterscheiden sich beide Gruppen spielerisch aber nicht. Anschließend steht die Wahl der Rasse auf dem Programm. Auf Seiten von RNA und Lineage stehen Menschen, Elfen, Trolle sowie Zwerge zur Auswahl.

Shadowrun - Hochzeit von PC und Konsole: Multiplayeraction der nächsten Generation.

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Das ausführliche Tutorial erklärt euch alle relevanten Spielelemente.
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In bester Rollenspielmanier unterscheiden sich diese auch erheblich voneinander: Während Trolle unglaublich massiv gebaut sind und zahlreiche Fähigkeiten zur Schadensabsorbtion mit sich bringen, erfreuen sich Zwerge einer größeren Menge an magischer Essenz, die als Rohstoff für alle Zaubersprüche dient. Elfen sind hingegen die schnellste Rasse, dabei allerdings nicht in der Lage, großen Schaden wegzustecken. Dafür können sie ihre beträchtliche Essenz zur Heilung nutzen. Die Menschen gesellen sich als Allrounder dazu und können aufgrund ihrer Geschichte besser mit Technologien umgehen, was sie für den Gebrauch von Tech-Fertigkeiten prädestiniert.

3, 2, 1, meins!

Der Fokus von »Shadowrun« liegt eindeutig auf teambasierten Gameplay. Dies zeigt sich bereits an den drei Spielmodi, die euch während der Multiplayerschlachten zur Verfügung stehen: Unter dem Modi "Überfall" verbirgt sich das Pendant zu "Capture the Flag". Hier muss das, aus acht Spielern bestehende, Team ein magisches Artefakt erobern und es zu einem Zielpunkt bringen. Die Verteidiger versuchen indes, die Angreifer aufzuhalten und zu verhindern, dass das Artefakt gestohlen wird. Geht dieses verloren und wird nicht wieder aufgenommen, kehrt es wieder zum Startpunkt zurück. Die Mischung aus Angriff und Verteidigung macht den "Überfall"-Modus für Taktik-Fans besonders attraktiv.

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Der Wiederbelebungszauber ist im Multiplayer extrem wichtig.
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Im "Bergung"-Modus befindet sich das Artefakt in der Mitte der Karte. Beide Teams können es aufnehmen und zum eigenen Zielpunkt auf der gegenüberliegenden Seite der Map bringen. Dieser Modus ist schneller und actionreicher als "Überfall", schließlich wollen ja beide Seiten dasselbe erreichen. "Zermürben" ist hingegen eine Art "Team Deathmatch"-Modus, bei dem es allerdings keinen Respawn-Punkt gibt. Segnet ein Mitspieler das Zeitliche, kann er nur wieder durch einen Wiederbelebungszauber eines Mitstreiters am Spielgeschehen teilnehmen.

Multiplayer at its best!

Doch nun endlich ab in die Schlacht! Wer jetzt denkt, bei »Shadowrun« handelt es sich um einen Shooter der Marke »Unreal Tournament« oder »Quake«, täuscht sich. Vielmehr lässt das Ballervergnügen Parallelen zu »Counter-Strike« erkennen. Zu Beginn eines jeden Matches werden euch nämlich in einem Menü zahlreiche Waffen und Munition zum Kauf angeboten. Das Arsenal reicht dabei von normalen Handfeuerwaffen über Maschinenpistolen bis hin zu einer Gatling-MG oder einem Raketenwerfer. Das obligatorische Scharfschützengewehr fehlt natürlich auch hier nicht. Als interessanteste Waffe kristallisiert sich aber das Katana heraus, ein japanisches Langschwert, welches nach nur wenigen Hieben Kleinholz aus Gegnern macht.

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Unter Beschuss: Ein Troll versucht uns den Garaus zu machen.
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Habt ihr euch für eine Waffe entschieden, könnt ihr euer Geld noch in sogenannte Techs und magische Fertigkeiten investieren. Die Techs beinhalten dabei unter anderem Gleitflügel, mit denen ihr euch für kurze Zeit in die Lüfte erheben könnt, aber auch eine Sichtverstärkung, dank der ihr einen Impuls aussenden könnt, der feste Objekte durchdringt und so alle Feinde in Blickrichtung erkennen lässt. Insgesamt stehen euch fünf Tech-Fertigkeiten zur Verfügung, die ihr in einem Match nach Belieben einsetzen könnt.

Interessanter sind da schon die magischen Fertigkeiten, die »Shadowrun« eine Vielzahl taktischer Möglichkeiten bescheren. Da gibt es zum Beispiel sogenannte Würgeranken, mit denen Engstellen auf der Map blockiert werden können.

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Der Beschwörungszauber stellt uns eine starke Kreatur an die Seite.
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Die magischen Kristalle dieses Zauberspruchs ziehen Feinde in der Nähe an und entziehen gleichzeitig Lebensenergie und Essenz. Um euch selbst die Runde zu erleichtern, könnt ihr euch kurzzeitig in Rauch verwandeln und somit unverwundbar werden. Eine Art sprudelnde Lebensquelle ist hingegen der Baum des Lebens, der sich an jeder Stelle der Karte platzieren lässt. Einmal gezaubert, heilt er alle Charaktere in unmittelbarer Umgebung - auch die Gegner. Dabei benötigt jeder Zauberspruch eine gewisse Menge an Essenz. Der Einsatz der Sprüche sollte also gut überlegt sein.

Blutige Grafikschlachten?

Grafisch platziert sich »Shadowrun« eher im gehobenen Mittelfeld. Die zwölf Maps wurden zwar interessant und durchaus ansprechend designt, auch die Charaktere sehen nicht schlecht aus. Für den "Ahhaa"-Effekt reicht es aber bei Weitem nicht. Trotzdem: Der unübliche Stil ist gelungen und fügt sich wunderbar in das gegebene Setting ein. Dass aus »Shadowrun« grafisch keine Granate geworden ist, fällt nicht unbedingt schwer ins Gewicht, schließlich handelt es sich um einen Multiplayer-Shooter, der seinen Fokus eindeutig auf andere Spielelemente legt. Dafür ist die soundtechnische Untermalung des Titels auf alle Fälle gelungen. Eine gute Synchronisierung, die manchmal auch mit witzigen Statements daherkommt, verleiht »Shadowrun« zusätzlich Atmosphäre.