Was würde wohl jemand sagen, der zuletzt in die Saints-Row-Reihe geguckt hat, als sie noch ein zwar akzeptabler, allerdings hanebüchen bemühter Versuch war, Rockstars Flaggschiff GTA in die Knöchel zu beißen, und jetzt, nach acht Jahren, erstmals wieder einen zaghaften Blick wirft?

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Es steht zu bezweifeln, dass derjenige die Geschichte um die Saints überhaupt wiedererkennen würde. Und während es natürlich Leute gibt, die mit Superkräften, Cabriofahrten mit Tigern und ähnlichem Stuss nichts anfangen können, sind sich doch viele Leute einig: Zum Glück hat die Serie jetzt ein eigenes Profil – so bescheuert es immer sein mag.

Saints Row: Gat Out of Hell - Dasselbe in Lila? Gut so!

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Jupp. Saints Row. Ganz eindeutig.
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Die große Frage ist aber natürlich: Wohin jetzt? In welche Richtung soll man sich noch entwickeln, wie sich steigern, wenn man den Boss der Saints zum Präsidenten der USA gemacht hat, wenn man eine Alien-Apokalypse aufgehalten hat, wenn man in einer verdrehten 50er-Jahre-Pleasantville-Twilight-Zone mit einer Dubstep-Gun unzählige Passanten umgemäht hat, wenn man gesehen hat, wie die Erde vor den eigenen Augen explodiert? Wenn man den Regler bereits auf 11 gedreht hat, was dann?

Auf die Antwort werden wir wahrscheinlich bis Saints Row V warten müssen, denn momentan verlegen sich Volition und ihre Kollegen eher darauf, aus dem überraschenden Erfolg der Reihe so viel herauszuholen, wie es nur geht. Es ist kein Geheimnis, dass Saints Row IV schon eher eine gewaltige Total-Conversion-Mod für The Third war als eine waschechte Fortsetzung. Und in eben diese Kerbe scheint nun auch Gat out of Hell zu schlagen. Kein größerer Schwachsinn, aber genauso geil im anderen Gewand.

Es sollte klar sein, dass es für die ganze Sache keinen wirklichen Plot braucht, aber der Vollständigkeit halber: Kinzie Kensington hat Geburtstag. Die Saints feiern, Matt Miller packt ein verfluchtes Ouija-Brett aus und bei dessen Benutzung wird der Boss in die Hölle gesogen, wo ihn der Beelzebub höchstpersönlich mit Töchterchen Jezebel vermählen will. Aber nicht mit Johnny Gat und Kinzie! Die beiden Psychopathen machen sich auf den Weg, um mit Unterstützung ehemaliger Weggefährten, Feinde und verstorbener historischer Persönlichkeiten ihren Anführer zu retten.

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Dämonisch wird's, aber ist das zum jetzigen Zeitpunkt wirklich noch eine Steigerung?
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Die Abkehr von der Mechanik mit einem frei (und äußerst albern) gestaltbaren Boss ist natürlich ein bisschen schade. Man kann immer noch seinen Charakter aus Saints Row IV importieren, der dann in Zwischensequenzen auftaucht – ein maues Trostpflaster, aber immerhin überhaupt eins. Außerdem kann man zwischen Johnny und Kinzie als Charakter wechseln, und die beiden Knalltüten sind durchaus unterhaltsam. Nach der Ankunft in der Hölle geht es mehr oder weniger direkt in die Open World und ab da lautet die Devise: immer auf die Fresse, Chaos als Methode, Spaß ohne Hirnanstrengung.

Viel Neues darf man nicht erwarten, aber dafür eine weitere coole Rampensau-Nummer mit derselben Erfolgsformel.Ausblick lesen

Klingt natürlich erstmal vertraut. Die infernale Stadt ist in fünf Abschnitte unterteilt und weist eine ähnliche Größe wie in den Vorgängern auf. Abwechslung sollte man natürlich nicht erwarten. Die relative Tristesse der Landschaft ist dabei durchaus stimmungsvoll, obwohl mir fraglich scheint, ob man sich an Felsen, zertrümmerter Architektur, kaputten Autos, Lava und ausgemergelten Dämonen (vor allem als Passanten) nicht irgendwann sattsieht.

Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle

Die neuen Superkräfte beginnen mit der bereits bekannten Mobilität, wobei ein Paar von Dämonenflügeln uns erlaubt, durch die Hölle zu gleiten. Das fühlt sich ähnlich wie in der Arkham-Reihe an, wir müssen Gleitflug und Schwung unter Kontrolle haben, dafür sind wir unheimlich flexibel und flott unterwegs. Bald darauf können wir uns mit Leuten wie Vlad dem Pfähler, Blackbeard dem Piraten und Shakespeare dem... Dramatiker verbünden und nach kurzen Missionen neue Kräfte freischalten.

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Diesmal gibt es keinen anpassbaren Boss, sondern Kinzie und Johnny Gat in den Hauptrollen.
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Die reichen vom Stampfer, der umstehende Feinde wegschleudert, über eine Schadensaura bis zu der Möglichkeit, kleine fiese Imps zu beschwören, die sich auf die dämonischen Gegner stürzen. Wie zuvor kann man später diverse Upgrades und neue Elemente für die Kräfte freischalten, die deren Eigenschaften grundlegend verändern. Und in Kombination mit vielen abgefahrenen Waffen (Kronjuwel: ein fahrbarer Ohrensessel mit anmontierten Maschinengewehren) ergibt sich jede Menge rotziger Spaß.

Es muss jedoch ganz deutlich gesagt werden (und es sollte wohl auch niemanden überraschen), dass dieser Spaß ein sehr vertrauter ist. Man heizt durch die Pampa, erledigt chaotische Nebenaufgaben und schraubt den Gottseibeiuns-Faktor so weit es geht nach oben. Was neu ist und im ersten Moment befremdlich wirkt: Eine richtig feste Story gibt es kaum noch, denn man treibt die Handlung tatsächlich durch das Anrichten von Chaos voran. Hat man genug Unfrieden gestiftet, kann man einen von Satans Offizieren bekämpfen und wenn er eingestampft wurde, wiederholt man das Spiel.

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Chaos in der Open World anzurichten ist diesmal nicht nur möglich, sondern Methode.
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Nach fünf dieser Dämnonenkloppereien geht es dann in der Handlung weiter, aber bis dahin heißt es wirklich, freie Aufagben zu erledigen oder in der Open World die Rampensau zu spielen. Das ist keine gar so große Abkehr von früher, realistisch betrachtet, denn da waren die Nebenmissionen ja eigentlich auch nur Aufhänger für die zahlreichen optionalen Aufgaben in der Stadt. Nur muss man jetzt eben Blödsinn anstellen, um voranzukommen. Ob das nervt oder sich organisch entwickelt, wird sich noch zeigen müssen.

Es sollte natürlich noch erwähnt sein, dass bereits nach kurzer Zeit der typische und sehr derbe Humor der Reihe durchscheint. Shakespeare rezitiert Tutorials im Versmaß, Vlad Tepes wird mit Kindermusik malträtiert, Sex-Witze, unnötige und gleichermaßen saulustige Brutalität allerorten – die Lacher lassen nicht lange auf sich warten, und wenn Gat out of Hell das Tempo, das wir in unserer Präsentation sehen konnten, über seine gesamte Dauer hält, wird es schon alleine deshalb eine knackige Angelegenheit mit ordentlichem Gaga-Faktor.