Nackt-Patches geben Einblicke, die überhaupt nicht vorgesehen sind. Den geneigten Spiel-Spanner erwarten dabei anatomische Absurditäten und peinliche Begegnungen mit alten Bekannten. Wir machten uns die Gedanken, äh Finger, schmutzig und stürzten uns ins Reich der sexuellen Software-Seltsamkeiten.

Sex in Spielen - Nude Patches: Vorsicht, nackt!

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Wie Code sie schuf
Bevor wir hier zum eigentlichen Thema kommen: Die tiefenpsychologische Erklärung für das nachfolgende Phänomen haben drei medizinische Fachkräfte aus Berlin bereits in einer Doktorarbeit aus dem Jahr 1998 zusammengefasst. Bevor nun also engagierte Emma-LeserInnen mit Mistgabeln und brennenden BHs die Kommentarfunktion stürmen, sollten wir ausgebildeten Ärzten das Vorwort überlassen – die Erklärung wird sogar in zweifacher Hinsicht abgeliefert:

Dass Männer Schweine sind, ist also hinlänglich bekannt. 1996 traf diese ausgeprägte Eigenschaft auf die Programmierkünste von Core Design. Die wussten genau, wo sie in "Tomb Raider" ihre Polygone platzieren mussten (Angeblich war die Größe unbeabsichtigt: Ja, genau…). Lara Crofts Abenteuer funktionierten spielerisch bestens, ihre weiblichen Rundungen richteten allerdings jede Menge Unheil in den Köpfen der meist männlichen Zocker an.

Sex in Spielen - Wie Code sie schuf: Die Geschichte der Nude Patches

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Männerfantasie, wahr geworden: Lara Croft ist die Mutter aller Nacktpatches.
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Entsprechend war nicht nur das Meistern besonders schwieriger Sprungpassagen eine Herausforderung, auch das Finden der optimalen Kameraperspektive auf Hotpants und Top gehörte dazu. Aus heutiger (grafischer) Sicht war das natürlich völlig absurd: Von "Rundungen" kann man nicht sprechen, ohne in schallendes Lachen auszubrechen. Die fehlende Kantenglättung und die dreieckigen Brüste störten allerdings niemanden, Fräulein Croft wurde schnell zum Sexsymbol. Das lag auch an der ältesten Regel der Erotik: Sie spielt sich vor allem im Kopf ab.

Lara, losgelöst

Zu gerne wollten die Testosteron-Vollgepumpten wissen, wie es unter dem Türkis eigentlich aussieht. Das schmutzig trainierte Gehirn übernahm also das Antialiasing und schuf sich sein ganz eigenes Action-Adventure. Weniger phantasievollen Zeitgenossen blieb dagegen nur der Griff zu Photoshop. Nackt-Patches und -Mods waren damals nämlich noch keinesfalls üblich. Zum einen war "Tomb Raider" vor allem ein PlayStation-Phänomen und auf Konsolen sind Eingriffe in den Programmcode nicht machbar. Zum anderen war das Internet vor rund 15 Jahren noch nicht verbreitet genug, die Mod-Szene machte am PC erst langsam im Umfeld von Shootern ihre ersten Gehversuche.

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Dieser Nacktpatch ist so "detailverliebt", dass unsere Grafiker etwas "Schärfe" rausnehmen mussten.
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Schnell kamen die ersten Webseiten auf, auf denen der Neugierige (zumeist stümperhafte) Nackt-Montagen der britischen Archäologin finden konnte. Erotisch war das allerdings nur bedingt, übertrieben und vulgär passt da als Beschreibung schon deutlich besser. Angeklickt wurden sie dennoch zig-fach, wohl vor allem aus Neugier.

Rechteinhaber Eidos fand das dagegen weniger anregend und ging rechtlich gegen die Betreiber solcher Seiten vor, darunter auch die bekannteste, nuderaider.com. Genutzt hat's letztlich nichts, die nackte Lara ist heute überall zu finden, wie ein Check der Google-Bildsuche beweist (Schlechte Idee: im Büro ausprobieren…).

Da fehlt doch was…

Die Modder-Szene entwickelte sich allerdings rasend schnell, und bald schon war es keine große Herausforderung mehr, im Spiel enthaltene Texturen neu zu gestalten. Die virtuellen Klamotten werden durch ein Adams- (oder besser Eva-) kostüm ersetzt, und schon hüpft die weibliche Heldin herum wie Code sie schuf.

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Die Methode hat sich bis heute unzählige Male "bewährt", einen entscheidenden Haken hat sie aber: Zusätzliche Polygone lässt sie nicht zu. Was schwerwiegende optische Folgen hat: Den Gefallen, klar erkennbare Nippel einzubauen, machen die Entwickler einem nicht. Die Software-Heldin mag zwar sexy sein, ihre Kleidung ist aber dennoch züchtig, da blickdicht.

Nun ist es aber ziemlich irritierend, wenn diese Besonderheit der menschlichen Anatomie fehlt. Stattdessen sehen gepatchte Nackedeis aus, als hätte sie ein Neunjähriger mit seinen Buntstiften gezeichnet. Als solches erkennbar, aber auch lächerlich. Und von Schambehaarung wollen wir erst gar nicht anfangen.

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Zivilisierte Barbaren

Bisher haben wir uns hier auf schmutzige Männerphantasien konzentriert, doch es gibt tatsächlich auch Fälle von sinnvollen Nackt-Patches. Der Diablo-Klon "Titan Quest" ist so ein Beispiel. Da geht es Genre-üblich vor allem um die Jagd nach neuen Gegenständen und Rüstungssets. Die meisten davon sind aufwändig gestaltet, manche sind wuchtig und massiv verziert, andere wiederum knapp gehalten.

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Kaum zu glauben! Selbst für harmlose Spiele wie Ankh oder hier Vampyre Story existieren Nacktpatches.
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Nun würde man erwarten, dass die Rüstungen den Blick auf die muskulöse Brust des Helden freigeben. Doch nein, stattdessen sieht man sein Unterhemd. Ja, Unterhemd bzw. die antike Version davon. Das ist in etwa so, als würde Conan, der Barbar, im schicken Feinripp herumlaufen. Nicht besonders barbarisch…

Deshalb fand man sich selbst als männlicher, heterosexueller "Titan Quest"-Spieler dazu gezwungen, sich einen Nacktpatch zu installieren, einfach weil die Charakter- und somit Rüstungs-Modelle damit besser aussahen. Die weiblichen Skins (und das ist hier wörtlich zu nehmen) offenbarten mehr. Was aber so manchem irgendwie auch peinlich war, weil es ein dezenter Bikini auch getan hätte.

Zensur-"Reflex"

Ein Sonderfall sind sicherlich auch Pfui-Patches zu Sims-Spielen. Die haben ja – trotz einer familienfreundlichen Ausrichtung – durchaus eine Prise Erotik, schließlich ist Fortpflanzung ein essenzielles Gameplay-Element. Da kann es natürlich nicht schaden, wenn die Spielfiguren auch auf den realen Menschen attraktiv wirken. Die Szenen, in den es um Bienen und Blumen geht, sind auch liebevoll inszeniert, züchtig, aber doch ansatzweise erotisch.

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Nun ist man mit dem Kindermachen nur alle heiligen Zeiten beschäftigt, der Sims-Alltag besteht aus Arbeit, Abwasch und anderen aufregenden Tätigkeiten dieser Art. Beim Thema Hygiene bleiben die Sims in allen Belangen sauber: Ständig muss man seine Schäfchen unter die Dusche schicken. Sobald die Körperpflege aber ansteht, wechselt das Spiel in den Zensur-Modus, verpixelt die Figur.

Ein erwachsener Sims-Neuling reagiert beim Erstkontakt etwa so: "Ok, ich bin alt genug, mich verstört Nacktheit nicht. Wo in den Optionen kann ich das bitte abstellen?" Nun, nirgends. Das Ausschalten dieses Filters ist nicht vorgesehen. Da drängt sich ein Nackt-Patch geradezu auf, aber nicht etwa weil man dreckige Phantasien befriedigen will, sondern weil man sich durch die optische Blockade bevormundet fühlt.

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Dragon Age: einer der aufwändigsten und "explizitesten" Nacktpatches.
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Das bedeutet aber nicht, dass die Sims-Nacktpatches die optimale Lösung wären: Bei weiblichen Charakteren klappt das zwar noch ganz gut, bei Männern stoßen wir aber auf ein schwerwiegendes anatomisches Problem: Da fehlt nämlich was Entscheidendes. Auch hier stoßen wir auf das Nippel-Problem, wenngleich in anderer Form: An der entscheidenden Stelle fehlen schlichtweg die passenden Polygone. Hinzu kommt, dass diese Nackt-Patches auch die Verpixelung beim Toilettengang entfernen. Und das muss man nun auch nicht unbedingt sehen.

Nackte Gnome? Ach nö, lieber nicht…

Mit Ausnahme von "Age of Conan" sind alle gängigen MMOs eine züchtige Angelegenheit, "nackt" bedeutet zumeist "ein bisschen sexy, aber in Unterwäsche". Doch natürlich ist ein so populärer Titel wie "World of Warcraft" geradezu prädestiniert, durch den FKK-Modus gezogen zu werden. Tatsächlich geisterte vor ein paar Jahren ein Nackt-Mod zu WoW, bei dem nackte Blutelfen das Blut von so manch Pubertierenden in Regionen pumpten, die sie bis dato nicht kannten.

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Auch die Bewohner Azeroths lassen per Patch die Hüllen fallen.
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Halt, stopp, hierbleiben. Nicht sofort googeln und ausprobieren. Blizzard hat diese Art von Veränderungen nämlich mit Patch 2.3 abgestellt. Bei einem Offline-Spiel bleibt ein solcher Eingriff in das Hauptprogramm ohne Folgen, da dies schließlich nur auf einer lokalen Maschine geschieht. Das Wesen eines MMOs ist klarerweise ein anderes, der Eingriff in den Programmcode (hier: das so genannte Modelchange) wird als Hack gesehen. Ob man jetzt Gnom-Brüste sieht oder sich in einer Instanz einen nicht vorgesehenen Vorteil verschafft, ist dabei nicht relevant.

Allerdings drängen sich einem dabei auch etliche Fragen auf: Wer will überhaupt die Brüste von Gnomen und Zwergen sehen? Ist das Ansehen nackter Tauren bereits Sodomie? Und wie bitteschön sehen "nackte" Untote aus? Fragen, die man wohl nie beantworten wird können. Und das ist auch gut so.

Peitsch Out 3 und Elder Dolls 4

Wie bereits erwähnt: Wenn es um Nackt-Patches geht, können sich auch erwachsene Zocker nicht immer einer pubertären Neugier entziehen. Also nach dem Motto: Mal gucken und dann schnell wieder runter von der Festplatte. Das geht schon in Ordnung, da muss man nicht sofort den Psychiater kontaktieren.

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Etwas mehr Sorgen machen wir uns aber um Spieler, die diese Mods dauerhaft installieren. Die Atmosphäre gewinnt nicht dadurch, dass alle Charaktere nackig herumlaufen. Ganz im Gegenteil: So erlaubt es ein Patch zu Fallout 3, dass alle weiblichen NPCs nackt durch die Gegend laufen. Silikon-Brüste sind zunächst mal wenig apokalyptisch, wenn die Damen noch dazu Rüstungen tragen, dann fühlt man sich eher wie in einem Sadomaso-Rollenspiel.

Ein anderes absurdes Beispiel ist ein Patch für Far Cry: Der entblößt Valeries Oberweite, und das mitten in Dschungel. Wenn man darüber genauer nachdenkt, dann muss man sich zwangsläufig die Frage stellen: Und was ist mit den Moskitos?

Noch krasser ist die nackte Alyx in Half-Life 2: Die hat schon angezogen viele Nerds um den Schlaf gebracht, bietet also eine Steilvorlage für halbseidene Modifikationen. Wenn die nackte Alyx aber ihren Vater Dr. Eli Vance herzlich umarmt, dann kann man sich eines "Iiiih, so war das aber nicht gemeint" erwehren.

Die Grundsatzfrage, warum sich Männer Nackt-Patches installieren, wurde ja bereits am Anfang (musikalisch) beantwortet. Es gibt aber auch noch ein zweites Video, das verrät, wie es dazu kam. Und dem ist auch nichts hinzuzufügen…

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