Während der Frühling in Deutschland nur langsam in Fahrt kommt, schicken euch Microsoft und Rare mit Sea of Thieves in die warme Südsee. Doch eignet sich das Piraten-MMO für eine lange Urlaubsreise oder nur für eine kurze Sightseeing-Tour?

Yo-Ho Piraten, seid ihr bereit?! Das erwartet euch auf der rau'n See:

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Mit Sea of Thieves sucht der britische Entwickler Rare den Weg zurück in die Spielspaß-Spur. In seiner Frühzeit zeichnete sich das Studio durch fantastische Werke wie Donkey Kong Country und Banjoo-Kazooie aus. Seit fast zehn Jahre dümpelt das Unternehmen allerdings eher in Microsofts Fahrwasser, denn wirkliche Highlights blieben seit der Übernahme im Jahr 2002 aus. Zuletzt lieferten die Briten allerlei Games für die Bewegungssteuerung Xbox Kinect ab. Nun schickt Rare die Spieler endlich wieder in ein riesiges Abenteuer. Doch finden die Seebären in Sea of Thieves zu alter Stärke oder sinkt das Schiff endgültig? Wir haben uns für euch viele Stunden in die virtuelle Südsee gestürzt!

Sea of Thieves im Test: Je mehr Schätze, Schädel und Handelswaren ihr zum Außenposten bringt, desto mehr Gold spült ihr in eure Taschen. Allerdings sind auch andere Piraten scharf auf eure Beute!

Wofür wir segeln

Eines gleich vorweg: Sea of Thieves ist als Spiel für Gruppen gedacht, denn hier entfaltet der Titel seinen ganzen Charme. Zwar geht ihr auf Wunsch auch alleine auf Reisen, doch solo wird die Seefahrt selten lustig oder schön. Nach der Charakterauswahl startet ihr entweder auf einer Insel oder auf einem Schiff. Das Ziel des Ganzen: Beute in Form von Schatzkisten, Totenköpfen oder Handelswaren, die ihr auf euren Kaperfahrten einsammelt und zurück zu einem Außenposten bringt. Für all die harte Arbeit erhaltet ihr Gold, welches ihr wiederum in neue kosmetische Gegenstände investiert. Klingt cool? Geht so, denn viel mehr gibt es in Sea of Thieves derzeit nicht zu erledigen. Leider kommt es einem so vor, als hätte man nach etwa drei Stunden schon alles im Spiel gesehen und erlebt. Abwechslungsreiche Aufgaben und Quests? Ein packendes Fortschrittssystem? Fehlanzeige! Doch woher kommt dann die Langzeitmotivation?

Gute Freunde kann niemand trennen

Der große Spielspaß besteht in der Kommunikation und Interaktion mit anderen Hobby-Piraten. Ganz ehrlich? Kein Spiel hat in den letzten Jahren so kompromisslos auf den Mehrspieler-Aspekt gesetzt wie Sea of Thieves. Eine Crew besteht in der Regel aus zwei bis vier Personen, mit denen ihr euer ganz eigenes Abenteuer erlebt. Das klappt vor allem dank der netten Mechaniken an Bord eines Schiffes: Segel müssen gesetzt und ausgerichtet werden, eine Seekarte informiert über die aktuelle Position, während ein Kapitän an Deck steht und durch die Wellen prescht. Kommt es zum Kampf mit anderen Spielern, dann geht es außerdem darum, die Kanonen zu laden und abzufeuern.

Zusammen mit der Crew beratschlagt ihr, welche Ziele auf dem Plan stehen. Allerdings sollte bei voller Fahrt zumindest eine Person am Steuerrad bleiben.

Im eigenen Kahn bessert man hingegen Einschlaglöcher mit Brettern aus und schippt Wasser mit einem Eimer, um nicht auf Grund zu laufen. Das ist allerdings nur der Rahmen für jede Menge Spaß, wenn man zusammen mit anderen Spielern auf Beutezug geht. Dafür braucht man nicht einmal eigene Freunde, denn auf Wunsch spielt ihr zusammen mit fremden Freibeutern. Das könnte dem einen oder anderen kontaktscheuen Spieler womöglich nicht zusagen, doch auf diese Weise entstehen wunderbare Koop-Abenteuer und -Situationen. Beispiel: Ich kam kürzlich in eine Partie und wurde sofort unter Deck ins Schiffsgefängnis gesperrt – ja, auch das geht in Sea of Thieves. Nach einigen Gesprächen mit den australischen Abenteurern erfuhr ich, dass ein vorheriges Crewmitglied nur Unsinn getrieben hatte und auf dem aktuellen Schiff zudem unfassbar viele Schätze verstaut waren. Ich kam letzten Endes frei und wir segelten mehrere Stunden zusammen durch die Welt des MMOs. Die Zeit verging dabei wie im Flug, denn man hat in Sea of Thives aktuell zwar kaum etwas zu tun, dafür schreiben die Spieler zusammen ihre eigenen Geschichten. Ein Mikrofon ist bei solchen Dingen zwar keine Pflicht, aber dringend zu empfehlen. Auch solltet ihr der englischen Sprache einigermaßen mächtig sein, denn ihr findet keine reinen deutschen Server vor.

Ahoi, ihr Landratten! Bisher existiert kein Spiel auf dem Markt, bei dem das Wasser schicker aussieht.

Wenig Freude für Solisten

Sofern ihr keine Freunde habt, die Sea of Thieves besitzen, und auch nicht von der zufälligen Crew-Funktion gebraucht macht, dann zieht ihr auf einer kleinen Schaluppe einsam in den Krieg gegen Skelette und feindliche Piraten. Allerdings verliert das Spiel hier seine Magie innerhalb weniger Stunden völlig. Abgesehen von mangelnden Aufgaben und Abwechslung scheitert der Spaß vor allem an der fehlenden Interaktion: Das Piraten-Abenteuer glänzt nicht durch seine unfassbar tollen Möglichkeiten, sondern vor allem durch einen riesigen Spielplatz für virtuelle Freibeuter, die zusammen nicht nur Schätze bergen, sondern vor allem Unfug treiben und untereinander als Team agieren.

Alles schon gesehen, alles schon erlebt

Ohne die Koop-Abenteuer und -Erlebnisse ist Sea of Thieves hauptsächlich blutleer und repetitiv. Das Spiel hat – wie bereits erwähnt – kein Fortschrittssystem an Bord, also keine Erfahrungspunkte, Level oder vergleichbare Dinge. Es fehlt sogar eine richtige Charaktererstellung, denn ganz zu Beginn bekommt ihr lediglich einige fertige Recken vorgesetzt. Die gefallen euch nicht? Dann würfelt das Spiel neue Charaktere aus. Da frage ich mich: Was zum Klabautermann war so schwer daran, einfach einen ordentlichen Charaktereditor anzubieten? Doch solche Mängel stellen nur die Spitze des Eisbergs dar.

Die Schiffe sehen toll aus und lassen sich optisch individualisieren. Allerdings segeln auf den Weltmeeren aktuell nur zwei verschiedene Schiffstypen: Galeone und Schaluppe.

In Sachen Schiffauswahl habe die Entwickler ebenfalls geknausert, denn nur zwei verschiedene Typen sind in Sea of Thieves aktuell steuerbar: eine Galeone für bis zu vier Personen und eine Schaluppe für bis zu zwei Spieler. Große Abwechslung oder Individualisierung des eigenen Kahns fehlt, lediglich kosmetische Änderungen sind verfügbar. Noch schlimmer sieht es hinsichtlich des Gegnerdesigns aus: Abgesehen von feindlichen Spielern bekämpft ihr noch Skelette und giftige Schlangen an Land sowie Haie und den bestialischen Kraken im Wasser.

Und Aufgaben? Drei Berufsstände buhlen um eure Dienste: Goldsammler, der Seelenorden und der Handelsbund. Hierfür buddelt ihr entweder Schätze aus, sammelt die Schädel von Skeletten oder verschifft Waren und Tiere in Käfigen. Damit ist zu den Missionen aber auch leider schon alles gesagt. Es fehlt indes nicht nur Abwechslung, ich vermisse auch jegliche Konsequenzen. Sterbt ihr als Spieler, kehrt ihr nach wenigen Sekunden auf der „Fähre der Verdammten“ einfach zurück. Sinkt euer Schiff im Eifer des Gefechts, dann steht auch das nächste Boot schnell wieder bereit. Auswirkungen? Bisher keine! Immerhin gelobt Rare Besserung und will in den kommenden Monaten viele neue Inhalte nachreichen.

Gelungener Mehrspieler-Spaß mit unvergesslichen Erlebnissen, aber leider äußerst dünnem Umfang. Eingefleischte Einzelspieler werden hingegen enttäuscht.Fazit lesen

Der grafische Traum aller Seeräuber

In einer Disziplin müssen die Entwickler hingegen wenig nachbessern: Grafik und Sound. Der Ausflug auf den Weltmeeren ist wunderschön umgesetzt. Es gab wohl noch nie schöneres Wasser in einem Spiel zu sehen. Häufig legt man auf seinen Ausflügen freiwillig eine Pause ein und genießt einfach die Spielwelt. Da stört nicht einmal der Comic-Look, der wohl nicht jedem Spieler zusagen dürfte. Aber in diese Inselwelt muss man sich einfach verlieben!

Diese Spiele sind bis auf zwei Ausnahmen alle im März erschienen. Hier könnt ihr euch orientieren und Titel entdecken, die ihr verpasst habt:

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Die Klangkulisse erfüllt ebenfalls prima ihren Zweck, allerdings hört man die meiste Zeit ohnehin seine Teammitglieder quatschen, die gerade den nächsten Beutezug planen oder sich über verrückte Ideen unterhalten. Wie wäre es etwa, wenn ihr euch mal aus einer Schiffskanone als menschliche Kugel abfeuert? Denn das ist in Sea of Thieves möglich, um feindliche Schiffe zu kapern oder Inseln zu erkunden.