In der Not frisst der Teufel Fliegen. Übertragen auf die Unterhaltungssoftware-Branche heißt das: Sind die Spiele-Knaller rar, geben Zocker gerne auch kleineren Produktionen eine Chance. Das können Gurken, bisher unentdeckte Spieleperlen oder mittelprächtige Games zur Überbrückung bis zum nächsten Hit sein.

In eine dieser Kategorien passt auch die isometrische Action-Ballerei „Shadowgrounds Survivor“ des finnischen Entwicklers Frozenbyte. In welche, das verraten wir euch unverblümt im Review. Und kommen damit unserem Bildungsauftrag nach. Lesen macht nämlich schlauer.

Shadowgrounds: Survivor - Gameplay TrailerEin weiteres Video

Don’t think! Shoot!

Die Story von „Shadowgrounds Survivor“ könnte glatt der Feder eines Hollywood-Autors entsprungen sein. Einer dieser Schreiberlinge, die sich auf platte Actionstreifen mit B-Movie-Darstellern konzentrieren, wohlgemerkt. Zum geschätzt siebenhundertneunundzwanzigsten Mal steht die Erde in ferner Zukunft vor dem Untergang. Fiese Aliens wollen sich unseres Lebensraums bemächtigen. Zum Zeitpunkt des Spielstarts ist die Invasion bereits nahezu abgeschlossen. Nur wenige Menschen sind noch nicht zwischen den Reißzähnen der außerirdischen Monster gelandet. Drei von ihnen begleitet ihr fortan abwechselnd auf ihrem Weg zur Rettung der Menschheit.

Shadowgrounds: Survivor - Viel Wumms für wenig Geld: Der trashige Simpel-Spaß ist genau das Richtige für graue Sonntage.

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Gegnerdesign par excellence: Spinnen mit aufgeschnallter Laserwumme. Auf solch brillante Ideen kommen nur wahre Genies.
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Öde Render-Cutscenes, noch langweiligere In-Game-Zwischensequenzen und laienhafte Dialoge spinnen die vernachlässigbare Geschichte weiter. Doch was soll’s? Action-Pornos wie „Rambo“ schaut schließlich auch keiner aufgrund der Story. Wer sich auf „Shadowgrounds Survivor“ einlässt, dem offenbart sich eine Ballerorgie in bester „Serious Sam“-Manier. Nur eben aus einer isometrischen Perspektive. Und mit einigen oberflächlichen Rollenspielelementen. Doch dazu später mehr.

Drei Freunde sollt ihr sein

Dass „Shadowgrounds Survivor“ euch abwechselnd in die Rollen dreier unterschiedlicher Helden versetzt, hat System. Denn jeder der unfreiwilligen Erdenretter verfügt über eigene Waffen und damit recht unterschiedliche Spielweisen. Der erfahrene Soldat Luke „Marine“ Giffords etwa ballert den Aggressoren am liebsten mit seinem Schnellfeuergewehr oder dem Raketenwerfer die Hirnmasse aus dem Schädel. Bruno „Napalm“ Lastmann wiederum vertraut auf seinen Flächenschaden verursachenden Flammenwerfer und eine Minigun.

Shadowgrounds: Survivor - Viel Wumms für wenig Geld: Der trashige Simpel-Spaß ist genau das Richtige für graue Sonntage.

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Das kommt davon: An Tankstellen rauchen und dann noch mit der Knarre auf die Zapfsäule ballern.
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Isabel „Sniper“ Larose hingegen macht ihrem Spitznamen alle Ehre und setzt auf eine Railgun, die auch mehrere Gegner hintereinander ausschaltet. Interessant dabei: Sobald die sexy Amazone die Laserwumme einsetzt, zoomt die Perspektive ein klein wenig heraus, um dem Spieler mehr Übersicht zu geben. Das Spielgefühl variiert so merklich. Nahkampf (Flammenwerfer), Mitteldistanz (Schnellfeuer-MG) und Fernkampf (Sniper-Rifle) – alles drin, alles dran!

Ein hübsch-spaßiger Action-Lückenfüller zwischen Januar-Tristesse und erwartetem Spiele-Osterjubel. Baller-Fans, denen die Finger jucken, dürfen zugreifen.Fazit lesen

Von oben herab

Gleichwohl, welchen der Charaktere ihr gerade (mit Maus und Tastatur oder alternativ dem Gamepad) lenkt: Die generelle Spielmechanik bleibt dieselbe. Ihr durchpflügt lineare, größtenteils abwechslungsarme Levels, darunter Labore, matschbraune Außengebiete sowie Eiswüsten, und schießt auf alles, was euch in den Sichtpegel läuft. Die Iso-Perspektive ist starr, sie kann weder gekippt noch gezoomt werden. Immerhin: Die Kamera dürft ihr frei rotieren.

Viele Missionen haben die Entwickler in der Finsternis angesiedelt, damit die fortschrittlichen Licht- und Schatteneffekte besonders gut zur Geltung kommen. Gerade im Dunklen solltet ihr deshalb besser mit angeschalteter Taschenlampe voran schreiten, um nicht von unliebsamen Kreaturen lebendig verspeist zu werden. Die dynamische Illumination düsterer Ecken und überraschende Angriffe aus dem Rücken, steigern die ansonsten recht unterkühlte Atmosphäre zudem ordentlich.

Immer für (eine) Erfahrung gut

Von den Monstertypen kann man das leider nicht behaupten. Den Großteil der mit knapp sechs Stunden Spielzeit arg kurz bemessenen Kampagne knüppelt ihr die immer gleichen Feinde nieder. Noch dazu erfordern die Krabbelviecher, laserbewaffneten Spinnen und ALIEN-Klone praktisch keine wechselnden Taktiken. Ballern, was das Magazin hergibt – in 90% aller Fälle reicht das aus. Die Missionen versuchen erst gar nicht, Abwechslung in die Monotonie zu bringen. Gegnerwelle um Gegnerwelle ummähen, von Punkt A zu Punkt B gelangen, im Geschützturm Blei spucken oder im lahmen Mech herum wandern – mehr gibt’s nicht zu tun. Keine Spur von Rätseln oder eingestreuten Geschicklichkeitseinlagen.

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Exklusive Bilder des neuesten Fleischskandals – letzter Ausweg: Notschlachtung.
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Action-Standardkost, nett verpackt in einem aufmerksamkeitsfördernden Grafikgerüst aus coolen Licht- und Schatteneffekten: Die Daseinsberechtigung von „Shadowgrounds Survivor“ wandelt auf einem schmalen Pfad. Den drohenden Absturz wendet das Spiel allerdings ab. Mit eingestreuten Rollenspielelementen, die die Spieltiefe aus dem Keller ins Erdgeschoss hieven. Durch jedes erledigte Monster steigern die Helden den in RPGs so lieb gewonnenen Erfahrungspunktebalken.

Sind ausreichend Bestien besiegt, dürft ihr den jeweiligen Charakter aufmotzen. Ihm etwa ein Gesundheitsplus spendieren, seine Chance auf kritische, besonders durchschlagskräftige Treffer erhöhen oder ihn eine Spezialattacke lehren. „Napalm-Bruno“ erzeugt beispielsweise einen Flammenring um sich herum, der alles brät, was ihm zu nahe kommt. Marine Gifford wiederum erklimmt per Tastendruck extra groß geratene Feinde und jagt ihnen von oben eine Kugel in den Kopf.

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Fantastische Geschäftsidee: Waschmaschinen und Brennöfen in einem.
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Das ist freilich nur die Hälfte der Spielspaß-Miete. Unabhängig vom „Pimp your hero“-Aspekt könnt ihr auch eure Waffen verbessern. Zum Teil lassen getötete Gegner Werkzeugteile fallen. Sobald ihr genügend dieser Fragmente eingesammelt habt, steht der Aufwertung der Krachmacher nichts mehr im Weg. Dazu gehören klassische Magazinvergrößerungen und erhöhte Schadenswirkungen ebenso wie sekundäre Feuermodi.

Beispiel gefällig? Scharfschützin Isabel stattet ihre Sniper-Pistole auf Wunsch mit einem Schild aus, das Projektile von ihrem sexy Körper fernhält. Ihre Railgun sendet zusätzlich eine Schockwelle aus, die anrückende Feinde lähmt. Schlussendlich sind es die dezent eingestreuten, simplen Rollenspielelemente, die „Shadowgrounds Survivor“ vor dem Mittelmaß bewahren. Wer sinnentleert ballern und möglichst wenig denken will, der macht mit dem Titel der Finnen von Frozenbyte nichts verkehrt.