Es geht dem Ende des Jahres entgegen, faktisch ist alles gesagt, fast jedes Spiel veröffentlicht und seziert worden. Zeit für ein paar Tage Pause, nachdem man in Skyrim, Modern Warfare oder Zelda die Welt, eine Prinzessin oder sonst was Nobles gerettet hat. Endlich Ruhe genießen. Und dann das. Taucht doch glatt noch ein Ballerspiel auf. Serious Sam 3 will auch noch gezockt werden. Aber warum eigentlich?

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Ich weiß, ich weiß. An und für sich soll ich ja die Antwort auf diese Frage liefern, wie viel Spaß der olle Haudegen noch macht. Und weshalb ihr Serious Sam 3 zocken sollt, anstatt eure Freizeit mit neuen Folgen von Sons of Anarchy zu verplempern (wie ich). Die Sache ist nur, es gibt kaum stichhaltige Argumente, die das Ballerspiel des kroatischen Croteams in den Himmel hieven. Ich könnte jetzt von einem durchaus gelungenen Waffengefühl erzählen, denn man trifft die Feinde ja auch wirklich zuverlässig.

Kunststück, sagt das schlechte Gewissen in mir, denn bei DEN Horden von tumb heranstürmenden Gegnern würde selbst ein Blinder mit Filzbrille auf eine Trefferquote von mindestens 75 Prozent kommen. Wenn ihm jemand erklärte, welchen Knopf er zu drücken hat, würden ihm auch die sofortigen One-Hit-Kills im Nahkampf gelingen - denn hier beamt man sich auch noch aus zehn Metern Entfernung an seine Widersacher heran und macht sie einen Kopf oder ein Herz kürzer.

Serious Sam 3: BFE - Mach's gut, Sam, früher war es schöner mit dir

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Don't lose your head!
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Ich könnte nun hervorheben, dass dies eine der tollen Neuerungen dieses über weite Strecken doch ziemlich routinierten, schnörkellosen Ballerspiels ist. Darauf verweisen, dass man nun nicht nur sprinten kann, sondern einige Wummen jetzt sogar einen Zielmodus mitbringen. Außerdem ist es nun möglich, Teile der Umgebung zu zerstören - juhu! Doch angesichts des überwiegend gleichförmigen Spielablaufs, der praktisch frei von Überraschungen ist und selbst "Highlights" des müden Vorgängers außen vorlässt, wäre dies nur Augenwischerei. Die Mauern ägyptischer Tempelanlagen einzureißen bringt uns spielerisch schließlich keinen Schritt weiter.

Welcome to Monotonie

Wenn die Serious-Sam-Serie etwas hatte, womit sie sich von der Konkurrenz absetzen konnte, war das auch früher schon nicht die abwechslungsreiche Spielmechanik aus Krawumm, Peng und Bumm. Stimmt. Doch heute fehlt auch einiges an Charme, Schlagfertigkeit, Selbstironie, und die Comicgrafik musste einer realen Pyramiden- und Ruinenlandschaft weichen. Und wo man doch ein Fünkchen wohlbekannter und einst liebgewonnener Versatzstücke erkennt, wirken sie abgenutzt wie ein altes Stofftier, das zu oft durchgeknuddelt wurde. Noch einmal möchte man das Ding eigentlich nicht mehr in die Arme nehmen - und diesen vor Anachronismen strotzenden Testosteron-Stresstest auch eher widerwillig.

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Soll ich von der sehr, sehr mittelmäßigen Ballerei ablenken, indem ich von dem durchaus hörenswerten Soundgebilden berichte? Den mal knackigen, dann wieder verwaschenen Texturen? Oder doch lieber die immer gleichen Gegnertypen bemängeln, das umfangreiche aber langweilige Waffenarsenal kritisieren? Nein, das könnt ihr euch vermutlich selbst zusammenreimen, wenn ihr diese Zeilen lest. Und vielleicht würde man irgendwie auch die zwölf Missionen in kleinen Häppchen überstehen, wenn sie denn nicht so verdammt in die Länge gezogen wären. Aber es kommt immer NOCH eine Welle und noch eine und ... Irgendwann hängt es mir nur noch zum Halse raus und ich will nur noch Schluss machen: Escape-Beenden-Wirklich?-Ja-Raus!

Serious Sam 3: BFE - Mach's gut, Sam, früher war es schöner mit dir

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Was dem wohl über die Leber gelaufen ist?
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Aber ich will fair sein und zocke das Ding nicht nur durch, ich erwähne sogar den coolsten Aspekt von Serious Sam 3. Nein, nicht der öde Survival-Modus und auch nicht irgendwelche völlig aufgesetzten Mehrspielermodi. Ich meine den Kooperativmodus. Die gesamte Kampagne kann mit bis zu 16 Spielern in ein wahres Irrenhaus verwandelt werden. Herrlich, das würde ich auch in Battlefield gerne mal machen können. DAS wäre geil, oder? Es ist das Einzige, was mir hier wirklich gut, richtig gut umgesetzt wurde.

An dieser Stelle könnte man nun noch ein paar Zeilen schinden und über die mittelmäßige Technik lästern, unwichtige Details hervorheben oder abstrafen. Aber ganz ehrlich: Das bringt weder mich noch euch weiter. Daher: Zeit fürs Fazit.