Sentinel (PC-Test)
(von Patrick Streppel)

Wer kennt Sie nicht, die guten alten Render-Adventures. Von A(tlantis) bis Z(ork) haben wir uns durch vorgerenderte Welten gekämpft, immer auf der Suche nach kruden Logikrätseln. Statt Bewegungsfreiheit klickten sich Abenteurer auf festen

Bahnen von Bild zu Bild - und alles nur, weil die statischen Renderbildchen soviel detaillierter waren als es in Echtzeit denkbar war. Damit ist jetzt Schluss: Sentinel bietet eine mystische, hochdetaillierte 3D-Grafik ohne Einschränkungen. Nur von kruden Logikrätseln wollte man sich nicht verabschieden.

Der polnische Entwickler Detallion kennt sich im Genre aus: Mit den Render-Adventures Reah und Schizm lieferte das Team Ende der 90er zwei grafisch beachtliche, spielerisch aber eher durchschnittliche Render-Adventures, die trotz Zwischensequenzen viel zu steril ausfielen. Nach einem kurzen Abstecher ins Action-Genre mit dem schwachen Nina: Agent Chronicles meldeten sich die Mannen vor rund einem Jahr mit Schizm 2 zurück. Als wir den Titel auf der E3 2003 zum ersten Mal begutachteten, glaubten wir kaum, dass es sich bei der Grafikpracht um die alte Jupiter-Engine aus No One Lives Forever 2 handelte - so detailliert und kunstvoll wirkten die mystischen Welten. Mit Sentinel setzt Detallion diese Strategie fort - und bessert einige Macken seines umstrittenen Vorgängers aus.

Sentinel - Verborgene Existenzen - Render-Adventure trifft Lithtech-Engine – Spannende Abenteuer in Echtzeit

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Intel Inside
Benni hat keine Wahl: Gierige Antiquitätenhändler kidnappen die Schwester des jungen Mannes und erpressen ihn, in ein altes Grab einzubrechen, das er eigentlich lieber meiden würde. Grund: Die letzte Ruhestätte und ihre Schätze werden von einer tödlichen KI bewacht, die alle Jones und Crofts an einem Eindringen hindert. Doch als Benni in den äußeren Bereich des Grabes vordringt, treffen ihn statt eines Giftpfeils lediglich die scharfsinnigen Formulierungen einer hübschen Frau

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- die Erbauer des Grabes haben nicht nur auf moderne Computer gesetzt, sondern ihrem "Antivirenprogramm" gleich eine attraktive, weibliche Form gegeben.

Wie Benni überrascht feststellt, tötet ihn die Wächterin nicht. Sie gibt aber auch nicht klein bei und damit die Schätze Preis, als er seine Situation darlegt. Vielmehr lässt sie Benni nach und nach tiefer in die Kammern vordringen, wenn er auf unwirklichen Welten krude Logikrätsel löst - Warptore im Grab dienen hierfür als Verbindung. Zudem verwickelt das spitzfindige Programm seinen Besucher regelmäßig in tiefsinnige Gespräche über den Sinn seines

Handelns - über Rechtfertigung des Raubversuchs und mögliche Konsequenzen.

Story der ungewöhnlichen Art
Wer die Schizm-Serie gespielt hat, erkennt auch bei Sentinel die Handschrift des Science Fiction Autors Terry Dowling, auf dessen Kurzgeschichte "The Dormeuse and the Ichneumon" das Spiel basiert.

Die Handlung ist bizarr, der Sinn erschließt sich erst nach einer gewissen Zeit und selbst dann werden sich einige Spieler verdutzt die Stirn reiben - allein der Grundgedanke, sich mit einer KI Wortgefechte in alten Grabkammern zu liefern, ist

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gewöhnungsbedürftig. Jedoch muss man den Entwicklern lassen, dass die Handlung mit der Zeit durchaus an Tiefe gewinnt und die Dialoge interessant geschrieben, wenn auch nur mittelmäßig vertont sind.

Apropos Dialoge: Die Wortwechsel laufen völlig ohne unser Zutun ab, die Auswahl von Antworten ist nicht gestattet. Ohnehin sind die Zwischensequenzen eher sparsamer Natur: Das Spiel läuft ausschließlich in der Ego-Perspektive ab, Spielheld Benni kriegen wir somit nicht zu Gesicht. Geschieht etwas besonderes, wird uns lediglich die Kontrolle entzogen und der Blick in die richtige Richtung gelenkt. Seltsam: In den automatischen Sequenzen ist die ansonsten strahlend klare Luft der Grabkammer plötzlich von Nebel durchzogen - soll dadurch Atmosphäre erzeugt werden?

Echtzeit-Fantasiewelten
Interessant sind die Welten, in die Benny von der Grabstädte aus teleportiert wird, auf jeden Fall: Mal klettern wir über die metallenen Gerüste einer Station in den Wolken, mal stapfen wir durch sumpfige Alienwelten mit elektrisch geladenen Pflanzen. Unsere Reise führt über die Stege einer Wasserwelt bis hin zum Fuße eines von Lava umgebenen Vulkans. Damit wir nicht immer nur an einem Rätsel knabbern, dürfen wir

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jederzeit in die Grabstädte zurück und ein anderes Ziel ansteuern.

Der Grafikstil ist abwechselungsreich und reicht von futuristisch-kühlen Metall-Apparaturen bis hin zu fantasievoll-organischen Landschaften. Die aus No One Lives Forever 2 bekannte Jupiter-Engine (ehemals Lithtech) sorgt trotz ihres Alters in Sentinel für atemberaubend schöne Bilder, auch wenn wenn die Optik ein wenig steril geraten ist. Von Wasserbewegungen und einigen Hintergrundobjekten abgesehen, fehlt es den Leveln und Apparaturen an Animationen.

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Rätsel vom anderen Stern
Aber nicht nur die Grafik, sondern auch die Rätsel von Sentinel erinnern an die Render-Brüder Myst oder Atlantis. Statt Inventar und Gesprächsführung gilt es kryptische Apparaturen zu meistern, die merkwürdige Gerätschaften steuern. So sollen wir bei besagten Pflanzen den Stromkreislauf herstellen, in dem wir mit einer begrenzten Zahl von Bewegungen aus einem Metallarm heraus, Impulse auf ihre Blüten abgeben. Oder es gilt, Seile so abzupassen, dass sie der richtigen Wellenlänge ihrer Farbe entsprechen.

Zugeben, die Rätsel sind mit logischem Nachdenken allesamt lösbar, doch der Weg dahin ist steinig und nur den hartgesottenen Myst-Fans eine Freude. Selbst wer in Physik, Mathematik und Logik fit ist, braucht oft eine Weile um zu verstehen, was denn genau von ihm gewollt ist. Die zuschaltbare Hilfe gibt zwar Tipps nach dem Motto "alle Felder müssen blau sein", wenn man als Spieler aber so richtig auf dem Schlauch steht, hilft auch das wenig.

Die beste Vorgehensweise ist es, sich Symbole, Zeichen oder Farben auf einem Papier zu notieren und Kombinationen systematisch durchzuspielen - doch das ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:

+ detaillierte Echtzeit-Grafik + abwechselungsreiche Orte + Rätsel logisch nachvollziehbar + Tiefgründige, interessante Geschichte…

Contra:

- …die jedoch zu trocken präsentiert wird - statische, sterile Umgebungen - lineare DialogePro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:

+ detaillierte Echtzeit-Grafik + abwechselungsreiche Orte + Rätsel logisch nachvollziehbar + Tiefgründige, interessante Geschichte…

Contra:

- …die jedoch zu trocken präsentiert wird - statische, sterile Umgebungen - lineare Dialoge