Die Dynasty-Warriors-Serie war von jeher nicht jedermanns Sache. Die oft sinnfreie Japan-Schnetzelei hat zwar einige Fans, die sich für jeden Teil vor Begeisterung den kleinen Finger abhacken lassen würden, aber bei der Mehrzahl der Zocker sorgt die Reihe wohl eher für gemischte Gefühle. Jetzt hat Hersteller Koei nachgelegt und mit "Katana" erstmalig eine Version für die Wii veröffentlicht. Ob die sich besser schlägt als ihre Konsolen-Kollegen, zeigt unser Test.

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Schnittmuster

Wer die "Dynasty"-Reihe gespielt hat, weiß um die epischen Schlachten, die im Mittelpunkt der Handlung stehen. Der Spieler findet sich wieder im Japan der frühen Neuzeit (für Fans: die Sengoku-Ära) und nimmt an diversen blutigen Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Clans teil.

Samurai Warriors: Katana - Im alten Japan wird geschnetzelt, dieses Spiel am besten gleich zerhäckselt.

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Das neue sächsische Damen-Fernsehballet tritt in Berlin auf.
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Frei nach dem Motto "Wer als Letzter atmet, hat gewonnen" geht es stets darum, inflationäre Mengen namenloser Gegner in eine andere digitale Welt zu befördern. Um das Ganze nicht komplett im geistig-intellektuellen Nebel eines John Rambo untergehen zu lassen, gibt es sogar Ansätze von taktischem Vorgehen.

In ein ähnliches Horn stößt auch "Katana". Allerdings ohne den taktischen Anspruch. Und ohne gute Unterhaltung. Denn wie der Name schon andeutet, geht es eigentlich nur um eines: Schnetzeln und Schneiden bis der Arzt kommt. Als tapferer, aber namenloser Samurai nimmt man an diversen Schlachten teil, um das Land zu einen. Dabei kämpft man auf Seiten prominenter Helden und verschafft sich im Laufe der Zeit jede Menge Ruhm und Ehre. Die Geschichte bleibt merkwürdig seelenlos, und zu keinem Zeitpunkt entwickelt man einen Bezug zu seiner Spielfigur.

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Und jetzt alle: "Auf der Mauer, auf der Lauer, liegen drei kleine Wanzen..."
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Im Hauptmenü kann man sich zunächst entscheiden, ob man ein Szenario spielen möchte oder "Prüfungen" ablegt. Hier geht es darum, innerhalb einer vorgeschriebenen Zeit entweder eine bestimmte Anzahl Gegner oder Aufgaben zu erledigen. Ist man erfolgreich, gibt’s Gold, das man im Missionsmodus für wichtige Neuanschaffungen verwenden kann.

Die Missionen selbst laufen stets ähnlich ab. Man ist für seinen Boss unterwegs und erledigt die Aufgaben, die dieser einem zuteilt - ein paar Gegner metzeln hier, einigen Parvenues die Instrumente zeigen dort. Bestandene Szenarios schalten weitere frei, abgeschlossene können beliebig oft wiederholt werden.

Unglücklicherweise kann man damit auch schon fast die Inhaltsangabe von "Katana" abschließen. Denn viel mehr passiert nicht. Die Anzahl und Art der Gegner nimmt zu, und natürlich gibt es diverse unterschiedliche Waffen – acht an der Zahl – abzustauben. Daneben investiert man das in den Prüfungen erworbene Gold in neue Moves und Upgrades. Doch leider bleibt eines völlig auf der Strecke: der Spielspaß.

Aufschneider

Das Konzept von "Katana" könnte eigentlich gut auf der Wii funktionieren. Immerhin bewegt sich die eigene Figur in der Ego-Perspektive durch die virtuelle Sengoku-Zeit. Mit dem Nunchuck könnte man also prima steuern, während man mit der Wii-Mote das digitale Schwertlein schwingen könnte. Doch unglücklicherweise funktioniert das in etwa so gut wie wir Fans von Konjunktiven sind.

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Der neue Steuerfahnder hatte so seine eigenen Methoden, in Liechtenstein an die gewünschten Informationen zu gelangen...
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Denn anstatt frei durch die Landschaft zu rennen, bewegt man sich meist automatisch auf vorgegebenen Routen. Je nachdem, was für eine Aktion durchgeführt wird, dient der Nunchuk unterschiedlichen Zwecken. An manchen Stellen sieht man sich mit Hilfe des Sticks um, manchmal muss man ihn und die Fernbedienung schnell wechselseitig hin und her schütteln, um zu rennen. Auch für das Anvisieren des nächsten Gegners ist das kleine Aktionsei zuständig. Sämtliche Waffen hingegen werden mit der Wii-Mote gesteuert. Je nach Art des Tötungsinstruments muss man verschiedene Bewegungen mit ihr durchführen, um die gewünschten Resultate zu erzielen.

Und darin liegt auch einer der wenigen Reize des Spiels. Denn die Waffen steuern sich durchaus verschieden, was zumindest eine zeitlang für Abwechslung sorgt. Je nachdem, ob man mit einer Nahkampfwaffe zu Werke geht oder Distanztöter einsetzt, wird die Fernbedienung entweder heftig geschwungen, gedreht oder geschüttelt.

Doch leider bleiben die guten Ideen im Ansatz stecken, denn die Steuerung funktioniert meist nicht besonders exakt. Und so wischt man ein ums andere Mal mit heftigen Bewegungen vor dem Fernseher herum und ärgert sich über die unzureichende Tefferquote.

Historisches Japan mit Katana-Flair und Samuraischlachten trifft auf moderne Konsolentechnik. Diese Sache hat weder Schmiss noch Schneid.Fazit lesen

Schnitttechnik

Das grundlegende Kampfsystem ist immer das Gleiche, unabhängig von der Bewegungsrichtung der Wii-Mote, denn man hämmert stets auf einem Button herum, während man fuchtelt. Das ist weder sonderlich anspruchsvoll, noch ist es taktisch. Dabei hätte man aus dem System mit mehr Feintuning durchaus einiges machen können. So hätten beispielsweise verschiedene Bewegungsabläufe unterschiedliche Hiebe oder Pariertechniken zur Folge haben können.

Samurai Warriors: Katana - Im alten Japan wird geschnetzelt, dieses Spiel am besten gleich zerhäckselt.

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Erstmals im Einsatz: gezackte Darmspirale der kassenärztlichen Vereinigung zur Kostensenkung im Gesundheitswesen.
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Auch an anderer Baustelle lässt Katana zu wünschen übrig: der technischen Umsetzung. Dass die Wii grafisch keine Bäume ausreißen kann, ist hinlänglich bekannt. Dass sie allerdings Spiele in einer optischen Qualität darstellt, die über N64-Niveau hinausgeht, ist ebenso Fakt.

Dummerweise kommt die Samurai-Schlitzerei eher wie ein leicht aufbereiteter Titel für Nintendos legendären Grandfather daher als ein neu produziertes Spiel. Die maskenhaften Gesichter und die uninspirierten Bewegungsabläufe der Charaktere erinnern eher an das haptische Erleben einer montagmorgendlichen U-Bahnfahrt durch Berlins Randbezirke als an ausgearbeitete Figuren eines Computerspiels.

Wenigstens stört die Musik nicht weiter, sondern schmiegt sich nahtlos in das Geschehen. Das ist allerdings angesichts der sparsamen und wenig abwechslungsreichen Sounds nur ein schwacher Trost. Der Multiplayer-Modus ist in seiner erstaunlichen Simplizität ebenfalls kein Highlight unterhaltungselektronischer Software-Programmierung. Über Splitscreen wetteifern zwei Wohnzimmer-Schlitzer vor der Röhre um den höchsten Bodycount. Duelle Mann gegen Mann oder einen Koop-Modus sucht man vergeblich.

Samurai Warriors: Katana - Im alten Japan wird geschnetzelt, dieses Spiel am besten gleich zerhäckselt.

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"Wenn Du noch einmal behauptest, man hätte mir Hörner aufgesetzt, werde ich echt sauer!"
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Inwiefern sich "Katana" bei Fans von Koeis Hackepeter-Reihe verkauft, wird sich zeigen müssen. Fakt ist, dass das Spiel mit alten Traditionen der Reihe bricht, ohne adäquaten Ersatz zu bieten. Und darin dürfte das größte Problem des Titels bestehen. Und vielleicht hilft diese Erkenntnis den Entwicklern dabei, sich nach einem wirklich neuen Konzept umzusehen. Zu wünschen wäre es ihnen.