Square Enix bringt einen 25 Jahren alten Super-Nintendo-Klassiker zurück, setzt aber die falschen Schwerpunkte bei der Überarbeitung. Das Ergebnis ist immer noch ein nettes Spiel, das aber hinter seinen Möglichkeiten bleibt.

So sieht Secret of Mana in der Remaster-Version aus:

Secret of Mana - Launch-Trailer - PS4Ein weiteres Video

Es gab eine Zeit im Leben vieler SNES-Besitzer, in denen sie unbedingt einen Mehrspieler-Adapter haben wollten – als Square Secret of Mana veröffentlichte. Das Spiel war die Fortsetzung des Game-Boy-Hits Mystic Quest, übertraf diesen aber in jeglicher Hinsicht und hatte neben wunderschöner Präsentation auch einen Multiplayer-Modus für bis zu drei Spieler zu bieten.

In den vergangenen Monaten kam der Klassiker schon mehrfach zu neuen Ehren: Er war Teil des SNES-Classic-Mini-Lineups und wurde (leider bisher nur in Japan) samt Vorgänger und Nachfolger für die Switch veröffentlicht. Das 25. Jubiläum wird nun mit einem Remaster gefeiert, das für das Hardware-Trio aus PC, PS4 und PS Vita erscheint. Auf PC und PS4 kostet das das Ganze 40, auf der Vita „nur“ 30 Euro. Die PS4 erhält als einzige Plattform auch eine physische Version. Crossbuy unterstützen die Sony-Varianten nicht.

Secret of Mana (Remaster) auf der PS4

Pixel schlägt Polygon

Seit seiner Ankündigung vor einigen Monaten wurde das Remaster häufig für seinen Grafikstil angefeindet, denn der neue Polygon-Look erinnert viele Spieler an die Mobile-Ports anderer Square-Titel. Tatsächlich sieht das Spiel in Bewegung aber grundsätzlich okay aus. Dass die Figuren in den mit vielen Großeinstellungen arbeitenden Zwischensequenzen ihre Münder nicht bewegen, wirkt allerdings schlicht billig. In Kombination mit den sowohl auf Englisch als auch auf Japanisch wenig überzeugenden Sprechern leidet die Atmosphäre spürbar. Klar, auf dem SNES gab es gar keine Sprachausgabe, aber da hat eben die Fantasie des Spielers die Lücken gefüllt.

Dabei bemüht sich die Neuauflage extra darum, die Geschichte etwas breiter zu erzählen: Einige neue Storyfetzen, die um die häufigen Übernachtungen in Gasthäusern platziert wurden, verraten euch zusätzliche Details über das Trio Randi, Primm und Popoi. Insgesamt sind diese Dreingaben aber kaum mehr als oberflächliches Geplauder. Schließlich dürfen sie die übergeordnete Geschichte nicht beeinflussen, denn an dieser hat sich nichts verändert: Randi zieht das Mana-Schwert aus einem Stein, muss fortan als Held wider Willen die Welt vor dem Untergang bewahren und findet dabei Unterstützung in Form von Primm und Popoi.

Was haltet ihr vom neuen Look?

Irgendwo zwischen Zelda und Final Fantasy

Nun läuft man allein oder eben zu zweit oder dritt durch die bunte Fantasy-Welt und verkloppt in Echtzeit allerlei putzige Kreaturen. Man bereist kleine Städtchen, besiegt Bosse, findet Waffen und Zaubersprüche. So weit so gut. Allerdings fällt schnell auf, dass das viele Warten innerhalb der Kämpfe ebenso suboptimal ist wie der schwankende Schwierigkeitsgrad. Statt an diesen Punkten zu arbeiten, haben die Entwickler die Steuerung vom einstigen Acht-Wege-Schema befreit. Das klingt erstmal prima, führt dummerweise aber auch dazu, dass die Gegner und deren Attacken teilweise schwerer zu lesen sind.

Andere Anpassungen wiederum sind gelungen: So lassen sich Waffen und Zaubersprüche jetzt per Kurzwahl über die Schultertasten aufrufen. Eine kleine Karte zeigt euch auf Wunsch die nähere Umgebung an, was hilft, wenn ihr euch mal verlauft. Die vorherigen Item-Limits lassen sich nun nach oben schrauben, ihr könnt also mehr als nur vier leckere Bonbons tragen. Außerdem – und das kann man gar nicht überbewerten – speichert das Spiel nun automatisch. Zuvor konntet ihr nur an bestimmten Stellen speichern und so mancher Tod war arg frustrierend, denn immer wieder sterbt ihr im Kampf schneller als gedacht.

Ich wollte diese Neuauflage wirklich gerne mögen. Der charmefreie Look macht es aber besonders schwer, über die spielerischen Unzulänglichkeiten hinwegzusehen.Fazit lesen

Am Feierabend bleibt oft nicht die Zeit, ein neues, episches Rollenspiel zu beginnen. Aber was spielen wir dann? Ein paar Tipps gibt's hier:

Couch ist King

Man mag es traditionell nennen: Der Mehrspieler-Modus von Secret of Mana funktioniert auch 25 Jahre später nur lokal. Bei der Vita-Version überrascht uns das nicht, am PC und auf der PS4 hätten wir aber mit einem Online-Modus gerechnet. Dessen Fehlen trägt noch mehr zum Gefühl bei, dass hier innerhalb eines relativ schmalen Budgets gearbeitet wurde. Für eine Nachschulung der KI-Kollegen hat das Geld offenkundig auch nicht mehr gereicht. Spielt ihr alleine, ärgert ihr euch immer wieder über das wenig intelligente Verhalten eurer Freunde – da helfen auch die neuen KI-Optionen nicht viel.