Für ein schnörkelloses Studio wie Platinum Games war das eine ungewohnt vage Präsentation, durch die Hideki Kamiya da höchstpersönlich auf der gamescom führte. Von seinem Zorn auf Microsoft war allenfalls noch ein leicht abgespannter Gesichtsausdruck und der etwas trotzige Hinweis „Scalebound ist kein typisches Platinum-Spiel!“ geblieben. Recht hat er - und dann wieder auch nicht.

Kümmern wir uns zuerst um den Elefanten, der hier so unübersehbar im Raum steht. Ja, der Scalebound-Protagonist Drew ist eine Flachpfeife und ein Unsympath, dass man ihn gern gemeinsam mit dem jungen Dante in einen Ring werfen würde - auf dass sich beide die Lichter auspusten, Win-win-Situation für alle von uns. Nein, diese burschikose Hipsterattitüde ist nicht exemplarisch für das gesamte Spiel, auch wenn Platinum mit Scalebound nicht plötzlich ein Spiel entwickelt, das nur schüchtern in der Ecke steht.

Zumindest insofern ist das hier also typisch Kamiya und Co., allerdings enden die Parallelen zu Spielen wie Bayonetta und dem maßlos unterschätzen Vanquish dort auch schon. Scalebound ist kein maß- und zügelloses Dauerfeuer-Actionbrett mit losgelöster Handbremse, obschon niemand befürchten muss, vor Langeweile wegzudösen. Kamiya bezeichnet sein aktuelles Baby nicht umsonst als Action-Rollenspiel; der Krach geht lediglich in etwas gezügelteren Bahnen vonstatten.

Scalebound - How to tame your dragon

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Action satt, kräftige Farben und jede Menge Drachen. Spontan fällt uns nicht so viel ein, das man hieran schlecht finden könnte (vom Hauptcharakter mal abgesehen).
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Wobei Kämpfe mit turmhohen Drachen nun auch nicht unbedingt meiner Definition von „zurückhaltend“ entsprechen. Thuban heißt der schuppige Kerl an eurer Seite, selbst steuern könnt ihr ihn leider nicht. Die Kontrolle über den feuerspeienden Kumpel beschränkt sich auf rudimentäre „Greif dieses an“ und „Gehe dorthin“; er handelt mehr oder minder autark und ist dennoch unmittelbar von seinem Herrchen abhängig. Ihr müsst entscheiden, in welche Rüstung der massige Körper schlüpfen soll, welche Fähigkeiten er lernt, welche Feinde er brutzelt etc. pp.

Das Band zwischen Thuban und Drew soll inhaltlich und spielerisch ein enges sein; beide sind unmittelbar voneinander abhängig und fungieren als Einheit, was sich unter anderem an Drews strunzigem Äußeren, genauer: seinem Arm widerspiegelt, der dem seines Drachen nicht ganz unähnlich ist. Kommt nicht von ungefähr: Hat der Kerl ausreichend Energie gesammelt, verwandelt er sich in einen Drachenkrieger, was nur eine fesche Umschreibung für größere Durchschlagskraft, ein paar Spezialattacken und dergleichen mehr ist.

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Jedenfalls nicht so großartig anders als der normale Drachenalltag, in dem ihr in Echtzeit auf Monster und gelegentlich auch Drachen einprügelt: mit verschiedenen Fähigkeiten und Waffen, alle sehr unterschiedlich gelagert. Ein Vier-Meter-Breitschwert wuchtet ihr mal nicht eben nebenbei hoch, allerdings wächst so schnell auch kein Gras mehr an der Stelle, auf die ihr das Teil hinabrauschen lasst. Mit einem Bogen bleibt ihr eher auf Distanz, Kurzschwerter sind schnell aber schwach - ihr wisst schon, wie der Hase hier läuft. Ein paar weitere Facetten wie abtrennbare Gliedmaßen, Reitstunden auf dem Rücken des schuppigen Kumpanens und so fort sollen das Ganze zusätzlich abwechslungsreich gestalten.

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Wenn Scalebound irgendwann im nächsten Jahr exklusiv für die Xbox One erscheint, soll der Spaß dann sogar kooperativ mit bis zu drei weiteren Mitspielern möglich sein, was ehrlich gesagt ziemlich großartig klingt, wenn Platinum nur dafür Sorge trägt, dass es in einer größeren Gruppe nicht zu chaotisch wird - gerade, wenn jeder seinen eigenen Drachen am Bein hat.

Sonst bleibt neben der Lust auf mehr vor allem jede Menge luftleerer Raum. Kamiya war eher zurückhaltend mit konkreten Details, wollte bis auf ein paar belanglose Einzelheiten vor allem keine konkreten Informationen zur Geschichte nennen, was womöglich kein großer Verlust ist. Wenn Platinum auch für viele Qualitäten bekannt ist, großartige Geschichten gehören nun nicht unbedingt dazu.