"Mix it, Baby", plärrte schon einst der kalifornische Gouvernator und Austria-Schönling Arnold Schwarzenegger in einem Werbespot für einen deutschen Stromkonzern, wo er laut lachend seinen Mixer schüttelte und wie eine Feder durch seine beschauliche Behausung in einem Fichtenhain schwebte. "Mix it, Baby" – Strom aus allen Löchern, oder so ähnlich.

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Kombinationen sind und waren schon immer ein zweischneidiges Schwert. Während Erdnüsse im Schokoladenmantel zu Weltruhm gelangen, fragt man sich heute noch vielerorts, was eigentlich verdammt noch mal ein "Göffel" ist? Ein berühmter Dodgeballcoach würde ihm möglicherweise den gleichen Nutzen zusprechen wie einem Lutscher, der nach Scheiße schmeckt. Ob die Kombination sinnvoll war oder von der Weltbevölkerung als Schwachsinn abgetan wird, kann leider oft erst hinterher festgestellt werden, sofern die Kombination nicht schon von vornherein so unglaublich schwachsinnig ist, dass man sie höchstens als moderne Kunst halbwegs seriös verkaufen könnte.

Shadow Harvest: Phantom Ops - Schön und tödlich - die Mischung macht's

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Für das Auge wird in Shadow Harvest einiges geboten.
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Shadow Harvest, um den Bogen zu bekommen, ist eine Kombination, und zwar eine aus verschiedenen Spielegenres. Zum einen darf man gemäß eines Shooters schön um sich ballern und alles mögliche in die Luft jagen, zum anderen bietet das Spiel auch eine große Plattform für alle Schleich-, Tüftel- und Action-Adventure-Freunde. Krachbumm, gewürzt mit ruhigen Agentenschleichparts und Tüfteleien. Klingt verlockend, aber ist das wirklich neu?

In dieser Form ja, denn die Baller- und Schleichparts wurden strickt getrennt, und zwar ganz einfach durch zwei Spielcharaktere. Während der eine mit dem MG im Anschlag durch die Häuserschluchten ballert, muss der andere auf leisen Sohlen zu seinem geplanten Ziel kommen.

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Shadow Harvest spielt in der nahen Zukunft, der Hummer hat aber noch nicht ausgedient.
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Shadow Harvest spielt in der nahen Zukunft, um das Jahr 2025. Bekannte aktuelle und fiktive zukünftige Krisenherde halten die Welt im Atem. Der Spieler übernimmt die Kontrolle über zwei Spezialisten des US-amerikanischen Geheimdienstes ISA, die als Elite-Agenten für diverse Undercover-Missionen in feindlichem Terrain eingesetzt werden. Beide Agenten haben sehr unterschiedliche Spezialfähigkeiten, um Missionen optimal abzuschließen.

Schön und tödlich zugleich

Da wäre auf der einen Seite Myra Lee, eine im Jahre 1997 auf Madagaskar geborene Tochter eines hochrangigen amerikanischen Diplomaten und einer französischen Journalistin. Während der Präsidentschaftswahl im Jahre 2001 kam es zu Unruhen in denen ihre beiden Eltern in einem Kugelhagel ums Leben kamen. Myra kam zu Freunden ihrer Eltern in Pflege. In Amerika genoss sie eine hervorragende Ausbildung, sodass sie im zarten Alter von 21 schon eine FBI-Agentin wurde.

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Myra Lee ist schön und tödlich zugleich. Sie ist für die leisen Aktionen zuständig.
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Doch damit nicht genug. Ihr Wissensdurst trieb sie dazu sich in angewandter Informatik, im Maschinenbau und zahlreichen Martial-Arts-Techniken fortzubilden. Heute ist Myra mit zarten 25 Jahren die jüngste ISA-Agentin und eine wahre tödliche Kampfmaschine mit Köpfchen, die obendrein gut gebaut ist. Sie übernimmt in Shadow Harvest den Schleichpart und ist somit die Fachfrau für lautlose Hinterhaltaktionen.

Während man das Handeln von Myra mit den grazilen Schritten einer Balletttänzerin vergleichen könnte, ist das Auftreten der anderen Person am ehesten mit einer Abrissbirne zu vergleichen. Aron Alvarez ist in Shadow Harvest der Mann fürs Grobe, und während Myra das Cordon Bleu und der Wanderurlaub im französischen Avignon ist, ist Alvarez der Döner nach einer durchzechten Nacht und der Partyurlaub auf Mallorca.

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Alvarez ist der Mann fürs Grobe. Dicke Waffen und viel Krabumm sind sein Markenzeichen.
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Aron Alvarez, 1990 in Arizona geboren, wuchs als Sohn von mexikanischen Einwanderern unbeschadet auf, bis ihn schließlich im Jahre 2001 das Ereignis des 11. September nachhaltig prägen sollte. Sein Vater, ein amerikanischer Soldat, wurde zwei Jahre später in den Irak geschickt, wo er bei der Befreiung Bagdads starb. Dieses einschneidende Erlebnis veranlasste den jungen Aron dazu in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und selbst ein großer Soldat zu werden.

Optisch schöner Genre-Mix, der gut gedacht und hoffentlich am Ende auch gut gemacht ist.Ausblick lesen

Neben seiner fundierten Ausbildung zum Soldaten entwickelte Alvarez ein starkes Interesse an allem, was explodiert. Die Kombination aus seinen überdurchschnittlichen Kampffähigkeiten und seinem speziellen Wissen über Sprengstoff, machte ihn zu einer ultimativen Kampfmaschine, die zuerst einmal alles in die Luft jagt, bevor das lästige Fragenstellen beginnt.

Trotz seiner etwas eigenwilligen Vorgehensweise hatte Alvarez auf der ganzen Welt in seinen Missionen Erfolg, was ihm zahlreiche Auszeichnungen und Orden einbrachte. Seine kompromisslose und zielstrebige Einstellung verschaffte ihm den Spitznamen „Bull“. 2015 schließlich wurden auch die Spezialkräfte der ISA auf ihn aufmerksam und kurze Zeit später durfte sich Alvarez Mitglied in der wichtig klingenden 1st SOCOM Special Force Operational Detachment-Delta nennen. Er übernimmt, natürlich, den Shooterpart in Shadow Harvest.

Lost Vikings lässt grüßen

Wer nun erwartet hat, dass er sich neben der klaren Feature-Trennung auch auf eine klare Missionstrennung einstellen kann, muss an dieser Stelle leider enttäuscht werden, auch wenn Enttäuschung hier wohl das falsche Wort ist, denn die Entwickler von den Black Line Studios schmeißen beide Charaktere eiskalt in eine Mission, wo entweder eine oder beide Personen ihre bestimmten Stärken und Fähigkeiten ausspielen müssen, um das Missionsziel zu erfüllen.

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Myra kann die Gegner lautlos ausschalten, Aron hingegen nicht.
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Hier kommt ein leichtes "Lost Vikings"-Feeling auf, was manchmal aber auch etwas frustrierend sein kann, da die Featuretrennung wirklich extrem durchgezogen worden ist. So ist Myra Lee für eine Straßenballerei in etwa so geeignet wie eine Gabel für Suppe, während Aron Alvarez zwar in der Lage ist einen Panzer mit gemeinen C4-Minen auszuschalten, es aber nicht fertig bringt einen Zaun hochzuklettern. Für beide Charaktere gibt es daher meist einen bevorzugten Weg zum Missionsziel, welcher aufgrund der eben sehr harten Featuretrennung leider etwas linear wirkt.

Während Aron Alvarez beispielsweise mit weiteren NPC-Soldaten den Weg über den hart umkämpften Marktplatz wählt, steht für Myra Lee ein streng bewachter Schleichmarsch durch die umliegenden Häuser an, um das Scharmützel auf dem Marktplatz zu umgehen. Aron kann den Weg über die Häuser nicht wählen, da er nicht in der Lage ist in ein Fenster hineinzuklettern, andersherum kann Myra den Weg über den Marktplatz nicht effektiv bestreiten, da ihr die nötige Firepower fehlt, um auch nur einen Zentimeter voranzukommen.

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Bei Arons Missionen kracht es ordentlich.
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Beide Charaktere sind in einer Mission spielbar und der Spieler kann elegant zwischen beiden hin und her wechseln. Der nicht aktive Charakter wird dann zu einem defensiven NPC, der sich einfach nur verteidigt oder regungslos hinter einer Kiste verharrt um Schutz zu suchen. Je nach Mission reicht es sogar aus nur mit einem Charakter bis zum Ziel vorzudringen. Der andere Charakter kann dabei komplett vernachlässigt werden und darf in der Start-Area Däumchen drehen.

Welcher Charakter dabei ausgewählt wird, bleibt dem Spieler überlassen, dennoch entgehen dem Spieler dadurch nette Spielereien, die zwar nicht relevant für das Erreichen des Missionsziels sind, den Weg dorthin aber ungemein erleichtern. So gibt es in den Missionen immer wieder Punkte, wo sich die Wege der beiden Charaktere kreuzen und beide ihre Fähigkeiten kombinieren können, um einen großen Benefit für einen der beiden herauszuschlagen.

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Ab und an können die Charaktere effektiv zusammenarbeiten
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So steht auf der Straße ein kaputter und herrenloser Mech herum, den Myra reparieren und Aron steuern kann. Mit dem Mech ist es ein leichtes den gegnerischen Mob aufzumischen und bis zum Ende der Straße vorzudringen. Das macht eine Menge Spaß und spart obendrein noch Zeit.

Wachsame Gegner in schöner Umgebung

Auch ohne Benefits können die Charaktere auf ein umfangreiches Arsenal an Waffen und Hilfsmöglichkeiten zurückgreifen. Durch das Setting „Nahe Zukunft“ stehen euch zum einen bekannte Waffen, zum anderen futuristische Zukunftsgadgets zur Verfügung. Myra besitzt zum Beispiel einen Tarnanzug, welcher sie, wie den Predator, auf Knopfdruck unsichtbar macht. Das kostet zwar eine Menge Energie, ist aber recht hilfreich, da die KI der Gegner sehr sensibel auf ihre Umwelt reagiert.

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Die Effekte in Shadow Harvest überzeugen.
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Allgemein wurde enorm viel Wert auf die Ausarbeitung der künstlichen Intelligenz der Gegner gelegt. Diese agieren je nach Möglichkeit im Team oder individuell und entwickeln eigene Strategien, wenn es darum geht, den Spieler das Fürchten zu lehren. So veranlasst jedes kleine Geräusch von Myra Lee die Gegner dazu, erst einmal großzügig die ganze Umgebung abzusuchen. Nach längerer Spielzeit hat man den Dreh jedoch heraus und die einst so clevere KI wirkt dann doch berechenbar.