Das Ende vom Anfang: Shadow of the Tomb Raider beschließt die Reboot-Trilogie, die aus einer jungen Lara eine immer noch junge, aber erfahrenere Lara gemacht hat. In Peru zeigt sie nun nochmal, was sie gelernt hat.

gamona-Redakteurin Marina spielt Shadow of the Tomb Raider und versagt bei einem recht einfachen Rätsel grandios: Ihr dürft lachen (& staunen, wie schön die Wasseranimation anmutet)

Shadow of the Tomb Raider - gamona hangelt sich mit Lara durch die erste Mission9 weitere Videos

Spätestens als wir nach minutenlanger Metzelei die Trophäe mit der Bezeichnung „Rambo“ freigeschaltet haben, ist klar: Die Verantwortlichen hinter Shadow of the Tomb Raider wissen genau, was für eine Lara Croft sie hier inszenieren. Sie ist eine vor nichts zurückschreckende Kämpferin, die gegen Ende des Spiels so stinksauer vor brennender Kulisse aus dem Wasser auftaucht und auf ihre Feinde zuschreitet, dass man kurz schmunzelt. Die viele Gewalt überrascht letzten Endes nicht mehr, schließlich setzt Lara nur ihren schon in den zwei Spielen zuvor eingeschlagenen Weg fort.

Shadow of the Tomb Raider im Test: Unter Wasser gibt es jetzt noch mehr zu entdecken

Allerdings schlägt Shadow of the Tomb Raider auch andere Töne an, vor allem zu Beginn: Eine ganze Weile ist Lara gemeinsam mit ihrem alten Freund Jonah in Mexiko und Peru unterwegs. Sie lassen die menschliche Zivilisation hinter sich, durchstreifen die Natur und lernen sich besser kennen. Jonah wurde bereits in Rise of the Tomb Raider vom semiwichtigen Nebencharakter zum Sidekick befördert, die Freundschaft zwischen ihm und Lara wird in Teil drei endgültig prominentes Thema. Es ist durchaus sympathisch, wie unaufgeregt das Spiel startet und sich zwischen Klettereinlagen und Raubtierkämpfen immer wieder Zeit nimmt für Gespräche zwischen den alten Freunden. Diese Gespräche sind gut geschrieben und gesprochen, allerdings passen in der deutschen Version die Worte von Maria Koschny, unter anderem auch hiesige Stimme von Jennifer Lawrence, nicht immer zu Laras Lippenbewegungen. Eventuell wird dies in der finalen Version durch einen Patch verbessert, der uns vorliegende Review Guide wies explizit auf noch zu erledigende Anpassungen in dieser Hinsicht hin.

Von Trinity und anderen Dreiteilern

Das Spiel steht auf drei Pfeilern, die sich im Wesentlichen als Kampf, Rätsel und Navigation durch die Spielwelt beschreiben lassen. Wobei Letzteres die vielen Sprünge, Klettereinlagen, Schwimmpassagen und mehr meint. Für sich genommen funktionieren alle Elemente hervorragend, was nicht nur an sagenhaften Schauwerten, sondern in erster Linie an der präzisen Steuerung und stets klarem Feedback an den Spieler liegt. Der Schwierigkeitsgrad lässt sich in den verschiedenen Bereichen einzeln justieren, sodass zum Beispiel die Kämpfe eine bessere Zielhilfe oder die Rätsel mehr Hinweise erhalten. Wir haben im Test die Erfahrung gemacht, dass die Standardeinstellungen bereits gut funktionieren, zumal man dank permanenter Checkpoints im Fall des Scheiterns kaum zurückgeworfen wird.

Klettern, hangeln, schwingen: Um die etlichen Sammelobjekte zu ernten, solltet ihr auf dem Boden, unter Wasser oder in den Bäumen suchen

Etwas befremdlich ist erneut, wie stark von Spielbeginn an der Bogen ist: Selbst gegen eine Gruppe mit Schusswaffen ausgestatteter Gegner setzt sich Lara meist ohne Schwierigkeiten durch, da ein einzelner gezielter Pfeil für viele Feinde ausreicht. Allerdings bedarf es dafür einer vorhandenen Deckung. Im offenen Kampf ist Lara sehr verwundbar. Sie erhält jedoch auch schnell Zugriff auf Feuerwaffen, die sie dann noch mit allerlei Upgrades verbessern kann. Es lohnt sich kaum, die später bei Händlern verfügbaren Alternativwaffen zu kaufen, wenn man bereits Ressourcen in die Erstausrüstung investiert hat, mit der wir das Spiel problemlos durchspielen konnten. Das Zusammenklauben besagter Ressourcen wie Fell, Federn, Stoff, Schwarzpulver, Blüten und Holz ist übrigens permanentes Spielelement – wer sich daran im Vorgänger störte, wird das auch hier tun. Entweder findet man sich von vornherein damit ab, einiges zu verpassen, weil es als Teil der Umgebung gar nicht auffällt. Oder man schaltet ständig den sogenannten Überlebensinstinkt ein, der Sammelbares visuell hervorhebt. Man kennt das aus anderen Spielen.

Problemfall Piranhas

Wenig überraschend führt Laras Weg schließlich in eine Art Hubwelt. Wir möchten im Hinblick auf Spoiler nicht ins Detail gehen, was konkrete Locations betrifft. Es fällt aber allerorten auf, dass Wasser im Allgemeinen und Tauchen im Besonderen wieder mehr Bedeutung beigemessen wird: Es gibt lange Tauchpassagen, in denen ihr nicht nur von riesigen Aalen umschlungen, sondern ab und an auch von Piranhas gejagt werdet. Letztere dienen der Umsetzung von „Schleichpassagen unter Wasser“, in denen ihr ungesehen einen bestimmten Bereich durchqueren müsst. Bei Entdeckung bedeuten die Piranhas den sofortigen Tod. Das macht eher wenig Spaß, kommt zum Glück aber nicht häufig vor. Spätestens nach dem Erreichen besagter Hubwelt erinnert das Spiel narrativ sehr an seinen Vorgänger, denn abermals trefft ihr auf eine urtümliche Fraktion, der ihr euch anschließt, um sie bei einem Konflikt zu unterstützen. Selbstverständlich laufen auch wieder die Truppen von Trinity auf, die immer noch die Angewohnheit haben, alles in die Luft zu sprengen. Auch ballernde Helikopter müssen in dramatischen Momenten erneut sein. Da bleibt Shadow of the Tomb Raider durch und durch spielbarer Actionfilm.

Wählt eure Lara Croft: Wie wollt ihr aussehen? Einige wählbare Skins gibt's von vornherein im Spiel

Der spielerische Fokus verschiebt sich im späteren Verlauf der etwa fünfzehn Stunden langen Hauptstory in Richtung Kampf, bis das Ganze schließlich in der eingangs beschriebenen Sequenz gipfelt. Und Lara sich nochmal mit Schlamm einreibt, eins wird mit dem Dschungel und im Akkord die Trinity-Söldner messert. Nun ja. Spielmechanisch funktioniert das alles bestens, wir mögen die erkundende Lara aber ein wenig lieber als die erstechende. An klassische Tomb-Raider-Tugenden erinnern dann wieder die sogenannten Herausforderungsgräber, die ihr regelmäßig finden könnt: Dort versucht ihr euch an Rätseln und schaltet nach deren Lösung anderweitig nicht zugängliche Fähigkeiten des üppigen Talentbaums frei. Sonderlich elegant ist die Einbindung dieser optionalen Gräber nicht, da sie abermals abgekoppelt vom Rest des Spiels platziert wurden. Auf der anderen Seite freut man sich jedes Mal, wenn man eins von ihnen abseits des Weges entdeckt.

Im Schatten ist es auch schön

Damit dieses Entdecken auch gelingt, hat Lara neue Aktionen erhalten, so ist das klassische „Wallrunning“ nun wieder möglich. Ebenso kommt das Kletterseil sehr viel zum Einsatz, zum einen zum Abseilen, aber auch zum Herumschwingen. Die Momente, in denen man sich seinen Weg durch die Welt erarbeitet, sind extrem stark – weil diese Welt wunderschön ist. Wir könnten Stunde um Stunde damit verbringen, einfach nur durch die Pracht Perus zu spurten, zu springen, zu klettern und zu hangeln. Shadow of the Tomb Raider gehört zu den sehenswertesten Spielen der Gegenwart, neben der Gestaltung der Welt sticht vor allem Laras Gesicht heraus, das sicherlich auch deshalb bereits in den ersten Spielminuten in Großaufnahmen gezeigt wird. Es spiegelt Laras Emotionen, von denen es im Laufe der interaktiven Achterbahnfahrt ein breites Spektrum gibt, überzeugend wider.

Selten hat mich Erwartbarkeit so wenig gestört, denn die in der neuen Trilogie etablierte Formel funktioniert auch beim dritten Mal.Fazit lesen

So geheim, dass ihr sie fast übersehen hättet:

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Wir haben das Spiel auf einer PlayStation 4 Pro getestet. Dort gibt es zwei Optionen, die entweder die Auflösung oder die Bildrate priorisieren. Auf der Xbox One X ist dies in vergleichbarer Form möglich. Ein starker PC hingegen sollte im Idealfall beides schaffen, also hohe Auflösung und hohe Framerate. Der von Nixxes entwickelte PC-Port lag uns für diesen Test allerdings nicht vor. Bereits bei Rise of the Tomb Raider haben die Niederländer aber einen guten Job bei der PC-Portierung gemacht.