Geben wir’s zu: Wir Gamer sind ein nostalgischer Haufen. Erscheint ein Teil in einer langen Reihe von Spielen, ärgert uns, wenn er sich zu weit von seinen Wurzeln entfernt hat. Sehen wir, wie ein Genre den Markt überflutet, denken wir an die Ursprungszeit des Videospielens zurück, in der Entwickler innovativ sein mussten, um Erfolg zu haben. Wie aber reagieren wir auf Remakes?

Der geneigte Gamer von heute ist mit Remakes nicht gar so häufig konfrontiert wie sein naher Verwandter, der Cineast, dennoch sind sie ein in letzter Zeit deutlich öfter auftretendes Phänomen. Ob Bionic Commando, Super Mario Bros. oder Wipeout, immer häufiger werden alte Lizenzen reaktiviert, alte Titel poliert und geportet. Eine eindeutige Erklärung hierfür gibt es nicht, wahrscheinlich jedoch ist, dass Videospiele an sich einfach diesen einen, bestimmten Punkt erreicht haben, an dem Remakes funktionieren.

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Die Renaissance des Feldes nach dem ersten „kleinen Tod“ in den Mittachtzigern liegt etwa 20 Jahre zurück und mit ihr die Genesis einiger der größten Spiele, Reihen und Franchises. Die härtesten und besten dieser Spiele haben sich ununterbrochen gehalten, andere haben immer mal wieder die Form gewechselt, manche gingen schlafen oder sterben, als sie fühlten, dass ihre Zeit da war, nur, um später wiederbelebt oder geweckt zu werden.

Serious Sam HD - Das kann doch nicht euer Ernst sein!

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Haben Chaos und Irrsinn Ewigkeitswert?
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Doch 20 Jahre sind eine lange Zeit und nicht mehr nur die Götter von anno dazumal sind es wert, dass man sich wieder mit ihnen beschäftigt. Im Jahre 2001, also in etwa auf der Hälfte der Strecke, bescherten uns sechs junge Herrschaften aus Kroatien, die sich unter dem Namen Croteam zusammengeschlossen hatten, einen eigentümlichen First Person Shooter.

Offenbar dachte man sich „Pfeif auf Story, pfeif auf Taktik, pfeif auf Komplexität – wir geben dem Spieler einfach eine Wagenladung Gegner, einen Haufen beknackter Waffen und lassen ihn ballern, bis der Hamster platzt.“ Dieses Spiel war Serious Sam: The First Encounter – und dies ist sein Remake.

Story ist was für Weicheier

Im Grunde könnte man die Rezension an dieser Stelle bereits wieder beenden, umschreibt doch die Zusammenfassung „Viele Gegner, große Knarren, Freude“ das Spiel bereits hinreichend. Wer es nicht glaubt, dem sei die Story erzählt.

Vor langer Zeit war die Erde gefangen in dem Konflikt zweier Alienrassen, den Mental und den Sirians. Im 22. Jahrhundert kehren die Mental zurück, um die Menschen endgültig zu plätten.

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Ja, Serious Sam HD hat auch eine Story. Gottseibeiuns!
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Die Menschen aber haben eine Zeitmaschine, mit der sie genau eine Person zurückschicken können, die dann die Mental vor ihrer Zeit besiegen soll. Diese Person ist „Serious“ Sam Stone, der sich nun durchs alte Ägypten kämpft und Mental tötet im Versuch, dabei ihren Anführer zu erwischen.

Come get Sam

Klingt doof, ist es auch. Was damals schnell klar wurde (und immer noch schnell klar wird), ist, dass Serious Sam sich selbst auf erfrischende Weise nicht ernst nimmt. Kaum spielt man eine Weile, stellt man fest, dass jeder Gegner und jede Waffe des Spiels entweder übertrieben, albern oder beides ist, in jedem Fall aber extrem unterhaltsam. Kopflose Suizidbomber? Vorhanden. Tragbare Schiffskanone im Arsenal? Na klar. Kernige Sprüche des Protagonisten? Als wäre er das Kind von Duke Nukem und Bruce Campbell.

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Martialisch und witzig wie früher - sieht aber etwas netter aus.
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Erstaunlich hieran ist, dass das Spiel nicht jetzt erst Retrocharme versprüht, sondern bereits bei seinem ursprünglichen Erscheinen wie eine Hommage an frühere Zeiten wirkte, wie ein Shooter aus der Doom-Ära, den man mit der Geschwindigkeit eines Arcadespiels gekreuzt hatte. Wer also auf der Suche nach der doppelten Ladung Retro ist, sollte bei Serious Sam HD hellhörig werden.

Wer Serious Sam schon damals gespielt hat, wird mittlerweile erkannt haben, dass sich an dem Spielprinzip nicht das Mindeste geändert hat, wem das alles neu ist, der fragt sich spätestens jetzt vielleicht, ob das simple „Kopf ausschalten und ballern“ denn überhaupt erträglich sei, ob es nicht langfristig anöde. Die Antwort auf die Frage ist nicht ganz leicht. Ja, das Spielprinzip von Serious Sam ist nach wie vor stumpf wie ein Buttermesser und ja, langfristig spürt man geradezu, wie einem das Hirn im Schädel schmilzt und aus den Ohren fließt.

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Rollenspieler weggegeguckt! Eintauchen in fremde Welten und Identifikation mit dem Helden gibt's nicht.
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Dem gegenüber steht jedoch, dass es ganz offensichtlich nie der Anspruch des Spiels war, den Spieler sich vertiefen zu lassen, in eine Welt einzutauchen und komplexe Aufgaben zu bewältigen. Das Wort „Kurzweil“ bekommt bei Serious Sam einen Doppelsinn: Der chaotische Shooter macht kurze Zeiten durchaus noch kürzer. Das gilt umso mehr im Multiplayer-Modus, denn geteiltes Chaos ist doppeltes Chaos. Man kann es nicht anders sagen: Die Ziele, die sich das Spiel gesetzt hatte, erfüllte es damals und erfüllt es heute, dagegen lässt sich einfach nichts einwenden.

Wieso HD?

Selbst der geduldige Leser mag sich langsam fragen: Was macht die HD-Edition denn nun eigentlich anders? Eigentlich gar nichts, bis auf HD eben. Sie verpasst dem leicht angestaubten Look des Spiels einige schöne Upgrades, die allerdings auch nicht das höchste der Gefühle sind. Zwar dürfen dank der neuen Serious Engine 3 jetzt dynamische Lichter und hübsche Texturen bewundert werden, jedoch können diese Spielereien nicht verbergen, dass Serious Sam aus einer Zeit stammt, als man die Umgebung aus technischen Gründen anders zu machen pflegte. So wirkt nach heutigen Maßstäben das Interieur kalt und leer, das Außengelände statisch und leblos, die Architektur ist zu akkurat, die Blut- und Goreeffekte weiterhin zu schmutzig.

Serious Sam HD - Das kann doch nicht euer Ernst sein!

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Mehr als ein netter Bonus ist die HD-Optik nicht.
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Wer nun auf die kleineren Modifikationen verweist, wie die zusätzlichen Verzierungen an Häusern oder den Fahnenmast, der im Original nicht zu sehen war, dem muss gesagt werden: Das reicht nicht. Wer sagt, man hätte noch viel mehr dieser Kinkerlitzchen einbauen müssen, der sollte wissen: Das hätte immer noch nicht gereicht. Es ist eine unumstößliche Wahrheit: Serious Sam ist ein Spiel aus dem Jahr 2001 und wird nimmer eines aus dem Jahr 2009. Es lässt sich immer noch genießen, es muss sich nicht vor neueren Spielen verstecken, aber es muss doch akzeptieren, was es ist.

Lustig wie damals, günstig zu haben und etwas altbacken. Die Optik ist ein netter Bonus, der Preis gerechtfertigt. Zuschlagen, durchladen, fröhlich sein.Fazit lesen

Soll das bedeuten, dass die Idee eines HD-Remakes völlig absurd oder falsch ist? Sicherlich nicht. Für alle, die das Spiel bislang nicht besitzen, ist das eine schöne Gelegenheit, sich dieses alberne Machwerk zu einem Budgetpreis zu sichern und ordentlich auf den Putz zu hauen. Alle anderen freuen sich über die aufpolierte Optik und ein Spielprinzip, das so simpel ist, dass es acht Jahre später immer noch funktioniert.