Sie heißen El Toro, Titan, Thunder Dolphin, Millenium Force, Superdragon 2000 oder Karacho und müssen vor ihrem Erstbetrieb in der Regel Hunderte Tests durchlaufen. Außerdem sollten sie zwei Dinge auf keinen Fall tun: Fahrgäste bei voller Fahrt abwerfen und abrupt in größer Höhe enden. Die Rede ist? Na klar, von Achterbahnen. Eben diese spielen in Screamride, der neuen Simulation vom britischen Entwickler Frontier Developments, eine essenzielle Rolle. Mit dem Unterschied, dass die eingangs genannten Punkte hier kein Ausschlusskriterium für ein gutes Fahrgeschäft darstellen. Im Gegenteil: Durch die Luft segelnde Insassen, entgleisende Wagen und einstürzende Gebäuden gehören bei Screamride zum guten Ton. Hauptsache, die Passagiere erleben den ultimativen Adrenalinkick!

ScreamRide - gamescom 2014-AnkündigungstrailerEin weiteres Video

Womit wir auch schon bei der durchgeknallten und völlig belanglosen Hintergrundgeschichte von Screamride wären. Der Unterhaltungsgigant Screamworks hat sich zum Ziel gesetzt, eine neue Form des Mitmach-Entertainments zu schaffen. Man will „die Grenzen menschlicher Reflexe und physischer Ausdauer ans Limit bringen – und darüber hinaus“.

ScreamRide - Schreien, bis die Stimmbänder reißen!

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Leichtigkeit trifft Raffinesse: Die Bedienung des Editors ist eine kleine Offenbarung. Im Handumdrehen konstruiert ihr wahnwitzige Strecken!
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Um dieses hochgesteckte Ziel in die Tat umzusetzen, heuert ihr bei Screamworks an und helft dem Konzern beim Testen und Konstruieren immer neuer Fahrgeschäfte mit Nervenkitzel-Garantie. Zur Auswahl stehen drei Karrierepfade, die ebenso viele Spielmodi repräsentieren und sich völlig unabhängig voneinander in Angriff nehmen lassen.

Der Höllenritt beginnt

Den Anfang macht die Ausbildung zum „Screamrider“. Hier ist der Name Programm: Ihr zwängt euch in die erste Reihe eines düsenbetriebenen Achterbahnwagens, müsst diesen möglichst rasant durch eine vorgegebene Strecke lotsen und dabei im Optimalfall bestimmte Bonusziele erfüllen. Beispielsweise gilt es, die Fahrt in unter zwei Minuten abzuschließen. Wer außerdem noch einen Schnellstart hinlegt, die komplette Turboleiste entleert ohne zu entgleisen und nebenbei drei Millionen Punkte abgreift, hat beste Chancen, die höchste der jeweils fünf Level-Auszeichnungen abzugreifen.

Das Gameplay im Screamrider-Modus gleicht dem eines Rennspiels, nur dass Lenken in Anbetracht der Schienen-Architektur der Strecke natürlich nicht notwendig ist. Vielmehr geht es darum, im richtigen Moment zu bremsen oder zu beschleunigen, den Turbo zu zünden, ihn auf vorgegebenen Feldern wiederaufzuladen oder nach einem Sprung eine möglichst saubere Landung hinzulegen. Außerdem darf ich meine Mitfahrer anweisen, sich links oder rechts in die Kurve zu lehnen, damit der Wagen kurzzeitig auf nur zwei statt vier Rollen fährt.

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Die Schreie der Mitfahrer sind euer Kapital. Je mehr gekreischt wird, desto mehr Punkte rattern nach Abschluss eines Höllenritts aufs Punktekonto.
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Einige Übungsrunden vorausgesetzt, stellen sich Erfolge als Screamrider schnell ein. Zumindest zu Spielbeginn. Strebt man allerdings nach der Strecken-Bestnote und will so viele Bonusziele wie möglich erfüllen, sind viel Fingerspitzengefühl und gutes Timing gefragt. Tugenden, die auch im zweiten der insgesamt drei Spielmodi gelten...

Klingt ein bisschen nach Angry Birds mit Menschen statt Vögeln? In der Tat! Ausbaufähig, aber schon jetzt eine wilde Fahrt.Fazit lesen

Große Sprengmeister in kleinen Kapseln

Bei „Zerstörungsexperte“ besteht eure Aufgabe darin, Freiwillige in unzerstörbaren Kapseln so durch die Luft zu katapultieren, dass ihr Fluggefährt mit Gebäuden zusammenstößt und diese zum Einsturz bringt. Da das Ganze komplett Physik-basiert abläuft, kommt es vor allem darauf an, wo ihr ein Gebäude trefft und ob dadurch eine Kettenreaktion – etwa mit absichtlich platzierten Sprengstoffen – in Gang gesetzt werden kann. In jedem Level stehen euch außerdem nur eine vorgegebene Anzahl Kapseln zur Verfügung, die über bestimmte Eigenschaften verfügen.

Klingt ein bisschen nach Angry Birds mit Menschen statt Vögeln? In der Tat! Im Gegensatz zu den Eskapaden der finnischen Erfolgsflattermänner findet das hier jedoch im dreidimensionalen Raum statt, was die Einschätzung der Flugbahn spürbar erschwert. Weitere Schwierigkeit: Viele Herausforderungen gelten erst dann als optimal gemeistert, wenn bestimmte Zusatzaufgaben erfüllt wurden. Mal steht zum Beispiel das Verschrotten von drei Großleinwänden auf der Agenda, mal der Abschuss eines vorbeifliegenden Luftschiffs und mal das Durchfliegen von vorgegeben Ringen. Zu Schaden kommt dabei übrigens niemand – Screamride hält sich brav an seine USK-12-Freigabe. Leidtragende sind höchstens die menschenleeren Gebäude.

Kotztüten bereithalten!
Bliebe noch der dritte und letzte Karrierepfad: der des Ingenieurs. Statt Geschicklichkeit steht hier Kreativität im Fokus. Eure Aufgabe? Angefangene Achterbahnen fertig stellen – anfangs vor allem mit der Maßgabe, dass letztlich auch eine komplette Umrundung möglich ist. Zwei aufeinander folgende Loopings an einer Stelle platzieren, an der ein Zug nicht ausreichend Schwung holen konnte, macht also wenig Sinn. Auch enge Kurven am Ende einer Steilfahrt sind kontraproduktiv, sorgen sie doch meist dafür, dass die Wagen entgleisen.

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Gewagtes Spiel mit den G-Kräften! Einige Story-Herausforderungen verlangen den gezielten Abwurf von Fahrgästen. Klappt in der Regel am besten mit Korkenziehern und Haarnadelkurven.
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Um die Herausforderung zu steigern, müssen in fast jedem Level vorgegebene Parameter eingehalten werden. Das kann die Länge einer Strecke sein, die Anzahl verbauter Sonderteile (Korkenzieher etc.) sowie das Erreichen einer bestimmten Schrei- oder Übelkeitswertung – die wiederum maßgeblich vom Grundlayout der Bahn bestimmt wird. Schön: Zwischendrin verschmilzt diese Spielvariante mit dem bereits angerissenen Modus „Zerstörungsexperte“. Nämlich immer dann, wenn es darum geht, eine Bahn so zu konstruieren, dass Achterbahn-Wagen einen Abflug machen und angrenzende Gebäude in Schutt und Asche legen.

Meister ihres Fachs

Dass Frontier Developments, die Macher von Rollercoaster Tycoon 2 und 3 sowie den dazugehörigen Add-ons, nicht zum ersten Mal einen Achterbahn-Editor veröffentlicht, wird spätestens im eben genannten Modus deutlich. Einfach klasse, wie kinderleicht sich eine neue Trasse anlegen lässt. Über eine Quickbar am unteren Bildrand wähle ich zunächst das gewünschte Bauteil. Anschließend lege ich Form und Richtung im dreidimensionalen Raum fest, tippe kurz die A-Taste an, schon wird der neue Bahnabschnitt in die Landschaft gepflanzt – fertig! Um Baufundamente, Stützpfeiler und sonstige Dinge muss ich mir keine Gedanken machen. „Undo“-Werkzeuge, ein Auto-Vervollständigen-Knopf, die Probefahrt-Option sowie weitere Komfortfunktion runden den Ingenieurs-Modus gelungen ab.

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Ist das die Freizeitbeschäftigung der Zukunft? In späteren Karrrieremodus-Levels lotst ihr entgleiste Wagons in die Stützpfeifer futuristischer Hochhauskonstruktionen, um diese spektakulär einstürzen zu lassen.
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Streng genommen ist der knapp 50 Levels große Karrieremodus aber nur der Testballon für das eigentliche Highlight von Screamride: der Sandkasten. Nur hier dürft ihr eure wildesten Achterbahn- und Fahrgeschäft-Fantasien voll ausleben. Die Entwickler geben euch den Editor an die Hand, mit dem auch alle Levels im Spiel erstellt wurden. Um die Community zu möglichst verrückten Experimenten anzustacheln, dürfen selbst erstellte Inhalte zudem via Xbox Live geteilt werden.

Bei einer Entdeckungstour durch das sogenannte „Level-Center“ stieß ich zum Beispiel auf eine Herausforderung namens „Destroy the PS4!!!“. Das Ziel: Ein Gebäude im Look von Sonys Bestseller-Konsole mit nur einem Direkttreffer einreißen. Oder wie wäre es mit „Twister“, der bis dato am höchsten bewerteten Community-Strecke und ihren über 13 Loopings? Kurzum: Wenn die Fans fleißig weiterbasteln, ist diesem Nischentitel ein langes Leben vergönnt.