Genau genommen ist Sanctum schon über ein Jahr alt. Damals erschien der Titel als reiner Download-Titel für knapp 15 Euro und war vom Umfang her etwas mager auf den Rippen. Nun gibt es den Tower-Defense-Titel dank Publisher Lace Mamba als „Sanctum Collection“ auch im Laden zu kaufen und soll pickepackevoll mit zusätzlichen Inhalten sein.

Bei Tower-Defense-Spielen ist das mit der Hintergrundgeschichte ja immer so eine Sache. Bei Sanctum jedenfalls musste ich tatsächlich zuerst googeln, um herauszufinden, dass die Dame, die wir die ganze Zeit über spielen, Skye heißt. Und Skye verteidigt den Kern ihrer Heimatstadt Elysion One. Das war's auch schon an Hintergrundgeschichte - ab ins Tutorial.

Die bösen Monster unterschiedlichster Rassen bewegen sich in mehreren Wellen auf euch zu und versuchen, in den Kern einzudringen. Ihr müsst das verhindern, indem ihr deren Route durch Labyrinthe künstlich in die Länge zieht und diese Blockwälle mit allerhand Abwehrmechanismen spickt, sodass die Monster dank eurer Verteidigungsanlagen hoffentlich in die ewigen Jagdgründe geschickt werden, bevor sie euren Kern erreicht haben. So weit kennt man das von anderen Tower-Defense-Spielen.

Nun kommt aber der Clou: Ihr spielt das Ganze nicht aus der üblichen Vogelperspektive, sondern aus der First-Person-Sicht im Stile eines Ego-Shooters. Dadurch könnt ihr in "Sanctum" aktiv ins Geschehen eingreifen, indem ihr euch mit verschiedensten Waffen am Verteidigungsgeschehen beteiligt und euren Verteidigungsanlagen den nötigen zusätzlichen Feuerschutz gebt.

Sanctum - Alles muss man selbst machen!

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Das ist der Kern, den es zu verteidigen gilt.
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Im Einzelspielermodus habt ihr zwölf Maps zur Auswahl. Diese reichen vom tropischen Riesenwald bis hin zu futuristisch anmutenden Industriehallen, sehen wirklich gut aus und schaffen es, im Zusammenspiel mit den jeweils dazu passenden Soundtracks für entsprechende Atmosphäre zu sorgen. Für einen Titel eines so kleinen Entwicklerstudios wie der schwedischen Schmiede Coffee Stain Studios wurde die hier werkelnde Unreal-Engine 3 sehr gut umgesetzt. Die Farben wirken etwas übersättigt, die Monster sind teilweise schräg proportioniert – das passt aber zum optischen Comic-Gesamtkonzept.

Habt ihr euch nun für eine Karte entschieden, steht die Planungsphase an. Ausgestattet mit etwas Startbudget verschafft ihr euch einen Überblick über die Karte und überlegt euch, was ihr mit dem ersten Geld anstellt. Insgesamt stehen euch 14 Verteidigungsanlagen zur Verfügung. Gatling-Gun, Blitzkanone, Luftabwehr und Lasertürme und einige mehr für die aktive Bleiunterstützung – Trägheitsfelder, Mörderböden und Verstärkungsfelder für Felder, die ihre Wirkung erst durch das Betreten der Gegner entfalten.

Eurem Charakter stehen sechs Waffen zur Verfügung: Sturmpistole, Schrotflinte, Raketenwerfer, Scharfschützengewehr, Minigun oder die Gefrierpistole – jeder grundsätzliche Waffentyp ist hier vertreten. Zusätzlich könnt ihr über ein Menü jederzeit die ersten fünf folgenden Wellen der angreifenden Kreaturen einsehen, um so vorausschauend zu planen und euer Geld schon im Voraus sinnvoll anzulegen.

Abstimmung ist alles

Die zwölf unterschiedlichen Monster-Artworks sind vielfältig gestaltet. So gibt es zum Beispiel die Wanderer oder Panzer, die ihre Schwachpunkte an bestimmten Teilen des Körpers haben, auf die ihr euch fokussieren müsst, um sie schnellstmöglich zu erledigen. Die Schweber wiederum sind nur am Rücken verwundbar und Sporenpötte oder Gleiter grundsätzlich nur mit Luftabwehr kleinzukriegen.

Tower-Defense und First-Person-Shooter verschmelzen zu einem gelungenen Gesamtkonzept, das Suchtpotenzial hat. Die Anzahl der Maps könnte trotzdem höher sein.Fazit lesen

Habt ihr die Planung abgeschlossen und euch eingemauert, startet die Welle und das Gemetzel beginnt. Nach jeder erfolgreich überstandenen Welle werdet ihr mit zusätzlichem Kapital belohnt, das ihr entweder für den Ausbau eurer Verteidigungsanlagen nutzt oder um eure eigenen Waffen aufzurüsten. Nach vier bis fünf Wellen erreicht ihr Checkpoints, die euren Spielstand abspeichern. Freies Speichern ist nicht möglich, ihr fallt also automatisch auf die entsprechend vorherige Checkpoint-Welle zurück, sobald ihr euren Kern verlieren solltet.

Das ist manchmal frustrierend, zeigt euch aber auch die Schwachstellen der Verteidigung auf und ist damit in meinen Augen kein Minuspunkt, da einem mit dem Zurücksetzen die Möglichkeit gegeben wird, auch das Geld von zwei Wellen zuvor noch mal neu zu verteilen.

Sanctum - Alles muss man selbst machen!

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Ihr habt jederzeit eine Übersicht über die Laufwege und die platzierten Türme.
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Was dafür erfrischend viel Spaß macht, ist das strategische Umdenken - wenn ihr ein gutes Zusammenspiel zwischen eurer Verteidigung und eurer eigenen Bewaffnung finden müsst. Natürlich könnt ihr all das Geld in eure Waffen stecken und einen auf Rambo machen, aber viel Erfolg werdet ihr damit auf Dauer nicht haben. Hier ist ein gewisses Jonglieren vonnöten, um im Zusammenspiel mit der eigenen Gatling-Gun oder Laserkanone die Gegner weit genug vom Kern fernzuhalten.

Eure Verteidigungstürme und Waffen sind auf bis zu fünf Level aufrüstbar, was bedeutet, dass ihr strategisch wichtige Prioritäten setzen müsst. Steckt ihr in der zwanzigsten Welle alles Geld in eure Gatling-Guns und habt am Ende trotzdem noch fünf Kreaturen, die ihr mit eurem Level-1-Pistölchen in Schach halten sollt, könnt ihr gleich einpacken.

Einen Wermutstropfen gibt es aber doch. Die Karten sind mitunter so „effizient“ gestaltet, dass man schnell auf die jeweils am besten funktionierende Strategie kommt und diese auch zukünftig beim erneuten Spielen der Map anwendet. Warum sollte man sich auch beim zweiten Mal absichtlich dümmer anstellen? Hier hat mir manchmal der taktische Freiraum gefehlt, der mir einfach mal versucht ein Schnippchen zu schlagen. Leider haben sich die Karten in der Hinsicht relativ schnell „ergeben“.

Natürlich müsst ihr euch nicht allein durchschlagen, einen Mehrspielermodus gibt es erwartungsgemäß auch. Leider sind die Server meistens gähnend leer oder die offenen Spiele chronisch voll. Dafür macht Verteidigen mit bis zu vier Mitspielern richtig viel Spaß und es kommt "Teamgeist" auf, wenn ihr die Anlagen von Mitspielern mit euren letzten paar Groschen noch mal aufrüstet oder dank eurer Level-5-Sniper-Feuerunterstützung leistet, nachdem die Kreaturen schon an den letzten Verteidigungsanlagen halbwegs unversehrt vorbeigestapft sind.

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Die Grafik ist schön anzuschauen und sorgt für Atmosphäre.
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Sanctum bietet euch vier Schwierigkeitsgrade an, von denen es aber selbst der leichteste ganz schön in sich hat, was leider auch manchmal von der Map abhängt und so ein wenig unausbalanciert wirkt. Auch die Kartenanzahl ist nicht gerade riesig, aber hier liefert der Entwickler stetig Nachschub und steht in erfreulich engem Kontakt mit der Community.

Da stellt sich die abschließende Frage: Warum statt der seit einem Jahr 15 Euro teuren Download-Version die 20 Euro für die „Sanctum Collection" ausgeben? Die Collection bietet euch nicht nur das Spiel, sondern auch einen weiteren Aktivierungskey für einen Freund, alle bisher erschienenen Waffen- und Map-DLCs, einen Sanctum-Comic mit der Geschichte zum Spiel, den Soundtrack auf CD und ein doppelseitiges Poster.