Abgedreht. Total verrückt. Völlig meschugge. Wenn es um Sam & Max geht, können die Adjektive nicht wahnsinnig genug sein, denn seit ihrem Debüt auf den Computermonitoren 1993 stehen der sprechende Hund und sein hyperaktiver Partner in Hasengestalt für grotesken Humor und kniffelige Rätsel. Lucas Arts hat zusammen mit dem Zeichner Steve Purcell ein schreiend komisches und nichtsdestotrotz anspruchsvolles Adventure geschaffen.

Seit 2007 veröffentlichen Telltale Games neue Abenteuer der Freelance Police im Episodenformat und steigern sich damit von Staffel zu Staffel. Mit The Devil’s Playhouse steht nach rund zwei Jahren Pause die dritte Season in den Startlöchern und die erste Episode, The Penal Zone, beginnt mit einem Hauch von H.G. Wells’ Science-Fiction-Klassiker „Krieg der Welten“.

Eine bedeutungsschwangere Stimme ertönt und der dazugehörige, finster dreinblickende Erzähler berichtet über den Weltraum. Doch bevor man die Möglichkeit hat sich in dem 50er-Jahre-Ambiente zu verlieren, geht es quietschbunt und rasant zur Sache. Sam und sein haariger Partner sitzen hinter Gittern. Zu allem Überfluss befindet sich ihre Zelle auf einem Raumschiff.

Sam & Max: Season 3: Episode 1: The Penal Zone - Wahnsinn! Irrer Auftakt zur dritten Staffel

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Die Freelance Police im Knast. Das ändert sich dank Max’ übernatürlicher Fähigkeiten schnell.
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Schon der erste Blick wirft Fragen auf. Warum sitzt Stinky, die Inhaberin des legendären Diners, auf einem Thron? Was macht einer der Maulwurfmänner in einem Riesenterrarium und warum steuert ein weißer Gorilla das Raumschiff? Schnell stellt sich heraus, dass der Affe auf New York zuhält und es unsere Aufgabe ist, ein extraterrestrisches 09/11 zu verhindern.

Zum Affen gemacht

Unser Kapitän hört auf den Namen Skun-Ka’pe und ist auf dem Weg, auf der Erde nach Spielzeug zu suchen. Was unzählige Kinder immer geahnt haben, trifft tatsächlich zu – das unterhaltsame Plastik verleiht seiner Meinung nach telekinetische Kräfte. Dass er damit gar nicht so falsch liegt, finden wir in den nächsten Minuten heraus.

Sam & Max: Season 3: Episode 1: The Penal Zone - Wahnsinn! Irrer Auftakt zur dritten Staffel

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Spielzeug? Mitnichten, die Erzeugnisse chinesischer Kunststofffabriken verleihen übernatürliche Fähigkeiten.
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Erstmals dürfen wir Max direkt steuern und, wer den Hasen kennt, weiß, dass das nur in schrägen Visionen enden kann. Während Sams Taten in gewohnter Adventure-Manier aus der Ferne gelenkt werden, schlüpfen wir per Klick auf das entsprechende Icon in der rechten oberen Bildschirmecke direkt in Max’ weißen Kopf und sehen die Welt durch seine Augen.

Dabei befindet sich im unteren Bildabschnitt ein Interface im Spielzeug-Look, das Max’ übersinnliche Kräfte entfesselt. Alleine die Vorstellung, dass das kranke Kaninchenhirn zu großen spirituellen Leistungen in der Lage ist, reicht aus, erfahrene Adventure-Spieler in eine Mischung aus Entsetzen und Vorfreude zu versetzen.

Sam & Max: Season 3: Episode 1: The Penal Zone - Wahnsinn! Irrer Auftakt zur dritten Staffel

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Abe Lincoln lässt grüßen! Dieser gigantische Puddingkopf findet sich in der Kanalisation.
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Zu Beginn des Spieles verfügen wir über fast alle Möglichkeiten, denn im Prinzip nimmt der Spielbeginn das Ende bereits vorweg. Die erste Episode der dritten „Sam and Max“-Staffel beinhaltet zahlreiche Zeiträtsel und erinnert in dieser Hinsicht ein wenig an den Lucas-Arts-Klassiker Day of the Tentacle. Doch damit das Spiel in Fahrt kommt, müssen wir erst einmal dem Kerker entfliehen.

Womit wir zu Max’ erster Fähigkeit kommen, der kleine Hase kann sich zu jeder Person teleportieren, deren Telefonnummer er hat. Mit Fähigkeit Nummer Zwei, dem Gedankenlesen, erfahren wir die Handynummer des gefangenen Maulwurfmannes, Sam berührt den Hasen und nach der Nummernwahl auf einem kleinen, quietschbunten Plastiktelefon beamen wir uns weg von den Gittern hinter eine Glasscheibe, als wäre Scotty höchstpersönlich am Werk.

Abgedrehte Rätsel, knüppelige Steuerung

Weiterhin kann der kleine, durchgedrehte Hase in die Zukunft blicken. Mit einem Klick auf markierte Gegenstände oder Personen erhalten wir so Hinweise, wie wir in der Geschichte weiter kommen, wobei sich das Hinweissystem je nach Erfahrungsgrad des Spielers anpassen lässt. Die letzte vorgestellte übersinnliche Option ist die Verwandlung in andere Gegenstände mit Hilfe von Knetmasse, Skun-Ka’pes Theorie scheint nicht all zu weit hergeholt zu sein.

Sam & Max: Season 3: Episode 1: The Penal Zone - Wahnsinn! Irrer Auftakt zur dritten Staffel

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Stiky’s Diner ist erneut einer der Hauptorte im Geschehen. Hier lassen sich die grafischen Verbesserungen leicht erkennen.
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So wird das Häschen zu einem wandelnden Blumenkübel, hinter dem sich Sam verstecken kann, oder zu einer Bazooka, die dem wilden Affen ein Ende bereitet. Insgesamt ist das Rätseldesign wieder extrem abgefahren, ohne dabei komplett unlogisch zu werden. Dabei gibt es deutlich weniger Inventarrätsel als bisher, viele davon wurden anscheinend durch Max’ abgedrehte Fähigkeiten ersetzt, die in der neuen Staffel wohl noch eine wichtige Rolle spielen werden.

Dabei erkundet das chaotischste Polizeiteam der Spielegeschichte zahlreiche bekannte, aber auch neue Orte. Was Abraham Lincolns überdimensionaler Kopf aus Wackelpudding in der Kanalisation zu suchen hat, wollen wir euch hier aber nicht verraten. Grafisch hat sich einiges verbessert, was besonders an Orten aus vorherigen Episoden, wie Stinky’s Diner auffällt. Vor allem die Ausleuchtung der Szenarien trägt viel zur Stimmung bei. Das ändert jedoch nichts daran, dass man aus modernen Computern problemlos mehr herausholen könnte, so detailliert die verschiedenen Orte auch ausgestattet sein mögen, so kantig und eintönig wirken viele Objekte.

Sam & Max: Season 3: Episode 1: The Penal Zone - Wahnsinn! Irrer Auftakt zur dritten Staffel

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Trotz aller Verbesserungen ist die Grafik dennoch nicht zeitgemäß. Der hervorragend passende Stil macht dieses Manko jedoch leicht wieder gut.
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Rundum hervorragend gelungen ist die Vertonung, zumindest in der englischen Version, die wir getestet haben. Nahezu jeder Satz sorgt für Verrenkungen der Hirnwindungen, überall sind ironische Seitenhiebe auf ältere Episoden oder auch Filme wie Rosemaries Baby versteckt. Die Dialogoptionen erinnern dabei an Mass Effect 2: In einem kreisförmigen Menü wählen wir Stichpunkte aus, die daraufhin angesprochen werden. Schade ist bei diesem System nur, dass man nicht mehr im Voraus erahnen kann, wohin die Dialoge führen. Musikalisch hingegen wird Einheitsbrei geboten, der auf Dauer nervig wird.

Sam & Max’ neuester Streich beginnt mit einem anarchischen Gagfeuerwerk, das die Serie in die neue Staffel feuert.Fazit lesen

Den Konsolenumsetzungen ist es wohl zu verdanken, dass sich auch die übrige Steuerung geändert hat. Sam lenken wir wie in einem Actionspiel mit den Tasten WASD, alternativ klicken wir mit der linken Maustaste an einen beliebigen Punkt und halten diese gedrückt. Es erscheint ein virtueller Analogstick, den wir mit gedrückter Maustaste und entsprechenden Mausbewegungen steuern – genau wie beim letzten Telltale-Titel Tales of Monkey Island. Dieses System ist etwas gewöhnungsbedürftig und immer wieder bleibt man, gerade in der Anfangsphase, an Gegenständen hängen.