Da war es wieder soweit: Der Postbote überbrachte uns ein neues Testmuster aus dem Hause Tecmo Koei, das bereits in der Vergangenheit Menschenhände und Ladenregale mit Spielen wie Ninja Gaiden, Dynasty Warriors und zuletzt dem famosen Hyrule Warriors belieferte. Diese spielerischen Sternstunden des asiatischen Hack'n'Slay-Genres vermochten bisher allerdings nie, mich, erklärten Liebhaber westlicher Rollenspieler und bierernster Mittelaltersimulationen, zu begeistern. Nun musste ich mich also erneut mit dem eigenwilligen Japano-Genudel auseinandersetzen und wurde tatsächlich auf voller Breitseite überrascht.

Samurai Warriors 4 - Castle Customisation3 weitere Videos

Ich möchte ehrlich mit euch sein: Im Grunde habe ich kaum etwas von der Story verstanden, die Dynasty Warriors und Verwandte mir Spiel um Spiel erzählen möchten. Wenn ich den zwar hübsch inszenierten aber abstrus und verwirrend von Ehrekodex und Bruderrache erzählenden Heroen lauschen muss, beginnt schon nach kurzer Zeit, mein rechter Daumen über dem Skip-Button zu schweben.

Das hat nichts über die Qualität der Geschichte selbst zu sagen, nein – sie berührt mich einfach nicht, da die Charaktere für meinen westlichen Geschmack zu glatt, zu stereotypisch, zu simpel geschrieben sind.

Tolle neue und sinnvolle alte Features

Doch Samurai Warriors 4 ist, wie alle übrigen Teile und Verwandte der Reihe auch, kein storylastiges Spiel, so viel glaube ich bereits verstanden haben. Und auf dem Papier klingt der sonstige Umfang des Japano-Kloppers eigentlich ganz attraktiv: Dynamische Charakterwechsel auf den Schlachtfeldern sorgen wie bereits aus dem Spin-Off bekannt für abwechslungsreiche Kämpfe über längere Zeit und zwei neue Fähigkeiten versorgen die gigantische Auswahl von rund 55 individuellen Kämpfern mit frischem Wind.

Samurai Warriors 4 - "Irgendwie...irgendwie macht das ja DOCH Spaß!"

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In den Kämpfen geht es wieder wie gewohnt spektakulär zur Sache.
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Die „Hyper Attack“ stößt Gegnerwellen zu dutzenden zurück, wird allerdings von Offizieren geblockt, während der „Rage Mode“ dauerhaft alle Angriffe und Fähigkeiten des eigenen Kämpfers verstärkt. Am Spielverlauf selbst hat sich natürlich nichts geändert: Als Clan-Held schlachtet man sich wunderbar unblutig durch Gegnerhorden und wird von Freunden ausgelacht, wenn die Kombo-Anzeige unter der 500 bleibt.

Noch dazu gesellen sich die Spielmodi „Chronicle Modus“, wo ein selbstersteller Krieger Aufträge von verschiedenen Generälen erfüllt, sowie neben einem „Free Roam Modus“ der überarbeitete Story-Modus: Statt hier pro Charakter wie sonst auch eine einzelne Geschichte zu erleben, hat sich der Fokus nun auf zehn Schauplätze verschoben.

Packshot zu Samurai Warriors 4Samurai Warriors 4Erschienen für PlayStation Vita, PS3 und PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Hier findet die ganze Action statt und führt immer wieder verschiedene Charaktere zusammen. Damit fühlt sich das ganze Spielgeschehen im Storyverlauf deutlich lockerer und natürlicher an. Prädikat: „Gefällt auch dem Samurai Warrior – Noob!“

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Die verschiedenen Clans im Spiel erzählen ihre eigene, teils dramatische Geschichte.
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Trotz der positiven Vorstimmung war ich skeptisch, als ich die erste Mission anwählte, die mich in eine der vielen gigantischen Schlachten warf. Ich wählte zwei der für diese Mission insgesamt fünf zur Verfügung stehenden Charaktere aus und wurde abermals durch eine hübsche Cutscene auf das Schlachtfeld begleitet. Ja, die Zwischensequenzen gefallen mir.

Mit flüssiger Bildrate stürzte ich mich wild Knöpfe drückend in den Kampf und sah mich schon in heillosem Chaos untergehen. Doch ich irrte (und das nicht zum letzten Mal): Die frei bewegliche Kamera lässt sich in haarigen Situationen immer recht einfach und schnell neu positionieren und so verliere ich zu keinem Zeitpunkt meinen Helden auch im wildesten Kampfgetümmel nicht aus den Augen.

Macht Platz, hier kommt der Landvogt!

Dieser schnetzelt sich mit verschiedenen Kombinationen, die von einfachen Angriffsbewegungen bis zu Superattacken mit dramatischer Inszenierung reichen, durch gesichtslose Polygonheere aus sich kaum wehrenden Soldaten.

Irgendwas ist anders - und das macht sogar mir richtig Spaß!Fazit lesen

Bevor die spielspaßgefährdende Routine allerdings schon langsam einzusetzen drohte, vernahm ich einen lauten Glockenschlag, gefolgt von der Einbeldung: „Neues Ziel!“

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Die 55 Kämpfer spielen sich angenehm unterschiedlich.
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Auf der Übersichtskarte, die für einige Sekunden über das pausierte Spielgeschehen gelegt wird, sehe ich deutlich, wohin ich mich als nächstes bewegen sollte, um die Schlacht voranzutreiben. Neben Kämpfen um strategische Punkte werde ich auch immer wieder zu Kämpfen mit Offizieren oder gegnerischen Anführern herausgefordert, wie auch in diesem Fall. Da sich mein aktuell ausgewählter Charakter zu weit von der angezeigten Stelle entfernt befindet, schalte ich durch einen einfachen Tastendruck an die Seite meines zweiten Kämpfers, der sich aktuell ohne meine Aufsicht durch KI-Massen schnetzelt.

So betrete ich das Areal und stehe einem grimmig dreinblickenden Offizier samt Leibgarde gegenüber: Schon nach den ersten wilden Schlägen auf den Controller (eine Strategie, die vorher wunderbar funktioniert hat!) merke ich, dass es der namhafte Gegner mir hier nicht so einfach machen wird.

Er blockt offensichtliche Angriffe und nutzt selbst teilweise verheerende Attacken. Schwierig zu sagen, ob ich nicht einfach zu schlecht bin, doch im Gegensatz zu jedem anderen Teil der Reihe, die ich zuvor testete und spielte, starb ich bei Samurai Warriors 4 mit einer gewissen Regelmäßigkeit in den Bosskämpfen – was großartig ist! So gewinnt das kopflose Herumschlachten ein wenig an taktischer Tiefe und verlangt mehr von mir, als so viele Finger wie möglich auf den Controllertasten zu platzieren.

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Die Mouso-Attacken zählen zu den spektakulärsten Momenten des Spiels.
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Die gelugnene Mischung aus kopflosem Herumgedrücke, um die endlosen Gegnerheere niederzuwälzen und das Verfolgen strategischer Ziele sorgen für einen Spielspaß, der auch mich nicht mehr aus seinem Griff lässt. Erstmals bei dieser Reihe war ich nicht froh, endlich einmal alles gesehen und ausprobiert zu haben, nein, dieses Mal war ich angefixt.

Nach den Storymissionen erschuf ich einen Krieger nach meinem Antlitz (naja) und ließ ihn quer durch Japan reisen. Er besiegte schlimme Statthalter, eroberte Festungen auf eigene Faust und meisterte seinen Kampfstil! Endlich zufrieden? Noch lange nicht, gibt es doch noch etliche weitere Dinge zum Ausprobieren: Neue, freischaltbare Kombos, verschiedene Waffenkombinationen und Kampfstile wollen trainiert und erprobt werden bis auch ich endlich ein echter Samurai Warrior geworden bin. HADOUKEN!