Schröder blickt zurück[#8]
(von unserem leitenden Newsredakteur Florian Schröder)

Es sollte ernsthaft über ein Gesetz zum Schutze des geneigten Spielers gegenüber seelischer Grausamkeiten nachgedacht werden. Wir werden immer wieder mit Games-Ankündigungen der Sorte Wok-WM malträtiert und müssen dies ohne Murren hinnehmen. Nein, aber nun ist entgültig Schluss - bis in alle Ewigkeit lassen wir nicht auf unseren zarten Gemütern herumtrampeln.

Spätestens jetzt, wo Latino-Looser Costa Cordalis Einzug in Vietcong - Fist Alpha erhält, ist die Grenze des Zumutbaren überschritten. Ein Screen gab über diese Schreckensnachricht Auskunft und ein Vertrag zwischen Knitter-Costa und Take 2 scheint auch schon zu stehen - auch wenn es nur mit Magenschmerzen zu glauben ist. Welch Geschmacksverirrung, welch Perversion! Warum müssen volksverdummende TV-Serien immer als beispielhafte Vorbilder neuer Trends betrachtet werden? Dirk Bach als Diät-Berater, Sonja Zietlow als zärtliche Kinderpflegerin? Sowas tut doch weh...

Das Szenario kann man sich ohne allzu viel Fantasie schon ausmalen: Trommelfell-Vergewaltigung auf der Gitarre, seine schwarze Mähne wiegt er im Gewehrfeuer heranstürmender Japsen, unentwegt trällert er dabei "Anita", wieder und wieder und wieder, wie wir es von ihm gewohnt sind, bis er seine Widersacher entgültig in die Knie gezwungen hat, die ihre letzten Worte flehend stammeln: "Ich bin ein Vietcong - Holt mich hier raus!"

Nun gut, er gewann das RTL-Dschungel-Deathmatch, aber muss er das als Rentner-Rehabilitation ansehen und wiederkehren - in einem PC-Spiel??? Man hätte ihn doch auch einfach in Australien zurücklassen können, den alten Griechen. Tonnenweise Tzatziki und mehrere Liter Ouzo hätten ihm schon den Rest gegeben.

Und nun zu etwas völlig anderem, pflegten die Komiker von Monty Python in solch anstößigen Situationen stets zu sagen. Und nun klauen wir mal etwas völlig anderes, dachten sich daran angelehnt wohlmöglich die Einbrecher am Hamburger Hafen, die die XBox-Lounges leermachten. Sie nahmen im Grunde alles mit, was irgendwie zu verscheuern ist - auf Flohmärkten, in Polen oder sonstwo. Elektronik bevorzugt.

Einbruch ist nicht nett, soviel haben wir alle von unserer Erziehung im Gedächtnis behalten. Doch noch weniger nett ist es, wenn man Sachen mitgehen lässt, die eigentlich sozialen Einrichtungen zugute kommen sollten. Halt so pädagogisch wertvolle Dinge wie XBox-Konsolen, Beamer, Fernseher. Wo doch jeder weiß, dass solche Geräte für Kinder und Jugendliche überlebensnotwendig sind - sonst müssten sie ja kommunizieren, wahrscheinlich auch noch sprechen, nein wirklich. Ein herber Schlag in den Solar Plexus von Sozialpädagoge Gates.

Doch die Kehrseite sieht auch nicht viel schöner aus: Microsoft wollte mit seinen XBox-Lounges eigentlich ja Geld machen. Hat nicht so ganz geklappt, keiner wollte "play together", zusammen spielen und gemeinsam besinnliche Stunden beim gegenseitigen Vermöbeln verbringen. Na gut, Microsoft macht also das Beste draus und will den ganzen Kram verschenken. Wenn schon nicht Verdummung für Moneten, dann doch wenigstens reine Verdummung - die potenziellen Kunden der Zukunft müssen schonmal geistig weichgeklopft werden.

Der etwas intelligentere Prozentteil der Spieler kann sich derweilen entspannt zurücklehnen und zum Beispiel eine gemütliche Brettspiel-Partie Anno 1503 genießen. Die Wirtschaftssimulation kommt nämlich nun in die Spielwarengeschäfte und versucht noch verzweifelt, auf den "Siedler von Catan"-Zug aufzuspringen.

Mindestens einen besonderen Befürworter könnten die Anno-Macher sicher für sich gewinnen: Präsidentschafts-Kandidat Joseph Lieberman. In seinem verzweifelten Versuch, noch ein paar Pünktchen beim Volke zu sammeln, las der Mann Zeitung, klarer Favourit dabei die "Washington Post", und fand einen Weg, wie er die Gemüter der Amis ansprechen kann. Punching-Ball GTA: Vice City muss wieder für ein Schlag-Training herhalten.

Übliche Kritik: Diese rohe Gewalt, Verbrechen gegen unschuldige Menschen zu verüben, auf Frauen einzuprügeln, sowas muss, kann und darf nicht sein. Dabei erlegte er Take 2 ganz nebenbei die Verantwortung für die Männer der Zukunft auf, "wenn sie wollen, dass die nächste Generation unserer Söhne Frauen mit Respekt behandelt" (Lieberman). Frauen mit Respekt und Irakis mit Splittergranaten behandeln - Pädagogik á la USA.

So, wöchentliches Take2-Bashing abgehakt. Mal schauen, wann den Prominenten langweilig wird, einen verbeulten Boxsack zu verdreschen und wann sie sich auf wichtigere Dinge des Lebens besinnen. Schließlich kann man doch auch nett miteinander, aufeinander, nebeneinander, hintereinander und übereinander sein. Ganz nach dem Motto "It's good to play together" könnte damit das Kinderproblem gelöst und für neue Rentenzahler gesorgt werden. Baby-Boom olé.

Mit jauchzenden Grüßen,
Schröder