Shadow of the Colossus (PS2 Review)
von Nedzad Hurabasic

Der inoffizielle Vorgänger zum Action-Adventure Shadow of the Colossus heißt "ICO" und war eines der abgefeiertsten Spiele für die PlayStation 2. Zumindest für die eine Hälfte der Fans und der Medien war es ein Hit.

Für die anderen hingegen war es langatmig, bot deutlich zu wenig Action, mit einem Wort: Langweilig. Nun haben die Macher erneut versucht, ein innovatives Gameplay umzusetzen, das eher auf die Erfahrung des Spielens als Erlebnis, denn als Overkill an Features setzt.

Shadow of the Colossus - Opening Cinematic Trailer - mit Entwickler-Kommentar3 weitere Videos

In unserem vor wenigen Wochen veröffentlichten Preview haben wir dieser Ambivalenz noch nicht so viel abgewinnen können. Ob sich das bei der fertigen Spielversion geändert hat?

Das Spielprinzip von Shadow of the Colossus ist auf den ersten Blick denkbar einfach. Der Spieler übernimmt als namenloser Held die Rolle eines einsamen Reiters, der die Seele seiner Begleiterin aus dem Reich der Toten retten will. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ihm jedes Mittel recht. Also bringt er den Leichnam in einen Schrein "am Ende der Welt", wo es möglicherweise Rettung gibt. Dort eröffnet ihm eine unsichtbare Gottheit namens Dormin, dass es vielleicht eine Möglichkeit gibt, das Mädchen zu retten. Dafür muss der Held aber 16 Götzen vernichten.

Diese werden in Form von Inkarnationen von ebenso vielen Kolossen repräsentiert, die sich in dieser Welt aufhalten und die er suchen muss.

Shadow of the Colossus - Der inoffizielle Nachfolger von ICO: Ein monumentaler Hit für die PS2?

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Diese Vorgeschichte wird anhand einer zehnminütigen Cutszene dargestellt und geizt nicht mit einer langsamen Erzählweise, die anfangs nur durch einen getragenen Soundtrack und fast schon cineastischen Einstellungen geprägt ist. Visuell merkt der Spieler schon zu Beginn, was ihn erwartet: weitläufige Umgebungen, opulente Lichtspiele, eine Darstellung, die eher Wert auf das große Ganze legt, als auf feinste Details.

Dieses eher simple Grundkonzept aus Seek & Destroy wird zu keiner Zeit durchbrochen.

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Die Entwickler wollen, so erklären sie in dem mehrminütigen Bonusvideo, die Suche nach den Kolossen in ein quasi monumentales Abenteuer kleiden und das Reiten auf dem treuen Ross "Agro" und damit das intensive Verschmelzen mit der Welt zum Erlebnis machen. Die Action - die Kämpfe mit den Titanen - soll dabei den Höhepunkt einer jeden Reise darstellen und gerade weil es auf dem Weg dorthin keine weiteren Widersacher gibt dieses Erlebnis so einzigartig machen.

Doch die Sache hat einen Haken: Ungeduldige Naturen wird dies zu wenig sein, um über längere Zeit als Motivation zu dienen.Das Spiel als Kunstform erfüllt seinen Zweck nur so lange, wie es unterhalten kann. Ob Shadow of the Colossus das auch nach dem fünften oder sechsten zur Strecke gebrachten Giganten noch kann, muss hier infrage gestellt werden. Dafür wiederholt sich das Spielgeschehen insgesamt zu sehr, auch wenn die Kämpfe gegen die unterschiedlichen Kolosse zweifelsohne interessant gestaltet sind und innovative Ansätze bieten.

Keiner der Riesen ähnelt dem anderen, keiner ist auf den ersten Blick auf dieselbe Art und Weise zu besiegen. Doch letztendlich gibt es natürlich trotzdem ein Grundprinzip, dem wir als Spieler folgen müssen, um zum Erfolg zu kommen. Die Titanen haben ihre wahren Schwachstellen größtenteils an eher unzugänglichen Stellen ihres Körpers, vorzugsweise am Kopf. Darüber hinaus verfügen sie aber auch über kleinere "Achillesfersen", die sie zeitweise in die Knie zwingen können, sodass wir die Gelegenheit erhalten, sie zu besteigen.Die Steuerung des Helden ist dabei recht simpel gehalten. Eine Taste dient für Sprungmanöver, mit der rechten Schultertaste kann er sich an Vorsprüngen, am Fell der Riesen, Hornplatten oder ähnlichen Objekten festhalten. Aber nur solange, bis ihm die Ausdauer ausgeht, die durch einen pinkfarbenen Kreis dargestellt wird. Wenn sich der Held nicht mehr halten kann, kann es schonmal zum Abflug im hohen Bogen kommen, schließlich sträuben sich die Giganten gegen die Besteigung und Schütteln sich, um uns loszuwerden. Glücklicherweise haben die Entwickler das in ihre Überlegungen miteinbezogen, sodass die Abzüge an Lebenspunkten dabei eher moderat sind und man beim Aufprall nicht gleich tot umkippt.

Außerdem erholt sich der Held relativ schnell von solchen Verletzungen, die sich, je nach Schwere, auch in verschiedenen Animationen bzw. Körperhaltungen widerspiegeln. Beispielweise hält sich der Held die Seite oder humpelt, wenn er schwerer getroffen wird.

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Jeder Treffer kann bei den riesigen Geschöpfen, die teilweise hundertfach größer erscheinen als die Spielfigur selbst und den Boden mit jedem ihrer Schritte erzittern lassen, fatal sein. Mit einer weiteren Taste führt man selbst Angriffe mit seinem Schwert aus, die aber nur an den bereits erwähnten Schwachstellen Wirkung zeigen.

Um diese verletzlichen Punkte zu finden, kann die zweite Funktion des Schwertes genutzt werden. Sie sendet einen Lichtstrahl aus, der sich auf bestimmte Körperstellen der Titanen fokussiert und somit Hinweise gibt, wie wir sie in die Knie zwingen können.Dieser Strahl dient übrigens auch als wichtigster Anhaltspunkt bei der Suche nach den Kolossen, ohne ihn würden wir bei unserer Suche in den Weiten des Lands orientierungslos umherirren und nur wenige von ihnen finden. Allerdings ist es auch mit ihm teilweise nicht ganz einfach das Ziel zu finden, schließlich besteht das weite Land nicht nur aus einem flachen Plateau, sondern beinhaltet auch Täler, Berge, zerklüftete Canyon-artige Gebiete und andere Hindernisse. Nur selten bekommt der Spieler auf seiner Suche andere Lebewesen zu Gesicht. Abgesehen von einigen wenigen Echsen und Vögeln macht die Landschaft einen ausgestorbenen Eindruck.

Das soll vermutlich die Wirkung der Einsamkeit des Helden noch zusätzlich verstärken, auf Dauer ist es aber nicht wirklich spannend und nutzt sich als Konsequenz schnell ab. Während unserer Reise begleitet uns akustisch nur der Wind, auf musikalische Untermalung wurde verzichtet.

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Lediglich die Geräusche unseres Pferdes, das sich denkbar intuitiv steuern lässt, zeigen uns, dass wir nicht auch schon im Reich der Toten wandeln.

Als problematisch erweist sich vor allem bei den Besteigungen der Kolosse die manchmal etwas ungenaue Kameraeinstellung. Bei den teilweise an Prince of Persia erinnernden Sprungeinlagen ist die Beobachterkamera dann nicht optimal hinter dem Helden ausgerichtet, was dazu führt, dass man nicht immer in die eigentlich beabsichtigte Richtung springt und den ganzen Aufstieg von Neuem beginnen muss.

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Stichwort Sprung: Nach jedem Sieg über einen der Giganten wird die Spielfigur zurück an den Ausgangspunkt der Reise versetzt, wo er der Zerstörung einer weiteren Götze beiwohnen darf, nur um sich kurz darauf erneut auf die Reise zu machen und den nächsten Koloss zu suchen.

Übrigens kann das Spiel nach jedem bezwungenem Titanen abgespeichert werden, weitere Speichermöglichkeiten sind aber auch nicht nötig, da außer im Kampf gegen die Kolosse keine Möglichkeiten gibt, das virtuelle Leben zu verlieren.Visuell beeindruckt das Spiel vor allem mit seinen gelungenen Lichteffekten, die durch ihren etwas verwaschenen Effekt den Eindruck einer fremden, surrealen Welt, vielleicht sogar dem Übergang zu jenseitigen Reichen, vermitteln. Die Weite der Umgebung wird überzeugend dargestellt, auch wenn das Land an sich zwar nicht steril, aber doch sehr leblos wirkt.

Vielleicht muss aber auch eine Ödnis am Ende der Welt so aussehen und vielleicht wird der Ritt als einsamer Reiter auch nur so glaubhaft. Schließlich würde der Eindruck als einsamer Reiter einem fast aussichtslosen Unterfangen nachzujagen sonst gar nicht aufkommen? Der getragene Soundtrack wird dabei nur während der Cutszenen und der Kämpfe mit den Titanen eingespielt und wirkt dann aufgrund seiner dramatischen Komponenten besonders gut. Auch die Soundeffekte sind nur auf das Wesentliche beschränkt, lassen sich aber in keiner Hinsicht beanstanden.

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Wie die visuellen Bestandteile des Spiels trägt auch die zurückhaltende Akustik zum Spielerlebnis bei - wenn man sich denn darauf einlassen kann.

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