Souls-Fans befinden sich in einer glücklichen Position: Nicht nur, dass das Original samt Ableger mittlerweile millionenschwere, aufwändig produzierte Blockbuster sind, nein, auf den Fuße von Dark Souls 3 folgen auch noch zahlreiche Spiele, die die so beliebte Formel aufgreifen. Salt and Sanctuary ist so ein Souls-Nachahmer und transportiert den „gesalzenen“ Schwierigkeitsgrad samt schnuckelig finsterer Atmosphäre in die zweite Dimension.

Gestern hätte ich gern den Controller an die Wand und die Konsole aus dem Fenster geworfen. Mit vor Müdigkeit rot angelaufenen Augen saß ich, unter ausuferndem Wutgebaren wild gestikulierend, vor Salt and Sanctuary. Den kompletten Tag hat das Spiel einfach so „verschluckt“. Es war ein Rausch. Ein Rausch, den ich nur von wenigen Spielen kenne. Aber dann kam es: „Hager’s Cavern“ – das von mir ernannte „Bighttown“ von Salt and Sanctuary. Die schandfleckige Trial-and-Error-Schandstadt des 2D-Souls-Niemandslands. Immer und immer wieder versuchte ich mich durch Horden von Skelettkriegern, Geisterbräuten und unaussprechlichen Pyramidhead-Tausendfüßler-Viechern zum Endgegner vorzuarbeiten, scheiterte aber spätestens auf der Schwelle zum Sieg tragisch.

Und heute… heute hat’s ohne große Gegenwehr beim dritten Versuch geklappt. Und es war ein erhabenes Gefühl. Es war ein Gefühl, das mir sagte, dass ich der unumstrittene König der Welt bin. Ich, der die größte Herausforderung der Menschheit, trotz aller Hindernisse und Stolpersteine, wie ein Held in strahlender Rüstung hoch zu weißem Ross gemeistert habe. Mir kann nichts und niemand etwas!

Außer dieser blöde Skelettritter-Spacken, der mich zehn Schritte weiter in einen 13.000 Erfahrungspunkte schweren Blutfleck an der Höhlenwand verwandelte.

Danke, Salt and Sanctuary. Wirklich…

Salt and Sanctuary - Praise the Salt!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 9/121/12
Die Kämpfe in Salt and Sanctuary spielen sich zumeist so, wie ihr es von einem 2D-Souls erwarten würdet.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

SCHEIß SPIEL!

Wer sich bei meiner Ausführung nicht von ungefähr an die eingangs erwähnten Spiele von From Software erinnert fühlt, hat wahrscheinlich einfach noch keines der „Soulsborne“-Spiele eingelegt. Salt and Sanctuary ist ein 2D-Action-Rollenspiel, dass sich eifrig aus dem Fundus an Souls-Elementen bedient. Die bei jedem Gegner erhaltenen Erfahrungspunkte – in diesem Fall Salz statt Seelen – sind eure kostbarste Währung, entrinnen aber bei einem Bildschirmtod postwendend euren leblosen Fingern. Nach eurer Wiedererweckung habt ihr genau einen Versuch, zurück an das kostbare Gewürz zu kommen – schafft ihr es nicht, ist es für immer dahin. Ja, Souls-Spieler kennen diesen Drill nur zu gut.

Packshot zu Salt and SanctuarySalt and SanctuaryErschienen für PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Auch das Kampfsystem ist eine ziemlich exakte „Zweidimensionalisierung“ des gewohnten Schemas: Mit leichtem und starkem Schlag, einer Ausweichrolle und (meist) einem Schild rückt ihr gegen Gegner vor, die euch schneller zum „Salzstreuer“ degradieren als euch lieb ist. Und auch Online-Nachrichten anderer Spieler schaffen es als Flaschenpost in Salt and Sanctuary – nette Gesellen können euch damit vor besonders fiesen Gegnern warnen, euch auf gut versteckte Schätze aufmerksam machen, oder euch mit dem Versprechen auf Reichtum und sagenumwobene Geheimnisse in einen bodenlosen Abgrund locken. Klassiker!

Auch was die Erzählung der Geschichte anbelangt, orientieren sich die beiden (!) Entwickler der Ska Studios deutlich an Souls. Die Geschichte ist da, spielt aber keine prägnante Rolle. Sie findet sich in den Beschreibungstexten von Gegenständen, in kurzen Geschichtsauszügen innerhalb des Skilltrees und in den seltenen Unterhaltungen mit fremden Abenteurern wieder, kann aber auch einfach völlig ignoriert werden. Leider aber erzählen die Verliese und Schlösser, die ihr in Salt and Sanctuary besucht, keine eigenen Geschichten – da ist das Leveldesign der Souls-Spiele einfach noch ein ganzes Stück ausgeklügelter.

Salt and Sanctuary - Praise the Salt!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden3 Bilder
Einige der Bosse sind ziemlich imposant – und auch wenn sie mal nicht von der Statur beeindrucken, besitzen sie noch immer einen ziemlich festen … Händedruck.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das Salz in der Suppe

Aber Salt and Sanctuary zitiert nicht nur, es setzt auch eigene Nuancen. Eure als Ruhestätten fungierenden Heiligtümer könnt ihr beispielsweise mit auffindbaren Götzen mit NPC-Charakteren befüllen. Dabei kann es sich unter anderem um einen Händler, einen Schmied oder einen Alchemisten handeln. Die Götzen findet ihr im Verlaufe der Dungeons und sie bringen interessante, strategische Entscheidungen in den Spielverlauf ein. Außerdem haben die Fraktionen, denen ihr im Spielverlauf beitreten könnt, eine andere Bedeutung als es bei Souls der Fall ist: Ihr könnt verschiedene Quests für eure Brüder und Schwestern erledigen, die euch in einem Heiligtum eurer Fraktion Vorteile wie einen zusätzlichen Heiltrank im Inventar einfahren.

Großartiger 2D-Remix der Souls-Formel.Fazit lesen

Seid ihr über die ersten zwei, drei Stunden hinaus, öffnet sich das Spiel und legt Metroidvania-Elemente frei, die stellenweise an das gute alte Castlevania: Symphony of the Night erinnern. Durch bestimmte Fähigkeiten eröffnet ihr euch neue Wege, weitere Schätze und noch größere Herausforderungen. Dabei lohnt dann der Ausflug in alte Gebiete auch schon mal doppelt.

Salt and Sanctuary - AnkündigungstrailerEin weiteres Video

Und natürlich: Durch die neue Perspektive spielen sich auch die bekannten Souls-Elemente anders. Es gibt Plattformer-Passagen, die eure Geschicklichkeit parallel zu kniffeligen Kämpfen auf die Probe stellen. Die Kämpfe laufen trotz gleicher „Werkzeuge“ nach anderen Regeln ab – mit einer Ausweichrolle flutscht ihr so beispielsweise durch einen Gegner hindurch. Trotz der deutlichen Inspiration braucht es also auch für Souls-Spezis ein wenig Eingewöhnung, ehe sie richtig im Sattel sitzen.

Souls-Wut kommt vor dem Fall

Wer sich allerdings an einer so hochgelobten Serie orientiert, muss sich auch an deren Güte messen lassen. Und da hinkt Salt and Sanctuary dann doch stellenweise etwas hinterher. Das Kampfsystem ist nach ein bisschen Eingewöhnung zwar wirklich ähnlich akkurat, aber in Details hapert’s dann doch: Die Hitboxen sind beispielsweise nicht immer exakt an die Optik gekoppelt. Ein kleiner Dolch hat da schon einmal eine wesentlich weitere Reichweite als seine kleine Schneide und trifft mich über deutlichen Abstand hinweg. Und auch das „durch Gegner hindurchrollen“ gelingt nur dann, wenn man auch wirklich nah am Gegner steht, ansonsten rollt man sich an den Füßen des Gegners wund und kassiert Dresche.

Salt and Sanctuary - Praise the Salt!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 9/121/12
Jep.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Durch Plattformen kommt es außerdem des Öfteren zu spielerischen Sackgassen: Wenn ein Keulenschwingender Oger am Aufgang einer Leiter steht, geht der da auch nicht so schnell wieder weg. Geht ihr hoch, setzt’s mit dem Knüppel und ihr landet wieder eine Etage tiefer. So kommt es dann schon einmal zu unnötigem Frust. Außerdem ist das Feature, dass Gegner, die euch umbringen und euer Salz einheimsen, an Stärke gewinnen, etwas zu viel des Guten: Gerade bei Endgegnern, die euch in der Regel aller Fälle bei der ersten Konfrontation zerlegen, ist das wahnsinnig anstrengend.

Der Rest von Salt and Sanctuary ist Geschmackssache: Die Optik fängt die Inspiration deutlich ein, vermengt das Ganze aber mit dem gewohnt rotzigen Comic-Look der Ska Studios. Ob das einem gefällt oder nicht, muss jeder selbst für sich entscheiden. Der Soundtrack ist unauffällig und spielt nur dann und wann auf, ist dabei aber selten spektakulär. Das Leveldesign bietet genauso durchdachte Abkürzungen, wie wir das von der Vorlage kennen, ist aber dennoch lange nicht so einprägsam wie die dreidimensionalen Gemäuer in Lordran und Co. Für alle Multiplayer-Freunde wird’s zudem eine Schande sein, dass Salt and Sanctuary nur lokal zu zweit spielbar ist.