Was ist nur los mit den ganzen Weicheiern von heute? Nichts können sie mehr ab. Kaum kommt mal ein Heer aus Polizisten mit Jeeps und Panzern, schon beißen sie ins Gras. Aber zum Glück gibt es auch noch die echten, stahlharten Männer und die smarten, absolut tödlichen Damen der Unterwelt. Und was diese Pistolenkugeln kauenden Kriminellen anpacken, machen sie nicht mal eben nebenbei – Sie machen es 'Like a boss'.

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So irre und so geistgestört

Ja, Saints Row: The Third setzt da an, wo andere schon längst aufgehört haben. Eine Albernheit jagt die nächste und die Explosionen gehen fast nahtlos ineinander über. Es ist rasant, es ist schnell, es ist anders. Und es macht keine Anstalten irgendwem gefallen zu wollen. Das ganze Game zieht sein Ding durch, von der ersten Minute bis zur letzten.

Das beginnt bereits bei dem Charaktereditor, der so ziemlich alles bestimmen lässt. Wer gerne mit einem verkrüppelten Alien aus der Ursuppe spielen möchte, kann das tatsächlich tun. Wer lieber einen realistischen Charakter steuern möchte, der in Anzug und mit trendiger Sonnenbrille den perfekten Mafiaboss mimt, hat genauso gute Chancen glücklich zu werden.

Saints Row: The Third - Like a boss

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Mutant oder Boss? Was soll es sein?
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Vom charismatischen Helden bis zum Zombie, von der süßen Saints-Leaderin zur durchgeknallten Wrestling-Tussi ist alles möglich. Und alle haben eines gemeinsam: Sie kleckern nicht, sie klotzen. Das Spiel beginnt mit sehr viel Action und Humor, ballert sich von Kapitel zu Kapitel, wirft mit Explosionen und völlig übertriebenen Einlagen um sich und zieht das knallhart bis zum Ende durch.

Dabei haben die Entwickler nicht an Anspielungen zu anderen Titeln und kleineren Provokationen gespart; nein, letztendlich kann der gesamte Titel als riesige Persiflage verstanden werden. Und das in Kombination mit einer Hauptgeschichte, die tatsächlich spannend und überraschend gut erzählt ist.

Aber für die werden sich die meisten eh nicht interessieren. Und selbst wenn, gerät sie bei einigen bestimmt in den Hintergrund, da man einfach viel zu viel erleben und machen kann. Es gibt drei verschiedene Kleidungsgeschäfte, die euch mit völlig unterschiedlichen Modestilen versorgen, Waffen in Hülle und Fülle, von denen ihr bereits zu Beginn sehr mächtige ergattern könnt und Unmengen an Autos, Flugzeugen und Booten; die sich auch noch tunen und individuell gestalten lassen.

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Eine Stadt voller Möglichkeiten.
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Hinzu kommen massenweise aberwitzige und teilweise einfach nur bekloppte Nebenmissionen. Ob ihr in einem brennenden Buggy durch die Stadt rast, mit einem Panzer so viel Schaden wie möglich anrichten müsst, euren Mut stählt, indem ihr einen Tiger durch die Gegend kutschiert, oder einem Kumpel Rückendeckung gebt, während er Drogen vertickt und von gefühlten zwei Millionen Gangstern gejagt wird... Jeder Job wird wie ein echter Kerl ausgeführt.

Eine Inkarnation all dessen, was einen waschechten (natürlich supercoolen) Gangster ausmacht. Lockere Sprüche, viel Sinn für (schwarzen) Humor und riesige Ballermänner im Gepäck. Ob es Saints Row dabei auch mal ein bisschen übertreibt? Streicht das 'bisschen' aus eurem Wortschatz. Hier wird alles an die absoluten Grenzen geführt, diese werden dann bewusst übersprungen, und mit einem irren Lachen im Gesicht läuft der Titel gen Horizont.

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Natürlich zwingt euch keiner, in einen Amiga-Pixel-Panzer zu steigen oder mit einem gigantischen Gummidildo Nutten zu verprügeln... Aber vermeiden lässt es sich kaum. Selbst in den Hauptmissionen werden diese merkwürdigen Spielinhalte verwendet und machen es schwerlich möglich, das Spielgefühl „Ich bin der Boss“ richtig aufrecht zu erhalten. Am Ende kommt ihr euch eher vor wie Krusty, der Clown; und wenn ihr wollt, seht ihr auch nur geringfügig anders aus.

Das Ende des Weges

Wo es im Singleplayer-Modus noch möglich war, einigermaßen seriös zu spielen, ist im Koop-Modus Hopfen und Malz gänzlich verloren. Ein nackter Schwarzer springt seinem Gegner mit dem Schritt zuerst ins Gesicht und knockt ihn aus. Ein rosa Kau-Bonbon in High-Kneels steht dahinter und beschießt die übrigen Widersacher mit kleinen Oktopoden, die bewirken, dass er kleine gelbe, lila und rosa Sterne versprüht und auf eurer Seite kämpft.

Was als Bummeltour durch die Stadt begann, endet damit, dass man mit zwei Panzern durch das Stadtviertel schlendert und eine ganze verdammte Armee von Polizisten und Soldaten im Nacken sitzen hat. Ja, die Stadt ist zu einem riesigen Spielplatz geworden...

Und das Schönste ist: Wir reden hier nicht von einem lahmfüßigen Koop, wo einer der Hauptspieler ist und der andere ihm hinterher latscht und sich fühlt wie der Sidekick von 'Interessiert-mich-nicht-Mann'. Nein, auch hier wird das Prinzip 'Like a boss' aufrecht erhalten. Beide sind der Hauptcharakter. Jeder sieht in den Videosequenzen sich selbst, wie er die Welt rettet oder den bösen Buben aufs Maul haut.

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Was ist besser als ein Verrückter? Richtig! Eine Horde Verrückter.
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Ob Hauptmission oder Nebenaufgabe: alles wird zu zweit erledigt. Doch bis man so einen Auftrag angenommen hat, sind beide völlig frei vom jeweils anderen unterwegs. Ihr könnt zusammen gegen die anderen Banden kämpfen oder in Ruhe einen Waffenladen überfallen, während der andere Maskottchen jagt und auf ihren Körpern surft.

Die Gegner nehmen in ihrer Zahl nicht wirklich zu, dafür können sie ein paar Schüsse mehr ab und der Fahndungslevel erhöht sich schneller. Dieses Feature haben eure virtuellen Gegner aber auch bitter nötig. Denn wenn ihr zu zwei spielt, seid ihr auch zu zweit. Dass bedeutet, ihr könnt beide unabhängig voneinander leveln, Verbündete rufen, Wagen und Waffen anfordern und das pure Chaos in die Stadt bringen.

Nervig nur, wenn der andere nicht weiß, wann Schluss ist. Da kommt es schon einmal vor, dass feindliche Gangs in den Klamottenladen stürmen und auf euch schießen, weil euer Partner einige von ihnen abgeschlachtet hat und sie nun einen gewissen Hass auf euch beide schieben. Plötzlich steht ihr in Unterwäsche da und müsst um euer Leben kämpfen. Wirklich nervig? Irgendwie nicht. Auch wenn man sich noch so sehr beschweren will; wenn man Tränen lachen muss, ist es kein negativer Punkt.

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Eine Kleinigkeit für einen echten Saints.
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Und was am Ende wirklich zählt, ist ja nunmal der Spielspaß. Und der kommt in Saints Row niemals zu kurz. Es wird peinlichst genau darauf geachtet, dass man immer gut unterhalten wird. Egal, ob ihr ernsthaft spielt, Amok lauft, rumalbert, oder einfach nur die Welt erkundet (die nebenbei gesagt ordentlich groß ist): es gibt immer etwas Neues zu entdecken, neue Herausforderungen zu bestehen und, ganz wichtig: neue Belohnungen.

Und die könnt ihr auch noch verbessern und verändern. Vom Auto, über das Waffenarsenal. Von den Saints selber zu den Ausrüstungsgegenständen eurer Jungs... Überall lässt sich noch schrauben und drehen. Am Ende habt ihr eure eigene Bande entworfen, die (Pi mal Daumen) euren Vorstellungen entspricht, eure Lieblingswaffen benutzt und in euren Traumautos durch die Gegend fährt. Manche Dinge erhaltet ihr durch die richtige Entscheidung, andere weil ihr einfach den Respekt erhalten habt, den ihr verdient.

Einmal Abwechslung zum Mitnehmen, bitte!

Es gibt wohl kaum einen Open-World-Titel, der so viel Abwechslung bietet wie Saints Row: The Third. Unmengen an Autos durchstreifen die Welt. Am Himmel ist eine Vielzahl an Helikoptern und Fliegern in der Luft; im Wasser das eine oder andere Boot. Zu dem kommen massenweise Kleidungsstile und weiß der Teufel wie viele Waffen, die sich natürlich alle upgraden lassen.

Die gleiche Vielschichtigkeit zeigt sich auch in den Radiosendern, die von Pop, über Hip Hop, bis zu Metal alles im Programm haben. Natürlich darf auch eine charismatische Radiosprecherin nicht fehlen, die eure letzten Schandtaten der Bevölkerung mitteilt. Hinzu kommen mehrere Antagonisten und viele, viele Wendungen in der Hauptgeschichte.

Aber irgendwo ist dann ja doch Schluss. Die Grafik ist leider immer noch nicht die glänzende Seite der Medaille. Clippingfehler ziehen sich durch das ganze Spiel und die teilweise schon arg matschigen Texturen sind wie ein schmerzender Punkt in meinen empfindlichen Augen. Nichts, woran man sich auf Dauer stören wird, und nichts, was den Spielspaß hemmt. Aber auch nichts, was unbedingt sein muss.

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Action? Ja, bitte! Aber die Musik dazu muss stimmen.
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Dieses Manko wird zwar durch reichhaltige Inhalte und der schön designten Stadt wieder wett gemacht; sollte aber dennoch mal Erwähnung finden. Genauso wie die Sounds. Versteht mich nicht falsch: Musik und Synchronsprecher sind absolute Oberklasse, aber die Waffensounds und Explosionen fallen leider etwas dumpf aus. So kraftlos, so grau in grau. Nichts, was eigentlich in irgendeiner Weise zum Rest des Spiels passt. Wie ein Ausnahmeathlet, der zu seiner hohen Intelligenz und seinem charismatischen Lächeln auch noch mit witzig-geistigen Bemerkungen auffällt. Leider trägt er seine Haare fettig und in langen Strähnen und hört sich an wie Duffy Duck im Dixi-Klo.

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So wie diese Jungs aussehen, schaut es wohl auch im Gehirn der Gegner aus... Bunt.
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Na, ja! Und auch die Intelligenz besteht nur, wenn man sich nicht zu lange mit ihr befasst. Oder besser gesagt mit ihnen. Will sagen: Die KI ist leider oft saublöd. Ob sie den Weg nicht findet, mit dem Auto gegen die immer gleiche Wand fährt oder ihre eigenen Männer mit einer Granate in die Luft jagt. Sowohl die Gegner als auch eure Saints-Verbündeten pfeifen aus dem strategisch letzten Loch.

Klar, es geht ums Ballern, darum, eine Explosion nach der anderen auszulösen und einfach eine Menge Spaß zu haben – und das hat man ja auch. Aber wäre es nicht schön, sich wenigstens für einen Moment, für eine kurze Minute, nicht wie der Klügste in der Stadt zu fühlen? Sich einfach mal auf die anderen verlassen zu können, oder wenigstens nicht Angst haben zu müssen, dass mein telefonisch bestelltes Auto mich über den Haufen fährt?

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Halleluja! Die Saints sind zurück!
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Ähnlich verhält es sich mit den Zivilisten in der Stadt. Nach all den Jahren voller Gewalt und Gang-Vorherrschaft, haben die Bürger der Stadt wohl gänzlich ihren Verstand verloren. Da kommt es schon mal vor, dass kaum der erste Schuss gefallen ist, und der Trucker neben euch auch schon auf den Gehsteig rast und zwanzig Einwohner umbringt. Andere stürzen sich ziellos von der Brücke, weil sie nicht verstehen, dass der Weg hier nicht weitergeht. Manche laufen mir vor den Wagen und machen es unmöglich, meinen Fahndungslevel los zu werden. Und andere haben schon völlig abgeschaltet und rennen für Minuten nur noch gegen eine verschlossene Tür.

Ja, Saints Row ist abwechslungsreich wie kaum ein anderes Spiel. Es überrascht, es schockt, es will provozieren. Und bei allem gibt es ein Für und Wider. Man muss halt wissen,was einem wirklich an einem Spiel gefällt. Spielspaß, Entscheidungsfreiheiten und Massen an Möglichkeiten; oder eine gute Grafik, mit einer tollen Spielphysik und überdurchschnittlich hoher KI!?