Sam und Max – die sind eigentlich richtig cool. Damals, als sie vor siebzehn Jahren ihren ersten Einsatz hatten. Oder vor drei Jahren, als Telltale sie ausbuddelte und durch zwei vorzügliche Staffeln episodenhafter Miniabenteuer scheuchte. Oder auch in der dritten Staffel, die gerade begonnen hat. Hätte die Freelance Police mal lieber die Hände von der Wii gelassen. Hier sind die beiden nur. Eine. Qual.

Versteht mich nicht falsch: Es liegt ja nicht mal an den Helden, dass dieser Konsolenauftritt zum Himmel stinkt. Die Vorstellung auf beschwingte, chaotische und wortgewitzte Wii-Einsätze mit Hund und Hasi sind total verlockend. Wie cool das wäre: beim Rätseln in einem Berg aus Kissen versinken, ohne spießig die Maus herumzuschieben; im Liegen vor der 40-Zoll-Glotze versumpfen; daneben was zum Knabbern und Trinken - und das alles mit einer Spielsteuerung locker aus dem Handgelenk.

Sam & Max Season 2: All-Zeit bereit - Ein Graus! Schlimmeres hat die Wii noch nicht gesehen

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Gute Laune auf Wii? Ne, nicht bei so einer lieblosen Pfuscherei.
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Kurzum: Nintendos Große ist doch wie gemacht für Point-&-Click-Abenteuer. Den Kopf lümmelnd in die Sofalehne drücken, ihn ob knallharter Rätsel gegen die Wand donnern, lachen und Spaß haben, so zumindest die Theorie. In der Praxis kann das klappen. Man denke an Geheimakte Tunguska oder den Nachfolger. Nur um Himmels Willen nicht an Sam und Max. Da bündelt sich technische Pfuscherei zu einem tonnenschweren Gewicht, das auf die Couch kracht, den Spieler und jeden Zuschauer unter sich begräbt. Machen wir doch am besten einen Cut, an dieser Stelle endgültig Schluss und sagen: von vorn bis hinten unerträglich, diese Season Two!

Wer hat das auf Wii umgesetzt? Wer hat das kontrolliert? Was hat das poliert? Und vor allem: Wer hat diese Version, die für dreißig Euro im Laden steht, abgesegnet? Ich meine nicht mal die teils auf N64-Niveau heruntergebrochene Grafikqualität. Ja, schon blöd: Einige Figuren sehen echt scheußlich aus, Umgebungsdetails wie Buchstaben auf Plakaten sind kaum zu entziffern, vieles ist blass und verwaschen. Doch das kann man alles irgendwie ertragen, läuft schließlich nur auf Wii und der Spielwitz bleibt trotzdem erhalten. Obendrein geht der jazzige Soundtrack mit wie immer herrlich ins Ohr.

Sam & Max Season 2: All-Zeit bereit - Ein Graus! Schlimmeres hat die Wii noch nicht gesehen

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Hier sollte eigentlich ein Bild der Wii-Version rein, aber diese Konzeptzeichnung sieht viel besser aus.
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Aber all das wird plattgewalzt von Rucklern, die sich aufdringlich im kompletten Spiel, in allen fünf elenden Episoden, breit machen. Es gibt im Grunde keine Stelle, wo der Bildaufbau nicht am Krückstock humpelt. Kein Klick trifft ins Schwarze, ohne dass man nicht wenigstens für eine Sekunde aus dem Spielfluss gerissen wird. Wer Sam rennen lässt, wird sich wundern, wie hässlich er durch die Gegend zuckelt, wie oft er zur Zwangspause verdonnert wird und wie schnell sich das eigene Grinsen zu einer hässlichen Grimasse verzieht.

Ruckeln ist des Schnüfflers Lust

Es holpert ja nicht nur beim Gehen oder Laufen. Sondern. Einfach. Überall. In Dialogen, in Zwischensequenzen, vor den Ladebildschirmen, danach. Der wohl schlimmste Moment für mich war der, als Hundi und Hasi von einer Location aus wieder in Richtung Büro fuhren und nach dem Ladebildschirm von einer hässlichen Diashow nebst stotterndem Sound in die Einfahrt gebeamt wurden – übel und einfach traurig.

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Da guckt er trübselig, der kleine Limo-Lauser. Kein Wunder...
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Das Minispiel im Auto, das Sam und Max in jeder Episode bewältigen müssen, wird quasi zum Fischen im Trüben. Wenn ihr irgendwo mal probezocken dürft, dann probiert zum Beispiel das in Folge drei (Night of the Raving Dead), in dem man Zombies mit CDs bewerfen muss – absolut unspielbar! Abgesehen davon, dass die verzögerte Umsetzung der Eingaben oft zu unsauberen Klicks führen, sind die Bildschirmtexte selbst auf HD-Fernsehern mit mehr als 40 Zoll Diagonale so fitzelig, so hässlich und so verschmiert, dass man sich beschämt abwenden möchte.

Fehlen eigentlich nur noch, ich mag es gar nicht aussprechen, die fiesen ABSTÜRZE. Ach, werdet mal nicht albern. Das Spiel läuft doch auf Wii, haha, da kann so was doch gar nicht passieren, oder? Oh doch, und zwar nicht bloß einmal. Nach einem Ladebildschirm blieb der Bildschirm einfach schwarz, nur der Sound lief weiter. Schlimmer: Ich konnte die Wii nicht mal per Power-Knopf ausschalten und musste den Stecker ziehen. Schluss jetzt. Das war's. Können die sich ihr Bonusmaterial doch sonstwo hinstecken.

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Ich hätte die Grafikschwächen auf die Wii geschoben und trotzdem meinen Spaß haben können. Ich hätte mich an die träge Steuerung und den stets etwas hinterherhinkenden Cursor gewöhnt. Oder an die langen Ladezeiten. Herrje, selbst die hässliche Schrift wäre kein großes Problem gewesen. Ich hätte vielleicht sogar verschmerzen können, dass nicht mehr Sandra Schwittau und Hans-Gerd Gilbinger als deutsche Sprecher von Sam und Max zu hören sind – auch wenn es der größte Stilbruch ist, den man sich vorstellen kann. Die neuen klingen eben weniger charismatisch, auch die anderen sind selten perfekt.

Ihr tut mir ehrlich leid, Sam und Max, hoffentlich tut euch das nie wieder jemand an!Fazit lesen

Der Wortwitz geht bei einer Deutsch-Englisch-Übersetzung ohnehin hier und dort verloren, aber der Mensch gewöhnt sich ja an alles. Nur nicht an die schlimmsten Ruckler der Spielegeschichte. Nur nicht an Schlampereien, die ein an sich fantastisches Abenteuer unspielbar machen. Und vor allem nicht daran, dass zwei große Stars im Portierungswolf zerfleddert wurden.