Der einst hoch gehandelte Name Rare ist in den 14 Jahren seit der Übernahme durch Microsoft ganz schön verblasst. Nicht ein einziges Spiel der Softwareschmiede konnte der Xbox Auftrieb verleihen, auch wenn Titel vom Schlage eines „Viva Pinata“ durchaus mit Qualität glänzten. Ob das vollmundig angekündigte Piraten-MMO „Sea of Thives“ den Kurs drehen kann, ist ungewiss. Neben vielen sinnvollen Spielmechaniken klaffen riesige Löcher unbestimmter Zusammenhänge. Hoffentlich hat sich Rare hier nicht überhoben.

Wenn es eine Erkenntnis gibt, die Rare in der gamescom-Präsentation vermitteln konnte, dann die, dass die Jungs selbst noch nicht so recht wissen, wohin die Reise gehen soll. Beinahe jeder Frage aus dem Pool verwirrter Journalisten wurde mit einer Versicherung entgegnet, der jeweilige Anteil des Spieles befinde sich noch in Entwicklung und sei noch nicht einschätzbar. Quests? Wird es geben, aber welcher Art ist unklar. Treffpunkte? Wird es wohl in Städten geben, aber wie diese genau aussehen sollen, wird derzeit noch ausgeklügelt. Steuerungsfeinheiten für Solo-Spieler? Sollen bedacht werden, aber im Moment gibt es keine Auskunft darüber. Ebenso wie zum Bezahlmodell, der Klassenaufteilung und der Art, wie man Erfahrung gewinnt.

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Gemeinsam auf hoher See

Wenn man es genau nimmt, konnten die Jungs von Rare auf der gamescom nicht mehr vorführen als ein wenig Herumsegeln auf hoher See. Was in anderen MMOs die Sippe oder Gilde, ist hier die Mannschaft eines Schiffes, das sich den rauen Wellen des Meeres stellt, die diverse Aufgaben an Deck erledigt und gemeinsam andere Schiffe aufs Korn nimmt. Eine Abmachung, von einem gegenseitigem Profitversprechen getrieben, denn bislang wäre es beinahe unmöglich, so ein Segelschiff alleine zu steuern. Wer am Ruder steht, kann nicht gleichzeitig auf das Krähennest klettern, um Aussicht nach Hindernissen, Land oder anderen Schiffen zu halten. Also entweder steuern, oder wissen, wo es langgeht.

Segal spannen, Anker ziehen, Kanonen ausrichten – das sind alles Aufgaben, die von unterschiedlichen Crewmitgliedern auszuführen sind. Das wirft natürlich einige Fragen auf. Was, wenn nicht alle Mitglieder einer Crew verfügbar sind? Was, wenn ein einzelnes Crewmitglied das Schiff in einer nächtlichen Stumpfsinnsaktion gegen den nächsten Felsen fährt? Wie eingangs erwähnt: alles Fragen, auf die Rare bislang keine in Stein gemeißelte Antwort kennt. Klar ist nur, worauf die Entwicklung abzielen soll, nämlich auf ein aufregendes See-Abenteuer, das man gemeinsam mit Freunden besteht. Unterwegs geht man ihnen mit Gedudel auf dem Akkordeon auf den Senkel oder lässt sich sinnlos volllaufen. Auch keine schlechte Methode, sich die Zeit zu vertreiben.

Primäres Ziel in der bisherigen Konstellation wäre das Versenken anderer Schiffe durch Beschuss, mit der langfristigen Aufgabe, die Schatztruhen des Gegners zu plündern. Schon jetzt eine durchaus spektakuläre Angelegenheit, auch wenn die Comic-Grafik bislang keine Begeisterungsstürme hervorruft. Alles wirkt optisch noch sehr grob und farblich wenig Detailreich. Andererseits. Es geht um ein MMO, da darf man nicht zu viel erwarten. Ausartender Realismus steht auch nicht auf dem Plan. Einer versenkten Truppe soll nämlich die Möglichkeit bleiben, sich an den eigenen Schatztruhen festzukrallen und davonzuschwimmen, obwohl die Truhen mit einem herzhaften „Blubb“ augenblicklich auf den Grund des Meeres sinken müssten.