Autor: Nedzad Hurabasic

Drogen-Baron Tony Montana starb 1983 einen brutalen Film-Tod. Brillant verkörpert wurde er damals von Al Pacino in Brian de Palmas Gangster-Epos "Scarface". Und natürlich starb er, wie er lebte: Gewalt war die einzige Sprache, die er verstand.

Wie jetzt in einem heimlich abgehörten Telefongespräch offenbar wurde, kam der Anführer des Gangster-Syndikats damals gar nicht ums Leben. Gamona-Leser erfahren in einem exklusiven Enthüllungsbericht, was nach dem Filmende wirklich geschah ...

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[Das Telefon klingelt ...]

"Mama? Hallo Mama, hier ist Tony. Hörst du mich?"

"Tony, mein Sohn! Ich dachte, du wärst tot! Überall in den Nachrichten ..."

"Nein, Mama, hör mir zu! Diese dreckigen Kakerlaken wollten mich vernichten, aber ich hab's ihnen gezeigt! Alles, was erzählt wird, sind verf***** Lügen! Glaub ihnen kein Wort!"

"Tony, aber was ist denn passiert? Ich dachte immer, du wärst in deiner Villa so sicher?"

"Ich wurde verraten, aber glaub mir, sie haben es alle bereut! Ich hab' mir den Weg freigeschossen. Meine Villa liegt in Trümmern, aber ich konnte nicht bleiben, zu viel Polizei. Mama, ich muss jetzt für ein paar Wochen untertauchen, aber dann hole ich mir alles wieder. Ich liebe dich, Tony!"

[... tuut, tuut, tuut...]

Der Racheengel ist zurück
Drei Monate später taucht Tony Montana wieder in den Straßen Miamis auf. Von seinem einstigen Verbrecher-Imperium ist nichts mehr übrig. Doch der ewig fluchende Drogen-Lord will diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen. Schließlich kann der Exil-Kubaner ohnehin nichts anderes. Sein Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär war gepflastert von Leichen und schlechtem Benehmen. Sein unterwartetes Auftauchen hat die Banden und Gangs aufgescheucht, hatten sie es sich doch in seinem Bett bequem gemacht und sein Territorium in vier Bereiche unter sich aufgeteilt. Jetzt haben sie alle ein Problem - und das heißt Tony Montana.

Scarface: The World is Yours - Take me to your dealer: Tony, das Narbengesicht, kennt den Weg!

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Ja, wer baggert da so spät noch am Baggerloch?
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Das Narbengesicht hat seine 18er-Einstufung voll und ganz verdient. Es wird geflucht, dass die Hütte brennt. Englische F-Wörter fliegen einem nur so um die Ohren. Jeder NPC bekommt zu hören, was Tony von ihm hält - ob er (und vor allem sie) will oder nicht. Denn Tony ist nicht nur schießwütig und kaltblütig, er ist auch ein notgeiler Bock. Ständig auf der Suche nach dem nächsten Stück Fleisch, quatscht er jedes verfügbare Mädel voll. Anfangs jedoch ohne jedwede Aussicht auf Erfolg. Ohne Ruf und ohne Kohle wollen die umworbenen Sexobjekte nichts von ihm wissen.

Packshot zu Scarface: The World is YoursScarface: The World is YoursErschienen für PC, PS2, XBox und Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Das Spiel gibt sich ausschweifend brutal: So erlaubt das gelungene Zielsystem auch Anfängern spielend, Feinde ins Visier zu nehmen und im Schnellverfahren zu Hackfleisch zu verarbeiten. Wer sich Mühe gibt, kann sogar einzelne Körperteile unter Beschuss nehmen: Arme, Beine, Nieren, ja sogar die Weichteile stehen zum Abschuss frei.

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Du wolltest Feuer? Aber bitte schön!
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Natürlich kann Tony auch ohne Waffen in den Clinch gehen, doch das macht ihm natürlich lange nicht so viel Spaß wie das Exekutieren seiner Feinde aus der Nähe. Kopftreffer werden mit weggesprengten Häuptern und literweise verspritztem Blut belohnt. Diese Ereignisse laufen geskriptet ab und lassen dem Widersacher keine Chance zur Gegenwehr. Blamm! - weg ist die Rübe.

Eier, wir brauchen Eier!
Im Mittelpunkt des actionreichen "GTA"-Gameplays steht die so genannte "Balls-Wertung". Wer Feinde zuerst mit Kugeln durchsiebt und anschließend noch beschimpft und verhöhnt, der erntet so genannte "Balls"-Punkte. Der Spieler geht seinen Kontrahenten also auch nach ihrem Ableben noch "auf die Eier" und wird dafür auch noch belohnt. Sobald die Balls-Anzeige gefüllt ist, wird Tony auf Knopfdruck zur rasenden Killermaschine. "Blind Rage" - blinde Wut - überfällt ihn, und für wenige Sekunden dürfen wir gegnerische Gangmitglieder oder Cops niedermetzeln, ohne selbst Schaden zu nehmen. Zudem wird das Zielen in diesem Berserker-Modus vereinfacht - praktisch jeder Schuss ein Treffer.

Aber das Beste daran: Jeder Kill wird mit Heilpunkten für Tony belohnt. Daher macht sich Blind Rage besonders dann gut, wenn sich der Gangster einer feindlichen Übermacht gegenübersieht. Balls-Punkte sammle ich deshalb zur Vorbereitung auf größere Fights nicht nur in Kämpfen, sondern beispielsweise auch durch die 250 verschiedenen Dialoge mit NPCs und das Beschimpfen von anderen Autofahrern und Passanten. Oder beim Dealen mit Drogen, der Geldwäsche oder anderen beliebten Unterwelt-Tätigkeiten. Bevor wir uns in einen Kampf stürzen, sollte die Anzeige also möglichst voll oder nahe am Limit sein.

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Es geht doch nichts über ein kleines Feuerwerk!
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All das dient dem Zweck, unser Drogen-Kartell wieder aufzubauen. Dabei leisten einige Kontakte aus alten Tagen wichtige Starthilfe. Dennoch müssen wir uns mühsam von ganz unten bis an die Spitze hocharbeiten. Hierzu erledigen wir Kurierfahrten, dealen mit kleinen Mengen Koks, treten kleinen Gangs in den Hintern und erarbeiten uns auf diese Weise die nötige Street Credibility.

Langsam aber sicher füllt sich so das Bankkonto wieder, allerdings erst nachdem viel Vitamin B seine Wirkung getan hat und unser blutiges Geld reingewaschen ist. Die Neben-Missionen sind zahlreich, aber nicht so vielfältig, wie man sich das wünschen würde.

Spielt Tony Golf?
Bei der Geldwäsche kommt ein weiteres zentrales Gameplay-Feature zum Einsatz, das sich am besten als Schwung-Meter beschreiben lässt, wie es auch von Golfsimulationen bekannt ist. Wer sich geschickt anstellt, dem zieht die Bank nur ein Prozent der Gesamtsumme ab, ansonsten können auch schon mal 17 Prozent des sauer verdienten Zasters draufgehen. Bei Summen, die in die Zigtausende gehen, ist das dann kein Pappenstiel mehr. Dasselbe Verfahren wird auch bei anderen Tätigkeiten angewendet, etwa beim Drogendealen ("Wieviel bekomme ich für meine Drogen?"), beim Einschüchtern von Gesprächspartnern oder dem Bestechen von korrupten Bullen.

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Das "Schwungmeter" entscheidet über den Erfolg.
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Sobald unsere Reputation in der Unterwelt steigt, engagieren wir Gefolgsleute wie Fahrer, Meuchelmörder oder Wächter. Sie übernehmen auf Wunsch die Drecksarbeit für uns. Den Fahrer kann ich jederzeit per Telefon an meinen Standort befehligen, natürlich nebst eigener Karosse. Der Clou: Im Kofferraum befindet sich eine Waffensammlung, bei der ich mich nach Lust und Laune bedienen kann. So bleibe ich flexibel - schließlich ist es nicht möglich, alle Modelle des riesigen Waffenarsenals von "Scarface" mit rumzuschleppen.

"Ihre Wagenschlüssel, Herr Montana!"
Ein besserer Ruf bringt mir außerdem die Aussicht auf lukrativere Geschäfte. Anstatt mich selbst mit dem Verticken von Kleinstmengen Koks herumzuplagen, kaufe ich Läden, in denen das Zeug für mich unter die Leute gebracht wird. Des Weiteren bekomme ich Zugang zu deutlich besseren Deals, viel größeren Mengen Stoff und höherrangigen Gangstern. Wer aber denkt, dass sich das alles ziemlich einfach anhört, irrt. Meine Geschäfte werden von rivalisierenden Gangs angegriffen, und ich muss Wachpersonal engagieren, um sie zu verteidigen. Sobald ich alarmiert werde, darf ich aber auch selbst zur Knarre greifen und den Überfall abwehren.

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Einen Zweitwagen dieser Art hätte ich auch gern...
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Selbstverständlich darf sich Tony in bester "GTA"-Manier jederzeit das nächstbeste Vehikel unter den Nagel reißen. Auch hier zeigt sich der Vorteil eines guten Rufs. Widersetzen sich die Bestohlenen anfangs noch dem Autoklau, werfen sie mir später quasi die Wagenschlüssel nach ("Natürlich, hier sind die Schlüssel, Herr Montana!"). Während des Fahrens, das gut von der Hand geht, darf sich der Fahrer alles erlauben.

Mit jedem Verbrechen und jedem Fight steigen aber seine "Gang Heat" (schlecht fürs Geschäft) und die "Visibility", also die Auffälligkeit bei den Cops. Wer es übertreibt und nicht rechtzeitig etwas Bestechungsgeld unters Volk streut, wird gnadenlos von den Gesetzeshütern über den Haufen geballert. Game Over! Oder wie das Spiel es ausdrückt - verkackt! Natürlich darf man weiterspielen, alles ungewaschene Geld und die Drogen sind aber futsch.

Auch wenn Tony seinem filmischen Vorbild Al Pacino sehr ähnlich sieht, wirkt das Spiel-Miami grafisch eher mau. Zu wenige Textur-Details an den Gebäuden reizen die PS2 nicht eben aus und sorgen für ein etwas monotones Ambiente. Dafür weiß die Vertonung (leider nicht Al Pacino persönlich) mit professionellen Sprechern zu überzeugen, und auch der Soundtrack fährt jede Menge weltbekannter Künstler verschiedenster Genres auf. Außerdem sorgen satte Explosionen und Waffengeräusche für real wirkende Gefechte. Als etwas störrisch erweisen sich gelegentlich die trägen Menüs.