Shadow Ops: Red Mercury (Xbox-Test)
(von Patrick Streppel)

Wer im Sommer ins Kino geht, der bekommt zum größten Teil leichte Unterhaltung geboten: Action-reiches, effektgeladenes Popcorn-Kino von Produzenten wie Jerry Bruckheimer (Bad Boys 2) oder Lawrence Gordon (Tomb Raider).

Atari sprint mit Shadow Ops auf diesen Zug auf: Überall bebt und kracht es in dem linear gescripteten Ego-Shooter von Zombie - und das Gehirn bleibt besser außen vor. Warum der Titel aber dennoch keine langweilige Ballerei ist, verrät der Gamona-Test.

"Willkommen in meinem Alptraum", sagt Frank Hayden in der ersten, atemberaubenden Zwischensequenz des Actiontrips Shadow Ops von Entwickler Zombie (Spec Ops, Delta Force: Team Sabre) und Atari. Der Mann hat es tatsächlich nicht leicht: Der einarmige ex-Black Sabre Wesley Holden aka Vladi the Vicious hat von den Russen die Super-Atombombe Red Mercury geklaut - die zehnfache Sprengkraft von Hiroshima in einem kleinen Koffer.

Nachdem mehrere Versuche, den Terroristen zu schnappen, fehlgeschlagen sind, stehen Frank und die CIA-Agentin Kate unter Zeitdruck. Als der Hubschrauber vom Deck des Flugzeugträgers abhebt, bleiben 60 Minuten die drohende Katastrophe abzuwenden. Doch in den staubigen Straßen des mittleren Ostens ist das Glück nicht gerade auf der Seite der Guten - Vladi entkommt knapp in einem Hubschrauber.

Das Wort Alptraum bekommt erst jetzt eine Bedeutung: Während der angeschossene Hubschrauber über das Meer fliegt, zündet die Red

Mercury. Vladi stirbt und die Druckwelle fegt sowohl über den Flugzeugträger als auch die Dächer der Stadt. Warum hat ein Mann, der eigentlich nur auf Geld hinaus ist, den Countdown nicht gestoppt?

Als die Geschichte in der nächsten Mission 48 Stunden in die Vergangenheit springt, stellt sich uns als Spieler nur eine Frage: Können wir die drohende Katastrophe verhindern oder ist die Zukunft in Stein gemeißelt?

Popcorn-Kino
Die Story um die Suche nach der Red Mercury - einem Mythos, der übrigens im Internet wirklich die Runde macht - führt vom Kongo über Kasachstan und Bosnien in den mittleren Osten sowie nach Paris und beinhaltet so ziemlich alles, was für einen dramatischen Hollywood-Streifen benötigt wird: Einen coolen Helden, eine sexy CIA-Agentin, die süße russische Wissenschaftlerin, den undurchsichtigen KGB-Mann und den ehemaligen Kameraden, der nach einem Unfall zum Söldner mutiert ist. Reichlich Pathos, fette

Shadow Ops: Red Mercury - Exzellente Atmosphäre und atemberaubende Zwischensequenzen für laue Sommernächte!

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Explosionen, eine weltumspannende Bedrohung, Intrigen und Wendungen sowie alle Klischees über "Mütter-chen Russland" - warum Zombie hierfür zwei Hollywood-Autoren angeheuert hat, scheint zunächst nicht klar, kann doch jeder regel-mäßige Kinogänger eine ähnlich flache Story zusammenklauen. Die Dialoge enthalten zwar einige gute Sprüche, von Charaktertiefe ist aber keine Spur. Wenn die Herren Autoren ihr Geld wert waren, dann für ihre Leistung beim Drehbuch der schnell geschnittenen, mit atmosphärisch dichten Einstellungen gespickten Zwischensequenzen, für die zum Großteil die Attitude Studios aus Paris verantwortlich sind. Jede Bewegung wurde eigens im Motion Capture Verfahren aufgezeichnet, Filmeffekte wie Slow Motion oder hektische Schwenks eingefügt und das ganze mit erstklassigem Sound versehen. Obwohl für die Cutszenes die Unreal-Engine zum Einsatz kommt und die Charaktermodelle entsprechend detaillierter sein könnten, ist das Ergebnis einfach atemberaubend und trägt viel zur Atmosphäre bei.

Packshot zu Shadow Ops: Red MercuryShadow Ops: Red MercuryErschienen für XBox kaufen: Jetzt kaufen:

Ein Glück, denn die Story ist mehr als löchrig: Wie konnte Wesley Holden seine russische Identität annehmen? Warum läuft die Mission im nahen Osten beim zweiten Mal anders ab? Ohne zu viel verraten zu wollen: Auch die überraschende Wendung gegen Ende des Spiels hinterlässt mehr offene Fragen als sie Antworten bietet.

Lineare Ballerei
Im Spiel selbst braucht man sich um solche Dinge aber keine Gedanken zu machen: In den linearen und stark gescripteten Levels geht es zumeist nur in eine Richtung - dem nächsten Missionsziel entgegen. Aufgaben sind sowohl im Funkverkehr als auch in der Textbeschreibung klar umrissen und ein dynamischer Kompass zeigt stets die Richtung zum nächsten Wegpunkt. Verzweigungen gibt es nicht, so dass die Widerspielbarkeit an Null grenzt. Auf der anderen Seite sind die gut 25 Level extrem spannend:

Shadow Ops: Red Mercury - Exzellente Atmosphäre und atemberaubende Zwischensequenzen für laue Sommernächte!

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Hubschrauber stürzen ab, Kameraden werden getroffen, Panzer rollen heran - die dichte Kriegsatmosphäre wird sowohl durch die zahlreichen In-Game Ereignisse als auch gelegentliche Zwischensequenzen aufrechterhalten.

Das Gameplay auf der anderen Seite ist recht simpel: Zwar drückt ihr mal einen Schalter oder bringt Sprengladungen an, Puzzle oder taktische Tiefe gibt es jedoch nicht. Ihr ballert was das Zeug hält und mäht unzählige Gegner nieder, die meist in Wellen auf euch zukommen. Von KI kann dabei keine Rede sein: Auch wenn die Jungs verschiedene Wegpunkte haben, die Sie zur nächsten Deckung geleiten, wirken die Bahnen doch immer vorgegeben. Oft erzielt man fünf Treffer an der exakt selben Stelle innerhalb weniger Sekunden, weil nach jedem Abschuss ein neuer Feind nachrückt.

Schade ist auch, dass man das Auftauchen von Gegnern vorab schlecht einschätzen kann: Sondiert man eine Gegend vorsichtig und trifft auf keinerlei Widerstand, so löst ein Script erst beim überschreiten einer imaginären Linie das herbeistürmen von Gegnern aus. Shadow Ops kann man so auf zwei Weisen spielen: Das Spiel selbst empfiehlt, mit Schnelligkeit und Brutalität die Gegner zu überraschen, doch alle außer den geübtesten Gamepad-Akrobaten beißen in den späteren Missionen zu schnell ins Gras - zumal man zwischendrin nicht speichern darf. Geschickter - und oftmals spaßiger - ist es, sich von Deckung zu Deckung zu kämpfen und jeweils vorsichtig zur Seite herauszulehnen, um Gegner einem nach dem anderen auszuschalten. Zielfernrohr und Granaten sind ebenfalls eine echte Hilfe.

Wer überleben will, sucht zudem das Areal aufmerksam nach Medikits und Munition ab - und geht manchmal gar einige Räume zurück, weil er sich die ach so wichtige Lebensenergie aufgespart hat. Keine Angst, Zeit spielt wie in Actionfilmen keine Rolle, aber ein wenig merkwürdig fühlt man sich schon, wenn im Funkverkehr prophezeit wird, das die Red Mercury jeden Augenblick entkommt und man erst in Ruhe in der Gegend rumsucht.

Mittendrin, statt nur dabei
In Sachen Präsentation haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet: Die aktuelle Unreal-Engine zaubert sowohl detaillierte Innenräume als auch realistische Außenumgebungen auf den Bildschirm, wobei vor allem die Straßenkämpfe im mittleren Osten hervorstechen. Die Texturen könnten auf der Xbox zwar ein wenig schärfer sein, aber bei dem schnellen Gameplay geht das voll in Ordnung.Neben der beachtlichen Eigenleistung haben Atari und Zombie vor allem in Sachen Sound einige externe Talente angeheuert, die Shadow Ops aus der Masse der Titel hervorstechen lassen: Da wäre zum einen der brillant wuchtige Orchester-Soundtrack von Komponist Inon Zur (Socom, Baldur's Gate), der die Atmosphäre ideal unterstützt. Für die realistischen Effekte zeichnet sich der Designer des Hollywood-Streifens Gladiator verantwortlich und die Abmischung erfolgte durchweg in Dolby 5.1, wobei Shadow Ops als eines von wenigen Spielen auch THX-zertifiziert ist.

Mehrspielerfreuden
Wer ungern allein spielt, der darf im Splitscreen mit einem Freund bereits freigeschaltete Einsätze kooperativ spielen - muss jedoch auf eine Storyline verzichten. Da die Level zudem stark gescriptet sind, schaut ein Spieler meist in die Röhre während der andere mitten im Geschehen ist.

Interessanter sind da die 10 Mehrspielerkarten für Xbox-Live, die sowohl Deathmatch als auch Team-Varianten wie beispielsweise die VIP-Eskorte unterstützen.Neben der beachtlichen Eigenleistung haben Atari und Zombie vor allem in Sachen Sound einige externe Talente angeheuert, die Shadow Ops aus der Masse der Titel hervorstechen lassen: Da wäre zum einen der brillant wuchtige Orchester-Soundtrack von Komponist Inon Zur (Socom, Baldur's Gate), der die Atmosphäre ideal unterstützt. Für die realistischen Effekte zeichnet sich der Designer des Hollywood-Streifens Gladiator verantwortlich und die Abmischung erfolgte durchweg in Dolby 5.1, wobei Shadow Ops als eines von wenigen Spielen auch THX-zertifiziert ist.

Mehrspielerfreuden
Wer ungern allein spielt, der darf im Splitscreen mit einem Freund bereits freigeschaltete Einsätze kooperativ spielen - muss jedoch auf eine Storyline verzichten. Da die Level zudem stark gescriptet sind, schaut ein Spieler meist in die Röhre während der andere mitten im Geschehen ist.

Interessanter sind da die 10 Mehrspielerkarten für Xbox-Live, die sowohl Deathmatch als auch Team-Varianten wie beispielsweise die VIP-Eskorte unterstützen.