Schröder blickt zurück [#3]
Meine Güte, was für eine Woche! Gleich drei Weihnachtstage, einer mit Kirchensingsang und Bescherung, gemeinhin Heiligabend genannt, zwei mit Fressalien aller Couleur und teils völlig unbekannten Familienmitgliedern - der sogenannte erste und zweite Weihnachtstag. Schöne Sache sowas, insbesondere der fließend erscheinende Übergang von träumerischen Erinnerungen hin zu volltrunkenen Prügeleien zwischen Truthahn und Weihnachtsgans.

Was muss Valve doch trunken vor Freude gewesen sein, als der Publisher am Montag den x-ten Award für Half-Life 2 bekam. Half-Life 2, das Spiel, das schon vor Release derartige Taifun-Wellen aufwirft, die gesamte E3 paralysierte, Journalisten völlig urteilsblind macht, die Branche auf den Kopf stellt. Doch dieser Award, verliehen von einer der größten englischsprachigen Game-Sites (Gamespot), war nicht für Grafik, Innovation oder dergleichen - er war für den Verlust des Quellcodes. Nicht sehr rühmlich. Valve dürfte diesen Award lediglich zähneknirschend hingenommen haben.

Schlimmer noch als die Quellcode-Schlamperei war die Dienstags-Meldung von bhv Software, sie würden allen Fans eine Freude machen, indem sie die Wok-WM für den PC veröffentlichen wollen (wir erinnern uns an Stadtneurotiker Raab, der mit Paella-Pfannen am Arsch eine Bob-Rennbahn hinabfuhr). Nein nein nein, von Freude ist gar keine Rede! Hysterie, Euphorie kommt schon eher hin. Und bitte, auch noch einen zweiten und dritten Teil. Am besten auch noch für alle Next-Generation-Konsolen.

Und wo wir uns gerade in dieser irren Vorfreude auf Wok-Pfannen befinden, kam unsere gamona-Umfrage zum Thema Weihnachten, die wir am Mittwoch starteten, zur richtigen Zeit. Was für den einen Freudentaumel, ist für den anderen die größte Menschenrechtsverletzung aller Zeiten (hatten wir das nicht schonmal?!). Das Ergebnis ist bislang verwundernd: Unsere User teilen sich streitfrei zwischen "Scheiß Kommerz", "Viele Geschenke" und "Jedes Jahr anders" auf. Daran ließe sich aber noch was ändern. Wir wollen ja keine Hetzjagd anzetteln, aber nun, im Rückblick auf die diesjährigen Geschenke (Wollpullover, selbstgestrickte Söckchen...) - kommt da keine Wut auf? Nein, besser nicht: Wir wollen uns die Fröhlichkeit nicht nehmen lassen.

Soviel Harmonie zu Weihnachten - schlimm sowas! Alle sind lieb zueinander, helfen sich gegenseitig, sammeln Unmengen an Spenden für den Iran, obwohl sie sich zeitlebens nicht für dieses Land interessierten. Herrgott nochmal, Weihnachten ist vorbei. Braucht es erst wieder eine Essenstisch-Prügelei, zwischen Truthahn und gebratener Gans oder nächstens bei Spargel und Osterkaninchen, um auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden?

Mit harmonischen Grüßen,
Schröder