Schizm 2 (PC-Test)
(von Alex Brante)

Deutschland sucht den Knobelstar, denn Devalion schickt den Nachfolger zu seinem hoch geschätzten Rätselspiel »Schizm« mit noch fieseren Kopfnüssen an den Start. Das 2001 erschienene Adventure orientierte sich stark an an »Myst«, war aber garniert mit

Rätseln, deren Komplexität und Schwierigkeitsgrad alles toppte, was Computerspiele zuvor boten, selbst eine deutsche Lohnsteuererklärung auf Arabisch wäre dagegen ein Klacks. »Schizm 2 - Trügerische Wahrheit« bietet eine ähnlich faszinierende Optik, diesmal sogar komplett in drei Dimensionen, und

auch die Knobelaufgaben sind keineswegs leichter geworden. Und wieder sorgt Fantasyautor Terry Dowling für die dazugehörige Story von Menschen und Maschinen in einer weit, weit entfernten Galaxie. So hoch beachtet Dowling in manchen Kreisen sein mag, er bedient sich einem ganz alten Hut: dem Protagonisten ohne Gedächtnis.

Sen Giger wacht in einer Raumstation aus einem Tiefschlaf auf und schon beschuldigt ihn ein Hologramm, nichts geringeres verbrochen zu haben als den Untergang seines Heimatplaneten Sarpedon. Das künstliche Koma sei nur ein Teil der gerechten Strafe. Zum Rest bestehe diese aus einem baldigen Absturz der Station auf eben jenen Planten und sein damit verbundener Tod.

Sen erhält jedoch Hilfe von einem großen Computer, der wie eine auf den Kopf gestellte Osterinsel-Figur aussieht. Und natürlich macht er sich schon bald auf, die Station zu verlassen, auf seinen Heimatplaneten zurückzukehren und den dort ausgebrochenen Krieg -

wie es sich für einen echten Helden gebührt - unblutig zu beenden. Trotz einer diesmal frei begehbaren Umgebung hält »Schizm 2« eisern am mystischen Spielprinzip fest und besteht aus drei sehr strikt geteilten Ebenen: a) Rätsel, b) Cutscenes und c) 3D-Areale, die man bestaunen darf, ansonsten aber schnell zu a) oder b) führen.

Rauchende Köpfe
Die Rätsel sind zwar äußerst abwechlungsreich, aber allesamt in der Kategorie "bockeschwer" angesiedelt. Selbst wer alle Lucasarts-Adventures durchgespielt hat, könnte hier früh die Segel streichen.

Stift und Papier sind dringend erforderlich und schon das Erarbeiten der Spielregeln eines Rätsels kann auf Grund mangelnder Hilfestellung zur absolute Tortur mutieren. Recht früh muss man beispielsweise Pflanzen wachsen lassen, um eine Brücke aus Blättern zu bauen. Drei Knöpfe stehen jeweils zur Verfügung und der Frust ist

Schizm 2 - Erlebt knackige Rätsel in einer prächtigen 3D-Fantasy-Welt

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erst mal groß, wenn bei jedem Knopfdruck was anderes zu passieren scheint. Man muss realisieren, dass man quasi gegen den Computer spielt, der einem an dem Brückenbau hindern will. Optional nutzbare Hinweise würden die Zugänglichkeit einer breiteren Masse ermöglichen. Dafür sind die Rätsel letztendlich immer logisch und vor allem auch extrem originell. Ein absolutes Highlight (mit ebenso großer Frustgefahr) ist dabei das "unsichtbare Labyrinth". Um von A nach B zu kommen muss man ein zwölf mal zwölf Felder großes Brett überqueren, auf dem Steine in einem Labyrinth angeordnet sind. Nur ist das Brett von einem dichten, kniehohen Nebel überzogen - und die Anordnung der Steine kann man nur vorab von unten betrachten, hat man es einmal betreten, darf man sich nur an Laternen orientieren, die um das Brett herum stehen. Verfehlt man einen Stein, fällt man nach unten durch und das Labyrinth baut sich neu und anders auf. 3D-Actionspieler sind hier klar im Vorteil, dreidimensionales Denken ist hier wie auch bei anderen Aufgaben Pflicht. Im weiteren Spielverlauf nimmt die Rätsel-Härte noch weiter zu. So muss der Spieler von einem dezimalen auf ein Zahlensystem zur Basis vier umschalten können - in fremdartigen Symbolen, versteht sich. Wen diese Beschreibungen abschrecken, der schlage einen großen Bogen um dieses Spiel.

Packshot zu Schizm 2Schizm 2Erschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Solide Story
Die Erzählung vorantreibende Zwischensequenzen winken als Belohnung. Schon bald findet Sen mehr heraus über seine Vergangenheit wie die seines Heimatplaneten heraus.

Vor mehreren Jahrhunderten war es eine friedliche Welt, bis plötzlich die Raumstation der Außenirdischen um sie herumkreiste, wenn auch anscheinend nur in einer beobachtenden Funktion.

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Auf dem Planeten erbrannte ein Streit, der das Volk tief in zwei Lager spaltete: Die Transais erhofften sich einen technologischen Fortschritt durch den Kontakt zu den Aliens, die Ansalas andererseits verteufelten die Idee. Jedoch einigte man sich darauf, je einen Verteter der beiden Lager mit einem Raumschiff zur Station zu schicken - darunter auch Sen...

Leider sind alle Gespräche selbstablaufend und erlauben keinerlei Interaktion zwischen dem User und den anderen Charkteren. Die häufigen Monologe sind daher so kurzweilig wie 24 Stunden Big Brother non-stop. Immerhin sind die Cutscenes keine Videoschnipsel wie etwa bei Myst, sondern werden komplett durch die exzellente

Grafikengine erstellt. Die Animationen sind teilweise sogar hervorragend, ebenso wie Kamerafahrten und Schnitt. Die deutsche Version ist zwar nicht lippensynchron, dafür wurden aber gute Schauspieler gewählt, deren Stimmen der Story viel Leben verleihen.

Jupiter-Engine
Nicht nur die Zwischensequenzen, sondern die komplette Spielgrafik besteht anders als beim Vorgänger und vergleichbaren Produkten nicht aus vorgerenderte Bildchen einer Silicon-Graphics-Workstation, sondern ist komplett in 3D gehalten. Für diesen Zweck lizensierte der Hersteller die Jupiter-Engine, die

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schon optisch opulente Actionshooter wie No One Lives Forever 2 oder Tron 2.0 anfeuerte. Und trotz leichter Schwächen in einigen Abschnitten sorgt die Engine für ein fast durchgängig würdevolles Fantasyambiente. Schade nur, dass es außer den Rätseln, die das Spiel meist in eine statische Ansicht wechseln lassen, fast überhaupt keine Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung gibt. So darf man die Umwelt nur bestaunen, nicht aber erleben. Wobei viele Locations dennoch liebevoll bis in kleinste Detail sind und den Vergleich mit aktuellen Actionspielen kaum zu scheuen brauchen.Die Gondelfahrt durch das Gebiet der Transai zählt ebenso dazu wie die Behausung des Nomaden Arko. Glühwürmchen fliegen umher, exotische, licht emitierende Pflanzen, sorgen für Erhellung in dunkleren Gebieten. Vom Spieler werden übrigens kaum außergewöhnliche Kontrolle der Maus- und Tastatursteuerung abverlangt. Eine Sprungtaste existiert zwar, aber liefert nur einen kleinen Hüpfer der anscheinend von Nöten ist, wenn man sich mal in einer Ecke verhakt hat.Die Gondelfahrt durch das Gebiet der Transai zählt ebenso dazu wie die Behausung des Nomaden Arko. Glühwürmchen fliegen umher, exotische, licht emitierende Pflanzen, sorgen für Erhellung in dunkleren Gebieten. Vom Spieler werden übrigens kaum außergewöhnliche Kontrolle der Maus- und Tastatursteuerung abverlangt. Eine Sprungtaste existiert zwar, aber liefert nur einen kleinen Hüpfer der anscheinend von Nöten ist, wenn man sich mal in einer Ecke verhakt hat.