Verdammt auch, alle guten Überschriften mit dummen Fuchs-Wortspielen sind erst kürzlich verbraten worden für Star Fox Zero. Alle! „The Fox Awakens“? Weg! „What does the Fox say? “? Quasi schlagartig! (Und ja, wir haben das genommen, denn wozu hat man denn völlig veraltetes Meme-Wissen?) Wie soll ich denn Leute dazu bringen, sich einen der niedlichsten Indie-Plattformer des Jahres anzugucken, wenn ich nicht einmal meine üblicherweise total unterirdischen Wortspiele in der Headline verwenden kann?!

Dann muss es wohl eine tatsächliche Beschreibung des Indie-Rätselers tun, der sich derzeit zum günstigen Preis von schlappen 15 Euro auf Steam rumtreibt. Ziel des Studios Swing Swing Submarine war es, ein entspanntes Abenteuer ohne Chance zum Scheitern oder allzu harte Skill-Barrieren zu bauen – oder zumindest hoffe ich das, denn wenn ja, haben sie ihr Ziel mit Bravour erreicht. Wenn nicht… ist das Ergebnis zwar immer noch schön, aber man würde sich doch fragen, wie ein Spieleentwickler es schafft, in seinem Titel versehentlich den Schwierigkeitsgrad wegzulassen.

Seasons After Fall erzählt die Geschichte eines roten Fuchses, der einen mysteriösen Wald durchquert, um die verlorenen Geister der vier Jahreszeiten zu retten. Und das war’s, mehr lässt sich über die Story kaum sagen. Nein, wirklich, ich zitiere gern noch Wikipedia: „The game will follow a Red fox as it traverses a mysterious forest in an effort to rescue the lost spirits of the four seasons.” Seht ihr? Es steckt tatsächlich in Sachen Handlung nicht so viel mehr drin. Es gibt noch die Frage nach der eigenen Identität (ihr seid nicht wirklich der Fuchs, sondern eine Art Geist, der ihn beseelt), und zur Hälfte des Spiels ändert sich die Dynamik des Erzählten noch ein bisschen, doch es ist insgesamt ein minimalistisches Märchen, ohne größere Botschaft oder Ambition, dem Spieler ein erzählerisches Brett vor die fettige Stirn zu knallen.

Das braucht man ja auch gar nicht, und wie jeder, der ein bisschen Erfahrung mit vergleichbaren Titeln hat, sicherlich auf Anhieb ahnt, ist Seasons After Fall auch nicht gerade überwältigend lang: Bereits nach vier oder fünf Stunden hat man den Spaß hinter sich, wenn man nicht gerade eine Affinität zu belanglosen Collectibles hat, die man noch abstauben könnte. Angesichts seiner Preisklasse und der Qualität, die es in der Zeit liefert, ist das alles aber sehr verzeihlich.

Das namensgebende Gimmick des Spiels ist es, dass der kleine Fuchs seine Ziele nur erreichen kann, wenn er sich die vier Jahreszeiten zunutze macht, denn schon bald nach Beginn des Spiels lernt er nach und nach, zwischen ihnen hin- und herzuschalten. Das wirkt sich auf seine Umgebung aus, und nur mit diesem Wechsel, Sprüngen und dem niedlichsten Bellgeräusch des ganzen Universums bewehrt rätselt sich der Rotschopf durch den magischen Wald. Gegner oder Kampf? Fehlanzeige. Die Möglichkeit zu scheitern? Nope.

Seasons After Fall - Fuchs, du hast mein Herz gestohlen

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Seasons After Fall ist unleugbar schön, aber erwartet keine Wunder, was Gameplay angeht.
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Es gibt also keinen wirklichen Antrieb durch die Handlung und die Herausforderung hält sich ebenfalls in Grenzen – zumal der Schwierigkeitsgrad der Rätsel ebenfalls sehr niedrig zielt, vielleicht auf ein jüngeres Publikum oder Einsteiger des Genres. Das Ergebnis dieser Elemente ist unleugbar spielerisch gnadenreich, aber auch ohne echten Anspruch. Länger als ein halbes Minütchen hängt man an keiner Problemstellung. Es macht Seasons entspannend und familienfreundlich, und dennoch muss man sagen, dass es auch anders geht. Das auf den ersten Blick wahnsinnig ähnlich aussehende Ori and the Blind Forest etwa, das zugegebenermaßen durch eine Action-Komponente ein paar zusätzliche Möglichkeiten hat, hat insgesamt spielerisch einfach richtig Fleisch auf den Rippen, während der flauschschwänzige Kollege in Seasons halt ohne eine Sorge in der Welt durchs Laub tollt.

Das soll übrigens die Ideen hinter den Rätseln keineswegs abwerten, sie sind ebenso schön wie kreativ. Es mag noch sehr grundlegend sein, wenn der Winter einen See gefrieren lässt, sodass man ihn überqueren kann, oder der Herbst Riesenpilze sprießen lässt, die dann als Plattformen dienen. Doch schnell kommt man zu einer eigenen inneren Logik der Rätsel. Da gibt es zum Beispiel Pflanzen, die sich im Winter mit Schnee füllen, worauf man sie provozieren kann, den Schnee als Riesenkugel auszuspucken und diese als Sprungplattform zu benutzen. Doch wechselt man zuvor zum Sommer, schmilzt der Schnee und die Pflanze spuckt stattdessen Wasser – nützlich, wenn man durch die Bewässerung Bäume wachsen lässt, die dann als improvisierte Sprossenwände dienen. Wie gesagt: Es wird nie wirklich komplex oder schwierig, doch schön und unterhaltsam ist es allemal.

Seasons After Fall - Fuchs, du hast mein Herz gestohlen

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Die Kombination der Jahreszeiten sorgt für ein paar schöne Rätselgrundlagen.
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Woran natürlich auch das Design einen großen Anteil hat. Ein einzelner Blick reicht, um sich in Seasons After Fall zu verlieben, wenn man denn eine Zuneigung zu dem schwungvoll gemalten Gemälde von einem Spiel empfindet. Je nach Szene schwankt es zwischen der zerbrechlichen Blässe eines Aquarells oder der saturierten Kräftigkeit einer Öllandschaft, doch ausnahmslos ist es wunderschön. Leider wirkt es allein deshalb etwas karg, weil es keinerlei Tiere (abgesehen von rätsel- oder plotrelevanten Viechern) gibt, die sind nämlich im magischen Wald nicht erlaubt. Auch Beweglichkeit der Vegetation durch Wind oder derlei hätte nicht geschadet. Es wirkt oft eher wie ein Stillleben mit einem hyperaktiven Fuchs-Gif in der Mitte als wie ein wirklich lebendiger Lebensraum.

Das macht die Erfahrung jedoch nicht negativ, sondern schlimmstenfalls verbesserungswürdig. Seasons wird die Welt nicht umkrempeln und ihm fehlt ein Schuss Erinnerungswürdigkeit, doch es ist eine günstige Schönheit mit viel Potential zum Liebhaben, mit einem gefälligen Erlebnis das, verzeiht den Klischeesatz, für die ganze Familie geeignet ist, und mit einer Unkompliziertheit, die gleichzeitig größte Stärke und Schwäche ist: Wo andere Games wie Ohrwürmer die Erinnerung ihres Spielers nie wieder recht verlassen wollen, ist Seasons wie eine leichtherzig unkomplizierte Neuabmischung eines Vivaldi-Motivs: sprunghaft, schön, geht leicht in den Kopf und ebenso leicht wieder raus, doch ohne jede Reue seitens des Hörers. Einfach schön.